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Autoren: Heero und Quatre back
If I could turn back time 1/3 Ich stand vor unserer Wohnungstür. *Unserer* wie sich das anhörte, ich konnte es immer noch nicht fassen, das Heero und ich zusammen wohnten. *Mein* Heero.. - auf den ich im Moment allerdings nicht gut zu sprechen war, weil ich schon wieder alleine einkaufen gehen musste. Ich schloss die Tür zur Wohnung auf, zwei schwere Papiertüten ohne Handgriff in einer Hand balancierend. Natürlich klemmte das Schloss auch dieses Mal wieder. Fluchend trat ich gegen die Tür. Dabei fiel eine der Tüten herunter, natürlich die mit den Eiern… aber die Tür war immerhin offen. Wutentbrannt stürmte ich in die Küche. Ich lag auf dem Sofa und hatte den Fernseher angestellt, schaltete durch, ob irgendetwas kam, was man sich anschauen konnte, ohne das gleich Werbung kam. Schließlich blieb ich beim Musiksender hängen. Ich schaute zur Haustüre, als ich einen lauten Krach hörte. Irgendjemand trat gegen die Tür. Das konnte nur Quatre sein. Ich verdrehte die Augen. Klemmte diese verdammte Tür schon wieder. Als die Türe schließlich aufflog, stürmte Quatre herein, er verschwand sofort in der Küche. Ich lehnte mich zurück in das Sofa. "Hallo Koi", rief ich in die Küche. „Hallo!“ schnauzte ich zurück. Ich räumte mit spitzen Fingern die Tüte mit den kaputten Eiern aus. Klasse, die Milchflasche war auch kaputt, und das Brot und das Mehl vollkommen aufgeweicht. Warum? Warum hatte ich das alles in eine Tüte packen müssen. Ich schielte um die Ecke. Da lag er, Fernbedienung in der Hand, auf dem Sofa. Was war nur los mit ihm? Ich räumte die heil gebliebenen Lebensmittel weg. Damit konnte man jedenfalls kein Essen mehr machen. Egal, ich würde jetzt ins Bett gehen. Dazu musste ich aber durch das Wohnzimmer. „Das Omelett kannst du vergessen!“ fauchte ich, als ich am Sofa vorbei ins Schlafzimmer stampfte. Ich runzelte die Stirn und drehte den Kopf, sah ihm nach. Was war ihm denn jetzt schon wieder passiert? Und wieso war er so sauer? Ich atmete genervt aus und stand auf, drückte den Fernseher am Knopf vorne aus. Dann marschierte ich ins Schlafzimmer. Ich seufzte. "Quatre, was ist passiert?" „Was soll schon passiert sein? Das übliche halt. Ich muss alles alleine machen, wir leben in einer Bruchbude, du wirst immer träger, und bald werden wir uns nur noch streiten!“ Ich sagte es mit leiser, resignierter Stimme. Das hatten wir einfach schon zu oft durchgekaut. In dem knappen Jahr hatten wir uns wohl beide verändert, Heero jedoch schien mit dem ruhigen Leben nicht gut klarzukommen. Ich seufzte. Nicht schon weder so ein nervtötender Streit, der zu nichts führen würde. „Vergiss es.“ Quatre legte sich auf´s Bett und seufzte. Ich ging langsam zu ihm und kniete mich neben das Bett. "Quatre, wir.....wir können umziehen, wenn dir das lieber ist.", schlug ich vor. Diese Wohnung war aber auch wirklich nicht das Wahre. Es war nicht die Wohnung. Anfangs waren wir ja auch glücklich. Es war einfach so, dass es nichts mehr für uns zu tun gab. Sicher, wir hatten keine finanziellen Probleme, aber das passte Heero ja auch nicht, dass wir von meinem Geld lebten. Auch das war immer wieder ein Streitpunkt, dabei fand ich es so egal. „Vor unseren Problemen können wir nicht wegziehen, die ziehen mit“ sagte ich nur. Ich konnte ihm ja schlecht sagen „Du bist das Problem!“ Ich schüttelte den Kopf. "Von welchen Problemen redest du?" Es war wirklich zu doof. Wir stritten uns die letzte Zeit nur noch, es war aber immer nur wegen solcher Kleinigkeiten. Na ja, ich musste zugeben, es war schon ungewohnt, plötzlich so ein Leben in Frieden zu führen. Alle waren so nett und hilfsbereit, niemand griff dich an....Ich war das alles nicht gewöhnt. Ich fühlte mich unwohl dabei, nichts zu tun zu haben und das war auch der springende Punkt. Quatre kam offenbar damit klar. Das war typisch für ihn. Was er nicht sehen wollte, sah er nicht. Oder zumindest gab er es nicht zu. „Du willst also sagen, wir haben keine Probleme, ja?“ Merkte er denn nicht, dass wir uns immer weiter voneinander entfernten? Hatten wir wirklich nichts gemeinsam als unsere Vergangenheit als Kampfmaschinen? Jetzt, wo wir ein normales Leben führen konnten… „Heero, hierfür haben wir doch das alles riskiert. Und jetzt? Ist es so schlimm für dich, ganz normal zu leben?“ Ich wusste nicht, wie ich es ihm begreiflich machen sollte, dass das hier genau das war, was ich wollte, er aber offensichtlich nicht. Ich schluckte und stand auf, schloss kurz die Augen, dann lief ich aus dem Schlafzimmer. Vor dem Fenster blieb ich stehen und schaute hinaus. Alles war so ruhig, so......friedlich. Ich stützte mich mit den Händen auf dem Fensterbrett ab und lehnte den Kopf an die Wand neben dem Fenster. Ja, er hatte Recht. Wir hatten alles dafür riskiert, zusammen sein zu können, endlich frei zu sein und ich.....ich konnte so einfach nicht leben. Doch das war wahrscheinlich genau das, was Quatre wollte. Er war so erzogen worden, von Anfang an hatte er so gelebt. Ich senkte den Kopf. Hatten wir einen Fehler gemacht? Als er das Zimmer verließ, krampfte sich alles in mir zusammen. Warum lief er immer wieder weg? Er hatte die gefährlichsten Situationen gemeistert, und vor mir hatte er Angst? Das konnte nicht wahr sein. Doch ich hatte nicht die Kraft, ihn aufzuhalten. Wenn er meinte, gehen zu müssen, sollte er gehen. Meine Kehle war wie zugeschnürt, und ich ballte die Fäuste. „Ja, lauf weg! Das wird sicher helfen..“ flüsterte ich. Es war mir egal, ob er es hörte oder nicht. Ich drehte mich um und ließ mich die Wand hinunter gleiten, bis ich auf dem Boden saß. Ich wusste nicht mehr, was ich tun sollte. Was ich tat, machte ich in Quatres Augen falsch. Was verlangte er von mir? Ich wurde für den Krieg erzogen und nicht, um ein Hausmann zu sein oder was auch immer er sich von mir wünschte. Das war unmöglich. Ich seufzte und fuhr mir durch die Haare. "Ich kann nicht mehr..", flüsterte ich und schloss die Augen, lehnte den Kopf an die Wand hinter mir.. Ich lauschte, was Heero draußen machte, als ich ein rutschendes Geräusch hörte, dann ein geflüstertes „Ich kann nicht mehr“. Leise schlich ich zur Tür und sah ihn dort sitzen, unter dem Fenster, mit geschlossenen Augen. Es tat weh, ihn so zu sehen. War ich schuld, dass er sich so fühlte? Erwartete ich zu viel von ihm? Aber was erwartete ich denn schon? Doch nur ein normales Leben… Er konnte nicht mehr? Wahrscheinlich stellte er gerade alles in Frage, sein Leben, meine Erwartungen an ihn, uns… „Ich auch nicht!“ sagte ich hart und kehrte wieder um. Ich war der Diskussionen müde, und helfen konnte ich ihm auch nicht. Ich hörte ein "Ich auch nicht" von draußen und zuckte zusammen. Er wusste auch nicht mehr weiter? Er konnte auch nicht mehr? Was sollte nur aus uns werden......aus mir werden. Ich kniff die Augen zusammen. Ruckartig stand ich auf und atmete heftig aus, stürmte zur Haustür. "Schön, dann such dir doch deinen Hausmann!!", schrie ich und riss die Tür auf. Ich lag wieder auf dem Bett und kniff die Augen zu. Am liebsten hätte ich mir auch noch die Ohren zugehalten. Ich hatte es mal wieder geschafft, ihn in Rage zu bringen. Aber ich konnte wirklich nicht so weitermachen. Nur dass er dann immer wegrannte, anstatt sich mit mir auseinanderzusetzen. In der Regel lief ich ihm nach, aber nicht heute. Das war kein Trotz, er musste einfach einsehen, dass das Problem bei ihm lag… ich hasste mich selber dafür, aber ich konnte nicht mehr klein bei geben, und ihm nachlaufen. Dann klappte die Tür, und es wurde still. Ich spürte wie mir die Tränen kamen, und ließ ihnen freien Lauf. Ich war ja allein… **** Mit gesenktem Kopf lief ich durch die engen Gassen der Stadt. Es waren nicht viele Leute unterwegs. Na ja, das war ja auch verständlich. Es hatte mittlerweile angefangen zu regnen, doch das war mir egal. Mir machte Regen nichts aus. Auf meinen Missionen hatte es auch oft geregnet, ich war es gewöhnt. Ich seufzte. Ich kam an einem Park vorbei und beschloss, mich auf eine der Bänke zu setzen und mich etwas auszuruhen. Die Parkbank war kalt und nass, doch ich setzte mich trotzdem hin. Ich rutschte auf der Bank weiter zurück, zog die Beine an und schlang die Arme um meine Füße. Ich fror etwas. Das war wieder so ein Abend, wie ich ihn aus tiefster Seele hasste. Es regnete, ein feiner, eiskalter, durchdringender Regen. Ich war auf dem Weg in einen Club am Bahnhof. Nichts besonderes, ein Club halt, wo man abhing, Cocktails trank und auch die eine oder andere Droge über den Tisch ging. Deshalb war er mein Ziel, denn ich hatte Stoff in der Tasche. Guten Stoff, der an den Mann gebracht werden wollte… Der Regen wurde stärker und ich schlug den Kragen meiner Lederjacke hoch. „Scheisswetter“ murmelte ich vor mich hin. Ich hasste es, wenn meine Haare nass wurden, denn sie waren gut einen dreiviertel Meter lang. Da sie zu einem Zopf geflochten waren, würden sie am nächsten Tag in affigen Wellen um meinen Kopf hängen, was das Flechten unnötig erschwerte… in solcherlei düstere Gedanken versunken, kam ich am Park vorbei. Da stutzte ich plötzlich. Ein Junge saß mit gesenktem Kopf und angezogenen Beinen auf einer Bank. In Shorts und Tanktop? Im strömenden Regen? Ich näherte mich ihm. „Hey, alles in Ordnung mit dir?“ Ich hob erschrocken den Kopf, als mich jemand fragte, ob alles in Ordnung sei. Ich erblickte einen Typen, vielleicht so in meinem Alter, der mich besorgt anschaute. Ein langer, geflochtener Zopf baumelte seinen Rücken hinab. Ich senkte den Kopf wieder und blickte zu Boden. "Hn. Lass mich in Ruhe!!", sagte ich leise. Ich brauchte keine Hilfe und schon gar nicht von Leuten, die ich nicht kannte. „Warum so unfreundlich? Ich hab doch nur gefragt! Du siehst aus, als ob dir kalt wäre.“ Ich besah ihn mir genauer. Wie ein Stricher sah er nicht aus, auch nicht wie ein Verbrecher. „Bist du von zu Hause abgehauen? Auf Trebe?“ Er sah mich mit vor Wut dunklen Augen an. ‚Wow, hat der eine Augenfarbe’ dachte ich bei mir. „Ich sagte, Lass mich in Ruhe!“ fauchte er mich an. „Hey Kleiner, mach mal halblang, ich bin nicht der große böse Wolf und du nicht Rotkäppchen, also halt die Luft an.“ Er schlotterte inzwischen. „Komm, ich wollte gerade in einen Club, da kannst du dich wenigstens aufwärmen.“ Ich sah zu ihm auf. Sollte ich mit diesem Kerl mitgehen? Es konnte ja nicht schaden, wenn ich mich etwas aufwärmte. Er sah nicht gefährlich aus. Hn. Ich nickte und stand auf, schlang die Arme um meinen Körper. "In Ordnung", sagte ich leise. Ich wusste nicht wieso ich das tat, aber ich ging mit ihm. Wider Erwarten ging er mit mir. Mit eingezogenem Kopf und um sich gewickelten Armen ging er neben mir her. „Mistwetter, ne?“ versuchte ich ein Gespräch anzufangen, doch er nickte nur. „Deine Kleidung ist nicht gerade passend bei dem Wetter! Was machst du denn eigentlich hier in dem Aufzug?“ war er zu Hause vielleicht rausgeflogen? Irgendwie machte er nicht den Eindruck, als ob er noch brav bei Mama wohnte. Um verheiratet zu sein, schien er aber zu jung… Seine Haare hingen tropfnass in seine Stirn, und er hatte seine Augen gesenkt. Schade, die Farbe faszinierte mich… ohne lange zu überlegen, zog ich meine Jacke aus und legte sie ihm um. Ich hatte immerhin noch ein Sweatshirt über meinem Hemd. Er sah mich überrrascht an und murmelte „Danke“. Dann lief er schweigend weiter neben mir her. Nachdem er mir die Jacke umgelegt hatte, war mir nicht mehr so kalt wie vorher. Wir liefen schweigend weiter und nach einer Weile seufzte ich. "Ich..ich hab mich mit meinem Koi gestritten." Ich hatte den Kopf noch immer gesenkt und ich spürte, wie ein Regentropfen meine Wange hinunterlief bis zu meinem Kinn und dort zu Boden tropfte. Meine Zähne begannen zu klappern und ich presste die Lippen zusammen. Oh. So war das also. „Mit deinem…“ Er hatte einen Freund? „Ein Er?“ Wir waren an dem Club angekommen, und es wurde auch Zeit, denn er zitterte am ganzen Körper. Eine Antwort bekam ich nicht. Ich ging vor und wir traten ein. Es waren wenige Gäste anwesend, war noch zu früh, aber für mein Vorhaben… Scheiße! Ich konnte schlecht Drogen dealen, wenn er dabei war. Ich schob ihn an einen Tisch mit Bank. „Warte hier!“ „Hi Duo!“ ertönte es vom Tresen. Der Wirt kannte mich und grinste. „Na, ’n Neuer?“ Er deutete auf den Jungen am Tisch. Ich grinste zurück. „Nein, nur ein armes Rotkäppchen, dass ich vor dem Regen gerettet habe. Mach mal zwei heiße Sake, bitte!“ Damit ging ich zum Tisch. „Also, ich heiße Duo, hast du ja gehört. Und Du?“ sagte ich, während ich mich neben ihn auf die Bank quetschte. Es standen zwar auch Stühle am Tisch, aber, irgendwie… wollte ich neben ihm sitzen. Er setzte sich neben mich und ein Schauder ging durch meinen Körper. Ich kannte ihn kaum und daher war es mir etwas unangenehm, so nahe neben ihm zu sitzen. "Ich bin Heero", sagte ich leise und sah zu ihm auf. "Bist du oft hier?" fragte ich dann. „Ja, ziemlich oft.“ Ich war auch ziemlich gefangen von seinen irritierenden Augen, die er jetzt auf mich richtete. Bevor es peinlich wurde, ihn so anzustarren, kam glücklicherweise der Wirt und brachte die Sake. „Wohl bekomms“ sagte er zu mir und zwinkerte. Ich scheuchte ihn mit einer Kopfbewegung weg. Er ging grinsend zum Tresen zurück. Heero blinzelte einmal kurz und sah dann auf den Tisch. Ich schob ihm ein Glas hin und hob das andere an. „Zum Wohl, Heero. Darauf, dass ich dich getroffen habe…“ Was redete ich da eigentlich? Er nippte jedoch nur schweigend an seinem Glas. Ich verzog das Gesicht. Er sah mich an und lächelte. "Du trinkst nicht oft, hab ich recht?" Ich nickte nur leicht und
nippte noch einmal an meinem Glas. "Man gewöhnt sich dran", sagte er. Man gewöhnt sich dran? Ich musste mich doch nicht daran gewöhnen.... Er war ziemlich schweigsam. ‚Kein Wunder, er kennt dich kaum, ihm ist kalt und er hat Stress mit seinem Freund…’ dachte ich, während ich ihm in die Augen starrte, die er auf mich gerichtet hatte. Wider Erwarten hielt er meinem Blick stand. Ich war derjenige, der zuerst nachgab, und die Augen niederschlug. „Diese Farbe habe ich noch nie gesehen“ stellte ich fest. Gleichzeitig wurde mir klar, dass ich an ihm rumbaggerte. Das war doch… Ich stand auf und meinte: „Warte einen Moment, bin gleich wieder da!“ Ich griff nach meiner Jacke, die er neben sich gelegt hatte und ging zum Tresen. Ich sah, wie er nach seiner Jacke griff und aufstand. Wo wollte er hin? Ich beobachtete, wie er zum Tresen ging und begann, mit dem Wirt zu reden. Was gab es zu bereden? Hn. Es ging mich ja nichts an. Ich blieb einfach sitzen und nippte weiter an meinem Glas, trank dann schließlich auch etwas. Er hatte recht. Ich konnte mir denken, dass es bestimmt gar nicht mal so schlecht schmeckte, wenn man es gewöhnt war. Ich stellte mich so, dass ich vom Tisch aus nicht zu sehen war und winkte Sam heran. „Ich hab wieder Ware. Sie zu, dass du mir das nächste Mal Namen nennen kannst.“ Damit schob ich das Päckchen zu ihm und ging ohne ein weiteres Wort zu Heero zurück. Seltsam, mein Job war mir auf einmal ziemlich egal… ich war zu gefesselt von diesen Kobalt-Augen. Am Tisch setzte ich mich nicht erst hin. Entweder-oder! „Hör zu, ich hab n’ harten Tag hinter mir und muss in die Falle. Kommst du klar? Wenn nicht, kann ich dir mein Sofa anbieten…“ Hatte ich Herzklopfen? Unmöglich, und wieso auch… Ich schaute zu ihm auf. "Natürlich komme ich allein nach Hause, es ist nur....." Ich wollte jetzt nicht zu Quatre gehen. Er würde mich wieder fragen, wo ich gewesen war und er würde nicht eher Ruhe geben, bis ich ihm alles erzählte. Dann würde er mir wieder stundenlang sagen, was ich alles falsch gemacht hatte. Ich hatte jetzt wirklich keine Lust, mir das alles anzuhören. Und Duo war nett. Gut, er redete mehr als Quatre, aber damit kam ich schon klar. "Ich kann jetzt nicht zu ihm gehen." Ich sah ihn verdutzt an. „Kannst nicht? Meinst du, er lässt dich nicht rein, oder was?“ Ich grinste, doch als ich sein Gesicht sah, tat es mir leid. Er schien echt fertig deswegen zu sein. „Sorry, Heero, ich wollte nicht taktlos sein.“ Ich legte meine Hand auf seine Schulter und zuckte zurück, als mich ein Stromschlag traf. „Hui, bist du geladen!“ grinste ich jetzt doch, und war glücklich, als ein kleines Lächeln auf seinem Gesicht erschien. „Also, mein Angebot steht. Sofa?“ Ich sah ihn fragend an. Ich nickte. "Hai, vielen Dank." Damit trank ich noch einen Schluck und stand dann auf. Er legte einen Arm um mich und wir gingen. "Danke, dass ich heute bei dir bleiben darf. " "Aber es ist doch selbstverständlich, dass ich dir helfe.", sagte er. Wir verließen den Laden, und aus den Augenwinkeln konnte ich Sam grinsen sehen. Draußen hing ich ihm wieder meine Lederjacke um, und er zog sie dankbar um sich. Aus irgendeinem Grund traute ich mich nicht noch einmal, den Arm um ihn zu legen, und wir gingen wortlos weiter. Dann fiel mir etwas auf. „’Hai’? Bist du japanischer Herkunft?“ Ich blinzelte. Hatte ich `Hai´gesagt. Oh, mir fiel das schon gar nicht mehr auf. "Meine Familie stammte aus Japan.", sagte ich und senkte den Blick. Mehr sagte ich nicht. Wieso sollte ich auch?! Ich kannte ihn noch nicht lange und ich würde keinem fremden meine Vergangenheit auf die Nase binden. Ups. Da war ich wohl zu weit gegangen. „Ok, ich wollte dich nicht bedrängen.“ Er sagte nichts. Hm. Wortkarg, der Bursche. Zum Glück waren wir vor meiner Haustür angekommen. Wir gingen hoch in den ersten Stock und ich schloss die Wohnungstür auf. Sie klemmte wie immer, und ich trat dagegen. „Mist!“ fluchte ich. Als ich Heero ansah, dachte ich, er bricht gleich in Tränen aus. Ich schob die Tür auf und ihn in den Flur. „Was hast du?“ fragte ich ratlos. Als er gegen die Tür trat, dachte ich, ich spinne. Er war genauso wie Quatre. Ich meine, es erinnerte mich an Quatre, als er vom Einkaufen gekommen war und gegen die Türe getreten hatte. Ich schluckte. Er sah mich an und fragte, was los sei. "Es ist nichts." Ich wandte den Blick ab und ging in sein Wohnzimmer, setzte mich dort wortlos auf die Couch, seufzte. Dann lehnte ich mich zurück. Kurz darauf kam auch er ins Wohnzimmer nach. Er saß still auf dem Sofa und starrte vor sich hin. Ich zögerte einen Augenblick, ob ich mich zu ihm setzen sollte, entschied mich jedoch dagegen. „Magst du noch was trinken?“ fragte ich stattdessen behutsam. Er schüttelte den Kopf. „Hör zu, wenn ich was falsches gesagt oder getan habe, tut es mir leid…“ Nichts. Ich zuckte die Schultern. „Ok. Ich hole dir mal Bettzeug…“ Kopfschüttelnd ging ich ins Schlafzimmer. Ich zog meine Schuhe aus und stellte sie neben die Couch. Leise gähnend machte ich es mir dort bequem und legte mich zurück, schloss die Augen. Es war so gemütlich. Ich genoss diese Ruhe. Niemand maulte dich an oder ging dir die ganze Zeit auf die Nerven. Ich streckte mich leicht und kuschelte mich enger in das Polster. Als ich nach einer Weile ins Wohnzimmer zurückkam, lag Heero mit geschlossenen Augen in die Polster gekuschelt. Das Sofa war eigentlich zu schmal zum Schlafen, aber das schien ihn nicht zu stören. Schlief er schon? Er musste wirklich am Ende gewesen sein. Ich setzte mich in den Sessel ihm gegenüber und betrachtete ihn in Ruhe. Wirres braunes Haar, schmale, aber kräftige Statur… und diese wahnsinnig schönen Augen… ‚Hör auf. Morgen ist er wieder weg!’ wies ich mich zurecht. ‚Genau! Nutz die Chance, solange du sie hast..’ flüsterte eine gemeine kleine Stimme in mir. Magnetisch angezogen stand ich auf und näherte mich dem Sofa. Ich ließ mich davor nieder und legte Heero leicht die Hand auf den Arm. Er schreckte auf und starrte mich an. Ich erschrak, als ich eine Hand auf meinem Arm spürte und schlug die Augen auf. Direkt über mir war Duos Kopf. Ich griff mir an die Stirn. "Gomen, ich...ich muss eingenickt sein.", sagte ich leise. Doch dann verstummte ich wieder, als ich wieder in diese kobaltblauen Augen blickte. Ich überlegte fieberhaft. Gut. Ich würde es … „Ääh, Heero, ich glaube, das Sofa ist ziemlich unbequem… mein Bett ist breit genug für zwei, also…“ im selben Moment, als ich es aussprach, dachte ich schon, dass ich verrückt sein musste. Ich sah ihn gespannt an. Ich blinzelte. Was sollte ich tun? Ach, es war ja eigentlich so ziemlich egal, wo ich schlief. Hauptsache ich würde endlich zum Schlafen kommen oder zumindest dazu, mich auszuruhen. Ich war todmüde und ziemlich erschöpft. Ich gähnte wieder und nickte. "Okay" Er nahm meine Hand und zog mich mit sich. Ich ließ mich einfach von ihm mitziehen. Wahrscheinlich auch, weil der Alkohol langsam zu wirken begann. Bingo! Er war müde, leicht betrunken, und ließ sich von mir mitziehen. Ich führte ihn in mein Schlafzimmer und zeigte ihm das angrenzende Bad. Dann ging ich ins Wohnzimmer zurück und goss mir erstmal einen Drink ein. Den brauchte ich jetzt, um ruhiger zu werden. „Was bezweckst du eigentlich mit dieser Aktion, Maxwell?“ knurrte ich vor mich hin. „Was hast du vor?“ Das Problem war, dass ich das selber nicht wusste. Ich hatte schon öfter mal jemanden ’abgeschleppt’, aber… es war nicht so wie normalerweise. Er zog mich magisch an. Anders konnte man es nicht ausdrücken. Im Bad zog ich mich erst einmal aus. Meine Sachen rochen stark nach Rauch, von dieser Bar und ich war leicht verschwitzt. Ich seufzte und stellte mich unter die Dusche. Es war unbaublich lieb von ihm, mich hier duschen zu lassen, dass hätte ich gar nicht gedacht, immerhin kannte er mich erst seit ein paar Stunden. Ich griff nach dem Duschgel und verteilte es auf meiner Brust und meinem Bauch. Ich musste an Quatre denken. Was machte er wohl jetzt gerade? "Hn." Ich griff nach dem Shampoo und verteilte es auf meinem Kopf. Nachdem ich mein Glas leergetrunken hatte, fragte ich mich, ob Heero wohl schon fertig geduscht hatte. Ich wollte ihn nicht in Verlegenheit bringen, also lugte ich vorsichtig um die Ecke. Er war noch ihm Bad. Ich suchte also einen Schlafanzug von mir aus dem Schrank und warf ihn aufs Bett. Es war reiner Zufall, dass er aus schwarzer Seide war… ‚Unsinn, du willst ihn gerne in schwarzer Seide sehen, Idiot’ flüsterte wieder die gemeine Stimme in mir. Ich rief über die Schulter „Schlafanzug liegt auf dem Bett!“ und ging schnell ins Wohnzimmer zurück. Schlafanzug? Ich runzelte die Stirn. Kami, wann hatte ich das letzte mal einen Schlafanzug angehabt?! Es musste aber schon länger her gewesen sein, denn ich konnte mich im Moment nicht erinnern...Mit einem Handtuch um die Hüfte marschierte ich ins Schlafzimmer und da lag er auch schon auf dem Bett: Ein Schlafanzug aus schwarzer Seide. Und den sollte ICH anziehen? Fassunglos betrachtete ich den Stoff. Dass Duo so etwas besaß..wow!! Das hätte ich eher Quatre zugetraut. Ich ließ das Handtuch von meiner Hüfte rutschen und griff nach meinen Shorts, zog sie an. Dann schlüpfte ich in den Schlafanzug. Ich lächelte leicht. Der Stoff fühlte sich wunderbar weich an auf der Haut. Ich saß auf dem Sofa und kam mir vor wie ein Idiot. Ich traute mich nicht in mein eigenes Schlafzimmer! Was war nur an diesem Jungen so besonders? Ich seufzte und schaltete den Fernseher ein. Ich wusste nicht, was es war, aber ich war mir darüber klar, dass ich eines jetzt bestimmt nicht tun würde: Mich zu ihm ins Bett legen. „Brauchst du noch was?“ rief ich in Richtung der Schlafzimmertür. Ich legte mich in das große Bett und machte es mir bequem, kuschelte mich in das Kissen. Hn. Wieso kam er nicht? Wollte er denn nicht schlafen? Es war mir langsam etwas unangenehm, denn es war ja schließlich sein Bett und nicht meines und ich wollte es ihm auf keinen Fall wegnehmen. "Nein, ich brauche nichts, schon gut.", rief ich raus und legte seufzend meinen Kopf auf das Kissen. Das war wohl so. Er brauchte nichts. Am allerwenigsten mich. Also… ‚Wenn er dich nicht braucht, kannst du auch ins Bett gehen, dann kann ja nichts passieren' flüsterte wieder die Stimme. Ich brauchte noch eine gute halbe Stunde, in der ich hin und her überlegte, doch dann reckte ich trotzig das Kinn hoch. „Es ist MEIN Bett, und ich gehe jetzt schlafen. Basta!“ Damit stand ich auf und marschierte ins Bad. Ich duschte rasch und griff mir eine frische Shorts aus dem Fach. Ich schlief nie im Pyjama, das schwarze Seidending hatte mir mal ein Verehrer hier gelassen. War mir sowieso zu eng. Aber an Heero würde es sicher… Ich blieb wie angewurzelt stehen, als ich ihn fest schlafend auf dem Bett liegen sah. Er hatte die Decke unter sich, was mir sagte, dass es ihm zu warm war. Wahrscheinlich trug er sonst auch nicht viel mehr als ich beim Schlafen… vorsichtig legte ich mich neben ihn und versuchte, die Decke unter ihm hervorzuziehen. Ich spürte, dass die Decke unter mir langsam weggezogen wurde und drehte mich etwas. "Hn" Ich schlug die Augen auf und blickte direkt in die von Duo. Ich blinzelte. Er war also doch müde gewesen. "Sorry, ich wollte dich nicht wecken.", sagte er leise. Ich lächelte leicht. "Ich hab nicht fest geschlafen." Dann blickte ich nach unten und zupfte an meinem Schlafanzug. "Sag mal....wo hast du dieses Teil her?" Ich errötete schlagartig. „Ahm, den hat mir mal ein, äh, Freund hiergelassen.“ Ich konnte nicht verhindern, dass ich noch tiefer errötete. Was war nur mit mir los? Ich war doch sonst viel lockerer? Jetzt konnte er sich jedenfalls zusammenreimen, dass ich auch nicht so sehr viel mit Frauen am Hut hatte. Wie würde er reagieren? Ein Freund? Mhm....war er vielleicht auch...?? "Ah" Ich nickte wissend und lächelte leicht, blickte ihm in die Augen. Er blinzelte und ich lachte leise, legte meinen Kopf wieder auf das Kissen. Ich fing mich langsam wieder. O.k. was war schon? Jetzt wusste er es, er war nicht entsetzt, und hatte offenbar keine Angst vor mir. Er legte sich wieder hin und ich sah ihn einfach nur an. Er bemerkte meinen Blick und sah fragend zu mir auf. „Was hast du? Wieso schaust du mich so an?“ „Wieso? Weil du ein ausgesprochen schöner Anblick bist, Heero!“ lächelte ich. Dann ließ ich meinen Kopf ebenfalls auf das Bett sinken und wandte ihm mein Gesicht zu. „Willst du über dein Problem reden?“ fragte ich, eigentlich nur, um das Gespräch nicht versiegen zu lassen. Ich *wollte* mit ihm reden. Heero: Hn. Ich wusste nicht, ob ich mit ihm darüber reden wollte. Eigentlich redete ich nie mit jemandem über meine Probleme, doch... Es konnte mir ja nicht schaden, wenn ich es ihm erzählte, oder? Ich wusste ja, dass er nichts böses im Sinn hatte. "Es wird zwar nichts bringen, wenn ich es dir erzähle, weil du mir sowieso nicht helfen kannst....und das brauchst du auch nicht.." Ich stoppte kurz und sah ihn dann wieder an. "Aber ich sag´s dir trotzdem.", meinte ich. "Wir....." Ich wusste nicht, wie es ihm erklären sollte. "Wir streiten uns seit ein paar Monaten fast nur noch. Er sagt, ich mache nichts im Haushalt und....." Ich seufzte und schüttelte den Kopf. Ich unterdrückte ein Grinsen. „Ihr seid schon länger zusammen, oder?“ Verwirrt sah er mich an. „Wieso fragst du das?“ „Naja, am Anfang sind so Sachen wie Haushalt eigentlich ziemlich nebensächlich…“ ich sah, dass er leicht errötete und grinste jetzt doch. „Treffer?“ fragte ich leise, und legte die Hand auf seinen Arm. Er zuckte leicht zusammen. „Hey, keine Angst, ich tu dir nichts…“ ich ließ seinen Arm wieder los. „Nichts, was du nicht willst, jedenfalls…“ ich drehte mich auf die Seite und löschte die Nachttischlampe. „Gute Nacht, Heero…“ Er drehte sich um und löschte das Licht. Ich atmete hörbar aus. "Ich hab keine Angst vor dir." Das wollte ich ihm nebenbei nur mal gesagt haben. "Ich habe vor niemandem Angst.", sagte ich ernst. Ich schluckte. "Aber du hast recht, wir sind schon länger zusammen." Ich seufzte. "Am Anfang war es so schön... und jetzt....ich weiß nicht, ob er mich überhaupt noch liebt." Soso, vor niemandem also. Nur vor Emotionen? Ich drehte mich wieder zu ihm hin. „Warum fragst du ihn nicht? Ob er dich noch liebt, meine ich. Also, wenn ich mir nicht sicher wäre, ich würde fragen…“ Er schwieg. Er schwieg reichlich viel, fand ich. „Sag mal, bist du zu Hause auch so wortkarg? Dann glaub ich dir, dass ihr Probleme habt!“ Was war ich eigentlich, ein verdammter Eheberater? Der Typ zog mich magnetisch an, und ich gab ihm Beziehungstipps? Schnaufend drehte ich mich wieder weg. „Ist natürlich deine Sache.“ Ja, ich sollte ihn wirklich fragen. Nur...ich hatte Angst davor, ihn zu fragen. Ich hatte Angst, dass er sagen würde er liebt mich nicht mehr, Angst, ihn zu verlieren....ich hatte also doch vor etwas Angst. Ich seufzte und drehte mich traurig auf die andere Seite. Ich wusste sowieso nicht, was ich ihm antworten sollte. Es war ja auch egal. Morgen würde ich wieder weg sein und mich irgendwo auf die nächste nasse Parkbank setzen. Ich hatte wohl einen wunden Punkt getroffen. Jedenfalls drehte er sich weg und seufzte traurig. Ich hatte auf einmal das Gefühl, ihn trösten zu müssen, obwohl ich nie der beste im Trösten war. Ich rückte näher zu ihm und legte einfach den Arm über seinen Rücken. Ich drückte ihn leicht und murmelte „Komm schon, das wird wieder…“ Ich musste mich über mich selbst wundern. Normalerweise wäre er das gefundene Fressen, um ihn zu verführen. Einsam, Liebeskummer, … und ich redete ihm nur gut zu! ‚Seltsam, seltsam, Maxwell…’ dachte ich. Er legte seinen Arm um mich und flüsterte, dass es wieder werden würde. Ich schloss die Augen und lehnte mich etwas an ihn. "Danke", flüsterte ich. Es war so schön warm bei ihm und..... vielleicht lag es aber auch nur am Alkohol. Ich hielt den Atem an, als ich spürte, wie er sich an mich schmiegte. ‚Ok, Maxwell, jetzt keinen Fehler. Er ist müde, traurig und ein bisschen betrunken. Das wirst du nicht ausnutzen…’ ich konnte dennoch nicht verhindern, dass meine Hand ganz automatisch seine Schulter streichelte. Ich spürte, wie seine Hand meine Schulter streichelte. Warum war er so lieb zu mir? Er kannte mich doch kaum. Ich seufzte. Langsam griff ich nach seiner Hand und hielt sie behutsam fest, strich sanft über sein Handgelenk. Ich wiederholte innerlich ungefähr zum dritten Mal meine Ermahnung. ‚Lass es, er ist betrunken, lass es, er ist…’, da stoppte seine Hand auch schon mein Streicheln. Ich nickte unmerklich, wollte gerade meinen Arm von ihm wegziehen, als ich plötzlich seinen Finger spürte, der zart über mein Handgelenk strich. Und.. war das ein Seufzen gewesen, gerade? Ich entschied mich sofort um und ließ meinen Arm, wo er war. Noch dazu zog ich Heero etwas näher an mich und flüsterte ihm zu: „Schlaf ruhig, ich tu dir nichts…“ Er zog mich näher und ich gähnte leise, schloss langsam die Augen. Er hatte recht, ich war wirklich müde und konnte jetzt etwas Schlaf gebrauchen. "Hai", flüsterte ich und kuschelte mich enger an ihn. Wieso strahlte er nur so eine Wärme aus? Ich hielt die Luft an, als er sich an mich schmiegte. Durch die dünne Seide konnte ich ihn an meiner Haut spüren, viel zu gut… mein Herz begann heftig zu schlagen, und in meinem Kopf begann es zu dröhnen. Sein Haar duftete nach meinem Shampoo, und das alleine war schon verwirrend genug. Doch seine Nähe begann mich verrückt zu machen… Ich legte die Arme fester um ihn und bettete meinen Kopf an seine Schulter. Seufzend schloss ich die Augen. ‚Beherrsch dich, Maxwell!’ – Ich musste einfach versuchen, zu schlafen! Er legte seine Arme fester um mich und seinen Kopf an meine Schulter. Ich lächelte leicht, hielt noch immer seine Hand fest. Ich hoffte, ich konnte so einschlafen. Todmüde vergrub ich den Kopf in dem weichen Kissen und seufzte. Das mit der Selbstbeherrschung stellte sich als nicht so einfach heraus, er dachte nämlich gar nicht daran, etwa meine Hand loszulassen. Dann kuschelte er sich in das Kissen und seufzte tief. Ich wartete, ob von ihm noch irgend etwas kam, aber wenige Augenblicke verriet mir sein gleichmäßiger Atem, dass er eingeschlafen war. „Heero?“ flüsterte ich, doch es kam keine Antwort. Ich hob meinen Kopf an und legte seine Hand vorsichtig vor ihm auf das Kissen. Bevor ich mich auch bequemer hinlegte, konnte ich jedoch nicht widerstehen und hauchte ihm einen Kuss auf die Wange. Dann legte ich mich hin und schloss – zum wievielten Male heute schon? – die Augen und versuchte zu schlafen. Es gelang mir nur nicht. Als ich aufwachte, drehte ich meinen Kopf leicht zur Seite und sah Duo neben mir liegen. Er war nicht weggegangen. Ich lächelte. Dann spürte ich plötzlich etwas weiches in meiner Hand und ich blinzelte. Was war das? Ich hob meine Hand und sah, dass ich Duos Zopf festhielt. Ich staunte. Er hatte wirklich sehr langes Haar. Und so weiches. Ich seufzte und ließ den Zopf los, gähnte leise. Ich wachte davon auf, dass etwas an meinen Haaren zog. Blitzschnell griff ich zu und hatte Heeros Hand geschnappt. Er musste wohl gerade losgelassen haben und hatte gegähnt. Nun ließ er seinen Mund gleich offen vor Schreck und starrte mich an. „Lass das!“ knurrte ich ihn an. Ich hasste nichts mehr, als an meinem Zopf gezogen zu werden. Doch er hielt ganz still, und seine vor Schreck geweiteten Augen zogen mich schon wieder magisch an, so dass mein Ärger sofort verschwand. „Schon gut. O.k. ich beruhige mich ja schon.“ Ich blickte auf die Bettdecke. "Gomen...ich wollte das nicht. Es ist nur...dein Zopf ist so weich und da wollte ich..." Ich schluckte. Ich hatte bestimmt nicht so weiches Haar wie er, obwohl..von seinem Shampoo vielleicht. Ich lächelte innerlich, doch mein Kopf blieb gesenkt. Irgendwie hatte ich ihn verschreckt mit meinem Gemoser. Er starrte betreten vor sich hin und murmelte eine Entschuldigung. Das hatte ich ja nun nicht gewollt. Ich legte zwei Finger unter sein Kinn und hob sein Gesicht leicht an. Wieder so ein Blick aus diesen erstaunlichen Augen, und dieses Mal war es aus. Vorbei. Ende. Meine Selbstbeherrschung war hinweggefegt. Ohne weiter nachzudenken, beugte ich mich nach vorne und legte meine Lippen auf seinen Mund. Meine Hand war in seinen Nacken gewandert und kraulte dort sein erstaunlich weiches Haar. Ich spürte, dass er sich leicht versteifte und wartete auf eine weitere Reaktion. Er legte seine Lippen auf meine und mit seinen Fingerspitzen kraulte er meinen Hinterkopf. Ich zuckte leicht zusammen. Ich musste an Quatre denken. Wenn er uns jetzt so sehen würde. Doch als ich an unseren Streit dachte, war es vergessen und ich legte meine Arme vorsichtig um Duo, erwiderte den Kuss. Kurz darauf umarmte er mich und seine Lippen gaben nach. Meine Augen schlossen sich fast automatisch, und mein Herz begann zu rasen. ‚Hör auf, was machst du denn hier…’ dachte ich panisch. Ich intensivierte den Kuss trotzdem ganz kurz, doch dann löste ich meine Lippen von seinen und zog ihn in meine Arme. „Ich glaube, es ist besser, wenn wir jetzt aufstehen, Heero…“ murmelte ich und streichelte seinen Rücken. Er legte den Kopf an meine Schulter und nickte nur. Ich drückte ihn noch einmal kurz an mich und gab ihn widerstrebend frei. Es verursachte mir fast Schmerzen, als er von mir weg auf die andere Seite rutschte und aufstand. Ich ging ins Bad, um mich frisch zu machen. Während ich mir das Gesicht wusch, ging mir so viel durch den Kopf. Würde ich mich mit Quatre wieder vertragen können? Empfand ich etwas für Duo? Ich wusste es nicht genau....Und warum hatte Duo mich geküsst? Der Kuss war schön gewesen, aber...ich war nun mal mit Quatre zusammen und....ich hatte Duos Kuss auch noch erwidert. Ich rieb mir mit dem Handtuch das Gesicht trocken und atmete aus. Was hatte ich getan?! Ich war völlig durcheinander. Ich zog meine Klamotten wieder an und setzte mich auf den Rand der Badewanne. "Was soll ich nur tun?", fragte ich mich leise. Ich saß auf der Bettkante und starrte ihm nach. Was war das gerade gewesen? Er hatte mich zurückgeküsst, leicht, aber eindeutig. Jetzt zog er sich sicher an, und dann würde er verschwinden. Ich wollte das aber nicht! Entschlossen stand ich auf und folgte ihm. Er saß noch in Shorts da und trocknete sich gerade das Gesicht ab, deshalb konnte er mich nicht sehen. Leise ging ich hinter ihn und umfasste seinen Oberkörper. „Sehen wir uns wieder?“ flüsterte ich in sein Ohr und drückte ihn leicht an mich. Sein Freund war mir in diesem Moment sowas von egal… Ich zuckte leicht zusammen, als ich zwei kräftige Arme spürte, die sich um meine Brust schlangen. Ein Kribbeln fuhr durch meinen Körper. Duo drückte sich von hinten an mich und fragte mich, ob wir uns wiedersehen würden. Ich wusste es nicht. Konnten wir uns wiedersehen? Durften wir es? Auch wenn ich mit Quatre Streit hatte, ich liebte ihn und ich wollte ihn nicht verletzen, andererseits...ich hatte auch Duo in mein Herz geschlossen. Ich ließ das Handtuch sinken und drehte den Kopf leicht in Duos Richtung. "Natürlich", sagte ich leise und lächelte etwas. Dann löste ich mich langsam aus seiner Umarmung und stand auf. "Ich......ich muss jetzt gehen!!" Ich ließ ihn nicht so einfach weg! Meinen Griff wieder fester werden lassend, fragte ich „Natürlich? Ist das für dich so klar? Und dein Freund?“ Ich musste ihn einfach noch ein bisschen pieken. „Was sagt der denn dazu? Oder – “ ich sah ihn durchdringend an „oder willst Du heimlich kommen?“ Ich atmete genervt aus. "Ich werde natürlich nicht zu Quatre gehen und sagen ´Hey Schatz, ich geh heute Abend mal zu Duo´", sagte ich etwas gereizt. "Ob das für mich so klar ist? Ich dachte, wir bleiben Freunde...", sagte ich nun etwas leiser. Ich wurde langsam sauer. Was spielte er da für ein Spiel? „Ach, Freunde ja? Und das von eben? Tun das ‚Freunde’? Oder…“ ich fasste in seinen Nacken und zog sein Gesicht näher an meines, meine Lippen nur millimeterweit von seinen entfernt. Er sah mich mit erschrockenem Blick an. „… oder das?“ Ich berührte seine Lippen leicht mit meinen. Ich stemmte meine Hände gegen seine Brust, um ihn wegzudrücken. Ich keuchte leise und zog den Kopf etwas zurück. "Duo, lass das!!" Ich war mir im Moment nicht sicher, ob ich mich von ihm küssen lassen sollte oder nicht. Wieso musste ich nur dauernd an Quatre denken? Er sah mich böse an. Er wollte mich wegdrücken, aber gleichzeitig keuchte er. Er war ein Meister darin, widersprüchliche Signale zu geben… Ich nahm meine andere Hand und streichelte sanft über seinen Rücken, dann zog ich ihn wieder näher und küsste leicht seinen Hals. „Wirklich?“ Ich wanderte hoch zu seinem Ohr und flüsterte „Ist das so furchtbar?“ Ich begann seinen Nacken zu kraulen. "Duo, bitte..." Ich erschauderte, als er meinen Hals küsste. "Ich......" Er begann, meinen Nacken zu kraulen. "Ich kann nicht, wenn ich...." Ich keuchte wieder. "...wenn ich dauernd an Quatre denken muss. Gomen!!" Ich sah ihm wieder in die Augen. Gott, diese Augen! Sein Blick hielt mich gefangen, und er klang unglaublich süß, wenn er japanisch sprach. Trotzdem hörte ich auf, meine Lippen über seine Haut wandern zu lassen. Es sprach ja für ihn, dass er seinen Freund nicht hintergehen wollte. Seinen Nacken kraulte ich dennoch weiter. „O.k. ist ja klar!“ sagte ich leise und erwiderte seinen Blick. „Ich … mir tut es auch leid! Du bist nur so…“ ich senkte den Blick. Ich lächelte etwas und befreite mich dann langsam aus seiner Umarmung, sah ihn an. "Gut, dann bis....vielleicht heute Abend." Duo nickte. "Ich hoffe, du kannst kommen.", sagte er. Ich lachte leise. Er begleitete mich noch bis zur Haustür. "Bis bald, Duo." "Ciao Heero." Ich schloss langsam die Tür hinter ihm. Ich war tatsächlich etwas traurig. Ob er wohl kommen würde? Ich meinte immer noch, seine Haut unter meinen Lippen zu spüren. Er hatte sich gut angefühlt… Warum musste er auch einen Freund haben? Langsam interessierte mich dieser Quatre… was er wohl für ein Typ war? Ich beschloss, das irgendwann herauszufinden. Dann fing ich an mir Frühstück zu machen. **** |