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Madness von Leya
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Disclaimer: Alles geliehen. Keinerlei Ansprüche. Schade eigentlich.
Nun ja, eigentlich hatte ich nie viel für Hirose
übrig, aber dann fiel mir der zehnte Band von Bronze in die Hände und die darin enthaltenen Kurzgeschichten änderten so einiges. Auch wenn dies hier genaugenommen nichts wirklich neues ist, mußte ich es doch irgendwie
loswerden. Irgendwie tat mir Hirose einfach leid und wenn ich ganz ehrlich sein soll, dann kann ich ihn bei seiner verzweifelten Suche nach Sauberkeit (der Seele in diesem Fall) wirklich gut verstehen...
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Madness
Der Schmutz klebte an ihm wie eine zweite Haut, umschloß seinen ganzen Körper und so lange er es auch versuchte, so lange er rieb und
schrubbte, er würde sich nie wieder entfernen lassen.
Wie besessen zog Hirose die harte Bürste über seine Haut, genoß den Schmerz, als die groben Borsten seine Haut aufrissen und rotes Blut über seine Beine herabrann.
Das Blut vermischte sich mit dem Wasser der Dusche und lief in den Abfluß. Das war der richtige Ort dafür, der einzig richtige Weg, zu büßen.
Wieder schlug Hirose mit der Bürste auf seine Oberschenkel ein, erzeugte
neue Kratzer und glühender Schmerz schoß durch sein Bewußtsein.
Sinnlos, es war so sinnlos! Er fühlte sich so entsetzlich schmutzig, doch wie lange er auch unter der Dusche blieb, das Wasser konnte niemals all den
Schmutz von seiner Seele waschen, den er selbst darauf geladen hatte.
Keuchend brach Hirose in die Knie, nicht sicher, ob er lachte oder weinte, schrie oder schwieg, während das warme Wasser weiterhin auf seinen Rücken
prasselte.
Nie wieder würde er rein sein, ganz gleich, wie sehr er wusch und wusch. Selbst wenn er all sein Blut vergießen würde, es wäre nie genug. Er ekelte sich vor sich selbst, ekelte sich vor dem, was aus ihm
geworden war, ekelte sich vor seinen Taten und Gedanken und wußte nur zu gut, daß er sich selbst niemals würde entkommen können, daß er niemals frei sein würde. Er würde für immer in seiner
privaten Hölle gefangen sein, die er sich selbst errichtet hatte.
Mit zitternden Händen drehte er die Dusche ab und schlang sich ein Handtuch um die Hüften. Als er sich umdrehte, begegnete er seinem eigenen Blick im
Spiegel und erkannte sich kaum wieder.
Seine Augen...verzweifelt und einsam waren sie, in ihren Tiefen lauerte ein Abbild all dessen, was er getan hatte und ein allesverschlingendes Entsetzen bahnte sich seinen Weg empor
aus den lichtlosen Tiefen seiner Seele.
Nein! Hirose schlug mit beiden Fäusten auf sein Bild ein. Klirrend zerbrach das spiegelnde Glas in tausende Splitter, die sich in seine ungeschützte Haut bohrten.
Schmerz,
noch mehr heilender Schmerz! Beinahe glücklich trat er mit seinen bloßen Füßen in die herabregnenden Splitter. Mit einer Hand hielt er eine der größeren Scherben fest, zog diese genußvoll über seine Arme, seine Brust und seinen
Bauch, fasziniert von den dünnen roten Linien, die auf der makellos weißen Haut aufblühten.
Die Linien verbreiteten sich zu immer breiter werdenden Bächen und auf einmal überrollte ihn eine Welle brennender Pein, fegte
die Schatten beiseite, die seinen Geist umgaben und mit gnadenloser Härte holte die Wirklichkeit ihn ein.
Kraftlos rutschte der Splitter aus seiner blutigen Hand, als die Raserei des Augenblicks ihn verließ und
weinend schlang er die Arme um sich selbst, als er langsam in dem blutigen Kreis niedersank, der er selbst um sich erzeugt hatte.
Auf einmal waren warme Hände auf seinen Schultern, zogen ihn hoch. Prüfende Augen fingen
seinen Blick ein, zwangen ihn, darauf zu reagieren, dann hoben kräftige Arme ihn auf. Mit tränenverschleiertem Blick sah er in das unbewegliche Gesicht seines Leibwächters.
Kurauchi legte ihn auf dem Bett ab und
schweigend zog er Splitter um Splitter aus Hiroses geschundener Haut. Es fiel kein Wort zwischen den beiden, selbst dann nicht, als Kurauchi sich sanft um die Verletzungen zwischen seinen Beinen kümmerte, ihn wohl zum
hundertsten Mal verband und dabei all die alten Narben ignorierte, die sich dicht an dicht über seinen Körper zogen.
Schließlich verließ Kurauchi schweigend das Schlafzimmer und Hirose unterdrückte sein quälendes
Gewissen, welches ihm immer wieder sagte, wie falsch es von ihm war, Kurauchi so an sich zu binden, ihn so sehr auszunutzen und ihn in die gleiche Verdammnis zu ziehen, in der seine eigene Seele schon seit Jahren brannte.
Als Kurauchi zurückkam, starrten die beiden sich sekundenlang an und Hirose schloß müde die Augen, wissend, daß er keinerlei Einfluß auf Kurauchis Entscheidung hatte, denn dieser hatte sich seinen eigenen Platz in seiner
eigenen Hölle geschaffen, die ihn für immer an Hiroses Seite band.
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