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Engelsgeduld
RPG nach dem Buch `Good Omens' von Terry Pratchett. Natürlich gehört uns davon nichts bis auf unsere schmutzige Fantasie, wir machen
keinen Profit wenn wir auch gerne ... na lassen wir das.
Der POV wechselt, der jeweils aktive Chara steht am Anfang des Absatzes
Autoren: mandalorian@kirei-na-yume.de
Warnings: Drama, Gewalt (nicht zu schlimm^^), Lemon, Lime, Fluff. Eventuell leichte Blasphemie an manchen Stellen aber wenn dann nicht
beabsichtigt! Wir respektieren jedwede Glaubensrichtung und wollten niemandem zu Nahe treten.
Viel Spass beim Lesen, C&C immer willkommen!
Das Bild ist aus irgendeinem Anime, aber es passte so hervorragend dazu.^_^
Kurze Zusammenfassung: Crowley, seines Zeichens Dämon mit dem Auftrag die Menschheit zu verderben,
und Aziraphale, Engel mit literarischen Ambitionen, haben sich in ihrer 6000 Jahre währenden Wartezeit auf das Armageddon angefreundet. Nun planen sie, oder eher Crowley, einen Urlaub in der Karibik... mit ungeahnten Folgen.
Zira *Den Rollenkoffer am Griff, das Ticket in der Tasche meiner leichten Lederjacke stehe ich mit Crowley am
Check-in Schalter von London-Heathrow und versuche, nicht so betreten aus der Wäsche zu sehen wie ich mich fühle. Ein Blick zu meinem Begleiter zeigt mir, dass –er- bester Laune zu sein scheint. Seufzend
hebe ich mein Gepäckstück auf die Waage. Kein Übergewicht. Das war auch nicht zu erwarten, in der Regel reise ich ganz ohne Gepäck. Ich habe so meine – Methoden, mir das Fehlende zu beschaffen. Aber
Crowley hatte gemeint, ohne Gepäck wäre es irgendwie nicht wie ein richtiger Urlaub, also habe ich ein paar Strand-taugliche Sachen, mehrere Bücher und Sonnencreme eingepackt. Nicht, dass ich
irgendwelche grässlichen Hawaii-Hemden oder ähnliches mitgenommen hätte… Ein Zungenschnalzen weckt mich aus meinen Überlegungen. Crowley ist längst durch die Metalldetektoren hindurch und sieht mich
auffordernd an, ebenso wie die junge Dame am Counter. Leicht errötend folge ich meinem dämonischen Freund in die Wartehalle. `Träumst du, oder wolltest du es dir doch noch anders überlegen?’ Ich zucke die
Schultern. Für mich ist es genauso Urlaub, in meinem `verstaubten Buchladen’ zu hocken und jahrhundertealte Folianten zu lesen, oder in einem Pub ein paar zu nehmen… * Neinnein, alles in Ordnung.
Crowl *Ich verkneife mir einen kleinen undämonischen Seufzer bei Aziraphaels so un-englischem Missfallen an der
ganzen Situation und beschäftige mich damit gut gelaunt ein paar meiner `Arbeiten´ zu kontrollieren. Zollformalitäten und die ganzen sogenannten `Sicherheitsvorkehrungen´ inklusive Leibesvisitationen waren
ein paar meiner besseren Ideen und die Anzeigetafeln, die Veränderungen des Flugplans auf wundersame Weise immer gerade so spät anzeigen, dass man es gerade -nicht- mehr schafft mit Kind und Kegel quer
durch den ganzen Flughafen zu hetzen um das andere Gate zu erreichen, sorgen in der Urlaubszeit immer wieder dafür, dass die Vormerklisten da unten um etliche Meter länger werden. Die ganze Flughafen-Idee
hat mir im Laufe der Jahre ein paar hübsche Belobigungen eingebracht und dank der englischen Vorliebe für Formalitäten und Papierkram aller Art war nicht einmal mein eifriger Engel in der Lage, daran etwas zu
ändern. Ich ziehe mir meine Jacke enger um die Schultern als wir an den Panoramafenstern im Wartebereich vorbeikommen und schaudere unwillkürlich bei dem ganzen Schneeregen, der London seit
Wochen heimsucht. Ich kann mich schon gar nicht mehr daran erinnern, wann mir das letzte mal wirklich richtig -warm- war und irgendwann war es selbst mir zuviel. Ich habe kurzerhand zwei Tickets `besorgt´,
sie Aziraphael auf den Tisch geknallt und verkündet, ich würde ihn am nächsten Morgen pünktlich 9:30 abholen kommen. Ein kurzer Blick von mir hat alle Proteste schon im Keim erstickt und er hat seufzend
zugestimmt auch wenn es ihm gar nicht behagt, seine heißgeliebten Bücher für einen Urlaub auf den Bahamas alleine zu lassen. Ein paar kleine Andeutungen darüber, was ich alles für schöne Ideen für diese
ach so harmonischen Inselchen hätte wenn ich denn alleine und ohne `Engel-aufsicht´ wäre, haben dafür gesorgt, dass er auch wirklich heute morgen abfahrtbreit auf mich gewartet hat. Nicht dass es mich
interessiert hätte, wenn es anders gewesen wäre, ich hätte schon dafür gesorgt, dass wir rechtzeitig am Flughafen gewesen wären. Schließlich hab ich so ein oder zwei Tricks im Ärmel. Zira hat nicht so ganz
eingesehen, warum wir denn unbedingt mit so einer Maschine fliegen wollen - er misstraut der ganzen Geschichte sehr seit er den Brüdern Wright bei ihren ersten Versuchen zugesehen hat - und eigentlich
wären wir ohne Flieger wesentlich schneller gewesen. Aber ich hatte einfach keine Lust, in irgendein Tiefdruckgebiet zu geraten, das letzte Mal als sowas passiert ist habe ich Tage gebraucht, um meine
Flügel wieder zu enteisen und in ihren ursprünglichen makellosen Zustand zurückzuversetzen. Außerdem ist die Langeweile, die auf einem so langen Flug zwangsläufig unter den Passagieren auftritt einfach eine zu
gute Gelegenheit um mit wenig Aufwand den ein oder anderen Herzinfarkt-Patienten ein bisschen weiter an den Rand zu treiben. Nicht das Aziraphael zulassen würde das ich wirklich etwas `anstelle´... aber ein
bisschen Übung kann ja nicht schaden...*
Zira *Während wir die Gangway hinaufgehen behalte ich Crowley sicherheitshalber im Auge. Er bekommt es
fertig, sofort mit irgendwelchen Dummheiten anzufangen… manchmal ist er ein richtiges Spielkind, und ich darf es dann wieder gradebiegen. Als wir es uns in unseren Sitzen bequem gemacht haben und Crowley
seinen ersten Bourbon in den Fingern hält und neugierig das Programm des Bordkinos durchblättert, erlaube ich mir, mich wieder etwas zu entspannen. Interkontinentalflüge haben für mich doch etwas
Beunruhigendes. So lang… und wenn wirklich was mit der Maschine ist und ich schlafe.. oder zumindest das Äquivalent dazu - wer weiß, ob ich dann noch viel machen kann. Außerdem – ich kenne doch Crowley.
Wenn der Flug ihm zu lange dauert ist es sehr wahrscheinlich, dass er die Boeing 747 mal eben in ein Überschallflugzeug verwandelt - und ich möchte lieber nicht wissen, was das für eine Auswirkung auf die
anderen Passagiere - ganz zu schweigen von der Crew oder dem Flugzeug - hätte… da bekommt der Begriff `Jetlag’ eine ganz neue Bedeutung.* Crowley… wir pfuschen nicht an den Triebwerken herum, nicht wahr??
Crowl *Ich werfe meinem Nebenmann einen betont unschuldigen Blick zu* -Wir- tun das ganz sicherlich
nicht....*Eine von Aziraphales feinen schlanken Augenbrauen wandert ein Stückchen in die Höhe, was ihn immer ein bisschen wie einen missbilligenden Lehrer wirken lässt... so gut wie ein Engel nun mal eben
missbilligend wirken kann. `-Du- tust das ganz sicherlich nicht?´ Ich seufze im Geiste und verwerfe sämtliche `Oh gott das Triebwerk brennt wir werden alle abstürzen und sterben´-Panikpläne fürs erste
einmal.* Jaja.... *Ich langweile mich schon ein bisschen und so eine kleine Abwechlsung hätte mir gefallen. So muss ich mich halt an die kleineren Dinge halten. Eine kleine Handbewegung und eine der
Stewardessen verteilt ein Glas Tomatensaft auf dem beige-farbenen Seidenazug eines fetten Mannes in der ersten Klasse. Sein wütendes Gekeife und das entschuldigende Stammeln der Frau, die den Tränen
nahe zu sein scheint sind wie Balsam für meine nicht vorhandene Seele und ich lehne mich nach einem großen Schluck Bourbon gemütlich in meinem Sitz zurück. Hehe. Schon besser so.* Was meinst du Engel,
Chateau lafitte oder einen schönen alten Rothschild zum Essen?
Zira *Eine gelassene Handbewegung und Tomatensaftfleck inclusive der Erinnerung daran sind verschwunden.*
Chateau lafitte. Und lass den Unsinn, mein Lieber. *Crowley macht sein gewohntes `ich bin ein Unschuldslamm was du immer hast’ Schmollgesicht, das Grinsen um seine Lippen kann er sich aber doch
nicht ganz verbeißen. Sehr anziehende Lippen wie ich in den letzten Jahrhunderten wiederholt festgestellt habe,… das heißt natürlich – anziehend für –Dämonen- Verhältnisse. Selbstverständlich. Was auch sonst.
Ich winke der Stewardess und lasse mir eine Flasche des besagten Weines bringen. Kein Grund, sie noch mehr zu verwirren indem ich einfach ein Glas davon hier erscheinen lasse.* Willst du auch ein Glas oder
bleibst du erstmal bei deinem Bourbon? *Mit Trunkenheit haben wir beide keine Probleme, es ist immer nur eine Frage dessen, wie weit man sich gewisser – ähm – Verantwortung entziehen will. Ansonsten reicht
ein Fingerschnippen um auszunüchtern. Bei ihm genauso wie bei mir. Er hat alle Zeit sich zu entschließen, denn die Stewardess kommt mit der Flasche, die bereits entkorkt ist und –zwei- Gläsern. Der Jahrgang ist
ganz in Ordnung für ein Flugzeug-Catering… und ich hoffe nur inständig, dass der Wein nicht korkig schmeckt. –Das- kann ich nun wirklich nicht ab.*
Crowl Ich denke, ein bisschen Abwechslung kann nicht schaden.... *... in mehr als nur einer Hinsicht. Ich weiß,
dass Zira grundsätzlich immer erst einen kleinen Probeschluck nimmt wenn er `fremden´ Wein trinkt - zumindest seit einer reichlich unangenehmen Erfahrung im zweiten Jahrhundert - und das ist auch der
einzige Grund warum er es schafft, den Schluck Sauerkrautsaft, den er plötzlich im Mund hat, runterzuschlucken und nicht auszuspucken. Wenn ich schon nicht mit den Passagieren und dem Personal
`spielen´ darf, muss halt er für meinen Zeitvertreib herhalten... und sein Gesicht ist einfach zu komisch wenn ich ihm diese saure Brühe unterjubele. Ich grinse ihn über den Rand meiner Sonnenbrille hinweg an*
Was ist los, Engel? Hat der Wein etwa Kork?
Zira *Die Anstrengung, mich –nicht- zu rächen `übermenschlich’ zu nennen, wäre ein Witz, nach dem mir jetzt
nicht zu Mute ist. Aber ich werde –nicht- in das gleiche, kindische Verhalten verfallen wie Crowley. Ich schnaube also nur durch die Nase.* Wage es nicht, das nochmal zu tun. Lass mich doch wenigstens
erstmal einen Schluck von dem –Wein- kosten… *Der Stewardess, die mich besorgt fragt, ob mit dem Wein etwas nicht in Ordnung sei lächle ich beruhigend zu.* Aber nein, alles bestens meine Gute.
*Zweifelnd dreinsehend geht sie davon, da ein anderer Fluggast nach ihr ruft. Ich gieße mir noch einen weiteren Schluck ins Glas. Die Farbe ist ordnungsgemäß rot, aber das hat nicht viel zu sagen.. Crowley
blickt angestrengt auf den Monitor vor sich und scheint sich köstlich über `Dogma’ zu amüsieren… ich finde den Film auch zum Schreien, wenn ich ihn mir auch nur gelegentlich, und dann heimlich, in meinem
Buchladenhinterzimmer, zu Gemüte führe. Ein paar der `Gags’ sind verdammt nah an der Realität… ein Grund dafür, warum ich mich seit Tausenden von Jahren lieber hier in diesem Moloch von Menschenwelt
aufhalte als in den höheren Gefilden. Gott ist zwar nicht wirklich weiblich, eher so ein übermächtiges Mischwesen aus männlichen und weiblichen Eigenarten… und leider nicht immer denen, die gut gewesen
wären. Unlogisch und aufbrausend, empfindlich und stur… Naja, mir steht kein Urteil über Seine Persönlichkeit zu, aber ich möchte lieber keiner von den Thronen sein, die Ihm direkt unterstellt sind…
nicht, dass ich Gefahr laufen würde, jemals befördert zu werden. Nicht, solange ich mich mit Typen wie Crowley abgebe… seufzend nehme ich einen Schluck und verziehe anerkennend das Gesicht.* Wirklich
gut. *Mein Blick fällt auf das Etikett der Flasche. Das kann doch nicht sein… Der zufriedene Gesichtsausdruck auf Crowleys Gesicht bestätigt meinen Verdacht.* Hast du schon wieder was gemacht?
Dann hoffe ich nur, wir müssen nicht hinterher bezahlen, was auf der Flasche steht. *Ein 1954er dürfte sich im fünfstelligen Bereich bewegen.. grob geschätzt.*
Crowl *Ich seufze -mal wieder- innerlich, bin aber im Moment viel zu gut gelaunt um mir von Zira die Stimmung
verderben zu lassen. Da sorgt man schon mal großzügig dafür, dass sich der mittelmäßige Verschnitt, den sie hier als Chateau lafitte präsentieren, auch wirklich das ist, was auf dem Etikett steht und trotzdem
wird noch gemeckert! Engel und ihre Pedanterie können einem manchmal schon ganz schön auf den Geist gehen. Ich verfolge grinsend den Film vor mir auf dem Bildschirm und tätschele geistesabwesend Ziras
Hand auf der Armlehne.* Jetzt entspann’ dich mal, seit wann müssen wir uns Sorgen ums bezahlen machen, Engel.... *Ich ernte einen `bösen´ Blick für dieses Statement, Zira besteht sogar darauf, für die
Sachen zu bezahlen, die wir uns -selber- besorgen und wird jedesmal fast hysterisch wenn ich diese unbedeutenden Angelegenheiten mit einer kleinen Handbewegung erledige. Engel und ihre verflu...nervige Ehrlichkeit...*
Zira *Ich unterdrücke mannhaft den Anflug von Nervosität, als ich Crowleys Hand auf meiner spüre, nehme
einen guten Schluck und lasse ihn genüsslich in meinem Mund herumrollen, während ich mit einem Auge immer mal wieder auf den Bildschirm schiele. Gerade ist die Szene, in der der 13. Apostel auftaucht… ich
kann mir gerade noch ein Kichern verdrücken. Eigentlich wollte ich mir den Film schon immer mal mit Crowley zusammen ansehen, nach zwei, drei Fläschchen Bourbon oder Wein oder beidem wäre das sicher
gut gekommen. Aber ich konnte mich irgendwie nie dazu durchringen zuzugeben, dass mir gerade –dieser- Film gefällt. Dass Crowley sich darüber kaputtlacht war ja klar, alles was den Himmel und seine Hierarchie,
die Wesen die dort herumwuseln und dann und wann auf die Erde kommen um mitzumischen, durch den Kakao zieht, ist ihm ein Fest. Ich habe jedoch den dummen Verdacht, dass ein ebensolcher Film über das
untere Department ihm –genauso- viel Spaß machen würde. Ich nehme noch einen Schluck, zaudere ein letztes Mal – und greife dann entschlossen zu dem zweiten Headset am Platz. Der vollkommen
fassungslose Blick, den mir Crowley daraufhin schickt, war das schon beinahe wert…*
Crowl *Ich muss wirklich ein paar mal blinzeln -was angesichts meiner Physiognomie beachtlich ist- bevor ich
mich damit anfreunden kann, was ich da gerade sehe. Ich habe ihm ja angeraten, sich mal ein bisschen zu entspannen - aber dass er gleich alle Prinzipien über Bord wirft hat mich jetzt doch ein bisschen
überrascht. Ich hatte Aziraphael seit den die-Juden-vergiften-die-Brunnen-Geschichten im Mittelalter nicht mehr so außer sich gesehen wie bei der Veröffentlichung von `Dogma´ - und ich habe ihn weder
durch Geld oder gute Worte dazu bewegen können sich den Film wenigstens mal anzusehen. Und jetzt schaut er sich das Ganze ruhig an... und scheint sich sogar noch zu amüsieren* Sag mal, Engel ... habe
ich irgendwas nicht mitbekommen? Was ist denn aus `ein blasphemisches Machwerk, das sich die Frechheit herausnimmt den höchsten Herrn als zweitklassige Country-Pop-Sängerin darzustellen´ geworden?
Zira *Ich schlucke einmal kurz und zucke die Schultern.* Schnee von gestern… ist ja auch schon ziemlich alt
jetzt. Man kann sich schließlich nicht ewig aufregen… *Das trockene `Du schon!’ überhöre ich geflissentlich, als eine meiner Lieblingsszenen kommt, ein Dialog der beiden Engel… naja. Eigentlich sind
alle Szenen in denen die beiden vorkommen so ziemlich gelungen. Ein nettes Paar, die zwei. Mir hat es schon mehr als einmal in den Fingern gejuckt, das Drehbuch ein wenig `umzuschreiben’… aber ich habe es
dann doch gelassen. Nicht dass ich Angst vor denen da `oben’ hätte, aber wenn Crowley das jemals herausgefunden hätte, wäre ich meines Lebens nicht mehr froh geworden. Und das wäre ein ziemlich
langes Un-Frohsein … Ich muss wohl trotzdem etwas verträumt vor mich hin gestarrt haben, denn ein amüsiertes `Na, Bartleby gefällt dir wohl?’ holt mich in die Realität zurück. Ich schrecke leicht auf und
starre Crowley erstmal wortlos an.* Naja… *Ich weiß nicht so recht, was ich jetzt antworten soll, also nehme ich noch einen Schluck Wein, während im Film Bartleby und Loki gerade den Zug aufmischen.* Ich
mag Musik… *WAS für ein Schwachsinn… ist das schon die Wirkung von dem Wein? Ich sehe Crowley lieber nicht an, sondern weiter dem Film zu und ziehe es vor, zu schweigen*
Crowl *Ich schnaube unwillkürlich in mein Glas und sehe amüsiert zu ihm hinüber. Da kennt man jemanden
sechstausend Jahre lang und denkt, man würde allmählich so alles an Quirks und Eigenarten kennen... Aziraphael ist doch immer wieder für eine Überraschung gut. Auch wenn Engel eigentlich wenig
Überraschendes an sich haben. Aber dass er anscheinend Gefallen daran gefunden hat, dass die Drehbuch-Schreiber Loki und Bartleby etwas... `zweideutiges´ angedichtet haben verwundert mich dann
doch ein bisschen. Um ehrlich zu sein wundert es mich schon, dass es ihm überhaupt aufgefallen ist. Sodom und Gomorrha waren für ihn auch nur hübsche kleine Städtchen mit `regem Nachtleben´ bevor ihn
Michael ein wenig unsanft über die wahren Begebenheiten der ganzen `Männerfreundschaften´ aufgeklärt hat... und die ganze Gegend in ein hübsches großes Lagerfeuer verwandelt hat.* Aha, Musik. Und
deshalb riskierst du deinen Heiligenschein, nur weil der Milchbubi einen gefallenen Chorknaben spielt?
Zira *Resigniert zucke ich die Schultern. Was hilft’s schon, sich zu verstellen, Crowley kennt mich halt zu gut –
kein Wunder nach mehr als 6 Millenien Bekanntschaft. Ich möchte behaupten, niemand sonst kennt mich so gut. Das liegt zwar nicht unbedingt im Bereich des `Erlaubten’ – aber was soll ich schon machen? Es
hat sich halt so ergeben…* Also gut. Ja, er hat schon was… für einen Menschen. Außerdem ist er ein ziemlich überzeugender Engel. Naja. Durchschnittsengel… *Ich werfe einen verstohlenen Seitenblick auf
Crowley. Wie nicht anders zu erwarten grinst er vor sich hin. Er nimmt die Flasche und gießt sich auch etwas Wein ins Glas. Dann öffnet er den Mund, aber ich falle ihm ins Wort.* Lassen wir das Thema.
Außerdem riskiere ich –nicht- meinen Heiligenschein. Selbst von Unserem Herrn hieß es ja immer `Und er besah ihn sich mit Wohlgefallen…’ *Crowley bricht in ein unkontrolliertes Kichern aus und verschluckt sich
an seinem Wein. Ich verdrehe die Augen während er hustet und spuckt.* Oh –bitte-!!
Crowl *-Das- bringt mich endgültig dazu, in einen mehr oder weniger heftigen Lachkrampf zu verfallen und ich
bin wirklich glücklich darüber, dass ich die Rotweinflecken auf meinem teuren Anzug nicht auf konventionellem Weg beseitigen muss. Ich pruste immer noch vor mich hin während ich mit einer kleinen
Handbewegung meinen Anzug wieder makellos mache und verpasse Aziraphael einen gut gelaunten Schlag auf den Rücken der ihm ein lautes `uuff´ entlockt.* -Du- bist wirklich mit Abstand der seltsamste Engel,
den ich kenne... und das meine ich als Kompliment.* Zira schaut ein wenig säuerlich aus der Wäsche und trinkt pikiert ein Schlückchen Wein, für einen Engel dürften Komplimente von Dämonen sicherlich eine
recht zweifelhafte Sache sein... und meist sind sie das ja auch. Aber die Bibel zu zitieren nur um einen `wohlfallenden´ Blick auf ein paar Menschlein zu `legitimieren´ ist für einen -Engel- eigentlich schon ein
hartes Stück. Michael oder eine der anderen hochgestellten Flügelratten wären sicher alles andere als angetan davon... aber außer mir hats ja keiner gehört und ich werde sicher den Teuf... ahm, ich werde es
sicherlich nicht weitererzählen. *Pass besser auf was du sagst Engel, deine Kollegen dürften dich sicher nicht annähernd so witzig finden wie ich,....
Zira *Angestrengt in mein Glas starrend überlege ich mir seine Worte. Er hat tatsächlich Recht! Wenn ich
solche Sprüche in Gegenwart von Gabriel, Michael oder ähnlichen – mit Verlaub – Korinthenkackern ablasse, kann ich meine Flügel auch gleich selber abhacken… Fast beiläufig kommt mir der Gedanke, dass
ich es früher nie gewagt hätte, die Erzengel so zu titulieren. Langsam stelle ich das Glas ab. Anscheinend vertrage ich heute keinen Alkohol… ich konzentriere mich kurz und schon ist mein System wieder Gift-frei.
Ich lächle etwas mühsam.* Du hast Recht. Vielleicht ist dein Einfluss inzwischen ein bisschen zu stark geworden… - Vielleicht hätte ich mich nicht zu diesem Urlaub überreden lassen sollen.* Wenn ich ehrlich
bin … -soviel- Überredung hätte Crowley gar nicht gebraucht. In Wirklichkeit hätte er mich sicher gefehlt, wenn er wochenlang irgendwo auf den Bahamas rumgehangen hätte… ohne mich. Davon mal abgesehen,
dass ich dann nicht ein Auge auf ihn hätte haben können. Aber irgendwie war das nicht wirklich der Hauptgrund. Sehr bedenklich, das. Wenn wir wieder zurück sind, sollte ich vielleicht ein bisschen Abstand
wahren…* Ich merke, dass ich schon wieder wortlos vor mich hin starre und Crowley mich - nachdenklich?? anschaut.* Was?
Crowl *So allmählich wird es mir aber doch ein bisschen viel mit Aziraphaels so untypisch `depressiver´
Stimmung, der Engel ist doch sonst so ein richtiges Steh-auf-Männchen und ein absolut gnadenloser Optimist. Sein `wird schon alles wieder gut´ ist mir mehr als nur einmal auf den Geist gegangen, aber
dieses pessimistisch-resignierte, das ihn wie eine Gewitterwolke umgibt, kann ich noch weniger leiden. Ein seltsames Gefühl macht sich in meinem Bauch breit und ich stelle zu meinem Grausen fest, dass es sich
um `Sorge um den Gemütszustand des Engels´ zu handeln scheint. Und -ich- soll zuviel Einfluss auf -ihn- haben... betont nonchalant zucke ich mit den Schultern und trinke noch einen Schluck Wein.* Ich warte
nur drauf, dass die Wolken um deinen Kopf gleich anfangen zu blitzen und zu regnen...* Seine Miene wird noch eine Spur düsterer und ich gebe ihm einen spontanen Stoß in die Seite* Ach komm schon Zira,
entspann dich, keiner von deinen Kollegen ist `hier unten´ - schon gar nicht einer von den Obermackern. Michael und seine Konsorten verpassen mir jedesmal ein tierisches Sodbrennen wenn ich auch nur auf ein
paar tausend Kilomerter an sie heran komme und es geht mir prima, von diesem grottenschlechten Wetter in London mal abgesehen. Ein bisschen Hitze tut auch deinen alten Knochen mal ganz gut... und frischer
Fisch und Rum erst recht...
Zira Rum also… *erleichtert stelle ich fest, dass mein Tonfall wie üblich künstlich genervt-maßregelnd klingt
und ich gleichzeitig anfange, mich ein kleines bisschen auf die nächsten paar Wochen mit diesem Spinner zu freuen. Vielleicht sehe ich ja alles viel zu schwarz… ich werfe einen Blick auf den Monitor, auf dem
gerade der Abspann läuft, und muss schon wieder grinsen als ich die kurzen Ausschnitte von Dogma noch mal sehe. Keine Ahnung warum mich Crowleys Neckerei gerade leicht aus der Bahn geworfen hat… ich
brauche ganz sicher kein schlechtes Gewissen zu haben, nur weil ich mir mal einen hübschen Schauspieler angesehen habe… plötzlich habe ich auch wieder Lust auf ein Glas Wein und greife nach der Flasche.* Ich
werde wie immer viel zu viel Arbeit haben, deine `Späße’ auszubügeln, um diesen `Urlaub’ richtig genießen zu können… *Ich weiß nicht wieso, aber irgendwie verspüre ich fast sowas wie Dankbarkeit für Crowleys Hartnäckigkeit.*
Crowl *Ich grinse Zira über mein Weinglas hinweg an. Ich weiss zwar nicht -was- ich jetzt gesagt habe aber
seine Stimmung scheint plötzlich wieder besser geworden zu sein und zumindest fürs erste bin ich wohl vor lokalen Schauern neben mir sicher.* Na, ich muss dich ja irgendwie beschäftigt halten sonst würdest
du dich wieder nur die ganze Zeit hinter irgendwelchen alten verstaubten Folianten verstecken und im Zimmer versauern. Auch -du- musst mal gelüftet werden...*Ich lasse meine Sonnenbrille ein bisschen an
meiner Nase herunterrutschen, so dass ich ihn über den Rand hinweg genau mustern kann. Aziraphaels Haut ist so weiß wie Milch und es hat mich etliche Jahrzehnte amüsiert zu sehen, dass ein Engel
tatsächlich Sonnenbrand bekommen kann. Natürlich heilt er ihn sofort wenn er es mitbekommt, aber ein Aziraphael mit knallroten Öhrchen und einer Rudolf-the-rednosed-reindeer-Nase ist doch immer wieder
erheiternd.* Und ein bisschen Sonne täte dir mal ganz gut...
Zira *Ich gebe ein herablassendes Schnauben von mir* Damit du dich wieder über meine rote Nase lustig
machen kannst? No way. *Sein enttäuschter Blick zeigt mir, dass ich ins Schwarze getroffen habe und ich schenke ihm lächelnd nach. Dabei fällt mir auf, dass der Pegel in der Flasche gar nicht sinkt.* Wenn du so
weitermachst sind wir sternhagelmüde wenn wir da ankommen… by the way… *ich verdrücke diskret ein Gähnen.* Ich mach vielleicht mal ein kleines Nickerchen, denke ich.. *Manche der menschlichen
Gepflogenheiten sind gar nicht schlecht. Teilen den Tag irgendwie ein…* Mach bitte keinen Blödsinn in der Zwischenzeit… *Ich höre mich an wie eine Mama mit ihrem ungeratenen Sprössling, aber in gewisser
Weise… bin ich ja auch seine `Aufsichtsperson’. Ich lehne meinen Kopf nach hinten und schließe die Augen.* Bis später… ich möchte nur Salat zum Lunch…
Crowl *Ich grumpfe nur irgendein undefinierbares Etwas als Antwort darauf und beschäftige mich die nächsten
Minuten damit, ein bisschen in den Zeitungen zu blättern die es hier gibt und die Stewardessen ein bisschen zu terrorisieren. Nichts allzuschlimmes, Zira würde das sofort merken und die Stimmung wäre
sofort wieder auf dem Rückmarsch, aber die jungen Damen brauchen ja auch etwas Bewegung und so schicke ich sie nach Erdnüssen - die ich als nicht salzig genug zurückgehen lasse- Kissen - die ich als zu
klumpig zurückgehen lasse- und endlose Serien von alkoholischen Getränken die schon bald dafür sorgen das ich mich warm und fuzzelig fühle. Für Alkohol habe ich eine Belobigung bekommen, dabei hatte ich da
ausnahmsweise mal gar nicht meine Finger im spiel sondern die Menschen sind von ganz alleine drauf gekommen. Wirklich eine interessante Rasse diese Erdwürmer, -eigentlich- könnten wir den ganzen Laden
da unten dicht machen und das obere Departement hätte immer noch alle Hände voll zu tun. Ich gähne herzhaft und blinzele müde vor mich hin. Mir ist langweilig, im Bordkino läuft irgendeine Liebesschnulze die
mich nicht interessiert und Zira demonstriert gerade -wie- sehr er sich eigentlich schon ans Schlafen gewöhnt hat indem er leise und zufrieden vor sich hinschnarcht. Es hat eine ganze Weile gedauert bis ich
ihn dazu bekommen habe diese menschliche Angewohnheit doch auch mal zu probieren aber so allmählich scheint er Geschmack am Schlaf zu finden. Ich schaue ihm ein Weilchen dabei zu, aber das sorgt nur
dafür, dass meine eigene Lust auf ein Nickerchen nur noch wächst. Sicher, ich könnte mich wieder nüchtern machen, dann wäre auch die Müdigkeit wieder verschwunden. Aber der Flug ist noch lang... und
wer schläft sündigt zwar auch nicht, aber er tut auch nichts Gutes. Und ein Nickerchen hat noch nie geschadet...*
Zira *Als ich die Augen aufschlage registriere ich sofort zwei Sachen. Etwas Schweres an meiner Schulter und
mehrere angefangene Flaschen mit verschiedenen Alkoholika nebst dazugehörigen Gläsern vor mir. Was schlagartig das schwere Gefühl auf meiner Schulter erklärt: – Crowleys Kopf. Als ich den Blick hebe sehe
ich in das Gesicht einer Stewardess, die mich freundlich anlächelt und mich nach meinen Wünschen für den Lunch fragt.* Thunfischsalat und einen Kaffee, bitte. *Sie sieht fragend auf die Batterie Flaschen vor
uns. `Die Getränke…’ * Können weg. Mein Begleiter bestellt sobald er wieder wach ist. *Sie nickt und geht um ein Tablett zum Abräumen zu holen. Während sie weg ist drehe ich mich leicht zu Crowley und berühre
seine Schulter.* Aufwachen. Es gibt gleich Mittagessen.
Crowl *Die leise Stimme ruft ein wahres Gewitter an Schmerzen in meinem Kopf hervor und ich sorge schnell
dafür, dass der ganze Alkohol erst einmal aus meinem Körper verschwindet bevor ich Zira breit angähne - nur aus Prinzip, ohne Alkohol auch keine Müdigkeit mehr - und mich wieder ordentlich zurück in meinen Sitz
räkele. So gerne ich auch schlafe, aber selbst ein Dämon wacht nicht gerne mit einem Hangover auf.* Na prima, ich hab Kohldampf. Was gibts denn? *Mein Flaschensortiment ist verschwunden - sicher Ziras Werk
- und ich drücke ein paar mal auf den vielbenutzen Knopf für die Stewardess um Nachschub zu besorgen bevor ich Zira grinsend frage.* Schon mal über eine Karriere als Kissen nachgedacht?
Zira Huh? Kissen? Wegen der Federn oder was? Sehr witzig. *Ich bin etwas abgelenkt, weil ich ihn eigentlich
gerade misstrauisch fragen will, wozu er den Knopf drückt, wo die Stewardess doch gleich auftauchen muss, und ob er etwa noch mehr Alkohol bestellen will. Deshalb irritiert mich sein breites Grinsen auch
ziemlich.* Was ist denn schon wieder so witzig? *Er wird einer Antwort enthoben als die junge Frau mir den Salat und den Kaffee hinstellt, und ihn lächelnd nach seinen Wünschen fragt. Sein gemurmeltes `die
kannst du mir sowieso nicht erfüllen’ kann zwar nur ich hören, da er auf einer Frequenz spricht, die menschliche Ohren nun beim besten Willen nicht mehr verarbeiten können – aber ich stoße ihm dennoch
den Ellbogen in die Rippen und antworte auf der gleichen Frequenz.* Benimm dich mal. *Es geht schließlich ums Prinzip.*
Crowl *Ich grinse nur und schicke die junge Dame mit einer Bestellung wieder von dannen -Jack Daniels ohne Eis
und das Steak, aber bitte schön blutig- bevor ich mich mit einem verführerischen Grinsen über Aziraphael beuge und mir eine Peperoni von seinem Salat klaue.* Keine Angst, -noch- ist sie Jungfrau... *Meine
Betonung auf -noch- lässt schlagartig Ziras Augenbrauen irgendwo im Haaransatz verschwinden und er schaut mich -sehr- missbilligend an. Ich grinse nur zurück und beobachte Peperoni-knabbernd wie die
schwingende Kehrseite der Dame in dem Stewardessen-Bereich verschwindet. Als Dämon kennt man natürlich nicht nur die ideologischen Varianten des Verführens und im Gegensatz zu den meisten meiner
Kollegen beteilige ich mich auch ab und an mal ganz gerne persönlich an den körperlichen Aspekten davon. Zira treibt es regelmäßig an die Decke, vor allem wenn ich ihn mit allen möglichen erfundenen
Lügengeschichten aufziehe. Natürlich kennt er die menschliche Anatomie, aber theoretisches Wissen und praktische Anwendungen sind doch immer zwei verschiedene paar Schuhe.*
Zira Oh –bitte- verschone mich mit Einzelheiten. *Ich kaue lustlos auf einem Salatblatt herum, lege schließlich
die Gabel weg und greife zu meinem Kaffeetopf. Unter diesem Aspekt wird die Reise ein einziges Generve. Wenn ich mir vorstelle, man liegt am Strand, hunderte fast nackter Mädchen laufen herum, und jedesmal
ein Kommentar von Crowley… ich stöhne gepeinigt in meinen Kaffee. Es ist nicht einfach, eine mehr als 6000 Jahre alte Jungfrau neben einem genauso alten Lustmolch zu sein… nicht dass ich neidisch wäre…
die – na sagen wir mal, anatomischen Einzelheiten haben mich nie sonderlich gereizt. Ich bin auch keine prüde alte Jungfer, wer Spass haben will, soll ihn –bitteschön- haben… aber,… - aber. Wie immer an dieser
Stelle meiner Gedankengänge unterbreche ich das Grübeln. Das führt zu nichts. Trotzdem klingt meine Stimme einen Hauch bissig, als ich wieder nach meinem Besteck greife.* Vielleicht wäre ich doch besser in London geblieben.
Crowl *Arrrrg ! Also dieser Engel treibt mich echt noch irgendwann in den Wahnsinn... wenn er das nicht schon
längst getan hat. Warum um alles in der Welt ist er im moment nur so -empfindlich- ! So allmählich frage ich mich wirklich, wie ich überhaupt auf den Gedanken gekommen bin, ihn mitnehmen zu wollen, im
Moment sorgt er nur dafür, dass meine ohnehin schon dünne Geduld langsam aber sicher ihrem Ende zu geht. Es ist nicht sonderlich schwer mich zu reizen, auch wenn ich bei Aziraphael über die Jahrtausende
hinweg eine etwas höhere `Hemmschwelle´ entwickelt habe als anderen gegenüber und Dämon bleibt nun mal Dämon. Dementsprechend ätzend klingt meine Stimme während ich mein mittlerweile gekommenes
Steak mit dem Messer malträtiere. *Vielleicht hätte sich Eva auch besser nicht dazu überreden lassen mal ein neues Obst auszuprobieren, dann hättest du das Problem erst gar nicht... du könntest den ganzen
Tag lang Harfe klimpern und ich wäre mittlerweile Meister im Seelen-BBQ…
Zira *Meine Stimme wird bei meiner Erwiderung auch ein paar Grade kühler, ist jetzt aber wieder beherrscht
ohne den beleidigten Unterton. Ich kenne diesen Gesichtsausdruck bei Crowley, und wenn ich nicht die Maschine riskieren will, muss ich aufpassen. Das wieder auszubügeln wäre ohne Hilfe etwas schwierig, und
ich mag eigentlich keine Berichte darüber abgeben, warum ich mit einem Dämon einträchtig in einem Jumbo Richtung Karibik sitze… Einen kleinen Seitenhieb kann ich mir aber dennoch nicht verkneifen.* Vielleicht
hätte eine gewisse Schlange besser im richtigen Moment ihre gespaltene Zunge gehütet, dann würde sich die Frage nach Obst, Harfen und Armageddon gar nicht erst stellen. *Damit schiebe ich den Teller von mir,
winke der gerade vorbeikommenden Stewardess…* Einen schottischen Whiskey, bitte! *.. greife wieder die Kopfhörer und tippe wahllos eine Nummer in die CD Auswahl vor mir. Wenn die Dame mich und meinen
Begleiter jetzt für durchgeknallte Alkoholiker halten sollte, so würde mich das nicht wundern. Auch nicht sonderlich stören… *
Crowl Pah, als ob die Schlange eine Wahl gehabt hätte...*Ich attackiere mein Essen und in mir drinnen brodelt
es ganz gewaltig während ich das -für meinen Geschmack viel zu gare- Fleisch verschlinge. Dämlicher Engel, es ist mein -Job- Menschen zu verführen und je mehr desto besser. Und welcher Dämon könnte
schon so etwas großem wie `Sünde in die Welt bringen´ widerstehen. -Ich- jedenfalls nicht, schon gar nicht wenn ich haargenau weiß, was so alles auf einen zukommt. Himmlische Strafen gibt es eigentlich nur
eine ziemlich endgültige aber da unten sind sie ein bisschen kreativer was das anbelangt. Und ausdauernder. Alles was denen da oben nicht passt bekommen wir geschickt, typische Verdrängungstaktik
eben, aber andersrum funktioniert das leider nicht. Ich werfe einen kurzen Blick auf meinen prüden, goody-two-shoes-Engel-Begleiter, der sich gerade prächtig mit ein paar Schlager-Cds zu amüsieren
scheint und es schaudert mich ein bisschen. Ich würde gar nicht mehr da oben hinwollen wenn ich mal ehrlich bin, 6000 Jahre als `gefallener Engel´ hinterlassen doch ein paar Spuren und es würde mir ganz
schön schwerfallen meine weniger engelhaften Angewohnheiten wieder fallen zu lassen. Vermutlich würde ich mich schon nach ein paar Jahrzehnten dermaßen langweilen, dass ich -aus Engelssicht- irgendwelchen
Unfug anstellen würde und ich wäre schneller wieder ein paar Etagen tiefer als ich `Bob ist mein Onkel´ sagen könnte. Auch wenn es da schon so ein, zwei Dinge gibt, die mir fehlen...*
Zira *Während ich irgendwelcher `moderner’ Musik lausche mache ich mir Gedanken, ob ich Crowley wohl sehr
verärgert habe. Es sieht jedenfalls danach aus als ob er vor Wut kocht. Während ich an meinem Whiskey nippe grüble ich darüber nach, -was- genau mich eigentlich so genervt hat. So bissig bin ich sonst
eigentlich selten, einmal, weil ich sein Temperament kenne, und um zu verhindern dass durch einen seiner Zornausbrüche größere Schäden entstehen, zum anderen weil ich einfach lieber im guten Einvernehmen
mit ihm stehe. Wo ich doch ständig mit ihm zusammen bin… Sicher wir wohnen nicht zusammen, aber so viel Zeit wie mit ihm verbringe ich mit niemandem sonst. Und jetzt im Urlaub wird das ja noch deutlicher…
ich seufze kurz. Wenn ich nicht um gut Wetter bitte wird er mit mir schmollen – und zwar -buchstäblich- bis zum Tag des jüngsten Gerichts. Er ist nicht zickig, nur konsequent. Wenn er sich im Recht fühlt, kann
er ausdauernd im Schmollen sein. Sehr ausdauernd. Eigentlich bin ich ja genauso… aber jetzt fühle ich mich nicht im Recht, ganz und gar nicht. Es ist mir eigentlich eher peinlich… mein Blick irrt nach vorne zum
Personalabteil. Diese Bemerkung über die Stewardess hat mich so geärgert, dass ich ihn so angefaucht habe… aber das werde ich ihm auf keinen Fall sagen. Kann ich nicht. Also wie fange ich es am besten an?
Ich brauche gar nicht erst zu versuchen, so zu tun als ob nichts gewesen wäre,… wie gesagt, er ist ausdauernd. Und sicher wird –er- nicht den ersten Schritt machen…*
Crowl *Das Fleisch ist vertilgt, der Whiskey getrunken und Aziraphael starrt immer noch aus dem Fenster, die
Kopfhörer fest über den Ohren... und ich brumme förmlich vor lauter, zornig-dämonischer Energie und weiß nicht wie ich sie loswerden soll. Normalerweise würde ich jetzt einfach aus Ziras Laden stampfen, in
meinen Bentley springen und Omas jagen gehen oder ein paar junge Möchtegern-Yuppies aufstacheln im Suff Skinheads anzulabern oder ähnliches. Aber hier kann ich nicht weg, jedenfalls nicht wenn ich nicht
doch noch selber zu den Bahamas fliegen will und `Stewardessen scheuchen´ ist mir irgendwie im Moment zu brav. Mit den anderen Passagieren im Flugzeug habe ich schon eben ein bisschen gespielt und es ist
ein gutes Gefühl zu wissen, dass die Blondine mit den Filzläusen aus der dritten Reihe im Moment von dem werdenden Vater aus Reihe zwanzig doggy-style in der Toilette vernascht wird aber auch das war zu
einfach als dass ich dabei viel Energie hätte aufbringen müssen. Kurz spiele ich mit dem Gedanken, doch vielleicht ein bisschen mit den Triebwerken zu spielen, aber ich hatte versprochen, das nicht zu tun und
selbst Dämonen müssen zu ihrem Wort stehen. Ein kleines fieses Grinsen huscht über mein Gesicht während ich hinter meiner Brille die Augen schließe, um mich besser konzentrieren zu können. Aber
Versprechen von Dämonen haben immer irgendwo einen Haken... und ich habe nicht versprochen mich von Hoch- und Tiefdruckgebieten fernzuhalten. Ein kleines Zupfen hier, ein kräftiges Schieben da und das
panikartige Geschrei das ausbricht als unser Flieger plötzlich in ein mehrere hundert Meter tiefes Luftloch rast vibriert kaskadenartig durch meinen Körper. Der plötzliche Endorphin-Rausch lässt mir fast ein
bisschen schwummerig werden, als hätte ich zuviel getrunken, und während der Pilot noch versucht, die Maschine wieder abzufangen und ruhig zu halten bastele ich schon an ein paar neuen Löchern.
Zira *Ich hatte mir gerade eine der Zeitschriften genommen, um beim Überlegen, wie ich Crowley wieder etwas
milder stimmen kann, wenigstens so zu wirken, als sei ich beschäftigt. Als die Maschine so schlagartig absackt fährt mein Kopf ruckartig zu Crowley herum. Ein ausgesprochen zufriedenes Grinsen hängt in
seinen Mundwinkeln und bestätigt meine Vermutung, dass er die Dämonenfinger im Spiel hat. Leichter Unmut lässt mich die Stirn runzeln. Er hatte es doch versprochen! Er sieht mich herausfordernd an, sein
Blick sagt eindeutig `Das hast du nun davon’ und er wirkt nicht so, als sei er schon fertig mit seinen `Spielchen’ - aber ich glaube eigentlich nicht, dass er sein Wort gebrochen hat. Ich kann nicht für seine
`Kollegen’ sprechen, aber –er- tut sowas nicht. Seufzend lege ich die Zeitschrift wieder weg. Nach Worten suchend lege ich ihm die Hand auf den Arm.* Crowley. *Er zuckt kurz als wolle er ihn mir
entziehen, lässt ihn aber wo er ist. `Was!’ Ich hole tief Luft.* Es tut mir leid dich so angefahren zu haben. Lass es nicht –sie- *ich mache eine vage Kopfbewegung Richtung der anderen Passagiere* … ausbaden.
Bitte. *Er starrt mich düster an und ich nehme geknickt die Hand wieder von seinem Arm. Die Entschuldigung kam wohl einen Moment zu spät… Sicher denkt er jetzt ich mache das nur, um die Leute in
Sicherheit zu bringen. Dabei liegt mir auch daran, mich wieder mit ihm zu vertragen…* Es tut mir -wirklich- leid.
Crowl *Ich bedenke ihn mit keiner Antwort sondern starre einfach weiter mit verschränkten Armen vor mich hin
bis er sich mit einem kleinen Seufzen wieder an seine Lektüre begibt. Aber so sehr ich auch nach außen stachele und so gut sich das Gefühl von Panik auf meiner Haut auch anfühlen mag, irgendwie hat Zira es
wieder geschafft, dass mir schlagartig sämtliche Zerstörungswut abhanden gekommen ist. Nicht etwa weil ich es plötzlich einsehen würde, dass es `unfair´ ist, meine Wut an anderen auszulassen -Dämon bleibt
Dämon und für mich ist es einfach eine normale Art der Stressbewältigung- sondern weil ich weiß, dass Zira sich Vorwürfe machen würde wenn ich weiter dafür sorge, dass die Passagiere diesen Flug ihr Leben
lang nicht vergessen werden. Er sieht es immer als persönliches Versagen an wenn er es irgendwie schafft, mein Temperament aus dem Lot zu bringen und dadurch irgendwer in Mitleidenschaft gezogen
wird. Und unser Urlaub hat schon schlecht genug angefangen, da will ich mich nicht auch noch mit einem Engel voller Selbstvorwürfe rumärgern müssen. Und ich -weiß- dass es ihm leid tut, das ist schließlich
Aziraphael hier neben mir, ihm tut -immer- alles leid und er meint es auch immer ernst. Die alte `Engel dürfen/können nicht lügen´-Klausel eben. aber auch wenn er es mit seinem traurigen Blick jedesmal wieder
schafft mich `abzukühlen´ bin ich doch immer noch dämonisch genug mir das wenigstens nicht anmerken zu lassen und ich brenne noch eine ganze Weile lang Löcher in den Sitz vor mir bevor ich der Meinung bin
ich hätte jetzt lange genug geschmollt. Das sage ich Zira natürlich nicht... aber die Handvoll Mandeln die ich ihm wortlos auf seinen klapptisch lege - ich habe mir Studentenfutter bringen lassen und er hat eine
Schwäche für diese Dinger - sind ein für mich sehr deutliches Friedensangebot*
Zira Danke. *Mehr sage ich erstmal nicht, aber in diesem Wort liegt mehr als nur ein simples Bedanken für eine
Aufmerksamkeit. Es heißt `ich habe verstanden, dass du meine Entschuldigung annimmst und bin froh dass du nicht mehr sauer auf mich bist.’ Jetzt muss ich ihn noch eine Weile in Ruhe lassen damit er guten
Gewissens noch ein bisschen so tun kann als ob er schmollt, am besten warte ich jetzt bis er etwas sagt, denn nachdem er mir die Mandeln abgegeben hat –weiß- ich dass er nicht mehr böse ist. Sonst hätte er
sie sich kaltlächelnd eine nach der anderen selber zu Gemüte geführt, und das, obwohl er sie gar nicht besonders mag. Da er das nicht getan hat scheint er wieder bereit zu sein, sich mit mir abzugeben.
Erleichterung macht sich in mir breit und ich nehme mir fest vor, keine solchen Anfälle mehr zu bekommen, und sollte Crowley auch das halbe Hotel zu vernaschen belieben. Was geht es mich schließlich an? Ich
seufze unhörbar. Sicher, -gefallen- würde mir das nicht… aber Schluss jetzt damit. Mir ist wieder wesentlich besser zumute und um den Flieger muss ich mich wohl auch nicht mehr sorgen. Dafür um etwas
anderes. Der Flug dauert noch lange, was wenn Crowley wieder langweilig wird? Vielleicht sollten wir uns doch noch eine Flasche Whiskey oder so bestellen, damit wir schlafen können. Es hat ja was für sich mit
dem `allezeit wach’… aber wenn man in einem 40 mal 40 Sitz eingepfercht ist, kann das ganz schön nerven.* Ahm… die nächste Flasche Whiskey geht auf mich? *Es ist nur ein Versuch, aber fragen kostet ja nichts…*
Crowl *Ich bin noch nicht der Meinung, dass ich schon wieder `friedlich´ genug bin um sprechen zu wollen und
so grummele ich nur etwas Unverständliches vor mich hin was Zira aber mit der beachtlichen Übung die er im Deuten meiner Äußerungen mittlerweile hat als so etwas wie Zustimmung verstehen könnte... und das
wohl auch tut, denn ein paar Minuten später steht ein hübsches Fläschchen irischer Whiskey vor uns. Ich weiß, dass diese Idee wahrscheinlich mit dem Gedanken einherging, dass Alkohol nun mal müde macht, es
aber gleichzeitig Ziras äquivalent für die Mandeln ist. Und irischer Whiskey ist nun halt mal irischer Whiskey und an dem gibt es nie etwas auszusetzen. Ich gieße mir eine ordentliche Portion ins Glas und bin jetzt
doch soweit, Zira zumindest zuzuprosten bevor ich mein Glas in einem Zug leer trinke und sofort wieder nachfülle. Schlafen ist vielleicht wirklich keine schlechte Idee, so allmählich kommen mir nämlich doch
Zweifel ob diese Flugzeug-idee so gut war. Diese Sitze sind auf Dauer ganz schön unbequem.*
Zira *Diese und eine weitere halbe Flasche Whiskey später merke ich, wie meine Lider schwer werden. Crowley
hat sich bereits zurückgelehnt und schläft leise schnorchelnd tief und fest. Ich hatte eigentlich vor gehabt, nur Crowley ein bisschen `einzuschläfern’ und mich dann den Rest des Fluges meinem Buch zu
widmen. Nicht, dass ich wirklich konzentriert genug wäre, der Streit mit Crowley beschäftigt mich noch viel zu sehr, ebenso wie ein unbestimmtes Schuldgefühl, überhaupt mit ihm auf diese Reise gegangen zu
sein … die da `oben’ würden das mit absoluter Sicherheit nicht gut heißen. Ich werfe einen Blick auf das Werk auf meinem Schoß - einen dicken Wälzer über die Reformation. Das war damals ein reichlich sinnloses
Unterfangen in meinen Augen, das zwar vielversprechend angefangen hatte aber dann ist die evangelische Kirche in viele der gleichen Fehler verfallen, die die Katholiken schon Jahrhunderte vorher begangen haben
– Korruptheit, Ausnutzung ihrer Macht, Belügen und ausbeuten der Gläubigen - und alles war für die Katz. Das dürfte zwar mit Sicherheit auch dem Einfluss von Crowleys `Abteilung’ zuzuschreiben sein, dass an
den entscheidenden Stellen eben genau die Leute saßen, die anfällig für Korruption und Amtsanmaßung waren… aber trotzdem habe auch ich Schuld daran. Da habe ich eindeutig nicht genug aufgepasst… Ich
seufze, als ich das Buch zuklappe. Ich werde wohl auch eine Runde schlafen, dann mache ich mir nicht so viele Gedanken, sowohl über meine Versäumnisse als über Crowley. Dieser brabbelt gerade leise vor sich
hin und ruckelt sich im Sitz zurecht, wobei sein Kopf sich in meine Richtung bewegt. Ich muss an vorhin denken, als er so angekuschelt an mich geschlafen hatte und ein unbestimmtes Gefühl macht sich in
meinem Bauch breit. Ich vermeide, darüber nachzudenken was das wohl bedeuten mag und schließe die Augen. Besser, ich lasse meine Gedanken nicht in eine gewisse Richtung gehen, das gibt nur Ärger.
Trotzdem stiehlt sich ein fast glückliches Lächeln in mein Gesicht als ich, nur noch halb wach, ein wohlbekanntes, schweres Gefühl an meiner Schulter spüre. Crowley… - Als ich wieder wach werde stehen
eine Tasse Tee und ein paar Kekse vor meiner Nase und Crowley gießt sich gerade Kaffee ein.* Hallo Schlafmütze. Wir landen in einer Viertelstunde. *Er hält ein Kännchen hoch. `Sahne?’ Noch ziemlich
weggetreten nicke ich, murmle dann einen Dank und greife nach der Tasse. Indem ich an dem heißen Getränk nippe überlege ich wie lange er schon wach ist, und was er wohl `angestellt’ haben mag. Er wirkt
bemerkenswert munter und irgendwie – zufrieden?* Dann müssen wir lange geschlafen haben… *Ich betone das `wir’ ganz leicht und sehe ihn aufmerksam an, aber der zufriedene Ausdruck ist von seinem
Gesicht verschwunden. Vielleicht hat er sich ja nur über den Kaffee gefreut…*
Crowl *Ich brumme irgendetwas unbestimmtes und schlürfe genüsslich an meinem heißen Kaffee während ich
aufmerksam den kleinen Bildschirm vor uns betrachte an dem mit angenehmer Schnelligkeit die Minuten bis zur Landung davonticken. Ich bin schon eine ganze Weile wach im Gegensatz zu Aziraphael und die
Flugzeuginsassen hatten ziemliches Glück, dass zufällig im Bordkino ein Film gezeigt wurde der mich interessiert hat. Natürlich habe ich trotzdem den ein oder anderen Prank abgezogen und die Welt ist um
zwei Herzinfark-Anwärter und eine zerstörte Familie reicher, aber zu mehr habe ich mich nicht hinreißen lassen. Zira hat so fest geschlafen, dass er gar nichts gemerkt hat und das letzte Fünkchen Ehre und
Anstand das von meiner früheren Karriere als Engel übrig geblieben ist hat mir verboten diesen Umstand auszunutzen. Es wäre zwar nicht direkt gegen unsere Abmachung gewesen aber irgendwie kann ich bei
Aziraphael einfach nicht `pfuschen´ ohne irgendwie ein schlechtes Gewissen zu bekommen. Diese absolut undämonische Einstellung ärgert mich jedesmal aufs neue aber ich kann es irgendwie nicht einfach
abstellen oder ignorieren. Ich habe mich also auf Kleinigkeiten beschränkt und abwechselnd den Film und Aziraphael angeschaut. `Schlafender Engel´ ist für mich irgendwie immer wieder aufs neue
faszinierend....und -das- ist auch etwas das mich ein klitzekleines bisschen ärgert...*
Zira *Obwohl Crowley nicht wirklich bestätigt, kein `Unheil’ angerichtet zu haben, bin ich etwas beruhigt. Ein
kurzer Rundumblick im Flugzeug zeigt sich normal verhaltende Passagiere, auch die Stewardessen sind anscheinend locker und entspannt. Ich trinke meine Tasse leer und nehme mir einen Keks, an dem ich
gedanverloren knabbere, bis die Stewardess unser Geschirr abräumt und uns freunldich auffordert, die Gurte anzulegen. Keine fünfzehn Minuten später steht die Maschine auf dem Rollfeld von Nassau und wir
sind auf bereits dem Weg zur Gepäckausgabe. Der kurzzeitige Stau dort ruft wieder einen leichten Unmut bei Crowley hervor, doch bevor er auf irgendwelche seltsamen Gedanken kommen kann haben wir unsere
Koffer auch schon wieder. Auf dem Weg zum Zubringer-Bus, der die Fluggäste in die jeweiligen Hotels bringen soll, registriere ich den einen oder anderen bewundernden Blick weiblicher Touristen. Ich zucke
innerlich die Achseln. Kein Interesse an Urlaubsbekanntschaften… Ich lächle dennoch zurück, irgendwie kann ich einfach nicht aus meiner Haut. Wenn jemand freundlich zu mir ist, bin ich es halt auch… die Blicke
die Crowley gelten sind jedoch noch um einiges begehrlicher, wie ich feststelle,… und –da- muss ich mich wirklich beherrschen, um den jeweiligen Damen nicht ausgesprochen böse Blicke zuzuwerfen. …das wäre
nun aber auch wirklich äußerst unangemessen…
Crowl *Die unbarmherzige Hitze, die fast hundertprozentige Luftfeuchtigkeit und der leichte, warme Wind der
mich trifft sobald wir die runtergekühlte Flughafenhalle verlassen haben sorgt schnell dafür, dass das leicht saure Gefühl bei dem Gewusel am Gepäckband wieder abflaut und fürs erste ist der `Drang´
irgendetwas kaputtzumachen durch vollkommenes Wohlbehagen ersetzt. Der Bus der uns zu unserem Hotel bringt ist nicht klimatisiert und zwischen den ganzen verschwitzten, rotgesichtigen Touristen bin ich
offensichtlich der einzige, der sich wohlfühlt. Selbst Zira hat ein paar kleine Schweißtröpfchen auf der Nase, zeigt sich ansonsten aber auch unbeeindruckt. Sobald wir das Flughafengelände verlassen und
weiter in Richtung Innenstadt fahren hat er schon bald alle möglichen kleinen alten Kolonialstil-Häuser entdeckt und babbelt mit einem glücklichen Gesichtsausdruck, die Nase fest an die Scheibe gepresst wie
ein kleines Kind, über Säulen und Bauweisen. Ich nicke zwar immer nett zwischendurch und gebe vor, zuzuhören aber mein Blick aus dem Fenster gilt eher den leichtbekleidetetn Schönheiten -vor- den
Häusern. Kaffeebraune Haut, üppige Körperrundungen und perfekt weiße Zähne gibt es hier wirklich im Dutzend billiger und ich freue mich schon darauf mal etwas anderes unter die Finger zu bekommen als
blasse, europäische Frauen, die eher Bügelbrettern ähneln als Wesen weiblichen Geschlechts. Ich konnte diese Bohnenstangen mit Rosinen als Brüsten noch nie leiden, ab und an vermisse ich wirklich die Üppigkeit
aus früheren Zeiten wo eine Frau wirklich noch eine -Figur- hatte und auch wenn Zira es wahrscheinlich insgeheim vermutet war der aktuelle Schlankheitswahn nicht meine idee. -Wer- da seine Finger im Spiel
hat weiß auch ich nicht aber ich bin auf jeden Fall schon mal froh dass er -hier- offensichtlich noch nicht war. Genüsslich lasse ich meine Blicke über die Menge draußen schweifen. Nicht nur die Frauen sind hier
üppig und anziehend ich entdecke auch einiges an ansehnlichen männlichen Exemplaren. Sicher, Verführung jeder Art und Weise ist mein Job... aber wer sagt, dass man sich auch bei seinem Job nicht
mal amüsieren kann. Zira babbelt immer noch über die architektonischen Wunder die er zu Gesicht bekommt, ich höre allerdings immer nur noch mit einem halben Ohr zu. Im Geiste plane ich schon ein paar
Eroberungen, es ist für mich kein Problem, die hübschesten Damen und Herren an denen wir vorbeifahren nachher wieder zu finden. Als erstes werde ich mir einen schönen Cocktail genehmigen, etwas leckeres
essen und mich in die Sonne legen bis die ganze England-Kälte aus meinen Knochen verschwunden ist... dann werde ich mich den noch etwas wärmer machenden Tätigkeiten zuwenden...*
Zira *Irgendwie habe ich den Eindruck, dass die `hms’ und `jaa’s’ immer spärlicher kommen und auch jedes Mal
desinteressierter klingen. Ein kurzer Seitenblick bestätigt mir, dass Crowleys Blicke sich vielmehr auf gut gebaute Gigolos und die Hüften und Brüste draller Südsee-Schönheiten fixieren, als auf Häuser im
Kolionalstil. Ich verstumme abrupt. Eine bissige Bemerkung a la `Perlen vor die Säue geworfen’ verkneife ich mir gerade noch, ich habe mir ja vorgenommen, solche `Anwandlungen’ nicht mehr zu bekommen.
Trotzdem zwickt es doch gewaltig, Crowleys offenkundiges Interesse an potentiellen Sex-Partnern zu sehen… nicht, dass es mich etwas angehen - oder auch nur –interessieren- würde, wen oder was er zu
vernaschen beliebt… oh nein. Schließlich ist er ein gutaussehender, sexy Dämon und hat es überdies nicht nötig, sich mit irgendwelchen Moralvorstellungen herumzuplagen wie ich… Ich frage mich nur, warum ich
unbedingt mitkommen musste, um das mitzuerleben… schließlich weiß er doch genau, dass ich an solcherlei… `Vergnügen’ schon von Natur aus -absolut- kein Interesse hege… -und- ich frage mich
außerdem, wie um Himmels willen ich darauf komme, das Wort `sexy’ auch nur zu denken… Ich presse weiterhin meine Nase an die Scheibe um zu verhindern, dass er meine sicherlich augenblicklich nicht
gerade sehr blasse Gesichtsfarbe registriert, und versuche, mir –nicht- auszumalen, was heute nacht wohl in seinem Zimmer abgeht… leider mit äußerst geringem Erfolg.* Gehen wir heute abend zusammen noch
was trinken oder bist du müde?? *Das habe ich nicht wirklich gerade gefragt, Gott ist das offensichtlich. Peinlich, peinlich…*
Crowl *Eine meiner Augenbrauen geht leicht in die Höhe. Sicher, ich mache ganz gerne mal ein Nickerchen aber
wirklich `müde´ im wahren Sinne des Wortes kann ich gar nicht werden, genauso wenig wie Zira. Von Alkohol bekomme ich zwar einen schweren Kopf wenn ich es zulasse aber das ist einfach nur so weil ich es
-will- und meine Körperfunktionen dementsprechend trainiert sind.* Schrecklich müde Engel... *Der Sarkasmus ist mir deutlich anzuhören und Zira wird automatisch ein bisschen rot um die Nase.
Offensichtlich hat er jetzt auch mitbekommen was für einen Quatsch er da eigentlich gefragt hat. Ich überlege kurz, zucke dann aber innerlich mit den Achseln. Ich habe noch genug Zeit, um die `Vorzüge´
der Inselbevölkerung auszukosten und die Nächte in der Karibik sind lang. Außerdem muss ich mich mit so etwas wie `Erobern´ oder `Überreden´ auch nicht auseinandersetzen, auch wenn ich ganz gerne den
`menschlIchen´ Weg zur Kontakaufnahme nutze. Alter Jagdinstinkt eben. Ich grinse Zira über den Rand meiner Brille hinweg an, halb verschmitzt und mit teasendem Unterton.* Ich hatte eigentlich nicht vor mit
dem Trinken bis heute Abend zu warten....
Zira *Mist. Voll ins Fettnäpfchen… und Crowley muss es natürlich auch gleich merken. Irgendwie habe ich das
Gefühl, dass dieser Urlaub etwas, na sagen wir mal – frustrierend werden könnte. Wahrscheinlich suche ich mir am besten ein nettes älteres Ehepaar als Anschluss, denn ich habe nicht den Eindruck, als ob ich
von Crowley viel zu sehen bekommen werde, so wie er grinst. Innerlich die Achseln zuckend nicke ich seufzend. Was soll’s ich habe ja genügend Lesestoff eingepackt, ich hatte so etwas ja schon geahnt.
Trotzdem – wo er so darauf bestanden hat mich mitzunehmen… energisch vertreibe ich den Anflug von Enttäuschung. Ich bin hauptsächlich mitgekommen, um Schlimmeres zu verhindern. Und solange er Spaß
hat, ist er eher abgeneigt, Schlimmes zu tun… von ein paar geschmacklosen, kleinen `Scherzen’ abgesehen, natürlich. Also – soll er seinen Spaß haben. Der Bus hält endlich vor unserem Hotel, einer
Fünf-Sterne Anlage mit allen Schikanen. Schon klar, dass Crowley es unter dem nicht tut… Mit meinem Rollkoffer am Griff steurere ich, von Crowley gefolgt, die Rezeption an. Ich werde halt versuchen, mich
auch ein bisschen zu amüsieren. Entschlossen drehe ich mich zu ihm um.* Ok, ich bin dabei. In einer Viertelstunde in der Hotelbar, Daiquiri bis zum Abwinken??
Crowl *-So- gefällt mir der Engel doch schon um Klassen besser. Schließlich will ich, dass er sich auch
amüsiert... auch wenn ich nicht immer nachvollziehen kann -was- genau er amüsant findet- Engelgeschmack eben. Ich gehe an ihm vorbei, absichtlich so, dass sich unsere Arme leicht berühren und
schenke ihm mein tödlichstes, vielversprechendstes Schlangengrinsen* -Darauf- kannst du wetten Angel Dear... ich wollte dir schon immer mal dabei zusehen, wie du volltrunken Limbo tanzt.... *Dann bin ich an
ihm vorbei und winke noch einmal non-chalant über meine Schulter bevor ich mich in mein Zimmer aufmache. Das ist eine erstklassige Anlage hier und die Zimmer sind eigentlich eher Apartements und so
arrangiert, dass man das Gefühl hat, alleine im Dschungel zu sein. Die üppige Vegetation ruft angenehme Erinnerungen in mir wach und ich atme tief die schwül-feuchte, Orchideen-Duft-geladene Luft um mich
herum ein. -Das- ist um Klassen besser als das kalte Nebelzeug in London, wenn auch der Smog an einem heißen Sommertag so seine Reize hat. Mein Koffer landet achtlos in einer Zimmerecke und ich nehme mir
gerade noch Zeit, mein Domizil etwas genauer unter die Lupe zu nehmen bevor ich in ein paar schwarze Shorts und ein -natürlich ebenfalls schwarzes-Tanktop wechsele. Es hat mich ein bisschen
Selbstbeherrschung gekostet, nicht sofort unter die Freiluftdusche zu springen, sie ist ganz grottig gebaut und schummerig grün von überhängenden Pflanzen. Das werde ich mir für später aufheben denke ich...
und groß genug für zwei oder mehrere ist sie auch..*
Zira *Gedankenverloren meinen Arm an der Stelle reibend wo er mich berührt hat, ziehe ich meinen Koffer
hinter mir her. Crowley! Immer diese kleinen Teasings… Eine Vierstelstunde später stehe ich, gut gelaunt weil frisch geduscht, in leichten, weißen Baumwollhosen und einem dunkelblauen Polohemd, mit kritischem
Blick vor dem Spiegel in meinem Schlafzimmer. Ganz passabel. Ich kann mich mit diesem `Urlaubsoutfit’, sprich Bermudashorts oder Hawaii-Hemden, nicht anfreunden,… aber ganz so formell sollte es ja dann auch
nicht sein. Meine Haare kleben unangenehm im Nacken, die Luftfeuchtigkeit hier ist momentan so hoch dass man nach dem Duschen gar nicht wieder trocken wird. Nach kurzem Überlegen nehme ich eins der
Haargummis, die ich normalerweise verwende, wenn ich über dicke Folianten gebeugt sitze, binde die Haare zu einem kurzen Zopf im Nacken zusammen und mache mich dann auf den Weg zur Bar. Hier sieht
doch jeder irgendwie bizarr und `urlaubsmäßig’ aus, da ist es auch egal, ob ich nun mit einem Zopf herumlaufe oder nicht… die Meinung der anderen Touristen ist mir sowieso gleichgültig und Crowley hat
sicher für ganz andere Leute Blicke übrig als ausgerechnet für mich. An diesem Punkt meiner Überlegungen droht meine Stimmung wieder abzusacken und ich schiebe diese Gedanken unwirsch von mir als ich die
Hotelbar betrete. Im selben Moment ist mein Kopf sowieso abrupt leergefegt, weil Crowley bereits mit dem Rücken zu mir am Tresen sitzt, ganz in schwarz – wobei allerdings fast mehr Haut als Stoff sichtbar ist.
Und er sieht -absolut nicht- `bizarr urlaubsmäßig’ dabei aus, sondern … unglaublich gut. Ich lasse meinen Blick rasch über seine kräftige, nicht zu muskulöse Schulterpartie und Oberarme gleiten, auch seine Beine
sind wohltrainiert und gut gebaut, die Haut von einem leichten Bronzeton, ganz ohne Sonnenbad... Mir fällt auf dass ich ihn das erste Mal seit langer Zeit so `leicht bekleidet’ sehe, und es ist nicht gerade ein
beruhigender Anblick. Ganz im Gegenteil… Ich schlucke kurz und muss mich zusammenreißen, fixiere meinen Blick rasch auf seinen Nacken, denn er dreht sich in diesem Moment leicht zu mir und grinst mir
über die Schulter an. `Da bist du ja.’ Er runzelt die Stirn. `Wieso hast du soviel an? Es ist doch so warm?’ Ich setze mich achselzuckend auf den Hocker neben ihn und deute auf den fragenden Blick des Keepers
auf Crowleys Glas. Dann habe ich mich wieder soweit gefangen dass ich antworten kann.* Ich mag keine Shorts…
Crowl *Ich schnaube leicht amüsiert und genehmige mir einen großen Schluck Daiquiri. Aziraphael und seine
Abneigung gegen `Haut zeigen´ grenzt manchmal schon wirklich an Prüderie, er fand es schon füher immer schrecklich, wenn er eine von diesen kurzen Togas anhaben musste und hat immer längere Sachen
vorgezogen. Dabei hat er ganz hübsche Beine für einen Engel, ganz schlank und mit einem Hauch weißblonder feiner Härchen... fast wie -unrasierte- Damenbeine. Schlagartig kommt mir ein Bild von Zira
als Draq Queen in den Sinn und ich pruste vor lauter Schreck in meinen Cocktail. Er hebt fragend eine Augenbraue aber ich winke nur ab während ich versuche, wieder `zu mir zu kommen´. Das Bild vor meinen
Augen war erschreckend anziehend, Zira hat so ja schon eindeutig feminine Züge an sich und wenn man sich das ganze auch noch richtig in Szene gesetzt vorstellt kommt etwas dabei raus das mir erschreckend
gut gefällt. Rasch schüttele ich den Kopf um diese unwillkommenen Gedanken zu vertreiben. Aziraphael ist tabu, schließlich ist er ein -Engel- und egal wie anziehend ich ihn finden mag, Engel verführen führt meist
nur zu einem Resultat... und da unten ist es ohnehin schon überfüllt. Es gruselt mich ein bisschen wenn ich mir Zira als `gefallenen Engel´ vorstelle, er würde da unten keine zwei Minuten überstehen... und ich
habe so den Verdacht, dass sich das bisschen Gewissen, das ich über die Jahrtausende gerettet habe, plötzlich sehr bemerkbar machen würde wenn ich der Grund dafür wäre...*
Zira *Verwundert nehme ich einen Schluck und starre Crowley immer noch fragend an. Er hat mich gerade
angeschaut, als hätte er buchstäblich einen Geist gesehen. Innerlich mit den Schultern zuckend greife ich mir ein paar der Nüsse, die in silbernen Schälchen auf dem ganzen Tresen verteilt stehen. Es sind nur
Erdnüsse darin, aber das macht nichts. Mir fällt dabei die Handvoll Mandeln wieder ein die Crowley mir im Flugzeug akribisch aus der Nussmischung gesucht hat und ich muss unwillkürlich lächeln. Manchmal
braucht es keine Worte zwischen uns. Erstaunlich oft, wenn ich es mir so recht überlege… `Du trinkst ganz schön schnell…’ Crowleys Stimme platzt in meine Gedanken und ich stelle fest dass sein Glas noch
halb voll ist, mit fast geschmolzenen Eiswürfeln, während in meinem –nur- noch Eiswürfel sind.* Oh… *Er grinst leicht und hebt die Hand. Sekunden später steht ein neuer Drink vor meiner Nase. `Bist du jetzt
etwas gesprächiger?’ Er sieht neugierig aus, sicher wüsste er gerne über was ich nachgedacht habe. Ich öffne gerade den Mund um etwas wie `Eigentlich bin ich doch ganz froh, mitgekommen zu sein’ von mir zu
geben, als ich zufällig seinen Blick folge, der sich gerade an eine junge, schwarzhaarige, vollbusige Frau heftet, die mit übergeschlagenen Beinen an einem Tisch in der Nähe der Spielautomaten sitzt. Sie hat die
Automaten im Auge, von denen zwei laufen. Ich sehe genau wie Crowley einen Finger regt, dann prasselt ein Geldregen in den Münzschacht des linken Automaten, der sich auf den Boden ergießt. Die Frau stößt
einen Freudenschrei aus, springt auf und bückt sich, um das Geld aufzusammeln. Dabei sieht man viel von ihren hübschen Beinen, da sie extrem kurze Shorts trägt… der Rest ist vorprogrammiert. `Du entschuldigst
mich kurz?’ –Natürlich- entschuldige ich ihn, und -natürlich- steht Crowley ebenfalls auf und hilft ihr zuvorkommend beim Aufsammeln, macht sicher Komplimente oder was auch immer und eine Minute später
sitze ich alleine mit meinem Drink da, weil er mit ihr am Arm die Bar verlässt. Im Hinausgehen macht er noch kurz das `Daumen hoch’ Zeichen…. und ich hätte ihm fast mein - schon wieder leeres – Glas
nachgeworfen – was ich natürlich nicht tue. Stattdessen ordere ich mir lieber nochmal dasselbe. Schließlich muss ich ja irgendwie schlafen können…
Crowl *Ich grinse zufrieden vor mich hin während ich mir die nassen Haare aus der Stirn streiche und genieße für
ein paar Minuten die jetzt deutlich kühlere, aber immer noch warme Abendluft als ich das Appartement verlasse um auf mein eigenes Zimmer zu gehen. Dieser Urlaub hat mehr als gut angefangen, die
schwarzhaarige Schönheit der ich so `behilflich´war, war alles andere als unerfahren und es macht immer mehr Spaß, jemanden im Bett zu haben, der sein `Handwerk´ versteht... auch wenn Jungfrauen natürlich
mehr Gummipunkte bringen. Ich stehe noch auf der kleinen Terrasse vor ihrem Appartement als ich die Zimmertür schlagen höre und mein Grinsen wird noch ein paar Stufen breiter und fieser als ich ein
überraschtes Ausrufen und dann eine zornige männliche Stimme höre. Wirklich -zu- schade, dass ihr Ehemann so plötzlich das Bedürfnis hatte doch etwas früher von seinem Saufausflug mit Kumpels
zurückzukommen... so wie ich sie auf dem Bett hab liegen lassen dürften nicht die leisesten Zweifel herrschen -wie- genau sich das brave Frauchen die Zeit vertrieben hat. Während die Stimmen hinter mir
sich allmählich ihrem Crescendo nähern und ich die ersten Schluchzer hören kann setze ich in aller Ruhe meine Sonnenbrille wieder auf ihren angestammten Platz und schlendere gemütlich zurück in Richtung
Hauptkomplex. Ich werde mir noch einen oder zwei schöne Drinks an der Bar genehmigen und dann ein kleines Nickerchen machen, bevor ich mich wieder ins Nachtleben stürze. Es ist noch nicht allzuspät und
die Insel hat ein ordentliches Netz aus Bars und Clubs in denen bis in die frühen Morgenstunden Betrieb herrscht. Ich wil mich gerade in einen der großen Clubsessel plumpsen lassen und habe auch schon dem
Kellner `vorgeschlagen´ mir noch möglichst schnell einen Mai tai zu bringen als ich aus dem Augenwinkel einen bekannten blonden Schopf sehe... und dieser Schopf ist eindeutig in keiner allzuguten Verfassung
mehr, so wie Zira da über dem Tresen hängt. Neugierig was er noch immer hier macht gehe ich zu ihm rüber - der Kellner samt Mai Tai folgt mir dabei wie ein Schatten - und ich hebe überrascht eine
Augenbraue als ich eine fast leere Tequila-Flasche neben dem Engel stehen sehe. Deshalb sieht er also aus wie eine alte nasse Socke... ich lasse mich neben ihn auf einen der Barhocker nieder und hebe
experimentell ein paar blonde Strähnen in die Höhe um sein Gesicht sehen zu können.* Huhu jemand zu Hause?
Zira *Als ich ausgerechnet –diese- Stimme höre kommt mir beinahe der Tequila wieder hoch und ich starre ihn
fassungslos an. Was will Crowley denn hier? Ich hatte nicht damit gerechnet, ihn vor dem Frühstück wiederzusehen. Dass er mich in dieser Verfassung sieht ist nicht geplant gewesen… aber irgendwie konnte
ich mich nicht von der Tequilaflasche losreißen und der Keeper, `Fernando’, hat sich als Kunststudent entpuppt, der sich hier ein paar Dollars in den Ferien verdient. Wir haben uns angeregt über Michelangelos
Darstellung von Engeln unterhalten und waren uns einig, dass dieses `Babyputten-Engel-Design’ absolut an der Realität vorbei ist. `Wenn man von „Realität“ überhaupt sprechen kann, in dem Fall’ hat er mit
einem Augenzwinkern gesagt, worauf ich nur meinte, ich sei mir da absolut sicher. Er hat nur irritiert geguckt, und mir eifrig nachgeschenkt, bis ich schließlich ungeduldig gesagt habe er solle doch die Flasche
gleich her geben. Und nun ist sie fast leer und ich bin voll. Sicher, ich könnte in einem Atemzug wieder nüchtern werden, aber ich habe keine Lust dazu. Crowleys Grinsen baut mich jetzt allerdings auch nicht
gerade auf.* Naawarsschönn? *Er zuckt die Schultern, stellt sein Glas neben meins und setzt sich auf den Hocker neben mir. `Jap, ich denke in der Bude ist jetzt Rambazamba, das gibt Zusatzpunkte…’ Ich hebe
matt den Kopf und starre ihn an.* Dubissschlechtunverdorbenweissudas? *Er sieht jetzt irritiert und ein bisschen verletzt aus. `Hey. Das ist mein Job, schon vergessen?’ Dann trinkt er sein Glas leer, nimmt die
noch viertel volle Tequilaflasche `ist schliesslich bezahlt’ und steckt sie in seine Jackettasche, um seinen Arm unter meine zu schieben und mich hochzuhieven. `Ab in die Falle, Engel.’* Fassmichnichan. *Er zieht
die Brauen hoch. `Ich kann dich ausnüchtern, weißt du, und dann ist dir wieder alles peinlich. Weißt du noch, damals in dem Pub in Soho als wir…’* SHUPP!! *Ich starre ihn an. Eigentlich wollte ich `Shut up!’
brüllen, aber meine Zunge ist etwas lahm zur Zeit. Er grinst nur und bewegt sich in Richtung Aufzug. `Shut up yourself. Ab ins Bett!’ Ich sträube mich noch ein bisschen, habe aber nicht die Kraft mich weiter
zu wehren. Im Aufzug muss ich mich an die Wand lehnen, um nicht umzukippen. Er steht dicht neben mir und stützt die eine Seite, den Arm um meine Schultern gelegt damit ich nicht nach der anderen wegkippen
kann. All mein Zorn und Trotz ist jetzt wie weggeblasen, ich bin nur noch todmüde. Am liebsten würde ich den Kopf an seine Schulter legen und einschlafen.*
Crowl *Ziras Beine geben langsam aber sicher unter ihm nach und schon bald hängt er mit seinem ganzen
Gewicht an meinem Arm. Als der Aufzug pingt bringe ich ihn mit einem gekonnten Hüftschwung und einem kräftigen Zug am Arm wieder halbwegs in die Senkrechte, verliere aber fast selber das Gleichgewicht als er
versucht einen Schritt nach rechts zu machen, dabei aber irgendwie mit dem Oberkörper nach links schwingt. Meine Fresse, er ist wirklich voll bis Oberkante Unterlippe, so habe ich ihn schon lange nicht
mehr gesehen. Seit dem denkwürdigen Abend, als Kaiser Nero gute drei Dutzend Christen-Kinder den Löwen vorgeworfen hat und Zira sich aus Versehen ins Kolloseum verirrt hatte um genau zu sein. Damals
hat er sich mit billigem Wein abgefüllt bis er nicht mehr laufen konnte und ich ihn wie einen Sack Mehl nach Hause schleppen musste. Die Geschichtsstunde wird schlagartig unterbrochen als Zira auf einmal
eine Etage tiefer rutscht und ich ihn fast fallen lasse.* Woha, du solltest vielleicht ein bisschen weniger Kuchen essen Engel, du bist ganz schön schwer...* Er brummelt irgend etwas Unverständliches und ich
muss jetzt doch mal ein bisschen die Stirn runzeln. Irgendwie glaube ich nicht, dass in der Hotelbar Kinder als Mitternachtssnacks für hungrige Löwen angeboten wurden. Würde mich echt mal interessieren warum
um alles in der Welt Zira sich so hat vollaufen lassen, ist doch sonst nicht seine Art. Seine Zimmertür geht wie von Geisterhand auf und ich schleppe meine schwere `Bürde´ bis ans Bett um ihn dann mit einem
erleichterten `Uff´ fallen zu lassen. Das war wirklich anstrengend und ich wische mir ein paar Schweißperlen aus dem Gesicht, bevor ich mich neben ihn aufs Bett setze. Er hat sich noch keinen
Millimeter bewegt und auch wenn er ja nicht wirklich sterben kann denke ich nicht, dass es gesund ist so mit dem Gesicht im Kissen zu verschwinden wie er es gerade tut. Mit einer Mischung aus genervt und
besorgt fasse ich ihn an der Schulter und drehe ihn auf die Seite, so dass er atmen kann. Seine Augen sind geschlossen und er sieht aus wie etwas das gestorben und wieder auferstanden ist... nachdem es ein
paar Tage im Gully gelegen hat. Mit zusammengezogenen Augenbrauen lasse ich etwas von dem Alkohol aus Ziras Blutbahn verschwinden, damit er wenigstens wieder ein bisschen zu sich kommt.* Hey, Dämon an Engel, lebst du noch?
Zira Nein. Geh weg. *Ich will nichts mehr hören und sehen… nur noch schlafen. Ich merke genau, dass Crowley
mich etwas `entgiftet’ hat… und ich will auf gar keinen Fall, dass er das wiederholt. Womöglich fragt er mich dann noch, -warum- ich soviel getrunken habe, dass ich nicht mehr geradeaus sprechen,
geschweige denn gehen kann… Und ich habe keine Lust, eine Ausrede zu erfinden, denn den wahren Grund… lassen wir das. Ich hab auch keine Lust, die ganze Nacht wachzuliegen, nur weil ich wieder
nüchtern bin und mir ausmale, was genau denn den `Rambazamba in der Bude’ ausgelöst haben mag… ich bin zwar ein Engel, aber ich lebe auch seit Tausenden von Jahren auf diesem Planeten und Fantasie habe
ich schließlich auch… dummerweise ist diese spezielle Fantasie, vor allem in Verbindung mit Crowley, nicht mein bevorzugtes Einschlafritual. Er soll gehen, wenn auch seine Hand, die er gerade auf meine Stirn legt,
sich wirklich angenehm anfühlt… doch das ist jetzt nicht relevant. So wiederhole ich nur bockig.* Mir geht’s gut. Geh schlafen oder wo immer du hin willst. Gutenacht.
Crowl *Ich seufze leise und bin lächerlicherweise erleichtert, dass es dem Engel zumindest wieder so gut geht,
dass er rumgiften kann. Auch wenn ich nicht so wirklich verstehen kann -was- um alles in der Welt ihm denn dermaßen über die Leber gelaufen ist, dass er sich so abgefüllt hat und ganz offensichtlich in einer
seiner seltenen `sauren´ Phasen steckt. Aber auch wenn sie selten sind weiß ich aus -schmerzhafter- Erfahrung, dass ich besser nicht nachfrage. Wenn Zira in –der- Stimmung ist, kann ein unvorsichtiger
Dämon schon mal mit einem flammenden Stück Eisen zwischen den Rippen enden... und das ist -wirklich- eine schmerzhafte Sache. Also zucke ich nur innerlich mit den Schultern und stehe wieder auf. Sich
wundern, was er wohl hat ist ja schön und gut aber für mich kein Grund, diesen Urlaub schon am ersten Tag mit einem `ich brauche einen neuen Körper´-Trip nach unten zu beenden. Der Engel bekommt sich
schon wieder ein... *Na wenn du meinst, geh ich eben alleine was essen. Ich bin im Flying Fish an der Promenade wenn du meinst, der Alkohol in deinem Magen könnte etwas Gesellschaft brauchen....* An der
Tür drehe ich mich noch einmal um und sehe mit schief gelegtem Kopf auf die zusammengerollte Gestalt auf dem Bett.* -Du- bist wirklich der zickigste Engel der mir jemals untergekommen ist Zira... und das will was heißen. See ya.
Zira See ya. *Ich verzichte auf einen Kommentar zu seinem Statement und drehe ihm den Rücken zu. Sicher
werde ich mich morgen schämen und mich bei ihm entschuldigen, aber jetzt will ich einfach noch etwas schmollen. Außerdem rebelliert mein Magen schon bei dem Gedanken an Essen, und ich habe wie gesagt
gar keine Lust, wieder nüchtern zu werden. Ich weiß nur, dass ich zutiefst bereue, nicht im kalten, nebligen London in meinem schönen, muffigen Buchladen geblieben zu sein. Schön und gut, ich bin
mitgeflogen weil ich verhindern wollte, dass Crowley zuviel Unheil anrichtet, aber momentan habe ich die Aufpasserrolle einfach gestrichen satt. Ich habe auch mal Urlaub verdient, aber was ist das für ein Urlaub,
wenn ich immer nur ein Auge auf den verd.. auf diesen Dämon haben muss. (Und er keinen einzigen Blick an mich verschwendet…) An dieser Stelle meldet sich schüchtern doch mal wieder die Logik zu Wort.
Schließlich hat er mich aufs Zimmer gebracht und wollte sich um mich kümmern, aber ich habe ihn weggebissen wie ein giftiger Köter. Wütend drehe ich mich auf die andere Seite. Na und! Schließlich hat
er… hat – er …. Irgendwie wühlt sich ein Gedanke an die Oberfläche, den ich bisher erfolgreich verdrängen konnte, aber der Alkohol im System lässt wohl auch diese Schutzschilde bröckeln. Ich bin entsetzt und
voller Schuldgefühle, schäme mich und hadere mit mir selbst, aber ich kann es nicht länger leugnen: Ich brenne vor Eifersucht. Ich -hasse- den Gedanken an ihn mit dieser Frau… mit irgendeiner Frau. Oder
irgendeinem Mann. Ich weiß, dass das vollkommen unlogisch ist, schließlich kann ich nicht… darf ich nicht… und er will ja sicher auch gar nichts von mir. Aber warum eigentlich nicht? Doch bestimmt nicht,
damit ich nicht zur unteren Abteilung degradiert werde… schließlich bringen Gefallene Engel Bonus ohne Ende. Da kann man schon mal eine Freundschaft `vergessen’… und überhaupt. Freundschaft! Wenn er
mein Freund wäre würde er mir sowas wie heute nicht antun… /Wenn du –sein- Freund wärst würdest du ihm ein bisschen Spaß gönnen!/* Das ist nicht der Punkt! *Ich habe es laut ausgesprochen, aber
überzeugend klingt es trotzdem nicht in meinen Ohren. Natürlich ist das der Punkt. –Genau- das! Und ich muss davon weg. Es geht nicht, dass ich ständig wie eine beleidigte Leberwurst herumnörgle und ihm –und
mir- alles vermiese. Entschlossen richte ich mich auf. Ein Fingerschnipp und ich bin nüchtern. Ein prüfender Blick in den Spiegel… ganz passabel. Wenige Minuten später trete ich durch die Tür des Flying
Fish und blicke mich suchend um. Ich entdecke Crowley alleine an einem Tisch am Fenster, trete zu ihm und lege die Hand auf die Tischplatte.* Hallo…
Crowl *Ich bin wirklich stolz auf mich, dass ich es schaffe, nicht triumphierend aufzuspringen und `hah!´ zu
brüllen - aber ein winzig kleines überlegenes Grinsen lässt sich dann doch nicht vermeiden als Aziraphael sich zu mir an den Tisch setzt und irgendwie betreten aus der Wäsche schaut. Ich -wusste- einfach, dass
er noch kommen würde, ich kenne doch meinen Engel und weiß, dass ihn sofort das schlechte Gewissen plagt, wenn er sich `daneben´ benommen hat. Er giftet mich an, ich verschwinde schulterzuckend und
keine halbe Stunde später habe ich eine Entschuldigungs-Einladung zum Essen auf dem Tisch inklusive einem bedröppeltem Engel als Begleitung. Normalerweise mache ich mir immer einen Spaß daraus, ihm
unter die Nase zu reiben, wie vorhersehbar er ist, aber jetzt verkneife ich mir das lieber. Er ist ohnehin schon so empfindlich im Moment, wer weiß, wie er darauf reagiert. Eine -klitzekleine- Spitze kann ich mir
trotzdem nicht verkneifen, schließlich bin ich ein -Dämon-...und Zira würde misstrauisch werden wenn ich aus unserem jahrtausende alten `Verhaltenskodex´ ausbrechen würde....* Hallo Engel. Ich hab dir das
Viktoriabarschfilet bestellt und ein paar Austern zur Vorspeise.* Ungebeten fülle ich sein Weinglas und trinke dann selber einen Schluck. Zira wird über meine Auswahl für sich nicht maulen, schließlich weiß ich,
was er mag.. und was er nicht mag. Einmal hat er mich so angepisst mit einem seiner `Temperamentsausbrüche´, dass ich ihm aus lauter fies und Eigensinn ein paar Weinbergschnecken
bestellt habe weil ich genau wusste, dass er diese Dinger auf den Tod nicht ausstehen kann. Es hat wirklich gut getan, ihn an den schleimigen Dingern rumwürgen zu sehen, für die paar Stück hat er fast
eine ganze Flasche Wein gebraucht.... und so elendig dabei ausgesehen, dass sogar ich nachher Mitleid mit ihm hatte und mit einem grummligen `ich wollte eigentlich nicht hier übernachten´ die letzten zwei
Schnecken selber gegessen habe. Schnell verdränge ich diesen so undämonischen Anflug an Großmut wieder in die hinterste Ecke meiner Gedanken in der ich gewohnheitsgemäß die Dinge lagere, an die ich
besser nicht denken sollte... und auffallenderweise hat das meiste davon mit dem Engel zu tun.* Der Chardonnay ist hervorragend, ich musste gar nichts dran machen, war sogar richtig temperiert...
Zira *Ich grinse etwas schmerzlich als ich mich zu ihm setze. Das Weinglas in der Rechten sehe ich vor mir auf
die Tischplatte.* Tut mir l... *Fast unwirsch werde ich unterbrochen. `Ja ja. Ich weiß. Vergiss es.´ Oups. Scheint als ob ich dieses Mal –wirklich- Mist gemacht habe... Da meine Entschuldigung ganz offensichtlich
nicht erwünscht ist, schweige ich erstmal. Einfach wieder gehen kann ich ja auch nicht, da er schon Essen für mich bestellt hat. Ganz unerwünscht scheine -ich- ja offenbar nicht zu sein... ich bemühe mich
um einen leichten Plauderton als ich wieder zu ihm spreche.* Hast du nach dem Essen was besonderes vor? *Ich frage das nicht, um ihn zu kontrollieren, ehrlich nicht. Er macht doch sowieso was er will...
`Nichts besonderes.'* Aha. Zum Glück kommt die Vorspeise und ich bin jeglicher Konversation erstmal enthoben. Auch Crowley isst schweigend und bald wird es mir zu ungemütlich still am Tisch. Außerdem
plagt mich die Neugier.* Wieso hast du eigentlich Essen für mich mitbestellt?* `Weil ich wusste, dass du mir nachkommst.´ Die Antwort klingt trocken, nicht triumphierend. Ich bin nicht mal empört über sein
leichtes Grinsen, denn ich muss zugeben, dass ich -tatsächlich- immer angelaufen komme, wenn ich mich schuldbewusst fühle... leicht verlegen nippe ich an meinem Wein.* Wirklich guter Tropfen... * `Hmh...´
Ich beobachte ihn über den Glasrand. Er widmet sich ganz seinem Essen, keine Blicke auf potenzielle `Eroberungen´... aber er schweigt beharrlich und mir fällt einfach kein unverfängliches Gesprächsthema
ein und so erhebe ich mich als ich mit meiner Vorspeise fertig bin mit einem gemurmelten `Bin mal im Waschraum.´ Crowleys verdutzen Blick ignorierend begebe ich mich in besagte Vorrichtung und starre
missmutig in den Spiegel. Wäre ich doch im Hotel geblieben! Hier zu sitzen und sich anzuschweigen ist es ja wohl auch nicht... - und darauf zu warten, dass Crowley mit dem oder der Nächstbesten abzieht.
Überlegend schaue ich mir mein Spiegelbild etwas genauer an. Ich sehe aus wie immer. Wie seit 6043 Jahren, um genau zu sein. Ob ihm das langweilig ist? Ich weiß, dass es Unfug und ein gefährlicher Gedanke
ist, aber ich frage mich, ob es sein Interesse an mir wecken würde, wenn ich mich verändere ... Nur ein bisschen... - ich würde das nur aus Neugier machen, natürlich.. fast erschrocken stelle ich fest, dass ich
schon unbewusst damit angefangen habe etwas zu ändern. Gerade probiere ich aus, wie ich mit - etwas- betonteren Augen wohl aussehe.. will sagen, ich lasse die Farbe meiner Wimpern einfach von dunkelblond
nach schwarz wechseln. Der Effekt ist erstaunlich. Ich habe ein ganz leicht schlechtes Gewissen als ich feststelle, dass ich mir sogar selber besser gefalle. Entschlossen schiebe ich mein Gewissen in die
Abstellkammer und verleihe meinen Lippen einen leicht feuchten Glanz - das mache ich jedoch rasch wieder rückgängig. Zu - tuntig. Dafür nehme ich das Haargummi raus und lasse meine Haare etwas
fluffiger auf die Schulter fließen und mache nach kurzem Zögern auch noch meine Hosen einen Tick enger. Noch ein Knopf am Poloshirt auf, so dass man ein bisschen mehr Haut sieht - kurz überlege ich noch, ob
ich mir eine leichte Bräune zulege, verwerfe es aber als zu auffallend. Ich besehe mir das Resultat und bekomme ein kleines mulmiges Gefühl dabei, doch bevor ich es mir anders überlegen kann bin ich schon auf
dem Weg zu unserem Tisch zurück. In der Hoffnung, nicht erwartungsvoll auszusehen, setze ich mich mit angehaltenem Atem auf meinen Platz und beobachte Crowley möglichst unauffällig und voller
Gewissensbisse.. was hat mich da nur geritten?? ... aber er sieht nur kurz von seinen Krabben auf und isst dann kommentarlos weiter. Entweder hat er nichts bemerkt oder es interessiert ihn nicht. Eine kurze
Handbewegung von mir und alles ist beim Alten. Während ich einen großen Schluck Wein nehme, frage ich mich, nur ganz leicht bitter, was das auch eigentlich sollte...*
Crowl *Zum zweiten Mal seit ein paar Minuten kitzelt es mich leicht im Magen. Ich schaue ein bisschen
irritiert von meinem Essen auf und mustere Zira erneut, kann aber nichts ungewöhnliches entdecken. Er isst kommentarlos weiter, aber ich weiß, dass er irgendetwas `gewundert´hat, wenn man sich 6000 Jahre
lang kennt entwickelt man irgendwie ein Gespür dafür. Aber es war kein `großes´ Gefühl, und da sich auch nichts um uns herum verändert hat gehe ich einfach mal davon aus, dass er vielleicht seinen Wein etwas
kälter oder das Essen etwas heißer gemacht hat. Allerdings habe ich nicht die geringste Idee, was er auf der Toilette gemacht haben könnte... oder warum er überhaupt dahin gegangen ist. -Diesen- speziellen
Aspekt des menschlichen Körpers hat Zira noch nie ausprobiert, er ist, was `Ausscheidungen´ anbelangt, ein wenig pingelig und `wundert´ sich mit fast schon chronischer Pedanz sauber und duftig sobald er
anfängt nach `Mensch´zu riechen. Naja, vielleicht war ihm einfach nur warm und er wollte ein bisschen kaltes Wasser auf die Hände haben und hat dabei mit typisch engelischer Nächstenliebe schnell eine neue
Rolle Klopapier gezaubert. Zuzutrauen wäre es ihm ja. Ich nippe an meinem Wein und nutze die Tatsache, dass er konzentriert isst, um ihn mir nochmal genau anzusehen. Irgend etwas war mir eben seltsam
vorgekommen bei dem kurzen Blick mit dem ich ihn bedacht habe als er wiedergekommen ist - aber ich kriege nicht raus, -was- genau seltsam war. Vor mir sitzt der gleiche Zira wie schon seit 6000 Jahren und
ich verwerfe meine Irritation von vorhin nach einer Weile einfach wieder. Manchmal bildet man sich ja Sachen ein... auch wenn ich schwören könnte, dass eben irgendwas mit seinen Augen anders war. Naja,
vielleicht das Licht... Mit einem innerlichen Schulterzucken wische ich meinen Teller mit einem Stück Brot sauber, trinke meinen Wein aus und sehe Zira dann fragend an.* Nachtisch Engel?* Sofort leuchten seine
Augen auf und etwas von der grüblerischen Stimmung darin verschwindet, wie bei einem kleinen Kind. Zira -liebt- Süßigkeiten und da er manchmal einfach `vergisst´, dass er einen eigentlich menschlichen Körper
hat -mit ein paar Zusatzfunktionen natürlich- erfüllt er schon mal das Klischee vom pausbackigen Botticelli-Engel… zumindest solange wie er in seine Hosen passt. Wenn die zwicken lässt er ein paar der
angesammelten Kilos einfach wieder verschwinden. Aber er war noch nie wirklich mager oder extrem schlank, Engel sollen nun halt mal weich und kuschelig erscheinen und alle, mit denen ich jemals zu tun
hatte sind ziemlich `stabil´ gebaut. Nur Azrael ist eine Ausnahme, aber schließlich kann man von einem Todesengel ja nicht erwarten dass er weich und flauschig ist, nicht wahr? Bei uns Dämonen gibt es, was
Körperfülle anbelangt gravierende Unterschiede. Ich bin eigentlich noch ein ganz gutes Mittelmaß und auch meine `dämonische´ Form hat in etwa die Ausmaße des schlanken, aber zähen Menschenkörpers den
ich hier innehabe... nur etwas flexibler natürlich. Während Aziraphael die Reste seines Fisches verputzt, blättere ich durch die Speisekarte um nach ein paar passenden Desserts Ausschau zu halten. Kaum ist
Ziras Teller leer stolpert auch schon ein Kellner mit leicht glasigen Augen auf unseren Tisch zu, in der einen Hand eine Schale mit Fruchtsorbet für mich und in der anderen einen riesigen Teller mit Schokotorte,
Beeren und Sahne für Zira... wie gesagt, ich kenne meinen Engel ja...*
Zira *Die Frage nach meinem Dessert-Wunsch reißt mich aus meinen – doch recht trüben – Gedanken.
Dass Crowley überhaupt danach fragt lässt mich hoffen, dass zumindest –sein- leichter Unmut verflogen ist… eine weitere Eigenschaft, die ich an ihm lie.. schätzen gelernt habe: Er ist nicht nachtragend. So
verflüchtigt sich meine leichte Mißstimmung ebenfalls und ich strahle ihn freudig an. Als ich mit meinem Hauptgang fertig bin und sofort ein Gedicht von einer Dessert-Kreation vor mir erscheint bin ich vollends
überzeugt dass Crowley mir nicht mehr böse ist.* Danke schön, mein Lieber. *Er schnaubt nur in sein Sorbet. `Schon gut, Engel.’ Ich löffle selig lächelnd meine Torte in mich hinein. Definitiv alles in Ordnung…
Nach einem Verdauungsschnaps für mich und zwei Espresso für Crowley lehne ich mich seufzend zurück und verdrücke ein Gähnen, während Crowley `bezahlt’.* Vielen Dank für die Einladung. Got… - Gute Güte
bin ich müde… Ich werde wohl schlafen gehen. *Crowley sieht alles andere als müde aus. `Ich denke ich gehe noch auf die Piste… ja ja ich mache keinen `Unfug’. Ich will mich nur ein wenig amüsieren, heute
Nacht…’ Ich nicke nur stumm und ein bisschen der trüben Stimmung schleicht sich wieder in mein Gemüt. Crowley denkt sicher, er beruhigt mich mit dieser Äußerung, aber in Wirklichkeit zwickt mich die
Vorstellung, -wie- er sich wahrscheinlich amüsieren wird, doch ganz schön. … aber ich hatte mir ja vorgenommen, ihm nicht wieder die Laune zu verderben, also erhebe ich mich und hoffe, dass es nicht zu
abrupt wirkt. Das scheint es nicht, denn auch Crowley steht auf und folgt mir zum Fahrstuhl. Ich drücke den Knopf unserer Apartement-Ebene und lächle etwas gezwungen.* Tu das. Ich werde noch ein wenig
lesen und dann schlafen. Viel … Vergnügen… *Das letzte Wort muss ich mir buchstäblich rauswürgen, aber er scheint nichts zu bemerken und grinst nur wie ein Wolf. `Danke. Werd’ ich haben…’ Dass er dabei nicht
nur unglaublich gut aussieht, sondern auch noch pure Erotik ausstrahlt hilft mir auch nicht grade weiter. Zum Kuckuck mit den Verführungsküsten von Dämonen! Innerlich leidend, äußerlich lächelnd kann ich mir
ein leicht spitzes `Davon bin ich überzeugt!’ nicht verkneifen, bevor sich die Fahrstuhltür schließt. In meinem Appartement werfe ich mich missmutig aufs Bett. Ein Gedanke wurmt mich. /Er hätte mich ja mal
fragen können, ob ich mit will./ Laut vor mich hin redend rufe ich mich zur Ordnung.* Warum sollte er? Du bist ein Langweiler! Lesen und Schlafen, also wirklich! /Aber er ist mein Freund/ Und hat deshalb kein
Recht auf Privatleben? /Hah. Privatleben. Reihenweise Leute flachlegen?/ Na und? Er ist ein Dämon… Unter diesem Innerlichen Disput fallen mir die Augen zu. Das Essen war wohl doch –zu- gut…
Die nächsten 2 Tage verlaufen ähnlich. Tagsüber schläft Crowley sich aus, wovon er so erschöpft ist, will
ich definitiv –nicht- wissen, und nachts zieht er um die Häuser, nachdem er mich zum Abendessen eingeladen hat… vielleicht ein Akt der Nächstenliebe? Oder hat er ein schlechtes Gewissen? Lächerlich...
Ich dagegen schlafe nachts brav und alleine –natürlich- alleine – und sehe mir am Tage die Läden und Sehenswürdigkeiten an. Am frühen Nachtmittag des zweiten Tages nach unserem ersten Abendessen,
stehe ich in einer Buchhandlung und habe einen Reiseführer in der Hand, als mich eine sanfte Stimme anspricht. `Suchen Sie etwas Bestimmtes?’ Ich drehe mich zu dem Sprecher und sehe einen jungen Mann
vor mir, schlank, mit langen, dunklen Locken und großen, braunen Augen die mich freundlich ansehen. Er ist ausgesprochen hübsch und scheint noch recht jung zu sein.* Äh, nein,.. ich wollte nur diesen
Reiseführer damit ich nicht nach jedem Museum und jeder Galerie erst suchen muss… *Seine Augen leuchten auf `Sie interessieren sich für Kunst?’ Ich nicke.* Ja, und alte Bücher. Vor allem die… *Er strahlt
mich an. Es stellt sich heraus dass er ein Kunststudent aus Frankreich ist, der ein Jahr `aussteigt’, um Kultur und Kunst der Karibik kennen zu lernen. Im Moment arbeitet er stundenweise in dieser
Buchhandlung. Sein Gesicht wird traurig und ich frage was er hat, doch er will erst nicht mit der Sprache heraus, bis ich darauf bestehe zu erfahren, was los ist. Mein untrüglicher Sinn sagt mir, dass er irgendwie
in Bedrängnis ist, und was wäre ich für ein Engel, wenn nicht mein `Beschützerinstinkt’ sofort anspringen würde? Nach einigem Zögern gibt er zu, dass er den Job hier verloren hat und ab morgen auch kein
Zimmer mehr haben wird, weil er die Miete nicht mehr bezahlen kann. Ich biete ihm sofort finanzielle Hilfe an, doch er lehnt rigoros ab. Das imponiert mir, aber ich kann es nicht auf sich beruhen lassen, und so
mache ich einen Vorschlag, den er –meiner Meinung nach- nicht ablehnen kann.* Wie wäre es, wenn sie mein `persönlicher’ Fremdenführer würden? Und wenn sie kein Geld annehmen wollen… Sie könnten bei mir
in meinem Apartement wohnen und Essen wäre frei… nur bis Sie wieder einen Job gefunden haben, natürlich. *Das Strahlen in seinen Augen lässt es mir warm ums Herz werden, als er freudig zustimmt. Ich
kann mir nicht helfen, dieser junge Mann hat mein Herz irgendwie im Sturm erobert – rein platonisch natürlich. Nichts im Vergleich zu dem Gefühl, was ich Crowley entgegenbringe … na egal. Aber vielleicht ist
es ja auch ganz gut, wenn ich Gesellschaft habe – so komme ich nicht so leicht auf den Gedanken, über Crowleys `Aktivitäten’ herumzugrübeln… kurz kommt mir der Gedanke, was der wohl zu meiner
Bekanntschaft sagen wird… aber schließlich denke ich mir, wird es ihn wohl kaum interessieren, mit wem ich mich abgebe, solange er seine Ruhe hat… `… heiße Jean-Pierre. Wollen wir nicht `Du’ sagen?’ Wieder
aus meinen Grübeleien erwachend blicke ich in die treuherzigen Augen meines neuen Begleiters.* Ahm… ja. Freue mich, dich kennen zu lernen, Jean-Pierre. Ich heiße.. Raphael. *Er strahlt mich an und mir wird
wieder warm ums Herz. Wenig später sind wir unterwegs auf Besichtigungstour. Der Nachmittag vergeht wie im Fluge und als es Abend wird knurrt der Magen meines Begleiters auf einmal vernehmlich. Ich blicke
ihn erschrocken an.* Hast du Hunger? Ich scheuche dich den ganzen Tag hier herum, ich habe gar nicht ans Essen gedacht… Ich lade dich zum Abendessen ein. *Fakt ist, dass ich nie Hunger verspüre, ich esse
aus purem Vergnügen am Essen. Auf dem Weg zum Hotel fällt mir ein dass ich dann ja nicht mit Crowley essen kann, ich glaube nicht, dass er ein „Date zu dritt“ toll findet… außerdem habe ich keine Lust, dass
er sofort Jean-Pierre anbaggert, wenn er ihn sieht – denn der ist wirklich ausgesprochen hübsch. Ich glaube nicht, dass Crowley seine Finger von ihm lassen würde…* Ich gehe mich rasch umziehen und frisch
machen… treffen wir uns in einer halben Stunde in der Lobby? *Jean-Pierre stimmt zu und gibt an, auch kurz nach Hause zu wollen, wohl aus dem gleichen Grund. Ich gehe vergnügt summend in meine
Appartement und sorge mit ein paar Handbewegungen dafür, wieder frisch und `menschlich’ auszusehen, als die Tür aufgeht. Crowley, schick in Schale, mit der unvermeidlichen Sonnenbrille auf der Nase, betritt
mein Zimmer. Er sieht geradezu verboten gut aus… `Hallo Engel, fertig? Heute wollte ich mal Landesküche probieren…’ Ich druckse einen Moment herum, bevor ich antworte.* H..hallo Crowley. Nun.. ähm… *Er
stutzt, schiebt die Brille hoch und mustert mich fragend. `Stimmt was nicht?’* Neinein, alles in Ordnung, ... es ist nur... ich ... *Ich hole tief Luft.* Ich bin schon verabredet. *Crowleys Gesichtsausdruck als
`fassungslos’ zu bezeichnen, wäre stark untertrieben. Doch er fängt sich schnell. `Oh. So. Ein Date also. Na, dann mal viel Spaß…’ Bevor ich noch richtig stellen kann, dass es sich keineswegs um ein Date
handelt, ist er auch schon draußen. Ich starre einen Moment die geschlossene Tür an. Dann zucke ich die Schultern. Es bestätigt nur, dass meine Entscheidung richtig war. Es ist ihm vollkommen egal, also warum
sollte ich mir Gewissensbisse machen… und außerdem.. –sooo- fassungslos brauchte er ja nun auch nicht zu tun. Als ob –ich- keine Chance auf ein Date hätte…. Mein Trotz erwacht ein klitzekleines Bisschen,
doch ich kämpfe ihn schuldbewusst nieder. Es geziemt sich nicht… Wenig später bin ich auf dem Weg in die Lobby.*
Crowl *Als ich mich auf den Weg nach unten mache, muss ich doch ganz ehrlich zugeben, dass ich ein bisschen
verwirrt bin... oder eher gesagt, ich verkörpere im Moment ein Ganzkörperfragezeichen mit jeder Menge kleiner flatternder Fragezeichen, die zusätzlich um meinen Kopf schwirren. Ziras `Geständnis´ hat mich
doch irgendwie ein kleines bisschen aus der Bahn geworfen, sonst war immer –er- derjenige, der Abends an meine Tür klopfte um mich zum Essen abzuholen. Dass er heute nicht gekommen war hatte ich einfach
darauf geschoben, dass er wahrscheinlich wieder über irgendeinem Buch die Zeit vergessen hatte, wäre ja schließlich nicht das erste Mal gewesen. Ein wenig unentschlossen stehe ich in der Lobby. Irgendwie ist
gerade meine ganze Abendplanung durcheinander geraten, ich hatte mich einfach schon so daran gewöhnt, dass der Engel abends mit mir Essen kommt, dass ich gerade irgendwie ein schwarzes Loch habe
und nicht weiß, was ich tun soll. Ich kann es immer noch nicht so ganz fassen, dass Zira ein `Date´ hat... auch wenn es wahrscheinlich kein wirkliches Date im wahrsten Sinne des Wortes sein wird. Ich zucke
leicht mit den Schultern und schenke der Dame an der Rezeption im Vorbeigehen ein zahniges Grinsen. Naja was solls, ich brauche den Engel nicht, um mich zu amüsieren... auch wenn mich -schon- mal
interessieren würde -wen- Zira sich da denn wohl aufgegabelt. Na, auch egal. Ich bin schon fast zur Tür hinaus, in dem festen Vorsatz, mir eine andere hübsche Begleitung zum Essen -und vor allem für den
`Nachtisch´- zu suchen, als mich meine Nase auf einmal auf einen äußerst irritierenden Geruch aufmerksam macht. Schlagartig gehen mir die Nackenhaare hoch, diesen süßlichen Gestank kenne ich
doch. Ich blicke mich suchend um, kann die Quelle des Geruchs aber nicht eindeutig zuordnen und verliere sie auch schließlich ganz aus der Nase. Nur ein ganz schwacher dann, keine Gefahr für mich oder sonst
irgendwen. Mein Bauch macht sich bemerkbar und ich beschließe, erst einmal etwas Essen zu gehen und mich nachher um diesen Störenfried zu kümmern. Ich habe es nicht gerne wenn andere in meinem
Jagdgebiet umherstolzieren... aber wahrscheinlich wird sich das Problem bis morgen ohnehin erledigt haben, denn -meine- Präsenz ist für geübte Sinne um einiges deutlicher als die schwache dämonische
Aura des Inkubus, ein sicheres Zeichen dafür, dass er mir hoffnungslos unterlegen wäre, sollte es zu einer Meinungsverschiedenheit kommen. Das kleine Nagen in meinem Unterbewusstsein, das mich auf irgend
etwas aufmerksam machen will, ignoriere ich einfach mal geflissentlich... Schliesslich ist es ein absoluter Quatsch, dass Zira nach Inkubus riechen soll...*
Zira *Nachdem Crowley gegangen ist atme ich tatsächlich ein bisschen auf. Sofort runzle ich ärgerlich die
Brauen. Wieso das denn? Ich brauche doch kein schlechtes Gewissen zu haben… trotzdem sehe ich mich misstrauisch um als ich das Hotel verlasse – kein Crowley zu sehen. Jean-Pierre wartet allerdings draußen
auf mich.* Wieso bist du nicht hereingekommen? *Er sieht mich entschuldigend an. `Ich … keine Ahnung. Ich bin ein bisschen menschenscheu…’ Ich bin etwas verwundert, nehme die Antwort aber hin.
Unternehmungslustig sehe ich ihn an.* Was wollen wir machen? *Es wird ein geradezu wundervoller Abend. Zuerst essen wir in einer gemütlichen Bodega, trinken einiges an Wein und besuchen dann eine
Mitternachts-Vernissage in einem neuen modernen Kunstmuseum,wo wir noch größere Mengen von Champagner zu uns nehmen. Als ich mich schließlich leicht betrunken, müde und zufrieden bei Jean-Pierre
für den schönen Abend bedanke winkt der ab. `Hab ich doch gerne getan…’ Ich schlage vor zu mir nach Hause zu gehen, aber er schüttelt den Kopf. `Heute kann ich noch bei mir schlafen… aber wenn dein
Angebot noch steht würde ich morgen bei dir einziehen… natürlich nur, wenn es dir wirklich nichts ausmacht.’ Dabei lächelt er so … irgendwie … ich kann nichts anderes als `bezaubernd’ denken. Mit
plötzlich trockenem Mund nicke ich leicht.* In Ordnung. Aber denke daran dass ich hier nur auf Urlaub bin.. In zwei Wochen musst du etwas anderes gefunden haben. *Es mag am Alkohol liegen, aber
irgendwie kommt mir sein Grinsen etwas durchtrieben vor als er antwortet. `Das lass mal meine Sorge sein…’ Wir verabschieden uns herzlich und ich gehe, etwas schwankend, aber durchaus zufrieden, zum
Hotel zurück. Irgendwie habe ich bei aller Taumeligkeit doch noch Lust auf einen Drink, also steuere ich die Bar an. Meine Überraschung ist riesengroß, als ich Crowley –alleine-!! am Tresen sitzen sehe. Ich stelle
mich neben ihn und lächle ihn etwas weinselig an.* Hi Crowl…
Crowl *Ich hebe leicht eine Augenbraue als Zira mich von der Seite anspricht, sehe ihn aber nicht an sondern
kümmere mich alleine um meinen Drink... oder eher gesagt um den letzten einer langen -Reihe- von Drinks.* Du bis ja ganz schön spät, habt ihr euch gut amüsiert?* Ich hoffe mal, dass ich nicht allzu muffig
dabei klinge... -ich- habe mich nämlich nicht wirklich amüsiert. Irgendwie war ich den ganzen Abend abgelenkt und auch wenn ich rein jobtechnisch erreicht habe was ich wollte - die Dame von der Rezeption
schläft sich gerade im benachbarten Hotel aus - habe ich mich nicht wirklich dabei amüsiert. Es hat mich ganz schöne Mühe gekostet, das ganze Essen über `Konversation´ zu betreiben, wenn ich mit Zira esse
kann ich auch mal den ganzen Abend gar nichts sagen und das ist immer noch okay. Außerdem ist es anstrengend wenn man ständig das Cover eines `normalen´ wenn auch wohlhabenden Urlaubers aufrecht
erhalten muss. Außerdem musste ich sehr zu meinem Ärger feststellen, dass mir irgendwie Ziras `Date´ nicht aus dem Kopf gehen wollte, irgendwie war ich die ganze Zeit darüber am Grübeln... und habe
schließlich meinem `Verlangen´ nachgegeben und mich so in die Bar platziert, dass ich Zira und seinen mysteriösen Begleiter sehen würde wenn sie wieder ins Hotel kommen würden. Als der Abend allerdings
immer später und später wurde, sogar für mich Nachteule, ist meine Stimmung langsam aber sicher immer weiter abgesackt. Kein Zira weit und breit... und das auch noch in unbekannter Begleitung...*
Zira *Seine leicht muffige Antwort hindert mich nicht daran, ihn anzustrahlen, während ich auf sein Glas deute.
Der Keeper macht mir denn auch umgehend einen Caipirinha zurecht und ich nicke eifrig Richtung Crowley.* Ja, es war sehr schön… erst waren wir gemütlich essen, eine nette, kleine, romantische
Bodega… *Ups. Hab’ ich `romantisch’ gesagt? Irgendwie scheinen der schöne Abend und der Alkohol meine Logik etwas außer Kraft gesetzt zu haben… denn ich denke nicht, dass das heute unter
`romantisches Date’ zu verbuchen war.* Dann haben wir eine Mitternachtsvernissage besucht, und noch ein paar Gläschen Champagner getrunken… entschuldige bitte wenn ich etwas angegangen bin, vielleicht
war es tatsächlich ein bisschen viel. Hihihi… *Er sieht mich nur mit einem undefinierbaren Blick an. `Und wo ist deine Begleitung jetzt?’ Ich stutze.* Wieso? Nach Hause gegangen natürlich… *Täusche ich mich,
oder hellt sich seine Miene merklich auf? Ich muss mich wohl täuschen, denn er schnaubt gleich darauf verachtungsvoll. `-Das- soll ein `Date’ gewesen sein? Essen, muffige Bilder, und dann nach Hause? Ich
glaube ich muss dir mal zeigen, wie sowas in Wirklichkeit abläuft!...’ Gerade will ich aufbegehren, dass ich ja wohl nie behauptet habe, ein –Date- zu haben… jedenfalls nicht das, was –er- unter einem Date zu
verstehen scheint. Doch als mir sein letzter Satz so richtig zu Bewusstsein kommt stoppe ich im Ansatz und nehme einen tiefen Schluck von meinem vor Alkohol nur so strotzenden Cocktail, bevor ich ihn
herausfordernd anlächle.* Mach’ besser keine Versprechen, die du nicht halten willst, Dämon… *Während ich mich noch wundere, was um alles in der Welt wohl in mich gefahren sein mag, so einen Spruch zu
bringen, schleicht sich ein wahrhaft teuflisches Grinsen auf Crowleys Züge…*
Crowl *Ich muss zu meiner Schande gestehen, dass ich mehr als nur ein bisschen erleichtert bin, dass Zira so
ein `Unschuldsengel´ ist. Als er eine `romantische´ Bodega erwähnte hatte ich doch kurzzeitig einen leichten Anflug von Sorge. Zira ist -wirklich- ganz gut angeschickert, wer weiß, was alles hätte passieren
können... aber ein paar staubige Bilder gucken halte ich dann doch wiederum nicht für `gefährlich´ - wahrscheinlich habe ich mir ganz umsonst Sorgen gemacht und Zira hat sich mit irgendeinem älteren
Kunstprofessor oder ähnlichem getroffen. Diese `intellektuellen´ Typen ziehen sich ja förmlich an... um sich gegenseitig zu langweilen. Und die Tatsache, dass Zira tatsächlich auf meinen `Vorschlag´ eingehen
will, sorgt endgültig dafür, dass die kleinen, dämonischen Rädchen in meinem Kopf anfangen auf Hochtouren zu wirbeln.* Wer hat denn etwas davon gesagt, dass ich mein `Versprechen´ nicht halten
wollte, Engel? Selbst ein Dämon steht zu seinem Wort... *Ich lehne mich etwas zu Zira hinüber und raune ihm ins Ohr, während sich in meinem Kopf ein paar erste Gedanken für unser `Date´ anfangen zu
entwickeln.* Ich hole dich morgen Abend um sieben ab, legere Kleidung - und plane nicht, früh zurück zu sein... *ich lange an Zira vorbei und klatsche grinsend ein paar Scheine auf die Theke, bevor ich aufstehe
und ihn verführerisch angrinse* ...ich werde mir etwas -interessanteres- einfallen lassen als nur staubige Bilder gucken...
Zira *Die Gänsehaut, die mir sein Atem auf der Haut und das suggestive Grinsen beschert haben, ist noch
nicht ganz abgeflaut, da ist er auch schon in Richtung Fahrstuhl verschwunden. Ich starre erst ihm nach, dann auf meinen Drink und grüble angestrengt darüber nach, was das gerade war, was hier abgelaufen
ist… ich habe mich irgendwie total provozieren lassen. - Oder habe etwa –ich- Crowley provoziert? Ein –Date-?? Mit –Crowley-?? Und er hat es selber vorgeschlagen – und war mehr als zweideutig dabei … Dass
ich darauf eingegangen bin ist unfassbar. Wie konnte ich nur…? Ein deutliches Flattern in meinem Bauch macht mir außerdem, trotz Alkohol, mehr als nur ein bisschen Angst. Ich kann es nicht leugnen… ich
–freue- mich wie blöd auf dieses Date… schließlich wird ein jahrtausendealter Traum, lange vor mir selber versteckt, abgestritten, verdrängt, vergessen, und doch immer wieder aufgeflackert, nie wirklich
ausgeträumt, endlich wahr. Mühsam zwinge ich mein plötzlich wild klopfendes Herz unter Kontrolle und stelle das noch halbvolle Glas entschlossen auf den Tresen. Schluss jetzt damit. Das ist doch Wahnsinn…
Auf dem Weg zum Aufzug treffe ich eine sehr schwere Entscheidung. Bevor ich schlafen gehe werde ich Crowley sagen, dass aus dem Date nichts wird. Es ist zu gefährlich… ich würde viel zu viele Erwartungen
hineinsetzen und mich… vielleicht… vergessen. Ich stehe reglos grübelnd schon lange im Aufzug bevor ich merke, dass dessen Türen sich, auf unserer Etage angekommen, längst wieder geöffnet haben. Zögernd
gehe ich auf Crowleys Tür zu und meine Finger zittern leicht bei der Vorstellung, was sich dieser wohl gerade alles `einfallen’ lassen wird… ich atme einmal tief durch. Wollust ist eine der Todsünden… wenn er
morgen was versucht und ich mich darauf einlasse werde ich, schneller als ich gucken kann, von einem durchschnittlich tugendhaften Engel zu einem gefallenen Engel… und da ich in der himmlischen Hierarchie
doch etwas weiter oben stehe, als Crowley es jemals war, und damit wohl auch unter den Dämonen einen höheren Rang einnehmen wür… /WAS DENKST DU DA EIGENTLICH??!!/ Mein Gewissen meldet sich
vehement zu Wort und ich blicke voller Schuldgefühle auf meine Finger, die jetzt unkontrolliert beben. Ich tue ja gerade so, als ob es sicher wäre, dass Crowley nichts Besseres vorhat als mich flachzulegen!! Bei
der Erkenntnis, dass ich dieses Wort auch nur –denke- zucke ich heftig zusammen. Das ist ausgeschlossen! Er weiß ebenfalls genau, was das bedeuten würde, und er würde mich nie wissentlich ins
Verderben schicken… wie komme ich nur auf solche verqueren Ideen? Ich muss doch betrunkener sein als ich dachte. Langsam hebe ich den Arm. Fast berührt mein Knöchel schon das Holz, aber dann lasse ich die
Hand sinken und gehe, wenn auch voller Gewissensbisse, weiter. Ich –will- dieses Date… es ist mir fast egal was daraus wird. Jedenfalls sagt mir das mein vernebeltes Hirn im Moment. Morgen werde ich sicher
noch mal darüber nachdenken, und sollte ich mich darauf einlassen, Crowley dann aber sagen, dass es, was immer er auch vorhat, nur ein `als-ob’-Date sein wird… also eine Art Spiel. Ich schließe nachdenklich
meine Tür auf. Er spielt gerne…. Sicher lässt er sich darauf ein. Etwas beruhigter lasse ich mich auf mein Bett fallen und schließe die Augen. Mir ist schwindlig, und gerade überlege ich, mich wieder nüchtern
werden zu lassen, als mir Jean-Pierre einfällt. Der wollte doch morgen hier einziehen… dann bin ich aber nicht da… also muss ich mir wohl dazu noch was einfallen lassen. Seufzend drehe ich mich auf die Seite.
Zwei Verabredungen zur selben Zeit… mit zwei Kerlen… und dazu auch noch –äußerst attraktiven- Kerlen… Solche `Verwicklungen’ sind ja nun, so alt ich auch bin, absolut neu für mich. Ich beschließe, das mit dem
Nüchternwerden lieber der Natur zu überlassen, denn sonst würde ich sowieso nur die ganze Nacht herumgrübeln. So ist mein wegdriftender Verstand momentan einfach nicht mehr in der Lage, sich noch viele Gedanken zu machen…
Crowl *Ich summe leise vor mich hin während ich noch ein paar rote Rosen aussuche und diese dann, zusammen
mit einem großen Bund schneeweißer Lilien -ich konnte es mir einfach nicht verkneifen- der Verkäuferin zum Binden gebe. Nur eine behalte ich zurück um sie mir Gentleman-like an das Revers meiner Jacke zu
heften... dass ich dabei gar keine Nadel gebrauche fällt nicht wirklich jemandem auf. Ein paar Minuten später schlendere ich, einen großen Strauß in den Händen, gemütlich zurück in Richtung Hotel. Ich werde
mir noch einen kleinen Cocktail unten in der Bar gönnen bevor ich Zira abholen gehe, ich bin ziemlich gut hingekommen mit der Zeit. Blumen sind besorgt, ich habe mir -auf altmodische Art und Weise- ein paar
neue Klamotten angeschafft, im Hotel wartet eine Auswahl der besten Pralines des teuersten Chocolatiers auf der Insel, sorgfältig runtergekühlt auf ihren großen Auftritt und das `romantische Candle Light Dinner
am Strand´ komplett mit Privatkoch und zwei Violinisten ist auch arrangiert. Ich habe mir keine Tricksereien erlaubt -außer dass es meinen Füßen trotz der ganzen Herumrennerei erstaunlich gut geht-
und alles auf `menschliche´ Art und Weise erledigt, schließlich wäre es ja kein richtiges Date wenn man sich keine Mühe gibt sondern alles einfach mit einem Fingerschnippen aus dem Nichts zaubert und jetzt
kann ich mir noch eine halbe Stunde Ruhe gönnen bevor es losgeht. Die Blumen gebe ich der Dame an der Rezeption in Verwahrung damit sie in der tropischen Hitze nicht welken und lümmele mich dann mit einem
großen Mai Tai in einen der Clubsessel. Im Geiste gehe ich nochmal meine Checkliste durch und bin mehr als zufrieden, dass alle Punkte abgehakt sind. Ich habe wirklich alle Register gezogen die man für einen
solchen Abend überhaupt ziehen kann, aber das hier wird ja schließlich auch kein 08/15 Date wie ich schon tausende vorher hatte. Wann hat ein Dämon schon mal ein `Date´ mit einem Engel, auch wenn es
sich sozusagen nur um eine Lehrstunde handelt. Trotzdem freue ich mich schon ziemlich drauf, auch wenn es ja eigentlich um nichts geht. Ich mag eine Herausforderung ab und an und im Geiste habe ich schon
Wetten mit mir selber abgeschlossen wie oft ich es wohl schaffen kann Zira rot werden zu lassen. Wie ich den Engel kenne sicher -sehr- oft. Nach einem letzten Blick auf die Uhr trinke ich noch einen letzten
Schluck von meinem Cocktail, rücke noch einmal meine Sachen zurecht - schwarze, schlank geschnittene Hosen aus einem leicht glänzenden Stoff, silbern-durchsichtiges enges Shirt und lockeres schwarzes
Jackett aus dem selben Material wie die Hose- hole an der Rezeption die Blumen und Pralinen ab -den bösen Blick der Dame ignoriere ich dabei einfach, sie scheint noch nicht so ganz verstanden zu haben,
dass ich generell immer nur einmal jemanden `verführe´ -und mache mich dann auf den Weg zu Ziras Zimmer.*
Zira *Nachdem ich den ganzen Vormittag mit mir gerungen habe, ob ich nun absagen soll oder nicht hab ich
mich schließlich um die Mittagszeit herum nun doch aufgerafft, damit ich nicht verpennt und verquollen bin wenn Crowley auftaucht. Ich denke nicht, dass er mich hängen lässt, mag er auch einige Drinks intus
gehabt haben… bisher hat er eigentlich immer Wort gehalten, wenn wir verabredet waren. Gegen achtzehn Uhr melden sich die nervösen Schmetterlinge in meinem Bauch wieder, und leichte
Schweißausbrüche sowie ein mulmiges Gefühl stellen sich ein. Ich stelle mich unter die Dusche und brause mich erst warm, dann immer kühler ab. Als mir nicht mehr so unerträglich heiß ist stelle ich mich noch
feucht und tropfend vor meinen Kleiderschrank. Er ist nicht sehr gut bestückt, eigentlich habe ich fast nur casual wear dabei – ich hatte schließlich auch nicht vor groß auszugehen. Crowley hatte zwar von legerer
Kleidung geredet, aber bei ihm heißt auch das mindestens Cerutti. Ich runzle die Stirn. Nur der weiße Leinenanzug käme in Frage, und der ist mir eigentlich viel zu warm… entschlossen schnippe ich mit den
Fingern. Ich versuch’s einfach mal mit einem Sakko aus mitternachtsblauer Seide, weißen Leinenhosen und einem Top aus weißer Viskose. Leider ist mein menschlicher Körper dem Klima hier unterworfen, und wenn
ich mich auch immer mal wieder `frisch machen’ kann.. es muss ja nicht sein dass ich schon durchgeschwitzt bin wenn Crowley mich abholt. Die ganzen verwirrenden Gedanken von gestern Nacht
habe ich sorgfältig in eine kleine Kammer ganz hinten in meinem Kopf verbannt. Es ist nur ein Abendessen unter Freunden, kein Grund sich aufzuregen. Ich werfe einen letzten Blick in den Spiegel, die Haare bleiben
offen und ich wende auch wieder den kleinen Trick mit der Farbe der Wimpern an. Ich blicke etwas zweifelnd auf mein Spiegelbild und muss dann zugeben, dass ich gar nicht schlecht aussehe. Die paar
Pfunde weniger stehen mir ganz gut und das Outfit… ja ich gefalle mir tatsächlich. Daran ist ja auch nichts Verwerfliches, schließlich ist Eitelkeit keine Todsünde… außerdem hat er es beim letzten Mal eh nicht
bemerkt. Bevor ich mich noch mal umentscheiden kann klopft es auch schon an meiner Tür und ich gehe um zu öffnen.* Hallo Crowley. *Er steht mit einem bombastischen Blumenstrauß vor mir. `Hallo Engel.’
…und dann ist es eine Weile ziemlich ruhig. Ich starre ihn perplex an. Wieso ist mir nie aufgefallen dass er so verd.. unglaublich –gut- aussieht… jedenfalls –so- gut! Der schwarze Anzug steht ihm hervorragend,
das silbrige Shirt lässt nichts sehen aber alles ahnen und sein Lächeln ist einfach umwerfend… jetzt verstehe ich, wieso er noch jeden und jede rumgekriegt hat, den oder die er wollte… mühsam reiße ich
mich zusammen.* Blumen? Ist das nicht etwas – unüblich? … ich meine… */unter Männern? Und es ist ja auch gar kein richtiges.. Date…/* Ahm, Crowley… nur so zur Sicherheit. Das hier ist … *ich muss mich
räuspern* also ich meine… nicht in –echt- ein Date, nicht wahr? Mehr so eine Art… Spiel? *Ich weiß zwar nicht, ob ich mir das gerade selber glauben würde, aber ich hoffe mal –er- tut es…*
Crowl *Ich grinse Zira breit an während er immer noch etwas zögerlich die Blumen nimmt und versuche, mir
meine eigene Überraschung nicht anmerken zu lassen. Ganz offensichtlich hatte er nicht damit gerechnet, dass ich die ganze Sache -so- ernst nehme, aber zu einem richtig guten Date gehört eben auch so die ein
oder andere Besonderheit.* Zu jedem vernünftigen Date gehören Blumen, Engel, selbst wenn es nur ein `Spiel´ ist. Schließlich sollst du ja was fürs Leben lernen ne. Pralinen sind auch ein Muss, die alten
Klischees ziehen immer noch am besten. *Ich präsentiere ihm die hübsche eingewickelte Schokoladenschachtel und mein Grinsen wird breiter als seine Augen bei der Aussicht auf die süßen kleinen
Kalorienbomben aufleuchten. Mein Engel und sein sweet tooth sind wirklich etwas, auf das man immer zählen kann.* Hübscher Anzug, Zira, das Blau bringt deine Augen hervorragend zur Geltung... *Er wird
schlagartig rot und murmelt etwas von `Blumen ins Wasser, welken sonst die armen Dinger´. Ich mache schnell Strich Nummer eins auf meiner internen Wettliste, während er zurück in sein Zimmer flüchtet. An
Komplimente von Dämonen scheint er sich erst noch gewöhnen zu müssen. Genau wie -ich- mich daran gewöhnen muss, dass ich das eben wirklich so gemeint habe...*
Zira *Indem ich die Blumen –wirklich wunderschön, und so `passend’ – weiße Lilien für die Unschuld - in einer
der Vasen arrangiere, die anscheinend zur Standard-Möblierung dieses Hotels gehören – ich glaube mich zu erinnern in der Lobby und auf dem Flur ganz ähnliche gesehen zu haben – hallen Crowleys
schmeichelhafte Worte in meinem Kopf nach. Er schenkt mir Blumen und Pralinen, macht mir nette Komplimente… anscheinend hat er wirklich vor, das ganze Repertoire durchzuspielen. Das macht alles
schon wieder so absurd, dass sich mein rasender Herzschlag rasch beruhigt und auch die zittrigen Hände werden wieder kontrollierbar. Es ist doch offensichtlich, dass er sich einen Riesenjux aus der ganzen
Angelegenheit macht. Aber das ist ja auch gar nicht so schlimm. Ich werde einfach mitspielen… denn ich brauche sicher keine Bedenken zu haben, dass eine Gefahr für meine Tugend besteht. Crowley wird nicht
zu weit gehen, soviel ist mal sicher... Das ganz winzig kleine enttäuschte Grummeln in meinem Bauch schiebe ich energisch bei Seite, als ich zu ihm zurückkehre. Was habe ich denn erwartet? Dass er plötzlich
auf mich fliegt und alles daransetzt, mich zu verführen? Wohl kaum. Wieder im Flur angekommen stibitze ich noch eine der super leckeren Pralinen aus der Schachtel, bevor ich diese auf die Kommode lege und ihn
unternehmungslustig anstrahle.* Wollen wir?
Crowl *Ich schenke ihm mein schönstes Lächeln -ja, ich kann auch lächeln... wenn es sein muss- und biete ihm
mit einer leichten Verbeugung meinen Arm an.* Aber gerne doch. Es gibt schließlich noch eine ganze Menge Dinge, die ich dir zeigen muss... *Zira hustet kurz an seiner Praline bevor er sich sicherheitshalber
lose bei mir einhakt und in Gedanken mache ich einen zweiten Strich. Die alte `eigentlich ganz banale Dinge mit rauchiger Stimme sagen so dass sie zweideutig erscheinen´-Masche zieht also offensichtlich
auch bei Engeln... oder bei Zira, er ist ja schon in gewisser Weise ein `außergewöhnlicher´ Fall. Auf dem Weg hinunter ins Foyer mache ich einfach ein bisschen Smalltalk damit er sich wieder etwas entspannt -
wir wollen es ja nicht gleich übertreiben nicht wahr- und er schnattert, wohl froh über das ungefährlichere Terrain, fröhlich drauf los, so dass er den giftigen Blick, den die Rezeptionsdame ihm zuwirft als wir Arm in
Arm durchs Foyer gehen gar nicht bemerkt. -Ich- bemerke ihn aber sehr wohl und für ein paar Sekundenbruchteile ist in meinem Lächeln etwas anderes zu sehen als das übliche Gebiss eines Menschen.
Nicht lange genug um sie wirklich stutzig zu machen aber ihr ist deutlich anzumerken, dass sie urplötzlich sämtliche amourösen Gedanken an den jungen Briten mit den schwarzen Haaren als zu gefährlich verwirft
und auch seine blonde Begleitung als absolut tabu einstuft. Menschen sind ja so leicht zu beeinflussen. Ich werfe dem Portier einen fragenden Blick zu und als dieser ganz leicht nickt steuere ich Zira langsam
aber sicher in Richtung Tür. Meine nächste `Überraschung´ ist zum Glück pünktlich, sonst hätten wir noch einen kleinen Zwischenstopp in der Hotelbar machen müssen. Meine Nase zuckt schon verdächtig warnend
als wir durch die offene Tür treten und ich frage mich zum wiederholten Mal warum Zira ausgerechnet –Pferde- so toll finden muss. Ich wäre durchaus auch mit einem Taxi zu unserem ersten Stopp des Abends
gefahren aber mein Engel musste ja förmlich in wahre Begeisterungsstürme ausbrechen als er eine der kleinen -und mehr als antiken- Kutschen zu Gesicht bekommen hat mit denen clevere Einheimische
vergnügungssüchtigen Touristen das Geld aus der Tasche ziehen. Ich konnte noch nie wirklich gut mit Tieren -schließlich gehöre ich ja sozusagen zu ihren natürlichen Feinden- und vor allem mit Pferden habe
ich schon sehr unangenehme Erfahrungen gemacht. Die Reservierung für eine `historische Stadtrundfahrt mit anschließender Weinprobe´ war die einzige die ich nicht selber erledigt habe und es ist eine Schande,
dass der Bellboy niemals erfahren wird was für ein Glück er hatte, dass alles geklappt hat. Gnadenlos zertrete ich sämtliche Onstinkte die mich beim Anblick der zwei großen, zotteligen Viecher vor der Kutsche
dazu bringen wollen zu -rennen- und hoffe darauf, dass die Präsenz des Engels diese heufressenden Bestien zumindest solange beruhigt dass ich nicht gezwungen bin Sauerbraten auf die heutige Speisekarte
zu setzen. Ich werfe einen kurzen Blick auf meine immer noch fröhlich schnatternde Begleitung, offensichtlich hat er noch nicht so ganz registriert, dass dieses Wackelgefährt für uns bestimmt sein soll.
Ich bremse ihn ganz leicht damit er nicht übers Ziel hinausstürmt und der Kutscher reißt sofort diensteifrig die Tür auf.* Möchtest du vorne oder hinten sitzen?
Zira Hinten… *Als ich endlich begreife, dass ich in die Kutsche einsteigen soll ist mein Gesichtsausdruck sicher
nicht der intelligenteste. Dann sehe ich Crowley gleichzeitig fassungslos und begeistert an.* Das ist ja eine tolle Überraschung! *Er lächelt nur –etwas selbstzufrieden wie mir scheint- und löst meinen Arm aus
seine Ellenbeuge, jedoch nur um mir gentleman-like in die offene Kalesche zu helfen. Etwas verlegen setze ich mich in Fahrtrichung und warte bis Crowley neben mir sitzt und der Kutscher die Tür zuklappt. Dann
sage ich leise `Wow. Du hast ja wirklich tolle Dinge auf Lager…’ Sein Kommentar ist ein Achselzucken. `Ich hoffe es gefällt dir.’ Was folgt ist eine wundervolle Stadtrundfahrt durch die Altstadt, den Hafen und
die malerischen Vororte. Crowley hat sich gut vorbereitet und lässt es sich nicht nehmen, mir höchstpersönlich zu erklären, was wir sehen. Sogar eine mini-Flasche Champagner hat er dabei und ich
genieße die Tour bei einem Gläschen Schampus, untermalt von seiner heute irgendwie besonders samtigen Stimme – ich bin ganz sicher, dass er auch –daran- was gedreht hat. Aber was solls, ich werde mit aller
Macht genießen, und schon der Auftakt des Abends ist nahezu perfekt. Als wir nach etwas über anderthalb Stunden vor einem gemütlich aussehenden Weinlokal halten bin ich restlos begeistert.* Also
wirklich, Crowley, das war großartig. Danke schön! *Er hilft mir wieder beim Aussteigen, was mir auch wieder entsprechend peinlich ist, und zieht die Brauen hoch. `Ich denke mal, zum Bedanken ist es noch
etwas früh…’ Ich sehe ihn fragend an.* Naja,.. ich dachte, noch ein Gläschen Wein oder zwei und dann ist Schluss … *Sein Lachen klingt nur ganz leicht spöttisch. `Ich sehe, du hast wirklich keine Ahnung. Der
Abend hat gerade erst mal angefangen!’ Damit packt er leicht meinen Ellbogen und schiebt mich sanft, aber bestimmt ins Innere des Weinlokals. Dort gibt es eine kleine Bühne, auf der eine Art Zwanziger-Jahre
Band die Hits aus diesem Zeitalter interpretiert. Gerade spielen sie alte Filmmusiken a la Casablanca, und natürlich hat Crowley einen Tisch in unmittelbarer Nähe der Bühne reserviert, auf dem schon eine Flasche
alter Burgunder, entkorkt und decantiert, auf uns wartet. Ich bin wieder mal sprachlos und lasse mir von dem beflissenen Ober eine Probe geben, koste und nicke anerkennend. Erst dann schenkt dieser die Gläser
ein. Das ist ja bisher nun schon ziemlich perfekt gewesen, und ich frage mich, was Crowley wohl noch so auf der Pfanne hat…* Santé.
Teil 2
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