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Autoren: Heero und Quatre back E-mails: Heero_Yuy85@web.de und Quatre@animemail.de Homepages: www.gokus-bedroom.de.vu und www.gokus-world.de.vu ICQ: Heero: 129884242 Quatre: 166232258 Pairing: Quatre x Heero
Warnings: angst, sad, violence, rape, Yaoi ( ist ja klar ^_^ ), lemon Kommentar: Quatre ist Dr. J´s Gehilfe. Der Junge hat keine Ahnung, wie er in die Hände dieses bösen Wissenschaftlers kam, er kann sich an nichts mehr erinnern. Quatre soll sich um den 16-jährigen Heero Yuy kümmern, der sich Dr. J´s Befehlen widersetzt hat. Im Laufe der Zeit erinnert sich Quatre immer mehr an seine Vergangenheit, doch Dr. J weiß das zu verhindern. Heero und Quatre sind dabei, sich anzufreunden, doch dann passiert etwas, was die beiden sehr verändert...... blau= Heero Im Labor von Dr. J Teil 1/6 Ich ging den Flur zu den einzelnen "Zimmern" entlang, in der Hand einen Zettel. Yuy, Heero. Zelle 0. Medikamente verabreichen. Vorsicht, gefährlich. Das waren die mageren Informationen über den Mann, den ich ab jetzt zu "betreuen" hatte. Betreuen hieß, ihm das Essen zu bringen, und vor allem, ihm die Medikamente zu verabreichen, die er bekommen sollte, notfalls gegen seinen Willen. Das war für mich kein Problem. Ich hatte Anweisungen. Und ich führte sie aus. Mein Problem war anders gelagert. Ich hatte keine Ahnung, warum ich hier war und diese Arbeit machen musste. Und noch dazu war es mir völlig gleichgültig... Ich war an der Zelle 0 angekommen und schloss die Schleuse auf. "Gefährliche" wurden mit 2 Türen gesichert, so dass sie einem nicht entwischen konnten. Ich saß in der Zelle, in die sie mich gesperrt hatten auf dem kalten Steinboden. Ich dachte darüber nach, warum ich hier war, und ich wusste es auch ganz genau. Ich hatte mich den Anordnungen von Dr. J widersetzt, was sehr gefährlich sein konnte, doch es war mir egal. Ich wollte einfach nicht mehr töten, keine Kriege mehr führen. Das alles machte für mich keinen Sinn mehr. Mir wurde langsam kalt, denn ich hatte nicht gerade das passende für eine kalte Zelle an. Ich schlang meine Arme um meinen Körper, um mich zu wärmen. Da hörte ich plötzlich, wie von außen die Tür aufgeschlossen wurde. Wer konnte das sein? Die Aussentür schloss ich ab, die Innentür konnte dann offen bleiben. Ich schloss auch diese auf und betrat mit meiner Tasche das Zimmer. Da war ja niemand! Das Bett und auch der Stuhl waren leer. Ich sah mich um und erblickte eine Gestalt, die zusammengekauert in der Ecke auf dem Boden saß. Ich stutzte einen Augenblick. Ein Mann? Das war ein Junge, nicht viel älter als ich selbst. Mit neutraler Stimme sagte ich: "Steh auf, du bekommst deine Medikamente." Der Junge reagierte nicht. Ich sah noch einmal auf den Zettel, wie war sein Name? Ach ja, Heero Yuy. "Heero Yuy, hast du nicht gehört? Steh auf!" `Na toll`, dachte ich mir nur. Was will dieser Blondie von mir? Medikamente? Welche Medikamente? Mir geht´s bestens, ich will nur aus diesem Dreckloch raus. Er rief meinen Namen und sagte, ich solle aufstehn, doch mich interessierte das recht wenig. Ich zitterte immer noch leicht vor Kälte und versuchte ihn einfach zu ignorieren. Wenn Dr. J etwas von mir wollte, dann musste er schon selbst kommen und nicht seine Gehilfen schicken. Stur starrte ich weiter auf den Boden, als ob ich ihn nicht gehört hätte. Er tat nichts. Sah nicht auf. Stand nicht auf. Starrte nur vor sich hin. Ich ging mit meiner Tasche auf ihn zu. "Du musst eine Injektion bekommen. Also gebe ich dir eine. Er beobachtete mich argwöhnisch, blieb jedoch sitzen. Ich entnahm der Tasche eine Druckimpfpistole und legte die Patrone mit dem Serum ein. Als ich fertig war, näherte ich mich seinem Arm mit dem Kopf des Gerätes. Ich sah, wie er zu seiner Tasche ging und nach etwas kramte. Er holte etwas heraus, dass wie eine Pistole aussah. In mir stieg langsam die Wut. Er würde mir nichts spritzen. Zu meinem Entsetzen musste ich feststellen, dass er langsam auf mich zu kam. Ich sah ihn drohend an und machte mich schon einmal bereit, mich zu wehren. Ich spannte alle Muskeln in meinem Körper an. Ich würde ihn angreifen müssen, wenn er mir zu nahe käme. Ich sah, wie er sich anspannte. Ich wusste, was jetzt kam. Ich würde auf ihn zugehen, und er würde mich anspringen. Das kannte ich schon von den anderen Gestörten, die ich in meiner kurzen Zeit hier zu "betreuen" gehabt hatte. Ich hatte einen Trick. Wenn sie lossprangen, sprang ich ihnen voll entgegen, und da sie eher mit Ausweichen rechneten, tappten sie in die Falle. Dann konnte ich schnell die Düse an ihren Hals pressen, und abdrücken. Ich machte noch einen Schritt. Seine Augen wurden schmal. Ich wusste, noch ein Schritt, und er würde springen. Ich spannte ebenfalls meine Muskeln an und ging den letzten Schritt, der die kritische Distanz unterschritt. Wie von einer Feder geschnellt sprang Heero Yuy los. Ich warf mich ihm entgegen und legte meinen Arm um seinen Oberkörper, wodurch ich einen seiner Arme festhielt. Den anderen presste ich mit meinem Körper an seinen. Gleichzeitig hob ich die Pistole, und an den Hals drücken und auslösen war eins. Ich wartete noch ein paar Sekunden, dann wurde sein Blick leer. Ich führte ihn zum Bett und legte ihn darauf nieder. Der Trick hatte wieder funktioniert. Doch ich war nicht stolz oder befriedigt. Alles in mir war irgendwie... tot. Ich packte die Pistole zurück in die Tasche und verliess die Zelle. `Mist`, dachte ich mir nur. Er hatte mich doch erwischt. Ich fühlte mich benommen und ich spürte, dass ich jetzt auf dem Bett lag. Wenigstens war es nicht mehr dieser kalte Boden, auf dem ich vorher gelegen hatte, doch ich zitterte immer noch leicht. Ich schloss langsam die Augen, als mich eine große Müdigkeit überfiel. `Nein`, war mein letzter Gedanke, bevor ich ohnmächtig wurde. Ich ging, um Dr. J zu holen. Er hatte ein neues Medikament entwickelt, mit dem man die Nervenstränge besser an den Einfluss des Wing Zero anpassen konnte. Das sollte Heero Yuy in einem Depot als Implantat unter die Haut bekommen. Deshalb hatte ich ihn ruhig stellen müssen, damit er den ambulanten Eingriff über sich ergehen ließ. Der Wing Zero hatte sein Gehirn dahingehend beeinflusst, dass er anfing, den Sinn seiner Missionen anzuzweifeln. Schließlich widersetzte er sich jedem Befehl, und versuchte, den Wing mit der Selbstzerstörung zu vernichten. Das war der Anlass, den Einsatz des Wing Zero zu überdenken. Er sollte noch einmal modifiziert werden. Doch Dr. J war überzeugt, dass der Zero Wing perfekt war, und man das Gehirn besser anpassen konnte... Ich musste ihn wieder zur Kammer 0 begleiten und ihm assistieren. Wir betraten gemeinsam die Zelle und wie erwartet lag Heero Yuy auf dem Bett und war ohnmächtig. Der Doktor band seine Arme an den dafür vorgesehenen Schlaufen fest, und ich die Beine. Dann holte er ein kleines Skalpell aus der Tasche, die ich ihm reichte. Das erste, was ich wahrnahm, als ich wieder zu Bewusstsein kam waren Stimmen über mir. Ich konnte zwei Personen sprechen hören. Ich versuchte meine Hände und Füße zu bewegen, musste jedoch feststellen, dass sie festgeschnallt waren. Ich stöhnte leicht, als ich meinen Kopf etwas hob und mir schwindelig wurde. Benommen legte ich ihn wieder auf das Bett, drehte ihn aber so zur Seite, dass ich etwas sehen konnte. Ich konnte Dr. J erkennen und wusste sogleich was los war. Er hatte irgendetwas mit mir vor. Ich sammelte all meine Kraft, die ich in meinem Zustand zur Verfügung hatte und versuchte mich loszureißen. Ich zog kräftig an den Befestigungen, in der Hoffnung, dass die Schlaufen sich lösen würden. Heero Yuy wurde wach und wehrte sich heftig gegen die Fesseln. Dr. J runzelte die Stirn. Er griff nach der Impfpistole und lud sie. Sie haben die Dosis zu gering eingestellt!“ sagte er verärgert. „Nein, Dr. sie war für sein Körpergewicht sogar eigentlich zu hoch“ antwortete ich. Ich fühlte keinen Ärger wegen dieser Anschuldigung, es war mir gleichgültig. Dr. J hob die Brauen, sagte aber nichts. Wahrscheinlich dachte er, ich hätte keine Ahnung von Dosierungen. Ich sah ihm zu, wie er Heero Yuy erneut betäubte, seine Achselhöhle desinfizierte und schnell einen kleinen Schnitt machte, das Implantat unter die Haut schob und mit Spezialkleber die Wunde verschloss. Dann packte er die Instrumente wieder ein und entfernte sich mit den Worten: „Kleben Sie noch ein Pflaster auf den Schnitt. Dann können sie ihn wieder losbinden. Wenn er aufwacht, wird das Medikament bereits wirken… dann müssen wir abwarten und beobachten.“ Die Tür klappte zu, ich war allein mit dem „Patienten“. Ich schloss die Aussentür ab, nahm Desinfektionsspray und ein Pflaster und wollte seine kleine Wunde versorgen, als ich sah, dass seine Augen sich wieder leicht geöffnet hatten. Unfähig, so etwas wie Erstaunen zu empfinden, sah ich ihn nur an. Ich fragte mich jedoch, warum er schon wieder wach wurde. Dann führte ich mein Vorhaben aus und band ihn anschließend wieder los. Er wollte sofort aufspringen, doch ein Schwindel hinderte ihn daran und er sank zurück auf das Bett. „Bleib liegen. Dein Kreislauf wird sonst schlapp machen“ sagte ich und nahm die Tasche. Ich verließ den Raum, verschloss die Türen, überprüfte den Überwachungsmonitor und ging ins Labor um mir neue Anweisungen zu holen. Noch benommener als zuvor lag ich nun wieder alleine in dieser Zelle. Ich fühlte mich sehr müde und schwach, doch ich versuchte meine Augen offen zu halten, damit ich sah, wenn wieder jemand hereinkam. Ich bewegte mich leicht und spürte einen stechenden Schmerz unter dem Arm. Was war das? Was hatten sie mit mir gemacht? Ich wollte mich erheben, um nachzusehen, doch ich schaffte es nur leicht, denn mein Körper war irgendwie schwer. Das musste dieses Zeug sein, dass mir Dr. J gespritzt hatte. Ich atmete aus und drehte meinen Kopf, so dass ich mich etwas im Raum umsehen konnte. Wenn ich doch nur von hier fliehen könnte. Ich beschloss, mir einen Weg zu überlegen, um hier rauszukommen. Wieder ging ich zu Zelle 0. Ich hatte die Anweisung, Heero Yuy nach zwei Stunden Blut abzunehmen, um die Abgabe des Wirkstoffes zu kontrollieren. Beim Gehen überlegte ich, dass ich ihn besser nicht losgebunden hätte. Es würde sehr schwierig werden, ihn wieder ruhig zu stellen, wenn er sich wehrte. Ich konnte ihn auch nicht immer wieder betäuben, sein Kreislauf war sowieso schon angegriffen. Als ich auf den Monitor sah, stellte ich jedoch fest, dass meine Bedenken unbegründet waren. Heero Yuy lag mit geschlossenen Augen keuchend auf dem Bett, sein Gesicht war mit Schweiß überzogen. Offensichtlich war er kurz vor einem Kreislaufkollaps. Eilig schloss ich die Tür auf und holte eine Druckluftspritze mit stabilisierendem Mittel hervor. Nachdem ich es injiziert hatte, beruhigte sich sein Atem und er schlug die Augen auf. Mir war so heiß geworden und ich lag keuchend auf dem Bett, nicht in der Lage, meine schnelle Atmung zu beruhigen. Ich konnte hören, dass jemand die Eisentür der Zelle wieder aufsperrte, doch ich war zu erschöpft, um darauf auch nur in irgendeiner Art und Weise zu reagieren. Was war nur mit mir los? Wieso fühlte ich mich so elend? Mir war wirklich nicht gut, ich hoffte nur, ich würde mich nicht übergeben müssen. Ich wusste nicht, wer da gerade reingekommen war, doch es war mir im Moment auch ziemlich egal. Meine Finger verkrampften sich unbewusst in der Matratze des Bettes, als ich spürte, dass jemand neben mir stand. Ich zuckte leicht zusammen und verzog das Gesicht, als ich eine Nadel in meine Haut eindringen spürte. `Schon wieder`, schoss mir nur durch den Kopf, doch zu meiner Erleichterung spürte ich, dass das Mittel mir half, meine Atmung zu beruhigen. Ich schluckte und atmete tief durch, dann öffnete ich die Augen, um zu sehen, wer neben meinem Bett stand. Ich blinzelte. Es war wieder dieser blonde Junge, Dr. J´s Gehilfe. Er sah ausdruckslos auf mich herab, doch für einen kurzen Moment glaubte ich, etwas Besorgnis in seiner Miene zu sehen. Ich nahm sein Handgelenk und zählte die Pulsschläge. Viel zu schnell. Das Medikament wirkte nicht so, wie es sollte. Offensichtlich neutralisierte Heero Yuy's Körper immer einen großen Teil der verabreichten Mittel. Ich vermerkte es auf einem Krankenblatt. Danach hielt ich wieder sein Handgelenk umfasst und sah auf den Sekundenzeiger meiner Uhr. Der Puls beruhigte sich sehr langsam. Ganz auf meine Tätigkeit konzentriert, sah ich unvermittelt auf, als er das erste Mal mit mir sprach. "Warum tust du das? Warum arbeitest du für diesen Mistkerl? Du bist auch... nur ein Junge..." er verstummte urplötzlich wieder. Ich konnte ihm keine Antwort darauf geben. Es war eben so... "Weil es meine Aufgabe ist." sagte ich schließlich. Der Puls war fast normal, also zog ich eine Spritze aus der Tasche, um die erforderliche Blutprobe zu nehmen. Er zuckte wieder zusammen, als ich ihn erneut stach. Dann packte ich alles wieder zusammen. Als ich den Raum verließ, rief er mit etwas nach, was ich durch die beiden Türen jedoch nicht verstehen konnte. Weil es seine Aufgabe ist? Ich verstand nicht. Wurde er von Dr. J für das bezahlt? Oder tat er es freiwillig? Ich hätte zu gerne gewusst, wie er hier hergekommen war. Hatte man ihn gewaltsam dazu gezwungen oder wollte er es einfach? Ich konnte mir beim besten Willen nicht vorstellen, warum ein Junge, wahrscheinlich so in meinem Alter, freiwillig so etwas tun wollte. Ich sah, wie er wieder eine Spritze aus seiner Tasche holte und schloss die Augen. Ich fragte mich, wieviele Löcher wohl schon in meiner Armbeuge waren. Ich zuckte wieder etwas zusammen, als er mich erneut mit der Spritze stach. Als ich dann die Augen wieder öffnete, sah ich, wie er seine Sachen zusammenpackte und zur Eisentür ging. Nein, wieso ging er?? Ich wollte, dass er hier blieb, dass er mit mir redete, mir erzählte, wie er hierhergekommen war. "Warte", rief ich ihm nach, doch er war schon längst draußen. `Du kannst nicht mit den Gehilfen von Dr. J reden`, sagte mir meine innere Stimme immer wieder. Niedergeschlagen senkte ich den Kopf und machte es mir wieder so gut es ging auf dem Bett bequem. Während ich Dr. J Bericht erstattete, besah er aufmerksam das Krankenblatt. Bedenklich schüttelte er den Kopf. "Das ist nicht gut" murrte er. „Heero war der am besten geeignete Pilot für das Zero System, und nun das! Er sah auf. "Beobachten Sie ihn kontinuierlich. Eine Woche geben wir ihm, dann wird er aus dem Experiment genommen." Ich fragte "Und dann?" "Dann wird er eliminiert." Der Doktor sah unzufrieden aus. "Gehen Sie jetzt." Auf dem Weg zurück zur Zelle 0 dachte ich über die letzten Sätze des Doktors nach. "Eliminiert." Ob sie das hier immer so machten? Wer nicht funktionierte, wurde entsorgt? Ich zuckte die Schultern. Ich könnte es nicht ändern, und ich wollte es ja auch gar nicht... Bevor ich die Zelle betrat sah ich auf den Bildschirm. Heero Yuy war nicht zu sehen. Er musste sich außerhalb des Kamerabereichs befinden. Wahrscheinlich lauerte er mir hinter der Tür auf. Ich schloss laut hörbar die Aussentür auf, liess sie unverschlossen und tat das gleiche mit der inneren. Dann riss ich diese ruckartig auf. Ich erwartete, angesprungen zu werden... doch Heero Yuy riss mich am Arm in das Zimmer hinein, ließ mich ins Leere laufen und ging in die Schleuse, wobei er die Tür zuknallte. Ich konnte mich nicht so schnell aufrappeln, und hörte auch die Aussentür zuschlagen. Als ich endlich schwer atmend auf dem Flur stand, war von ihm nichts mehr zu sehen... So schnell ich konnte rannte ich den Flur entlang. Ich musste hier raus, bevor dieser blonde Typ den Vorfall Dr. J gemeldet hatte. Ich hatte schon unzählige Türen hinter mir gelassen, die zum Glück nicht verschlossen gewesen waren, als ich endlich die letzte Tür, den Ausgang erblickte. Dr. J musste ja wirklich nicht mehr alle Tassen im Schrank haben, wenn er glaubte, ich würde nicht mit aller Kraft einen Fluchtversuch unternehmen. Keuchend stürzte ich mich an die Tür, riss sie auf und stürmte ins Freie. Ich blieb kurz stehen, als ich von dem eisigen Wind erzitterte, der mir entgegen kam und atmete ein. `Du darfst keine Zeit verlieren`, schoss mir plötzlich durch den Kopf und ich rannte los. Wie von einer Tarantel gebissen hechtete ich durch den Wald, wobei mir die spitzen Stacheln und Dornen der Büsche schmerzhaft das Fleisch aufrissen. Doch es war mir egal, einzig und allein der Gedanke, dass ich nun frei war, zählte. Ich rannte augenblicklich Richtung Ausgang, in der Hoffnung, ihn noch aufhalten zu können. Mir war klar, dass er versuchen würde, so schnell wie möglich das Gelände zu verlassen. Doch der Vorplatz war leergefegt. Es wurde schon dunkel, und es war bitterkalt. Offensichtlich zog ein Unwetter auf, denn der Wind weht in starken Böen und es donnerte in der Ferne. Ich drehte mich um und ging hinein. Es hatte keinen Zweck, alleine zu suchen. Also machte ich mich auf den Weg, um einen Suchtrupp zusammenzustellen. Dr. J musste ich den Vorfall auch melden. Das erste Mal, seit ich mich hier befand fühlte ich wieder eine Emotion. Ich wusste nur nicht genau, was es war... wie ich es umschreiben sollte. Vielleicht - Sorge? Wieder einmal zuckte ich die Achseln. Ich würde tun, was zu tun war. Ich rannte weiter und weiter, immer weiter, bis ich sicher war, dass mir niemand folgen würde. Ich kam an einer Lichtung an und wurde langsamer, hörte auf zu rennen. Laut keuchend und völlig fertig schaute ich mich um. Weit und breit waren nur Bäume zu sehen, soweit man sehen konnte und es wurde langsam dunkel. Ich schaute hoch zum Himmel und zuckte zusammen, als es laut donnerte. Ich wusste, dass ich hier nicht bleiben konnte, ich musste mir einen sicheren Unterschlupf suchen. Jetzt spürte ich auch, wie verdurstet ich eigentlich war. Meine Kehle fühlte sich trocken an und kratzte leicht. Ich leckte mir mit der Zunge über die Lippen, da sie schon ganz trocken waren. Ich ging weiter und weiter, es hatte unterdessen schon angefangen stärker zu regnen und ich hatte die Arme um meinen Körper geschlungen, da mir eisig kalt war. Der Regen prasselte erbarmungslos auf mich nieder, ich spürte, wie einige Regentropfen meine Wange entlangrollten und dann zu Boden fielen. Meine Zähne klapperten und ich biss sie fest zusammen, ging weiter. Ich hatte einen Suchtrupp zusammengestellt. Ein Hubschrauber startete, um mit Infrarotsuchgeräten den Wald abzusuchen. Ich verteilte Rettungsdecken und Wasserflaschen, das würde es wohl sein, was er am ehesten gebrauchen konnte - Wärme und etwas zu trinken. Dr. J war naturgemäß wenig begeistert von dem Vorfall. Er drohte, mich ebenfalls kaltzustellen, wenn die Suche erfolglos bleiben würde. "Er darf dieses Labor nicht lebendig verlassen, solange er in dieser geistigen Verfassung ist. Merken Sie sich das!" zischte er mich an. "Und Sie sind raus, wenn sie versagen, und ich meine wirklich raus!" Damit ließ er mich stehen. Drohungen ließen mich eher kalt, da ich immer noch zu keiner größeren Emotion fähig war, also auch nicht zu Angst. Doch die rationale Überlegung, dass es besser war, seine Anordnungen zu befolgen, ließ mich zu einem Rettungskit und dem Funkgerät greifen um ebenfalls nach draußen zu gehen und die Suche aufzunehmen. Ich zog den Reißverschluss meiner Daunenjacke zu, setzte die Kapuze auf und trat in den Sturm hinaus. Ich lief im strömenden Regen weiter, ich musste eine Höhle oder ähnliches finden. Irgendetwas, wo ich mich unterstellen konnte. Ich zitterte immer noch und hustete leicht. Als ich weiter ging, spürte ich, dass meine Knie immer weicher wurden und ich schluckte. Ich sah mich krampfhaft nach einem Unterschlupf um, doch es war weit und breit nichts zu sehen. Ich fühlte mich so schwach, wahrscheinlich waren es auch noch die Nachwirkungen dieser Medikamente. Ich lief noch einen Schritt weiter und keuchte auf, als mir schwarz vor Augen wurde und meine Beine unter meinem Gewicht nachgaben. Erschöpft, nass und frierend sackte ich zu Boden. Ich hatte keine Kraft mehr. Ich hustete wieder und versuchte mich selbst warm zu halten, doch der eisige Wind ließ mich immer wieder erzittern. Ich fühlte mich so schwach und müde, das ich am liebsten einschlafen wollte, doch ich wusste, es war gefährlich, bei dieser Kälte einzuschlafen. Ich würde wahrscheinlich sterben, also versuchte ich mit aller Kraft meine Augen offen zu halten, auch wenn ich es nur halber schaffte. Ich stand auf dem Hof und wartete auf eine Meldung des Hubschraubers. Das Gewitter war so stark, dass der Hubschrauber nicht mehr lange weitersuchen können würde. Zudem wurde es immer schwieriger, Heero Yuy mit der Wärmekamera zu finden, da er immer mehr auskühlen würde. Der Suchtrupp war mit Hunden in den Wald gelaufen. Doch als der Funkspruch kam, dass man etwas gefunden hatte, war das Planquadrat genau entgegengesetzt den Standorten der Hundeführer. Ich folgte den Angaben des Piloten und näherte mich einem dichten Unterholz. Hier hatte man nicht erwartet, dass eine Person durchkommen würde. Doch im Schein der Halogenlampe sah ich Blutspuren und Kleidungsfetzen im Gestrüpp hängen und folgte der Spur. Nachdem ich mich lange durch das Unterholz gekämpft hatte, fand ich ihn schließlich. Er lag zusammengesunken unter einem Baum, die Arme um sich gewickelt, und zitterte wie Espenlaub. Er murmelte fortwährend „wachbleiben.. muss.. wachbleiben..“ ich schüttelte die Decke auseinander und hob ihn auf. Er klammerte sich sofort an mich und stotterte mit klappernden Zähnen und fest zusammengekniffenen Augen ‚kalt, mir.. ist so ..kalt’ Ich wickelte ihn in die Decke ein, und rief den Hubschrauber über Funk. Er sollte auf einer nahen Lichtung landen. Doch es kam der Rückruf, dass der Helikopter wegen des Sturms bereits gelandet war. Man wollte einen Rettungstrupp mit Trage zu Fuß schicken. Ich sah auf den schlotternden Jungen vor mir. Er wurde offensichtlich nicht warm, da er kaum noch Körperwärme hatte, die die Decke aufnehmen könnte. Er würde an Unterkühlung sterben, und an Laufen war absolut nicht zu denken. Also zog ich meine Daunenjacke aus und zog sie ihm an. Dann nahm ich die Decke und wickelte uns beide darin ein. So warteten wir auf den Rettungstrupp. Ich spürte, dass ich im Arm gehalten wurde und jemande eine Decke um mich wickelte und mir eine Jacke anzog. Ich wusste nicht, wer es war, doch ich wollte es zu gerne wissen, denn so behutsam, wie er mich festhielt, konnte es auf keinen Fall Dr. J sein, soviel stand fest. Ich zitterte immer noch sehr stark, versuchte aber, leicht den Kopf zu heben, um die Person zu sehen, die mich hielt. Ich blickte durch halb offene Augen etwas hoch und sah... Nein, das konnte doch nicht wahr sein. Schon wieder dieser Junge. Es war wieder dieser blonde Junge, der Gehilfe von Dr. J. Wieso rettete er mich? Wieso tat er mir das an? Wieso brachte er mich wieder zurück zu Dr. J? Mir schwirrten so viele Fragen durch den Kopf, doch ich konnte sie mir einfach nicht selbst beantworten. Mir war so schrecklich kalt. Ich spürte, wie seine Hand beruhigend durch mein Haar fuhr und er etwas flüsterte, was ich nicht verstand. Ich zitterte wohl zu sehr. Erschöpft lehnte ich meinen Kopf an seine Brust, es war mir ganz egal, ob er der Helfer von Dr. J war. Ich wusste nicht, wie lange ich es noch schaffen würde, wach zu bleiben. Es war wirklich unheimlich anstrengend. Ich spürte, wie mir langsam die Augen zufielen. Ich sah auf das zitternde Bündel - anders konnte man es nicht bezeichnen - in meinem Arm herab. Er hob den Kopf und fing an, unruhig zu werden. Ich konnte fühlen, wie sein Atem rascher ging. Er durfte jetzt auf keinen Fall anfangen zu hyperventilieren, also flüsterte ich ihm beruhigend zu, dass er in Sicherheit gebracht würde. Plötzlich flammte in mir so etwas wie ein kurzes Bild auf. Kälte. Regen. Und eine Hand, die durch blondes Haar strich, erschienen vor meinem geistigen Auge. Auch die zu der Hand gehörende Stimme kam in meine Erinnerung. Ein weiterer Flash, und ich wusste, dass das blonde Haar mir gehörte, nur wessen Hand und Stimme das war, blieb verborgen. Dann war es vorbei. Ich blinzelte verwirrt. Wo kam das auf einmal her? Als ich wieder auf Heero Yuys Schopf blickte, merkte ich, dass ich mit meiner Hand durch sein Haar strich. Offensichtlich hatte es Wirkung gezeigt, denn er wurde ruhig und schloss die Augen. Während wir weiterwarteten, dachte ich das erste Mal darüber nach, warum ich wohl hier war... Dass mich dieser Junge im Arm hielt war für mich unheimlich beruhigend, änderte aber nichts an der Tatsache, dass ich langsam unruhig wurde. Mir war so kalt, ich wusste nicht, wie lange ich noch durchhalten könnte und das machte mir Sorgen. Er beugte sich etwas runter und flüsterte mir zu, ich würde bald in Sicherheit sein. Ich schluckte. `Ja, in Sicherheit, wieder bei Dr. J`, sagte meine innere Stimme sarkastisch und sie hatte recht. Dieser verrückte Wissenschaftler war das letzte, was ich jetzt gebrauchen konnte. Ich spürte, wie ich wieder eine Gänsehaut bekam, als uns ein heftiger Wind entgegenwehte und ich fing wieder stärker an zu zittern. Meine Zähne klapperten heftig und ich hatte das Gefühl, kaum noch Luft zu bekommen. Ich hustete krampfhaft und schnappte keuchend nach Luft. Meine Finger verhackten sich in seiner Jacke und ich schaute aus halb geschlossenen Augen flehend zu ihm hoch. "K..kalt....", presste ich zwischen meinen trockenen Lippen hervor. "Mir....ist.......so...kalt.....Schlafen...." Mehr brachte ich nicht heraus. Ich war so müde. Ich musste schlafen. Ich hatte einfach keine Kraft mehr, wach zu bleiben. Kraftlos sank mein Kopf wieder gegen seine Brust und meine Augen fielen kurz zu. Ich war wach, ja, noch war ich wach, aber ich würde wahrscheinlich in wenigen Sekunden weg sein. Ich drückte ihn unwillkürlich an mich. Krabbelte quasi in die Jacke mit hinein um ihm von meiner Körperwärme so viel wie möglich abzugeben. „Schlaf nicht ein, Heero Yuy“, murmelte ich. Ich holte die Trinkflasche hervor, und hielt sie ihm an die Lippen. Er trank gierig und sah mich an. War das Dankbarkeit in seinen Augen? Ich konnte mich nicht erinnern. Emotionen waren mir fremd. Aber der Flashback von vorhin hatte Spuren hinterlassen, also drückte ich ihn wieder an mich. Er ließ den Kopf an meine Brust sinken und seufzte. Da sah ich Lichter näherkommen. Der Krankentransport war da. Ich schwenkte meine Taschenlampe und winkte sie heran… eine halbe Stunde später lag der Flüchtling wieder in seiner Zelle im Bett. Ich hatte eine Heizdecke über ihn gebreitet, und er war in einen tiefen Erschöpfungsschlaf gefallen. Ich zog den Stuhl an das Bett und betrachtete ihn. Vor dem nächsten Morgen würde er sicher nicht aufwachen… Das erste was ich spürte, als ich aufwachte war, dass ich auf etwas weichem lag, von dem ich vermutete, dass es das Bett war. Ich bewegte meine Hände und Füße und atmete tief ein. Ich öffnete die Augen und musste erst ein paar mal blinzeln, denn meine Sicht war etwas verschwommen. Als ich wieder klar sehen konnte, blickte ich zuerst die graue Decke über mir an. Wo war ich? Ich versuchte mich an das zu erinnern, was passiert war, doch es tauchten nur immer wieder Fetzen von Informationen in meinem Gehirn auf. Ich drehte den Kopf und plötzlich sah ich ihn. Da war der blonde Junge wieder. Der Junge, der.....Ja, jetzt wusste ich es wieder. Er hatte mir das Leben gerettet. Er hatte mich im Arm gehalten. Ich versuchte mich aufzusetzen, musste dann jedoch heftig husten und sank nach dem Hustanfall wieder zurück ins Bett. "Hn." Der Junge saß neben dem Bett auf einem Stuhl und war eingeschlafen. Er sah irgendwie niedlich aus, so ruhig und friedlich wie er dasaß. Ich lächelte schwach, denn ich war immer noch sehr müde und mein Kopf war etwas heiß, wie ich feststellen musste. Langsam kam ich wieder zu mir. Mir tat alles weh, ich musste mich auf dem Stuhl total verkrampft haben. Ich hörte ein heiseres Husten und war schlagartig wach. Das klang gar nicht gut! Ich richtete mich auf und sah Heero Yuy an, der mit rotem Gesicht und fieberglänzenden Augen auf dem Bett lag und schwer atmete. Ich fühlte nach seiner Stirn, und er hatte Fieber, das war klar. „Du hast dich verkühlt. Du brauchst Medikamente.“ Ich stand umgehend auf um das entsprechende zu holen. Da stoppte mich ein Wort. „Warte“. Ich drehte mich um. Was konnte er wollen? Er sah mich an. „Danke!“ sagte er einfach. Ich drehte mich um. „Du brauchst mir nicht zu danken. Das war mein Job.“ Dann ging ich, um Dr. J zu holen. Der Patient war offensichtlich schwer krank. Das war sein Job? Er sah es also auch als seinen Job an, mir das Leben zu retten? Was war denn noch alles sein Job? Vielleicht auch, dass er lebte? Ich schüttelte den Kopf, wodurch ich wieder einen Hustanfall bekam. Ich dachte über mich selbst nach. Ja, ich hatte es vor gar nicht so langer Zeit auch einmal so gesehen. Ich hatte mein Leben als eine Art Mission betrachtet. Als eine Mission, die ich unbedingt erfüllen musste und diese Misson war, zu überleben. Den Krieg zu überleben. Doch jetzt war wieder ein Jahr vergangen. Ich hatte mir vor einem Jahr geschworen, niemanden mehr zu töten. Ich brauchte niemanden mehr zu töten, der Krieg war vorbei. Doch anscheinend nicht für Dr. J. Für ihn würde es niemals vorbei sein. Er brauchte anscheinend diesen ewigen Krieg. Aber dieser blonde Junge sah nicht so aus. Ich würde mit ihm reden, irgendwann. Ich wollte nicht, dass er den gleichen Fehler machte, den ich gemacht hatte. Keuchend drehte ich meinen Kopf Richtung Türe, um zu sehen, wann er wiederkam. Wenig später kam ich mit Dr. J an das Krankenbett zurück. "Heero, das war nicht besonders klug von dir!" sagte der Doktor mit schneidender Stimme. Ich sah, wie Heero Yuy gequält die Augen schloss, und fragte mich, was er wohl schon alles von diesem Mann zu hören bekommen hatte. Ohne weitere Worte schoss Dr. J ihm wieder irgendwelche Medikamente unter die Haut und sagte knapp: "Bleiben Sie bei ihm und behalten sie das Fieber im Auge. Wenn es plötzlich stark ansteigt, hat er eine Lungenentzündung, dann rufen Sie mich wieder." Ohne den Patienten eines Blickes zu würdigen, verließ er das Zimmer. Ich setzte mich wieder auf den Stuhl und schwieg. Worüber sollte ich auch reden? Der Doktor hatte ja alles gesagt. Ich seufzte und blickte ihm in die Augen. "Wieso tust du das? Wieso arbeitest du für ihn?", fragte ich den blonden Jungen, der gegenüber von mir auf dem Stuhl saß. Ich konnte mir denken, dass er wieder sagen würde `Es ist mein Job` oder so etwas, aber ich musste es noch einmal versuchen. Vielleicht würde er es mir jetzt sagen. Ich sah zu ihm. "Wie meinst du das - 'Warum'? Ich versteh die Frage nicht. Ich tu was man mir sagt. Das ist so." Was wollte er von mir? Ich stöhnte innerlich auf. War es denn so schwer zu beantworten? Okay, dann eben anders. "Wieso bist du hier? Woher kommst du?" Ich keuchte etwas, denn es strengte mich in meinem Zustand immer mehr an, zu reden. Er würde doch wohl wissen, wie er zu Dr. J gekommen war. Dieselbe Frage hatte mich schon seit gestern beschäftigt. Wie war ich hierhergekommen? Sicher, es war in Ordnung so, ich hatte keinen Grund, mir Gedanken zu machen, aber - warum war ich hier? Und wo war ich vorher gewesen? Die Hand in meinen Haaren ging mir nicht aus dem Sinn. Wer war das? "Ich weiß es nicht. Ich nehme an..." das war es ja. Ich hatte keine Idee. Nicht die geringste. Hilflos sah ich ihn an. "Warum willst du das wissen?" Ich blinzelte überrascht. Er wusste es nicht?! Wollte dieser Junge mich auf den Arm nehmen? Ich blickte ihn wahrscheinlich jetzt an, als sei er nicht mehr ganz dicht, aber ich wusste wirklich nicht, ob ich das glauben sollte. "Du.....du weißt es nicht?" Ich schluckte. "Aber du musst doch wissen wie er dich hierher gebracht hat. Hat er dich gefangen? Wo warst du vorher? Wo hast du gelebt?" "Müsste ich das wissen?" Ich versuchte, scharf nachzudenken. Doch da war nichts. Wenn ich über solche Fragen nachdachte, bekam ich Kopfschmerzen, wie ich jetzt feststellte. Also ließ ich es lieber sein. "Ich weiß es nicht!" sagte ich mit neutraler Stimme. "Hn." Er wusste es also wirklich nicht. Das war doch nicht möglich. Na gut, ich musste es ihm glauben. Ich sah ihm wieder in die Augen. "Okay, schon gut......Wenn du dich nicht erinnern kannst." Ich seufzte innerlich. Ich hätte es doch so gerne gewusst. Ich keuchte wieder etwas mehr und griff mir an die Stirn. Ich stand auf um seine Stirn zu fühlen. Er glühte förmlich. Ich holte ein Tuch und hielt es unter den Wasserhahn. Dann tupfte ich seine Stirm ab. "Ich muss Dr. J holen. Das Fieber ist gestiegen". Er verzog das Gesicht. Ich wusste nicht, wieso, aber ich fragte ihn: "Du magst ihn nicht, oder?" Gleichzeitig fragte ich mich, wie 'mögen' wohl war. Ich wusste nur, dass sein Gesichtsausdruck 'nicht mögen’ bedeutete. Langsam dämmerte mir, dass mit mir irgendetwas nicht stimmte... Ob ich ihn nicht mag? Richtig, ich hasse ihn. Ich schaute den Jungen böse an. "Iie", zischte ich nur. Ich wollte nicht, dass er Dr. J holt, aber es war ja mal wieder sein "Job". Dann blickte ich hoch zur Decke. Ich stand auf und verließ die Zelle. Während ich abschloss, überlegte ich, warum er so böse geworden war. Ich kam zu Dr. J’s Büro, und fand ihn bei einem Experiment vor. "Ist es also gestiegen. Nehmen Sie die Tabletten da!" sagte er kalt. "Wollen Sie nicht..." Er blickte nicht auf. "Wozu? Das sind Antibiotika. 3 x täglich. Wenn er wieder fieberfrei ist, sagen Sie mir Bescheid." Damit war ich entlassen. Ich kehrte zu Heero Yuy zurück. Irgendwie war ich froh, dass Dr. J nicht mitkam. Es würde Heero Yuy gefallen... Ich drehte meinen Kopf, als ich das Geräusch der Eisentür hörte. Der Junge war wieder zurück. Seltsamerweise war Dr. J nicht bei ihm, was mich aber erfreute. "Hn. Wo ist Dr. J?" Ich schaute den blonden Jungen mit ausdruckslosem Blick an. "Ich kann das alleine." Aus irgendeinem Grund wollte ich ihm nicht sagen, dass Dr. J es abgelehnt hatte, mitzukommen. "Hier, nimm 2 davon." Ich reichte ihm ein Glas Wasser und setzte mich wieder hin. Er kann das alleine? Hn. Irgendetwas stimme mit Dr. J nicht. Wenn er mitgewollt hätte, wäre er auch mitgekommen und es wäre ihm egal gewesen, ob der Junge das alleine gekonnt hätte. Ich nahm nahm das Glas Wasser. "Hn." Ich spülte die Medizin damit runter und schaute den Jungen wieder an. "Sagst du mir deinen Namen? Oder weißt du den auch nicht?" "Ich heisse Quatre. Wieso interessiert dich das, Heero Yuy?" "Wieso mich das interessiert??? Soll ich dich etwa mit Blondie anreden oder was??" Plötzlich bekam ich wieder einen heftigen Hustenanfall. Ich hatte mich wohl zu sehr aufgeregt, dass gefiel meinem Hals gar nicht. Ich verhakte meine Finger in der Bettdecke und sah ihn wütend an. Als ich mich wieder beruhigt hatte fügte ich hinzu: "Und nenn mich nicht dauernd Heero Yuy, das mag ich nicht. Heero reicht vollkommen" "Heero" ich sprach den Namen probehalber aus. "Was hast du gegen 'Yuy'"? Ist das nicht dein Name? Nein, noch nicht einmal Heero ist mein richtiger Name. Ich schaute ihm in die Augen. "Iie. Heero Yuy ist nicht mein richtiger Name. Das ist nur mein Codename. Meinen... meinen richtigen Namen weiß ich auch nicht. Aber es ist ja auch nicht wichtig. Nenn mich einfach Heero." "Gut. Heero also." Ich stand auf um seine Stirn wieder mit einem kühlenTuch abzutupfen und legte schließlich ein frischgetränktes Tuch zusammengefaltet darauf. Dann setzte ich mich wieder auf den Stuhl. Heero sah mich an. Ich sah zurück. Es gab nichts zu sagen, also schwieg ich. Ich keuchte leise, als ich das kalte Tuch auf meiner Stirn spürte. Es war so schön kühl. Ich sag ihn wieder an. Hn. Wieso sagte er nichts mehr. "Wie lange hast du noch vor hier zu bleiben?", fragte ich ihn schließlich. "Ich kann draußen sitzen, wenn dir das lieber ist." Draußen war der Monitor. Und er würde mich nicht dauernd etwas fragen. Ich fühlte mich unsicher, wenn ich Fragen beantworten sollte. Vor allem seine Fragen... Ich merkte, dass er meine Fragen nicht beantworten wollte, oder auch konnte, ich hatte keine Ahnung. Ich gab nur ein unzufriedenes "Hn" von mir und blickte wieder hoch an die Decke. Er war wohl etwas durcheinander. Ich seufzte. "Iie. Es stört mich nicht, wenn du hier bist." Ich blieb also sitzen. Es störte ihn nicht. Gut. Mir war es egal. Ich sah ihn genauer an. Er musste in meinem Alter sein. Seine Augenfarbe war irgendwo zwischen Kobalt und Indigo. Schwer zu beschreiben. Er sah meistens etwas genervt aus. Naja, kein Wunder. Rotbraunes Haar. Er sah mich an. "Was schaust du so?" fragte er schroff. Er starrte mich eine ganze Weile an, das hatte ich schon aus den Augenwinkeln sehen können, doch jetzt wurde es mir langsam zu lästig, darum fragte ich ihn, warum er mich so ansschaue. Er blinzelte überrascht und schaute mich weiter an. "Hn" "Oh, entschuldige." Das störte ihn also. Ich besah ihn mir interessiert. Er schien wirklich Emotionen zu haben. Zorn, Ärger, Genervtsein. Ich konnte das nicht ganz nachempfinden, denn ich fühlte mich immer irgendwie ... gelassen. Eher.. leer. Es war - interessant. "Du bist interessant." Ich runzelte die Stirn. Ich war interessant?? Also das hatte jetzt noch keiner zu mir gesagt, noch nicht einmal Relena. Ich griff mir an die Stirn, das Tuch war inzwischen wieder warm geworden. Ich musste ja wirklich glühen. "Wieso....wieso interessant?", wollte ich wissen. Ich ergriff das Tuch. Es war regelrecht heiß. "Du hast Emotionen. Ich nicht. Das ist interessant. Jetzt hör auf zu reden, du musst schlafen." Ich legte das frische Tuch wieder an seinen Platz und setzte mich hin. Um ihn nicht wieder zu nerven, sah ich auf meine Hände. Ich hab Gefühle? Hn. Hat er die etwa nicht? "Aber du bist doch sicher auch mal wütend, oder? Und ich bin nicht müde." Ich schloss die Augen, als er wieder ein neues eiskaltes Tuch auf meiner Stirn platzierte. Ich sah ihn an, doch sein Blick war auf seine Hände gerichtet. "Nein. Sowas habe ich nicht. Warum weiß ich nicht." Das hätte er sicher gleich wieder gefragt. Ich... musste es ihm sagen. "Es hat keinen Sinn, mir all diese Fragen zu stellen. Ich weiß die Antworten sowieso nicht." Sofort als ich es ausgesprochen hatte bereute ich es. Allein dass ich mir über diese Dinge Gedanken machte, führte dazu, dass ich mich extrem unwohl fühlte. Es auszusprechen steigerte dieses Unwohlsein. "Hn." Ich sah auf die Bettdecke. Ich wollte ihn nicht weiter mit Fragen beschäftigen, die er sowieso nicht beantworten konnte, also beschloss ich, lieber meinen Mund zu halten. Ich seufzte. "Schlaf jetzt. In zwei Stunden bekommst du wieder Tabletten. Du brauchst Ruhe, um deine Lungenentzündung zu überwinden." Ich stand auf und wollte das Zimmer verlassen. Diese Fragerei führte doch zu nichts, und würde den Patienten - Heero - nur schwächen. Doch wieder hielt er mich zurück... "Quatre!!" Ich hustete wieder. "Wohin gehst du jetzt?" Hn. Wenn er sagt zu Dr. J, kann er ja auch gleich hierbleiben. "Ich setze mich draußen hin. Da störe ich dich nicht. Und wenn was ist, sehe ich es auf dem Monitor". "Ich hätte...ich hätte nichts dagegen, wenn du hier bleiben würdest. Ich werde dich auch nichts mehr fragen." Ich versuchte, meine Stimme so gleichgültig wie möglich klingen zu lassen, doch ich wünschte mir, dass er hierbleiben würde. Ich sah ihm wieder in die Augen. Er hätte nichts dagegen... ich wusste nicht warum, aber ich hatte den Eindruck, er wollte, dass ich dableibe. Seine Stimme klang neutral, aber der Blick in seinen Augen war irgendwie... bittend. Ich setzte mich also wieder hin. "Gut. Aber es ist erforderlich, dass du jetzt schläfst". Ich nickte. "Hai" Es beruhigte mich unheimlich, wenn er neben mir saß. Ich schloss langsam die Augen. Ich blieb ruhig sitzen. Er behielt die Augen zu, also betrachtete ich ihn wieder. Er sah durchtrainiert aus. Wohl eine Kämpfernatur. Seine Haare hingen widerspenstig ins Gesicht. Unwillkürlich strich ich ihm die Strähnen aus der Stirn. Wieder blitzte ein Erinnerungsfunken auf. Ich in einem Bett, und eine Hand, die meine Haare zurückstrich. Ein Weinen,... "Ilea..." ein stechender Kopfschmerz durchzuckte mich. Ich zog rasch meine Hand zurück, sah auf und direkt in Heeros Augen. Ich wurde mir einer Hand bewusst, die mir die Haarfransen aus dem Gesicht strich, doch ich reagierte nicht darauf, sondern hielt die Augen geschlossen, versuchte zu schlafen. Doch als ich plötzlich ein "Ilea" hörte, schlug ich die Augen auf und blickte direkt in das Gesicht von Quatre. Hatte er das gesagt? Ich hatte doch nicht etwa geträumt. Nein, ich war mir sicher, dass es Quatres Stimme gewesen war. Ich blinzelte. "Was??" "Ilea..." ich wiederholte das Wort. Krampfhaft versuchte ich, das zugehörige Bild in meinen Kopf zu bekommen. Doch alles was ich bekam, war wieder dieser rasende Schmerz. Ich schlug die Hände vors Gesicht und stöhnte. "Aufhören.. es soll aufhören..." ich merkte wie ich vornüberfiel, dann wurde alles schwarz. Ilea?? Wieso Ilea?? Ich starrte ihn an. Plötzlich schlug er die Hände vor´s Gesicht und stöhnte. Ich blinzelte. "Quatre? Quatre, was hast du?" Ihm schien irgendetwas weh zu tun. War es sein Kopf?? Ich erschrak, als er verzweifelt jammerte, dass es aufhören solle. "Quatre, was soll aufhören?" Langsam setzte ich mich auf und kam ihm entgegen. Ich hatte keine Ahnung, was in ihn gefahren war. Dann kippte er plötzlich nach vorne. Noch bevor er den Boden erreichen konnte, fing ich ihn auf. Er war doch tatsächlich ohnmächtig geworden. Fassunglos starrte ich auf ihn hinab, bis ich dann endlich aus meiner Starre erwachte. "Quatre, wach auf!! Hey!!" Ich rüttelte ihn etwas. "Quatre. Komm schon, aufwachen!!" Ich kam wieder zu mir. Ich hing halb in Heeros Armen und wurde durchgeschüttelt. "Wenn du damit nicht aufhörst, muss ich gleich kotzen, Schwachkopf." Ich erstarrte. Was hatte ich gerade gesagt? Ich sah ihn erstaunt an. Dann löste ich mich aus seinen Armen und setzte mich wieder hin. Das war ich doch nicht gewesen, der so sprach. Ich schüttelte benommen den Kopf. Der Schmerz war weg. Alles war wie immer. Ich atmete aus. "Danke. Ich wäre voll auf den Boden aufgeschlagen. Entschuldige, dass ich dich geweckt habe. Du kannst weiterschlafen." Ich war erleichtert, als er wieder zu sich kam, doch dann sagte er Schwachkopf zu mir. Sowas hatte noch niemand zu mir gesagt. Es verletzte meinen Stolz irgendwie. Ich ließ ihn los und stand, etwas wackelig auf den Beinen, wieder auf, ließ mich wieder auf das Bett sinken. "Hn", gab ich nur von mir, als er sich bedankte und ich legte mich wieder ins Bett, drehte mich auf die andere Seite. Sein Schmerz schien jetzt auf jeden Fall wie weggeblasen zu sein. War das nur Show gewesen? Hn. Ich würde es wohl herausfinden müssen. Als er so dalag, mit dem Rücken zu mir, überlegte ich, ob er verärgert war. "Schwachkopf" murmelte ich ratlos. Er fuhr herum und blitzte mich kobaltblau an. Ich registrierte, dass seine Augen dunkler wurden, wenn er wütend war. "Was soll das? Wieso nennst du mich permanent 'Schwachkopf'?" fauchte er mich an. Ich sah ihm wie erwachend in die Augen. "Dich? Nein..." Nein?? Er will sagen, er hat mich gerade eben nicht Schwachkopf genannt?? "Hn. Ich bin doch nicht taub, Quatre!!" "Ich... es kam einfach in meinen Kopf. Ich meine, ich habe das nicht so gemeint... äh... du bist kein Schwachkopf. Das kam ohne dass ich es wollte so raus..." Ich stotterte herum. Wieso? Ich konnte es ihm doch sachlich erklären. Aber ich stellte fest, das ich nervös war. Nervös? Ich? "Ich... muss mal zu Dr. J gehen..." murmelte ich und verließ hastig, fast fluchtartig das Zimmer. Er stotterte so sehr, dass ich ihn bald nicht mehr verstand. Er schien etwas nervös gewesen zu sein, wobei ich nicht wusste wieso. Dann sagte er, dass er zu Dr. J müsse. Ich runzelte die Stirn und wollte noch etwas sagen, doch er hatte schon das Zimmer verlassen. Was war nur mit ihm los? Ich wollte es zu gerne wissen. Hn. Es war aber nicht so leicht, etwas aus ihm herauszubekommen, vor allem, wenn er sich nicht mehr erinnerte. Es war ja nicht so, dass man einfach an den Computer gehen konnte und die Daten über ihn suchen konnte. Ich seufzte. Was er wohl bei Dr. J wollte? |