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Dies ist mein erstes Original

Alle Personen und die Handlung sind frei erfunden

Die Geschichte spielt in Chicago

Begonnen am 13.08.2002

Pairing: Alec x Rick

Warnings: Sad,  Shonen ai

haruka@kirei-na-yume.de wie immer sind Kommis sehr willkommen

Personen:

 

Alec (Alexander) Clement Williams
Schule: Highschool letzter Jahrgang, abgebrochen
Größe: 184
Gewicht: 75 kg
Kampfsportler, hat damit aufgehört
Geb.: 1. Oktober 1984
Sternzeichen: Waage
Augenfarbe: GraugrĂĽn
Haarfarbe: schwarz, schulterlang, glatt ohne Pony
Blass, wird aber schnell braun, wenn er in der Sonne ist
Trinkt nie Alkohol, Raucher

Timothy (Timmy) Williams
Spitzname: Tigger
Größe: 144
Gewicht: 38 kg
Leukämie-krank
Blutgruppe 0 negativ
Geb.: 24. Dez 1989
Sternzeichen: Steinbock
Augenfarbe: GrĂĽn
Haarfarbe: blond
Blass, wird nicht leicht braun
Sehr intelligent, guter Schachspieler, geht wegen seiner Krankheit nicht zur Schule, lernt am Computer

Harold (Harry) Williams
Größe 185
Gewicht: 120 kg
Trinker, aber nicht bösartig, nur lebensunfähig
Job als Cop ist er losgeworden, Sozialhilfe
War mal guter Kampfsportler
Geb. 12. März 1961
Sternzeichen: Fische
Augen: Grau
Haare: Schwarz

Mary-Ann (Ryann) Williams
Geb. 10. Februar 1961
Sternzeichen: Wassermann
Stirbt bei Autounfall am 24. Dezember 2000
Augenfarbe: GrĂĽn
Haarfarbe: Blond
Blass, wurde nicht leicht braun

 

Rick (Enrico) Di Angelo
Spitzname: Angel
Halbwaise, kannte seine Mutter kaum
Hasst die ständig wechselnden Geliebten seines Vaters
Spricht flieĂźend italienisch und englisch
Hat Highschool abgeschlossen, sollte Anwalt werden, ist ausgezogen
Größe: 178
Gewicht: 69 kg
Schmal und kräftig, läuft Marathon
Geb.: 14. Januar 1984
Sternzeichen: Steinbock
Augen: Blaugrau
Haare: Dunkelblond mit Kupferschimmer, lang, Zopfträger
Hautfarbe: Gold, im Sommer noch dunkler

Massimo Di Angelo
Spitzname: Il Scorpio
Mafioso, Italienische Abstammung fast reinblĂĽtig
Größe: 170
Gewicht: 67 kg
Geb.: 15. November 1958
Sternzeichen: Skorpion
Augen: Braun
Haare: Schwarz
Haut: Sehr braun
Steinreich

Silvana (Silvie) Di Angelo
Als Rick 3 Jahre alt war, kam sie in eine Nervenheilanstalt, weil ihr Mann an ihr Vermögen wollte.
2 Jahre später dort gestorben.
Geb.: 10. Mai 1960
Gest.: 15. April 1989
Sternzeichen: Stier
Augen: Blaugrau
Haare: Honigblond
Haut: Goldton
Rick hat ein Bild von ihr, das er immer bei sich hat.

Emilia (Tante Millie) Roberts
JĂĽngere Schwester von Ricks Mutter, verwitwet, reich, stammt aus wohlhabender Familie
war mit einem Polizisten verheiratet
Hasst ihren Schwager, weil sie sicher ist, er hat ihren Mann töten lassen, und weil
er ihre Schwester in eine Anstalt hat bringen lassen, um an ihr Geld zu kommen,
Größe: 1,58
Gewicht: 70 kg
Etwas pummelig, aber sehr hĂĽbsch
Geb.: 30. September 1963
Sternzeichen: Waage
Augen: Blau
Haare: Blondiert
Hautfarbe: leicht braun
Lebt in den Tag hinein und hat öfter jüngere Liebhaber

 

After Darkness there will be light - Part 1

Prolog:

Die Geschichte beginnt am 24. Dezember 2001. Es ist 11.00 Uhr am vormittag, ein trĂĽber grauer Tag. Alec steht mit einer weiĂźen Rose in der Hand vor dem Grabstein seiner Mutter.

Kapitel 1 – Weihnachten

24.12.01

„Mum, warum bist du fortgegangen? Dad ist völlig von der Rolle und trinkt nur noch, und Timmy…“ er schluchzte auf. „Timmy ist todkrank, Mum. Vielleicht ist er bald bei dir…“ er verstummte, beugte sich herunter und legte die Rose auf den grünen Rasen vor dem einfachen weißen Stein. „Mary Ann Williams 1961-2000“, mehr stand nicht darauf. Er strich mit der Hand über die obere Kante. „Ich gehe jetzt, Mum… ich muss noch ein Geschenk für Timmy kaufen…“ Ohne sich noch einmal umzudrehen, ging er über den großen Friedhof davon.

Bald tauchte er ein in die Hektik des Heiligabend-Geschäfts. Er ging zielstrebig in einen Computermarkt. Er wollte seinem kleinen Bruder ein neues Schachprogramm kaufen, das ähnlich wie Deep Blue arbeiten sollte. An der Kasse traf ihn fast der Schlag. „55 Dollar!“ sagte der Verkäufer. „Bar oder Kreditkarte?“ „Bar“ murmelte Alec und fummelte ein paar zerknüllte Geldscheine aus seiner Hosentasche. Es waren nur 45 Dollar. „Moment…“ er kramte noch in seiner Lederjacke, und förderte weitere 3 Dollars in Münzen zutage. Der Verkäufer verdrehte genervt die Augen. „Warum können nicht alle mit Karte bezahlen“ stöhnte er. Alec hob den Blick. „Weil nicht alle eine Karte haben!“ sagte er leise. Der Verkäufer sah ihn an und sagte nichts mehr. Hinter Alec hatte sich eine Schlange gebildet. Die Leute begannen bereits zu murren.

„Geht’s bald weiter?“ rief eine Frau von hinten. Alec wurde heiß. Er hatte nicht genug Geld bei sich, das war ihm jetzt klar, aber er hatte Timmy doch unbedingt dieses Programm kaufen wollen. Er seufzte. „Stornieren Sie!“ sagte er und wollte aus der Schlange heraustreten, als vor seiner Nase ein 10 Dollar-Schein erschien. Er drehte sich langsam um.

Hinter ihm stand ein Junge etwa seines Alters, mit blonden langen Haaren, die er zu einem Pferdeschwanz gebunden hatte. Seine Augen waren von einem dunklen Blaugrau. Im Moment blitzten sie ihn vergnügt an. „Hier, ich leih dir die 10 Mäuse!“ grinste er. „Das…“ „Nun mach schon! Ich hab keine Lust, gelyncht oder niedergetrampelt zu werden!“ Er wies mit dem Daumen hinter sich. „Ich…“ „Du willst das Programm doch haben, stimmts?“ „Äh, ja!“ „Dann nimm endlich den Schein und mach!“ Verwirrt griff Alec nach der 10 Dollarnote und bezahlte. Der Kassierer schüttelte den Kopf, sagte aber nichts weiter als „Zum Einpackservice rechts. Ist ab 20 Dollar Einkauf kostenlos!“ und grinste. Alec hätte ihm das Grinsen aus dem Gesicht schlagen können, ging aber zum Einpackservice und stellte sich in der langen Schlange an.

Während er wartete, beobachtete er, wie der Junge eine der drei CD’s, die er offenbar hatte kaufen wollen, zurĂĽcklegte. Anscheinend hatte er selbst nicht genug Geld dabei. Während dieser bezahlte, betrachtete Alec ihn aufmerksam. Er war nicht besonders groĂź, er reichte ihm bis an die Augenbrauen. Auch nicht sehr muskulös, eher so der drahtige Läufertyp, aber nicht hager, sondern gut proportioniert. Er selber war breit und kräftig, was vom Kampfsport kam, den er jahrelang betrieben hatte, bis.. nun ja. Die Kleidung des Jungen lieĂź auf einigen Reichtum schlieĂźen, Jeans und Lederjacke waren von jener Unauffälligkeit, die auf einen hohen Preis hindeutete. Alecs Blick wanderte zum Gesicht des Jungen. Er hatte sehr ebenmäßige ZĂĽge, weich, aber nicht feminin. Und er hatte wirklich wundervolles Haar, es reichte bis zur Mitte seines RĂĽckens, schimmerte wie Seide und hatte jetzt sogar einen etwas rötlichen Glanz. Die blaugrauen Augen passten ganz hervorragend zur Haarfarbe. Er war… schön! Seufzend drehte Alec sich wieder nach vorne, zum RĂĽcken seines Vordermanns. Er wusste, dass er schwul war, seit er sich in der Highschool in einen MitschĂĽler verliebt hatte. Das war jetzt etwas  ĂĽber ein Jahr her. Dieser allerdings hatte die Beziehung nur ĂĽber den Sex definiert, während Alec ihn wirklich geliebt hatte. Als er herausfand, dass sein Freund es noch mit andere Kerlen trieb, trennte er sich von ihm.

Er hatte gehofft, dass er vielleicht wieder „normal“ werden würde, aber obgleich er seit dieser Zeit keine Beziehung mehr gehabt hatte, hatte sich nichts daran geändert. Er war und blieb schwul. Die Mädchen seines Jahrgangs hatten keine Anziehungskraft auf ihn, egal wie schön sie waren. Das hinderte sie nicht daran, ständig an ihm zu kleben, und sich gegenseitig ausstechen zu wollen. Er hatte sich ein paarmal verabredet, sehr zum Wohlgefallen der Mütter dieser Mädchen, einen gutaussehenden Polizistensohn konnte sich jede als Schwiegersohn vorstellen. Doch es war nie mehr als ein Kinobesuch und der obligatorische Abschiedskuss vor der Haustür daraus geworden. Einmal hatte sogar eine der Mütter Ambitionen gehabt, ihn zu verführen, doch er war mit deren Tochter ins Kino geflüchtet, bevor es peinlich wurde. Seit dem Tod seiner Mutter vor einem Jahr hatte er sich dann nicht mehr verabredet, weder mit männlichen noch mit weiblichen Wesen. In der Schule schob man es auf seine Trauer, und dass er sich um seinen Bruder kümmern musste, doch das war nur ein Teil der Wahrheit.

Sein Vater hatte nach dem Unfalltod seiner Mutter mit dem Trinken angefangen und seinen Job bei der Polizei verloren, weil er im Rausch aus Versehen fast einen Kollegen umgebracht hätte. Jetzt saß er den ganzen Tag zu Hause und sah fern und trank Bier. Er wurde nie laut oder aggressiv, er wurde nur immer gleichgültiger und bekam bald nichts mehr vom richtigen Leben mit. Als im Sommer bei Timmy die Leukämie festgestellt wurde, erwachte er kurz aus der Lethargie, doch als sich herausstellte, dass keiner von ihnen beiden als Knochenmarkspender in Frage kam, versank er umso mehr in dumpfer Depression. Immer wieder wurde Timmy von der Schule nach Hause geschickt, weil er plötzlich ohnmächtig wurde oder wieder einen riesigen Bluterguss bekam. Schließlich konnte Timmy nicht mehr zur Schule gehen.

Alec rannte mit ihm von einem Arzt zum anderen, doch da sie nicht mehr versichert waren, war das Geld bald aufgebraucht, dass seine Eltern eigentlich für die Uni gespart hatten. Also schmiss er die Schule kurz vor dem Abschluss hin und ging Arbeiten. Tagsüber in einem Cafe, nachts in einem 24 hour-store und irgendwann hatte er angefangen, mit soften Drogen zu dealen als sich die Gelegenheit bot. Da er gut war und selbst keine Drogen konsumierte, wurde er bald Drogenkurier, was zur Folge hatte, dass er wohl auch harte Drogen transportierte. Er wusste jedoch nie, was genau es war. Doch in letzter Zeit hatte er wenige Aufträge gehabt, und Timmies Medikamente verschlangen Unsummen, vom Alkoholkonsum seines Vaters, der Miete und den Lebensmitteln ganz zu schweigen. Und nun hätte es fast nicht für Timmies Geburtstags-Weihnachts-Geschenk gereicht. Als er an diesem Punkt seiner traurigen Überlegungen angekommen war, stand er vor dem Einpackstand. Er war an der Reihe. Er liess das Spiel in einen riesigen Luftballon einpacken und „Happy Birthday, Timmy“ darauf sprayen.

Dann drehte er sich um, bereit, das Geschäft zu verlassen, und stand vor dem Jungen, der ihm das Geld geliehen hatte. Er wollte beiseite treten, um ihn an den Stand zu lassen, doch der folgte der Bewegung und stand wieder vor ihm. Irritiert trat Alec wieder aus dem Weg – das gleiche Spiel. Schön oder nicht, langsam nervte der Kerl. „Hör zu, ich habs eilig. Gib mir deine Adresse, und ich bring dir das Geld, sobald ich es kann, o.k.?“ sagte er leise, aber ungeduldig. „Ich heisse Rick, freut mich dich kennenzulernen“ antwortete der andere ungerührt und grinste ihn an. Seine recht dunkle Stimme klang weich und etwas heiser. „Sorry, ich heiße Alec“ murmelte dieser, und wurde rot. Er vergaß noch das letzte bißchen gute Erziehung! „Du schuldest mir was!“ „Mann, ja, ich sagte doch, gib mir deine Adresse…“ „Ich meinte nicht das Geld!“ „…“ „Du hast nicht mal Danke gesagt!“ Alec nickte langsam. „Du hast recht. Tut mir leid.“ Er sah ihm in die Augen. Rick sah ihn aufmerksam an, abwartend. Seine Augen wirkten jetzt dunkel, fast violett. „Danke!“ sagte Alec schließlich leicht lächelnd. Rick lächelte zurück. „Schon gut! So, und jetzt gehst du mit mir was trinken, ok?“ „Warum sollte ich das tun? Außerdem habe ich kein Geld, das weißt du doch!“ „Du hast noch die drei Dollar!“ Alec zog die Brauen hoch. „Du hast ja gut aufgepasst!“ „Dafür bin ich bekannt!“ grinste Rick. „Und warum sollte ich…?“ „Sag ich doch. Weil du mir was schuldig bist…“ er lachte und zog den verdutzten Alec hinter sich her.

Vor dem Eingang blieben sie stehen. Es war etwas kälter geworden und hatte zu schneien angefangen. „Toll, weiße Weihnachten!“ sagte Rick bitter. Alec sah ihn an. Der Tonfall… „Was ist falsch an weißen Weihnachten?“ fragte er überrascht. „Alles ist falsch an Weihnachten… all dieses ‚Frieden auf Erden’-Getue, diese gespielte Harmonie …“ Rick machte eine wegwerfende Handbewegung. Alec blickte vor sich hin. Offensichtlich war er nicht der einzige, dem es heute nicht so gut ging… Plötzlich wollte er nicht mehr nach Hause. In dieses Elend mit seinem Vater, der wahrscheinlich schon wieder angetrunken sein würde, und Timmy, der immer versuchte, tapfer zu sein und seine Krankheit zu überspielen und doch von Tag zu Tag schlechter aussah… Mit schlechtem Gewissen sagte er zu Rick: „O.k. gehen wir was trinken, eine halbe Stunde habe ich Zeit…“ Sofort verschwand der bittere Gesichtsausdruck und Rick strahlte ihn an. „Super, nett von dir… ich lad dich auch ein!“ „Nein.“ „Ach komm, du mit deinen drei Dollar! Ich hab genug Kohle…“ wieder flog ein Schatten über sein Gesicht. „Na, wie du meinst. Gehen wir erstmal.“

Sie liefen ein Stück die Straße entlang und gingen in einen Coffeeshop. Es war nicht viel los, und sie setzten sich an einen Zweiertisch. Eine Kellnerin fragte nach ihren Wünschen. „Einen Becher Kaffee, schwarz“ bestellte Alec, und Rick meinte „Schottischen Whiskey, am besten Glenlivet, ohne Eis!“ Sie notierte die Bestellung und ging. „Es gibt tatsächlich Leute, die schottischen Whiskey mit Eis verwässern, und sie“ Rick deutete mit dem Daumen hinter der Kellnerin her „sah ganz so aus. Geile Schnitte, aber dumm wie Brot!“ Alec starrte ihn an. „Whiskey? Um 12 Uhr mittags?“ Er verzog das Gesicht. Rick blickte zurück. „Na und? Wann nimmst du denn einen Drink? Erst nach Sonnenuntergang, oder wie?“ Er lehnte sich zurück und grinste herausfordernd. „Ich trinke keinen Alkohol. Nie!“ gab Alec kühl zurück. „Hohoho, der Herr Musterschüler …“ spottete Rick. Alec sah ihn verärgert an. „Bestell den Kaffee ab, ich gehe.“ Er stand auf. Erschrocken legte Rick ihm die Hand auf den Arm. „Hey, warte, war nur ein Scherz, sorry…. Bitte!“ Dem Blick aus diesen faszinierenden Augen konnte Alec nicht widerstehen. ‚Verdammt, ich verliebe mich doch nicht etwa in diesen Jungen?’ Er setzte sich wieder hin und zog schnell seinen Arm weg. Es wäre eine Erklärung, warum er immer noch hier war. Warum er überhaupt mitgegangen war.

„… machst du eigentlich so?“ Er sah Rick an. „Ich arbeite.“ Ein überraschter Blick. „Gehst du nicht zur Highschool? Wie alt bist du denn?“ „Ich bin 17, und die Schule habe ich geschmissen.“ Alec fingerte seine Zigaretten aus der Jackentasche. Er hielt Rick die Schachtel hin, doch dieser schüttelte den Kopf. „Ich rauche nicht!“ Ein aufreizendes Grinsen, das Alec sofort richtig deutete. „O.k, hab ich halt auch ein Laster“ gab er zu und suchte nach seinem Feuerzeug. Rick ergriff ein Streichholzbriefchen vom Tisch und gab ihm Feuer. Dabei sah er Alec in die Augen. Irritiert senkte dieser den Blick. „Warum hast du die Schule geschmissen?“ Alec nahm einen Zug von der Zigarette und antwortete, während er den Rauch ausstieß „Geht dich nichts an!“ Rick trank einen Schluck und sagte nichts mehr.

„Ahm, sorry, das sollte nicht so schroff klingen, aber ich rede nicht gern darüber.“ „Schon o.k., jeder hat ja so was…“ Er sah aus dem Fenster. Sein Blick wirkte plötzlich abwesend. Alec betrachtete sein Profil. Gerade Nase, gerade Brauen, energisches Kinn… „Was starrst du mich so an? Ich gefalle dir wohl?“ Verlegen sah Alec wieder auf den Tisch. „Ich .. wollte dich nicht anstarren. Entschuldige.“ Er errötete leicht. Rick sah ihn mit einem rätselhaften Blick an. „Kein Problem, ich bin es gewöhnt!“ er lachte. „Naja, auf der Schule konnte ich mich vor den Bräuten kaum retten, seit ich da weg bin ist Ruhe!“ „Hast du auch geschmissen?“ „Nein, stell dir vor, auch wenn ich nicht so aussehe, ich habe den Abschluss mit Auszeichnung gemacht!“ Rick grinste wieder.

„Also bist du auf dem College?“ „Sagen wir, ich nehme gerade eine Auszeit. Mein Vater“ sein Gesicht verzog sich „mein Vater will, dass ich Anwalt werde. Ich weiĂź aber nicht, ob ich das will. Wenn, dann höchstens Staatsanwalt!“ Er blickte finster vor sich hin. „Wieso das denn?“ Rick sah ihm direkt in die Augen „Geht dich nichts an!“ Plötzlich lachte er. „Jaja, jeder hat seine Leiche im Keller, stimmts?“ Er trank noch einen Schluck Whiskey. Alec drĂĽckte seine Zigarette aus. Zeit zu gehen.  „Ich muss dann…“ „Moment – sehen wir uns noch mal?“ „Klar, ich muss dir doch dein Geld wiedergeben!“ „Ich meine – heute!“ „Heute ist Heiligabend! Musst du nicht zu Hause sein?“ „Ich wohne allein. Ich – feiere Weihnachten nicht.“ „WĂĽrde ich am liebsten auch nicht, aber mein kleiner Bruder…“ „Du hast einen Bruder… ist fĂĽr ihn das Programm?“ Rick deutete auf den Luftballon. „Ja, Timmy, er ist heute zwölf geworden.“ ‚Und ob er dreizehn wird, steht noch nicht fest…’ schoss durch seinen Kopf. Sein Gesicht wurde traurig.

„Hey, was ist mit Timmy?“ wieder eine Hand auf seinem Arm. „Er… ist schwer krank.“ stieß Alec hervor. Das ganze Elend war wieder da. Die halbe Stunde Ablenkung hatte ihm gutgetan, aber jetzt musste er zurück, zu seinem Bruder und zu seinem betrunkenen Vater. „Oh, das.. tut mir leid.“ Alec nickte nur und winkte der Kellnerin. Er hatte einen Kloß im Hals. Als die Rechnung kam, legte Rick einen Zehner auf den Tisch und sagte „Schon gut!“ Die Kellnerin nickte erfreut und bedankte sich.

Vor dem Laden sah Alec ihn an. „Du hast doch vorhin eine CD zurückgelegt, war das meinetwegen?“ „Quatsch. Ich wollte sie nicht mehr haben!“ Er lachte. „Denkst du, ich wäre jetzt pleite? Mann, wenn ich alles so viel hätte wie Geld! Mein Alter überschüttet mich förmlich damit, will sich wohl meine Liebe kaufen… aber ich arbeite lieber! Ich will von ihm nicht abhängig sein!“ wieder dieser grimmige Zug um den Mund. Alec kam zu dem Schluss, dass Rick wohl nicht gut auf seinen Vater zu sprechen war. Nichtsdestrotrotz … „Ich muss jetzt wirklich los. War nett von dir, mich einzuladen, und wegen dem Zehner…“ „Vergiss das ja nicht! Ich will ihn wiederhaben! Ich wohne Nummer 12, in der Dreizehnten Straße, also, wenn du heute abend Zeit hast…“ „Den Zehner hab ich dann aber noch nicht…“ Rick grinste breit. „War das ein ‚Ja’?“ Alec nickte langsam. Wenn es auch vielleicht völlig unsinnig war, er wollte diesen Jungen gerne wiedertreffen. „Ich denke – ja.“

„Cool, Mann! Was soll ich zu trinken besorgen? Milch?“ wieder dieses freche Grinsen. Alec wollte schon scharf antworten, doch dann grinste er zurück. „Warmer Kakao wäre schön!“ antwortete er, hob die Hand und ging durch das mittlerweile dichte Schneetreiben die Straße herunter in Richtung seines trostlosen Zuhauses, den riesigen Luftballon unter dem Arm. Er drehte sich nicht noch einmal um, aber sein Herz klopfte wild, denn ein paar blaugraue Augen hatten sich in seinen Sehnerv gebrannt, und ließen ihn nicht mehr los. „12, Dreizehnte Straße…“ murmelte er immer wieder, und es klang wie eine Beschwörungsformel.

„Kakao? Sollst du haben!“ murmelte Rick und machte sich ebenfalls auf den Heimweg.

„Bin wieder da!“ Alec legte den Ballon vorsichtig im Flur auf einen Stuhl, zog Jacke und Schuhe aus und betrat das Wohnzimmer. Sein Vater lag schnarchend auf dem Sofa, der Fernseher lief. Von Timmy war nichts zu sehen. Er betrat dessen Zimmer. „Timmy?“ Dieser saß, wie meistens, an seinem PC und lächelte Alec fröhlich an. “Hi, Alec, da bist du ja! Spielst du ne Runde Schach mit mir?” Alec lächelte zurück. Er liebte Timmy über alles. Der Kleine war immer gut gelaunt und schien seine Krankheit einfach zu akzeptieren. All die Quälereien bei den Ärzten, und er hatte sich nie beklagt… „Klar, Tigger, aber erst kriegst du dein Geburtstagsgeschenk!“ „Klasse, Mann, her damit!“ Er war eben auch ein ganz normaler Zwölfjähriger… Immer noch lächelnd ging Alec in den Flur um den Ballon zu holen. Timmies Augen wurden groß, als er die Verpackung des Spiels erkannte. „Wooooow, Alec, Wahnsinn!“ Er strahlte. Dann wurde sein Gesicht sorgenvoll. „Das ist doch sauteuer!“ „Keine Sorge, ich hab gespart!“ lachte Alec. Die Freude in Timmies Gesicht war alles Wert. Alles! Schon knallte der Ballon, und Timmy riss die Verpackung auf. „Äähm, Alec…“ besorgt sah er ihn an. „Was ist Tigger, stimmt was nicht?“ „Doch, klar, nur…“ ein bittender Blick. „Würde es dir was ausmachen, wenn ich erst das hier“ er tippte auf die Packung „ausprobiere? Wir können ja heute abend noch…“ Alec hatte schon wieder ein schlechtes Gewissen. „Timmy, ich, äh… ich bin heute abend eigentlich verabredet“ Timmies Gesicht wurde traurig und Alec entschied sich sofort um. „O.k. ich bleib hier! Klar spielen wir heute abend noch!“ Sein Bruder strahlte übers ganze Gesicht. „Danke, Alec!“ Und schon legte er die CD in seinen Computer ein und vertiefte sich in das Spiel.

Alec ging in die Küche, um Essen zu machen. In ihm herrschte ein Zwiespalt. Er hätte Rick heute gerne besucht, aber Timmy war einfach wichtiger! Er zuckte die Schultern. Es ging halt nicht… Er sah aus dem Fenster. Draußen herrschte jetzt dichtes Schneetreiben. Seufzend begann er, das Geburtstagsessen vorzubereiten. Dabei dachte er die ganze Zeit an den Jungen mit den schönen Augen. „Rick…“ murmelte er leise.

Sein Vater schaffte es tatsächlich, zum Essen wachzuwerden und halbwegs normal daran teilzunehmen. Er fragte, woher Alec das Geld für das teure Programm hätte, und dieser antwortete wieder ausweichend. Es war 5 Uhr und schon dunkel. Nach dem Abspülen baute Timmy die Schachfiguren auf und sagte zu Alec: „Jetzt hast du keine Chance mehr, das Programm is saugut! Ich hab viel gelernt!“ Alec lächelte. „Ach Tigger, ich hab doch schon lange keine Chance mehr gegen dich! Über ein Remis komme ich nur hinaus, wenn du sehr müde bist!“ „Dann los!“
Sie spielten zwei Partien, und um 22 Uhr sagte Alec gespielt streng: „Du bist mĂĽde, Tigger, der letzte Zug war Unsinn! Ab ins Bett, wir spielen die Partie morgen fertig!“ „Denkste, das war eine Falle! Hehe. Springer auf  G7, Schach und Matt!“ Er blinzelte zufrieden und gähnte. „Aber ich bin wirklich mĂĽde! Musst du heute arbeiten?“ Alec ĂĽberlegte. Es war schon so spät, konnte er jetzt noch zu Rick gehen? Fast wider Willen nickte er. „Ja, um 23 Uhr muss ich da sein!“ log er. „Ok, ich geh ins Bett!“ Timmy warf einen Blick auf seinen Vater. „Ist Dad schon wieder voll?“ fragte er verächtlich. Alec wurde streng. „Timmy! Red nicht in diesem Ton von unserem Vater!“ „Ist doch wahr! Tag fĂĽr Tag säuft er sich voll, und du musst rund um die Uhr arbeiten. Und deine Schule hast du auch geschmissen! Ich… hasse ihn!“ stieĂź Timmy hervor. Alec nahm ihn in den Arm. „Ach Timmy, er ist so traurig wegen Mum“ murmelte er mit erstickter Stimme. „Das bin ich auch, aber saufe ich deswegen? Oder du?“ Timmy lieĂź sich nicht ĂĽberzeugen. „Jeder geht anders damit um. Du lernst, ich arbeite, und Dad,  nun Dad trinkt halt Alkohol…“ Alec wusste nicht mehr, was er sagen sollte. „Geh ins Bett, Tigger!“ sagte er mĂĽde. „Ich werd dann los…“ „Bis morgen, Alec!“ Mit gesenktem Kopf trottete Timmy ins Bad.
Alec sah ihm traurig nach. Es war schwer zu verstehen für den Kleinen… Er zog seine Lammfelljacke an und verließ das Haus. Nach den Feiertagen wartete ein neuer Job auf ihn. Er würde einen Koffer in den 24 Stunden Shop gebracht bekommen, und hatte diesen zu einem Bahnhofsschließfach zu bringen. 1000 Dollar waren der Lohn dafür, dass er seinen Arsch riskierte… aber es war schnell verdientes Geld. Er schlug den Kragen hoch, es schneite immer noch stark. Mittlerweile war es fast Mitternacht, und er fragte sich, ob Rick überhaupt noch mit seinem Besuch einverstanden sein würde…

Als er das fragliche Haus erreichte, fiel ihm auf, dass er Ricks Nachnamen nicht wusste. Es wohnten aber 6 Parteien in diesem Haus. Kurzentschlossen drückte er alle Klingelknöpfe. Ein wütendes Stimmengewirr drang aus dem Lautsprecher. „Rick? Ich bins, Alec. Mach bitte auf, und ich weiss nicht, in welcher Etage du wohnst!“ „Die Oberste.“ Der Summer ertönte, und Alec betrat ein gepflegtes Treppenhaus. Der Fahrstuhl stand offen, offenbar hatte Rick ihn nach unten geschickt, denn er war mit Schlüssel zu betätigen. Kaum hatte Alec ihn betreten, schloss sich die Tür und er schwebte nach oben. Dort angekommen, fand er sich vor einer Appartmenttür wieder – der einzigen. Rick bewohnte offenbar die ganze Etage. Auf dem Schild stand „E. Di Angelo“. Aha, also Italo-Amerikaner. Aber wieso „E.“? Die Tür wurde aufgerissen und Rick stand vor ihm. „Hey, du kommst ja noch! Hab ich nicht mehr mit gerechnet!“ sagte er strahlend. Aus dem Appartment ertönte, jetzt sehr laut, Rockmusik. „Komm rein, bevor ich Ärger kriege, ist wohl ein bisschen laut!“ Sie betraten das Wohnzimmer, und Rick stellte die Anlage leiser. „Ist das eine der neuen CDs?“ „Ja, Nickelback, steh ich total drauf. Gefällts dir?“ Alec zuckte die Schultern. „Ich bin nicht so ein Musik-Freak, ich hör meist Radio, aber ja, nicht schlecht.“ „Setz dich!“ Rick verschwand in der Küche.

Alec ließ sich auf dem Sofa nieder und sah sich um. Das Zimmer war eher leer. Ein weißer flauschiger Teppich, darauf standen in der Mitte des Raumes ein großes Leder-Ecksofa mit vielen Kissen und ein Glastisch, auf dem zwei Kerzen brannten, es gab ein Regal mit der Anlage und eine Bar, sowie einen Schrank mit unzähligen CDs. Bücher suchte er vergeblich. Das Zimmer war indirekt durch zwei Deckenstrahler und die Kerzen erleuchtet. Dann kam Rick wieder, in der Hand eine Tasse mit etwas heißem, dampfenden. „So, bitte der Herr, ein heißer Kakao!“ er grinste über das ganze Gesicht. „Kullerkeks gefällig?“ Ein Teller mit Plätzchen stand auf dem Tisch. „Och, nöö!“ Fassungslos starrte Alec auf die Tasse. „Das ist…“ „Wieso? Hast du doch bestellt?“ sagte Rick mit unschuldigem Gesichtsausdruck. Alec starrte ihn an. Dann lachte er schallend los. „Bei dir muss man echt aufpassen, was man sagt, oder?“ Zum zweiten Mal an diesem Tag sah Rick ihn mit einem seltsamen Blick an. „Allerdings. Ich nehme alles für bare Münze, was man mir sagt…“ antwortete er. Alec blinzelte, dann sah er auf seine Tasse. Doch der beklemmende Moment war schnell vorbei, und Alec fragte: „Was heißt das ‚E.’ auf deinem Türschild?“ „Enrico.“ „Enrico Di Angelo. Warum nennst du dich ‚Rick’?“ „Weil ich diesen Namen besser finde als Enrico!“ sagte Rick knapp. Alec erkannte, dass das kein Thema für Smalltalk war, und schwieg. Alles was mit seiner Familie zu tun hatte, schien für Rick ein Reizthema zu sein.

Also griff er nach einem Keks und biss hinein. „Mmmmh! Lecker! Sag nicht, du kannst backen!“ Rick grinste schon wieder. „Doch, kann ich. Aber die sind von meiner Tante Millie, die kocht und backt wie ein Gott! Sie hat es mir auch beigebracht. Ich kann auch Kochen!“ „Mmmh, die musst du mir mal vorstellen…“ erschrocken hielt Alec inne. WAS hatte er da gerade gesagt? Vorsichtig sah er Rick an. Doch der sah nicht sauer aus, sondern eher auch etwas erschrocken. „Wenn… wenn du das willst? Sie ist die Schwester meiner Mutter, eine ganz liebe, wenn auch etwas verrückt…“ Alec wurde verlegen. Was hatte er da unbedacht ausgesprochen … er kannte Rick doch erst ein paar Stunden! „Äh, nein, lass mal.. das ist doch wohl etwas früh…“ „Ok. Sag, wenn es spät genug ist…“ Rick stand auf. „Noch einen Kakao?“ Alec sah auf seine leere Tasse. „Ein Kaffee wäre mir lieber!“ „Kommt sofort!“ Rick verschwand abermals in der Küche, und Alec hörte eine Kaffeemaschine erst mahlen, dann brühen. „Wow, der hat ja wirklich alles hier…“ er lehnte sich zurück und schloss die Augen. Er sah Rick vor sich, die strahlenden Augen, die schönen Haare, seine ebenmäßigen Gesichtszüge…, er hörte, wie eine Tasse auf den Tisch gestellt wurde. „Du siehst nicht italienisch aus!“ sagte er und öffnete die Augen. Rick ließ sich auf die andere Flanke des Sofas fallen, in der Hand einen Whiskey. „Hab das Aussehen von meiner Mutter geerbt!“ sagte er. Sein Gesicht war verschlossen. Alec ahnte, dass mit seiner Mutter etwas geschehen war. „Ist sie…“ „Ja, sie ist. Gestorben in einer Irrenanstalt. In die mein werter Herr Vater sie hat einliefern lassen!“ jetzt stand Hass in seinen Augen. Alec erschrak. Was sollte er sagen…

„Meine… meine Mutter ist auch tot!“ Er senkte den Blick. „Sie ist heute vor einem Jahr bei einem Autounfall ums Leben gekommen.“ Rick sah ihn an. „Tut mir leid! Und das an Weihnachten!“ „Genaugenommen, an Timmies Geburtstag! Es hat ihn schwer getroffen!“ Alec kämpfte mit seiner Fassung. „Dich aber anscheinend auch…“ Wieder legte Rick ihm die Hand auf den Arm. Ein warmes Gefühl durchströmte Alec, und er fühlte sich besser. „Meine Mutter ist schon über zwölf Jahre tot… ich kannte sie kaum. Aber ich habe ein Bild von ihr, willst du es mal sehen?“ Ohne eine Antwort abzuwarten, zog Rick seine Brieftasche hervor und reichte ihm ein Foto in einer Plastikhülle. Eine schöne Frau war darauf zu sehen, mit grünen Augen und goldblondem Haar. Sie sah Rick sehr ähnlich. „Sie war schön! Du hast viel von ihr…“ er verstummte. Er konnte Rick doch keine Komplimente machen! Was sollte der von ihm denken? ‚Dass du schwul bist? Du Idiot! Du bist es doch!’

Doch Rick sagte nur: „Ja, das sagen viele. Allen voran Tante Millie! Sie hat einen Narren an mir gefressen!“ Er seufzte. „Dich würde sie auch mögen! Sie steht auf … nun ja, jüngere Kerle!“ Er beobachtete Alec während er das sagte, und dieser errötete. „Dann geh ich lieber nicht zu ihr…“ grinste er verlegen. „Ach was, sie fällt ja nicht gleich über jeden her! Aber sie versucht es immer wieder!“ grinste Rick.

Er stand auf und reckte sich. „Willst du was Bestimmtes hören?“ Alec schĂĽttelte den Kopf. „Ich sagte doch, ich habe keine Ahnung von Musik…“ Rick wechselte die CD aus. Nach ein paar Sekunden ertönte ‚Hero’. „Hey, das kenne ich doch! Das ist die Filmmusik von Spiderman!“ „Der Kandidat hat hundert Punkte! Geile Musik, oder?“ Rick setzte sich wieder auf das Sofa, lehnte sich an und schloss die Augen. Das Kerzenlicht beleuchtete sanft seine ZĂĽge. Alec konnte sich nicht sattsehen. Sein Herz begann wild zu klopfen. Gott, war dieser Junge schön! Auch er schloss die Augen. Schon lange hatte er so etwas nicht mehr gefĂĽhlt. Er war verliebt! Dabei wusste er so gut wie nichts ĂĽber Rick. Vor allem nicht, ob er auf Frauen oder Männer stand,  was ja von Interesse gewesen wäre … Er wurde von Ricks Stimme aus seinen Gedanken gerissen. „Nicht einschlafen, Alec!“

Er riss die Augen auf. Rick saß dicht neben ihm und sah ihm direkt in die Augen. Er zuckte zurück. „Hey, denkst du ich überfall dich? Keine Sorge! Ich wollte nur mal deine Augenfarbe genauer betrachten!“ Rick wich verlegen grinsend zurück. „Meinst du, ich will was von dir oder was?“ Alec schüttelte den Kopf. ‚Womit das ja geklärt wäre!’ dachte er resignierend. Er schüttelte noch einmal den Kopf. Wie konnte er auch solchen Wunschträumen nachhängen! Um etwas zu sagen, fragte er: „Und? Gefällt sie dir?“ Verwirrter Blick von seinem Gegenüber. „Meine Augenfarbe!“ Alec grinste. Es freute ihn, dass einmal er Rick aus der Fassung gebracht hatte. „Mmmh! Faszinierend. Sieht man selten…“ „Du scheinst dich ja auszukennen!“ „Ach, wenn du wüsstest, in wieviele Augenpaare ich schon tief geschaut habe…“ Rick grinste schon wieder. ‚Ja, aber sicher von Frauen!’ dachte Alec grimmig. Plötzlich hatte er keine Lust mehr zu bleiben und gähnte demonstrativ. Rick sah ihn alarmiert an. „Heißt das ‚ich bin müde und gehe jetzt’, ja?“ fragte er mit enttäuschter Stimme. Alec war verwundert. „Ja, wieso? Ist das schlimm?“

Eilig schüttelte Rick den Kopf. „Nein, natürlich nicht! Ist ja schon spät!“ Alec nickte. Es waren zwei Stunden vergangen. Seltsam… kam ihm viel kürzer vor. Er stand auf und streckte sich. „Wegen der Kohle…“ „Vergiss es, hat Zeit. Was ist morgen?“ „Weihnachten!“ „Das weiß ich! Sehen wir uns morgen?“ Alec stutzte. Schon wieder? „Du bist wohl einsam?“ „Naja, ich hätte gerne einen Freund. Ich hab nämlich außer Tante Millie sonst niemanden…“ ‚Freund…’ dachte Alec grimmig. ‚Aber sicher nicht so, wie ich mir das vorstelle…’ doch Rick sprach schon weiter. „Ich bin morgen bei ihr. Bei Tante Millie meine ich. Wenn du willst, kannst du mitkommen!“ Alec schüttelte den Kopf. „Ich habe Familie, schon vergessen? Mein Bruder wäre traurig, wenn ich weggehen würde.“ „Und deine Freundin? Kommt sie auch?“ Diese Frage kam unerwartet und brachte Alec aus dem Konzept. Rick ging also ganz selbstverständlich davon aus, dass er eine Freundin hatte, kam also im Traum nicht darauf, Alec könnte schwul sein… natürlich, weil er selber es auch nicht war.

„Klar!“ antwortete Alec. Im selben Moment hätte er sich ohrfeigen können. Warum erzählte er es Rick nicht einfach? Kein guter Start, eine Freundschaft mit einer Lüge zu beginnen. Er wollte schnell hinzufügen dass das ein Scherz war, dass er gar keine Freundin hatte. „Hör zu, ich…“ Doch Rick unterbrach ihn. „Alles klar, du kannst morgen nicht, seh ich ein. Und übermorgen?“ Rick sah enttäuscht aus. ‚Zweiter Feiertag, geht, der Job ist erst am Donnerstag…’ „Ok. Soll ich wieder herkommen?“ hörte er sich sagen. Sein Herz klopfte wie verrückt. Rick strahlte schon wieder. „Ja! Und dann stell ich dich Tante Millie vor!“ sein Strahlen erlosch, und er sagte stockend „Wenn… wenn du willst, bring deine Freundin ruhig mit, Tante Millie ist sehr gastfreundlich!“ Alec grinste. „Das lass ich mal lieber!“ mehr sagte er nicht. „Ich werde dann mal los…“ Rick sah ihn schon wieder so merkwürdig an. Er hätte ihn am liebsten in den Arm genommen… „Ok, bis übermorgen, dann!“ „Ok.“ Es blieb nichts mehr zu sagen, und so machte er sich auf den Heimweg. Während er durch die kalte Nacht stapfte, jagten sich seine Gedanken. Er war verliebt. Bis über beide Ohren verliebt in diesen rätselhaften Jungen mit den schönen Augen… er seufzte. Und der wollte sein ‚Freund’ sein. Naja, immerhin etwas… Alec konnte nicht anders, als sich wie blöde auf den übernächsten Tag zu freuen.

Wird fortgesetzt…                                                                                                                   Teil 2

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