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Die Dornen der Rose (Fortsetzung?zu Sonnenlicht)   von Lady Teteiya
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Vorweg der übliche Disclaimer: Zadei, Teteiyus und Laures gehören nicht mir,
sondern Higuri-sensei, alle anderen Figuren und die geschilderten Ereignisse
entstammen meiner kranken Phantasie ^.^. Nun zum Wesentlichen: Diese Story ist
keine direkte Fortsetzung zu “Sonnenlicht“, wer jedoch wissen will, wie es dazu
kam, dass T&Z plötzlich ein Paar sind (und was für ein süßes!), der sollte auch
meine andere Sei-ff lesen.

Nun denn, viiiiiiel Spaß!


Die warme, schweißbefeuchtete Haut seiner Handfläche berührte flüchtig das kalte Glas der Fensterscheibe, hinterließ einen schmalen Abdruck auf dem beschlagenen Untergrund. Von außen prallten schwere, silbrige Regentropfen gegen die Scheibe, getrieben von jenem unbarmherzigen Sturmwind, der die langen, dünnen Zweige der Weiden hart auf den Boden peitschen ließ, dessen leuchtendes Grasgrün mit dem Laub des Herbstes hinfort geweht worden war und nun, da ein eisiger Winter im Drachental Einzug gehalten hatte, wie ausgeblichen wirkte, blass und kränklich.
Teteiyus starrte geistesabwesend hinaus in die regennasse Finsternis der Nacht, der melancholische Blick seiner Smaragdaugen schien einen weitentfernten Punkt zu fixieren, einen Ort der nur für seine eigenen Gedanken zugänglich und für niemanden sonst wahrnehmbar schien, auch als Zadei seine schmale Hand in seine Klaue nahm und sich zärtliche Küsse langsam ihren Weg seinen Arm hinauf bahnten, blieb seine Miene unverändert, nicht die geringste Gefühlsregung zeigte sich auf seinem blassen Antlitz. Sanft rieb der schwarzhaarige Dämon seine Stirn gegen den schlanken Hals seines geliebten Engels, streichelte liebevoll seine zarten Wangen, doch der kühle, gedankenverlorene Ausdruck, welcher sich wie ein undurchsichtiger Schleier auf sein Gesicht gelegt hatte, wich nicht, seine warmherzigen Liebkosungen waren nicht dazu im Stande jene Eiswand, welche sich urplötzlich zwischen ihnen aufgebäumt hatte, zu erwärmen oder gar gänzlich aufzutauen. „Teteiyus, was hast du?“ Besorgnis und ein leichter Anflug von Nervosität schwirrten um seine Worte, wie Rauchschwaden, die den Ausbruch einer gewaltigen Flamme ankündigten, Vorboten eines brennenden Feuers der Gefühle, welches sein Herz zerfressen und dessen beißender Qualm ihm heiße Tränen in die Augen treiben würde. „Habe ich irgendetwas getan, was dich verärgert hat?“

Teteiyus wandte seinen Blick dem Shôgun zu, der ihn mit großen Augen voller Sorge und kindlichem Schuldbewusstsein anblickte. „Nein, es hat nichts mit dir zu tun, es ist nur...spürst du nicht auch, das etwas nicht stimmt? Die Drachen sind unruhig, ihre Schreie klingen ängstlich und verstört, als wollten sie einander warnen. Der Wind kündigt ihnen großes Unheil an, auch ich höre seinen Mahnruf, eine finstere Bedrohung nähert sich dem Tal, Zadei.“ Wieder wirkte er abgelenkt, in seinem Inneren toste ein Sturm, erbarmungsloser noch als jener verhältnismäßig linde Hauch, der an den dornigen Ranken der Rosen und den verschlungenen Zweigen des Efeus zerrte, welche sich um die Türme des Jagdschlosses wanden und ihre Spitzen wie Krallen in die Spalten des Mauerwerkes schlugen, um nicht von der Wucht des Unwetters mitgerissen zu werden. Ohne auch nur ein weiteres Wort zu verlieren, erhob er sich von den weichen Polstern des Diwans und kehrte seinem Geliebten den Rücken zu. Zadei versuchte ihn festzuhalten, ihn zu sich auf den weinroten Brokat des Möbelstücks zurückzuziehen, doch Teteis wütender Blick, der kälter war als die klirrende Frostigkeit des Winters außerhalb der schützenden Wände des Schlosses, lockerte seinen Griff. Ein wenig wehmütig verfolgte er, wie der anmutige Dämon seine Kleider anlegte, wie schillernde, saftgrüne Seide sich über seine feine Elfenbeinhaut legte und sich sein Engel schnellen Schrittes von ihm entfernte, die Absätze seiner Stiefel auf den Marmorboden des Korridors schlugen, anfangs laut, dann immer leiser, bis kein vernehmbarer Laut mehr an seine spitzen Ohren drang. Der Regen wurde stärker, gleißende Blitze durchzogen das Dunkel des Himmels mit feinen, weißen Äderchen, gefolgt von einem grimmigem Donnergrollen, welches die Stille für einen kurzen Moment durchbrach und Zadei saß einsam und verlassen im Halbdunkel des Zimmers, ein farblich zum dunklen Rot des Möbels passendes Tuch um den nackten Körper geschlungen und lauschte dem unrhythmischen Trommeln des Niederschlags, während er über Teteis Worte nachdachte. Von einer drohenden Gefahr hatte er gesprochen, vom mahnenden Ruf des Sturms und davon, dass er spüren könne, wie sich eine beunruhigende Macht der Idylle des Drachentals näherte. Nun, da er nicht länger durch seine Empfindungen und Teteiyus atemberaubenden Liebreiz geblendet war und sich vollständig auf sein Umfeld konzentrieren konnte, bemerkte sogar er, der er nicht annähernd so sensibel war wie sein Geliebter, jene unscheinbaren Anzeichen, die unheilschwanger wie Regenwolken an einem strahlend blauen Sommerhimmel über ihnen schwebten und er beschloss herauszufinden, was die Drachen, welche mit ausgebreiteten Flügeln und gebleckten Fängen in der nächtlichen Hügellandschaft einen schaurig kreischenden Gesang angestimmt hatten, in solchen Aufruhr versetzt hatte.

Hastig schlüpfte er in seine Kleidung, löschte die Kerzen neben dem Liegesofa, deren Flammen sich in jenen schwachen Luftzügen wiegten, die durch eine undichte Stelle des morschen Holzfensterrahmens wehten und eilte die kühlen Stufen der Treppe hinunter in die Eingangshalle. Von da aus lief er mit wehendem Umhang weiter in Richtung Speisesaal, wo er auf Teteiyus traf, der mit verschränkten Armen vor einem der riesigen Fenster stand, den Blick starr gen Himmel gerichtet, Anspannung hatte sich in seinen Gliedern ausgebreitet, er wirkte verkrampft und unter dem recht dünnen Stoff seines Gewands zeichneten sich deutlich die Umrisse seiner Schulterblätter ab, was ihn noch feiner und zerbrechlicher erscheinen ließ. Zadei näherte sich ihm langsam und strich ihm behutsam durch das seidige Haar, das nun wie der Wasserfluss eines Katarakts über seine schmale linke Schulter fiel, nachdem er es vor lauter Nervosität zu einem lockeren Zopf verschlungen hatte und versuchte ihn zu beruhigen, was sich jedoch als schier sinnloses Unterfangen herausstellte, denn seine Körperhaltung blieb weiterhin verspannt, seine Augen beobachteten ohne Unterlass das wolkenverhangene Himmelszelt. Auch der Shôgun blickte nun empor und was er sah, ließ ihm den Mund offen stehen, denn durch das Gewirr aus Blitzen galoppierte ein gewaltiger, silbergrauer Pegasus dessen Schweif und Mähne wie wabernde, milchigweiße Nebelschwaden das Dunkel der Nacht durchzogen und der, den Böen des Sturms trotzend, stetig näher kam, bald würde er das Jagdschloss erreicht haben, welches er mit seinen, in der Finsternis rotglühenden Augenlichtern fixierte.

Mit Hilfe seiner Kräfte entzündete Zadei die Lichter eines vergoldeten Lüsters, der, unter der schweren Last unzähliger Anhänger aus Diamantsplitter beinahe zusammenbrechend, über der gigantischen Tafel hing, umgeben von kostbaren Fresken und Malereien, welche in düsteren Bildern die Geschichte von Orpheus in der Unterwelt erzählten und hunderte blutroter Kerzen verliehen dem ausladenden Raum mit seinen, vom dunklen Holz des Bodens bis hin zu jener kunstvoll verzierten Decke des Saals, reichenden Fenstern und dem, mit Edelsteinen geschmückten Thron, einen warmen, güldenen Glanz. Metallisch silbern blinkte die scharfe Klinge des Rapiers, dessen verschnörkelter Griff wie ein Kreuzstab aus Teteis Gürtel ragte, als die Strahlen der Kerzen auf sie fielen. Zadei erschrak, als er die Waffe am Körper seines strahlenden Engels entdeckte, viel Zeit war vergangen, seit er ihn das letzte Mal hatte kämpfen sehen, doch er erinnerte sich noch genau, wie stark und entschlossen er gewirkt hatte, im Kampf war stets jegliche Schwäche von ihm gewichen und in jenen Momenten, in denen er so energisch wirkte, zeigte er, dass in seinen Adern das Blut eines wahren Dämons floss. Sein zarter, kleiner Vogel war also erneut fest entschlossen, einem möglichen Feind gegenüberzutreten und sein eigenes und das Wohl derer, die er liebte zu verteidigen. Der Pegasus flog einen weitschweifigen Bogen und landete mit klackenden Hufen vor dem hölzernen Eingangstor des Jagdschlosses, in der frostigen Kälte der Abendluft sah die Luft, die er schnaufend durch die Nüstern stieß aus, wie die schäumende Gischt einer aufgewühlten See, deren Wellen ein barbarischer Orkan wie ein Jäger eine Gruppe von Füchsen vor sich hertrieb. Eine schwere Faust schlug dreimal kräftig gegen die Pforte und im Inneren des Schlosses ertönten Schritte, die sich entschieden und stetig näherten. Zadei riss das goldbeschlagene Tor auf und stellte sich schützend vor Teteiyus um eine mögliche Gefahr abzuwehren, doch die mit einem schwarzen Cape vermummte Gestalt, welche ihnen gegenüber in der Öffnung des Portals stand, machte keinerlei Anstalten sie zu attackieren, streckte nur eine knochige Hand nach vorne und übergab dem Shôgun eine vergilbte Schriftrolle, dann hob sie den Kopf und beide blickten in die leeren Augenhöhlen eines boshaft grinsenden Totenschädels, dessen weiße Knochen im Licht der zuckenden Blitze zu leuchten schienen.

Mit einem zischenden Geräusch schoss die abschreckende Kreatur rückwärts empor und landete auf dem Rücken ihres rotäugigen Rosses, welches sich sogleich mit einem Wiehern, lauter als das finstere grollen des Donners in die Luft erhob und im Galopp dahin zurückkehrte, wo es hergekommen war. Tetei steckte den Stoßdegen zurück in seinen Gürtel und wischte seine schweißnassen Hände am weichen Stoff seines Kleides ab, bevor er das wuchtige Tor wieder schloss. Raschelnd entrollte sich das Pergament und Zadei überflog den in Keilschrift verfassten Brief mit leuchtenden Katzenaugen, die sich zunehmend weiteten, studierte genau jedes Detail des Textes und betrachtete ausgiebig das Siegel, mit dem der Verfasser die Rolle verschlossen hatte, eine Rosenblüte, tief eingedrückt in schwarzen Wachs. Konsterniert sah er zu Boden, versuchte seine Gedanken richtig zu ordnen. „Was ist das für ein Schreiben?“, fragte Teteiyus und obwohl er direkt neben ihm stand, war ihm, als wäre er meilenweit entfernt gewesen, so gedämpft vernahm er seine Stimme. „Es ist eine Einladung. Die Gräfin erwartet mich in Kürze auf ihrem Landsitz.“ „Die Gräfin? Wen meinst du damit? Fürst Laures ist der alleinige Herrscher des Dämonenreiches. Ich verstehe nicht...“ „Ich spreche von Gräfin Pugnara, der schwarzen Rose von Makai. Sie regierte über unser Reich bevor Fürst Mallion sie versiegelte um selbst die Macht an sich zu reißen, jemand muss das Siegel gebrochen und sie von ihren Ketten befreit haben, jahrelang wurde sie unter der Aufsicht von Gefängniswärter Rigael gefangen gehalten, genau wie ich, bevor du mich erlöstest.“ Entgeistert sah Tetei ihn an, hatte der General etwa vor ihn zu verlassen um der Offerte zu folgen? War die Absenderin dieses Briefs etwa wirklich Lady Pugnara, jene mächtige Frau, die einst von ganz Makai gefürchtet worden, deren Kampfgeist und Intriganz stets unangefochten gewesen waren? Diese Fragen ließen ihn auch später in dieser Nacht nicht zur Ruhe kommen, hellwach lag er auf der weichen Matratze seines Bettes und blickte an die holzvertäfelte Decke seines Schlafzimmers, selbst das rhythmische Geräusch von Zadeis ruhigem Atem, der friedlich neben ihm lag und schlief, konnte ihn nicht beruhigen. Erst kurz vor Sonnenaufgang schlossen sich seine schweren Lider, fiel er in einen leichten, unruhigen Schlaf, dessen kurze Traumphase mit  Alpträumen und Schreckensvisionen angereichert war, deren Nährboden aus einem hässlichen Gefühl bestand, das sich tief in sein vernarbtes Herz gefressen und darauf gewartet hatte, endlich erwachen zu dürfen, die Angst vor der Einsamkeit. Würde der Shôgun zu ihm zurückkehren, wenn er nun fortging?

Natürlich hatte er nicht vor alleine nach Schloss Demimonde zu reisen, wie sich am nächsten Morgen herausstellte. Mit einem flauen Gefühl in der Magengrube packte Teteiyus Gewänder und Umhänge, Gürtel und den wenigen Schmuck, den er besaß, in einen geräumigen Wildlederbeutel und begab sich nach draußen in den Hof, wo bereits Zadei auf ihn wartete, der in goldglänzender Uniform und mit hocherhobenem Haupte auf einem braunen Drachen thronte, dessen bronzener Schuppenpanzer im Licht der Morgensonne funkelte, die sich wie ein blutroter Ball hinter einem dichten Knäuel kleiner Wolken erhob, sein struppiges, schwarzes Haar, welches mit der Zeit so stark gewachsen war, dass es ihm bereits ein Stück weit über die muskulösen Schultern fiel, hatte er zu einem ordentlichen Pferdeschwanz gebunden und nur ein paar störrische Strähnen, die sich nicht hatten bändigen lassen, wehten leicht im kalten Atem des Winters, der die Sträucher und Hecken, welche den Hinterhof des Jagdschlosses einrahmten, mit weißem Reif überzogen hatte. Hilfsbereit streckte er seine Klaue aus um Tetei den Aufstieg zu erleichtern, der dieses Angebot dankbar annahm. Fauchend und kräftig ein- und ausatmend schwang sich das braune Untier auf und mit langen, durchgezogenen Flügelschlägen preschten der Drache und seine Reiter durch die morgendliche Winterlandschaft, überflogen die Hügel des Drachentals, die Sümpfe und Felsebenen des Hades und die glänzenden Gletscher der Eiswüste, bei deren Anblick sich Zadei das Herz in der Brust zusammenkrampfte und er eisern gegen eine Woge düsterer Erinnerungen ankämpfen musste, die ihn, wie schon so oft, zu verschlingen drohte und vermutlich hätte die Last der Vergangenheit ihm die Brust zerrissen, wären da nicht Teteis zarte Arme gewesen, die sich, fest um seine Hüfte geschlungen, an seinen Körper schmiegten und ihm verdeutlichten, dass als das, was zwischen ihnen vorgefallen nun Geschichte war. Endlich erreichten sie die düstere Gegend des Orkus, erstreckten sich unter ihnen schwarze, verdörrte Erde, Dornrosenhaine, in der Kälte dampfende, brodelnde Säurepfuhle und staubige, von stacheligen Giftranken gesäumte Wege, vor ihnen ragten wie knochige Zweige die kohlefarbenen Türme von Schloss Demimonde, über und über umrankt von jenen Gewächsen, die der Gräfin ihren Beinamen eingebracht hatten, Rosen, blauschwarz und besetzt mit Dornen, schärfer als die Klingen der spitzesten Stilette. In rasantem Sturzflug setzte der Lindwurm zur Landung vor der schmiedeeisernen Pforte des Herrenhauses an, schlug mit klackenden Krallen auf die groben Pflastersteine auf und spie heißen Dampf aus seinen gehörnten Nüstern. Eine Schar Lakaien in dunkler Livree eilte herbei um dem bereits erwarteten Besuch den Durchlass zu ermöglichen, geräuschvoll öffnete sich das, mit pfeilspitzenartigen Kuppen besäte Gatter und der Shôgun und sein engelsgleicher Begleiter, der von den Umherstehenden misstrauisch beäugt wurde, traten durch den Torbogen und schritten über einen speziell für sie ausgerollten roten Teppich den steil ansteigenden Pfad in Richtung Schloss empor. Erneut erschienen Diener, die ihnen den Weg in den Thronsaal wiesen, wo sie von Gräfin Pugnara persönlich empfangen wurden. Ihre gentile Erscheinung ließ selbst Teteiyus strahlende Schönheit verblassen, ihre Haut weiß wie der Schnee, welcher in feinen Flocken auf die Dächer der Zinnen fiel, glänzend heliotrope Lockenpracht, die sich über eine schmale Schulterpartie bis zu ihren wohlgerundeten Hüften hinunter wand, krallenartige Fingernägel und geheimnisvoll funkelnde Augen von bleigrauer Farbe, düster geschminkt, deren mystischer Blick jedes Wesen, ob gut oder böse, in seinen Bann zu ziehen vermochte.

„Bonjour, Zadei. Ich hatte dich nicht derartig früh erwartet, ich hoffe du verzeihst mir, dass ich keine Zeit mehr hatte mich dem Anlass entsprechend zu kleiden.“, sagte sie mit einem Ton angefüllt von falscher Scham, während sie mit der rechten ihrer schlanken, femininen Hände über den schimmernden Satin ihres tief ausgeschnittenen Morgenmantels fuhr. „Ich sehe du hast deine eigenen Kammerdiener mitgebracht, bezweifelst du etwa die hohe Qualität meines Personals?“ Ein süffisantes Schmunzeln umspielte ihre markant herausstehenden Wangenknochen. Sowohl Teteiyus als auch Zadei ließen sich nicht anmerken, wie empört sie über diese Aussage waren und klärten die eleusinische Schöne auch nicht über den wahren Sachverhalt auf, da sie beide wussten, wie gefährlich es war ihrer Majestät zu widersprechen, denn zahlreiche alter Schriften belegten, das jeder, der sich ihr widersetzt hatte, einen grausamen Tod in den Säureseen der näheren Umgebung oder in den labyrinthartig verworrenen Katakomben des Gemäuers gefunden hatte.
„Dein Page wird im Ostflügel Unterschlupf finden, während ich für dich eines der prunkvolleren Gemächer im Westflügel vorgesehen habe. Amo wird dir und deinem Lakaien den Weg zu den entsprechenden Räumlichkeiten weisen. Wir sehen uns heute Abend im großen Speisesaal zum gemeinsamen Dinner.“, und mit diesen Worten verschwand die Gräfin von ihrem Thron und hinterließ einen Kreis aus Rosenblättern auf den violetten Samtpolstern. Amo, ein wasserstoffblonder Jüngling mit einem offensichtlich erblindeten Auge und dem verkniffenen Gesichtsausdruck eines Sumoringers, begleitete sie eine eiserne Wendeltreppe hinauf in den Flur, in sicherer Entfernung schlich Servetas, Pugnaras Leibwächter und engster Vertrauter hinter ihnen her. Seine Herrin hatte ihm den Auftrag gegeben, die beiden “Gäste“ so gut es ging zu beschatten, denn er sollte in den kommenden Tagen und Nächten so viele versteckte Details wie möglich ans Tageslicht fördern, die ihnen zu gegebenem Zeitpunkt nützlich sein könnten. Während Zadeis Schlafzimmer prunkvoll und edel war, musste sich sein Geliebter mit einer weniger komfortablen, düsteren Kammer im hintersten Teil des Ostflügels zufrieden geben, die er nicht ohne Begleitperson und die ausdrückliche Erlaubnis der Schlossherrin verlassen durfte, was sowohl ihn als auch den General missmutig stimmte, da diese strenge Regelung die Hoffnung auf romantische Stunden zu zweit gänzlich vernichtete und ihnen den Aufenthalt in der düsteren Atmosphäre nur noch trostloser erscheinen ließ, doch sie hielten sich bedeckt, sie hatten so viele Krisen überwunden, dass ihnen dieses kleine Hindernis beinahe lächerlich erschien. Nur schleppend verstrich die Zeit in der Tristesse des Palais, Langeweile nagte an seinem Gemüt und der Shôgun widerstand nur mühsam der quälenden Versuchung in jenen Korridor am anderen Ende des Gebäudes zu spazieren, in dem sein kostbarster Schatz, sein Engel mehr oder weniger gefangen gehalten wurde, die Wachen vor seiner Türe zu zerfleischen und Teteiyus in die Arme zu schließen. Allein bei dem Gedanken an seine zarte Haut, seinen geschmeidigen Körper und daran, nicht bei ihm sein zu können, überkam ihn eine unbändige Wut und Verzweiflung.

Ein dumpfes Pochen ertönte und quietschend öffnete sich die mit weißgoldenen Beschlägen verzierte Eichenholztüre, mit gesenktem Haupt trat eine dünne junge Frau in den Raum, dessen Fenster mit schweren, kardinalroten Tüchern verhängt waren, die das Licht der untergehenden Sonne, welches die Szenerie außerhalb der Mauern in blutigroten Schein tauchte, sie mit einem purpurnen, flirrenden Film überzog und dem Tag, der sich gemächlich seinem Ende zuneigte ein letztes Abendmahl reichte, nur in spärlichen Strahlen einfallen ließ und bat den schwarzhaarigen Dämon ihr in den Schwarzen Salon, das private Speisezimmer ihrer Herrin zu folgen. Zadei erhob sich und die Aussicht auf ein, hoffentlich äußerst delikates, Gastmahl stimmte ihn ein wenig fröhlicher. Die Schwarze Rose hatte sich redlich um sein Wohlergehen bemüht, denn vor ihm erstreckte sich eine meterlange Tafel, bedeckt mit abertausenden Tellern, Schalen und Karaffen, gefüllt mit erlesensten Speisen und Tränken, von gebratenen Lammkeulen über Wachteleier, Reiskuchen und Süßkartoffeln bis hin zu einem, mit Rosmarin marinierten Spanferkel, in dessen weit geöffnetem Maul ein prächtiger, glutroter Apfel prangte. Am Ende des endlosen Tisches saß, in gewagter, galenitfarbener Robe und mit einem, aus feinstem Platin gefertigten Collier geschmückt, Pugnara, die mit geheimnisvollem Lächeln und aufreizendem Blick jede seiner Bewegungen verfolgte, während er sich den Genüssen des Banketts hingab. Zwar konnten sich diese durchaus delikaten Delikatessen nicht mit jenen Schmackhaftigkeiten messen, die Teteiyus für ihn zubereitete, doch jede Speise, die ihren Weg in seinen Magen fand, war einfach außergewöhnlich köstlich und vielleicht schmeckte es ihm nur minder ausgezeichnet, da er die Sahne, welche seinem Gaumen nun schmeichelte, nicht vom warmen Körper seines Liebsten hatte naschen dürfen. Mit einer weichen Stoffserviette wischte er sich über die klebrigen Mundwinkel und schloss sich seiner Gastgeberin an, die sich lasziv auf einem violetten Sofa niederließ und ihn bat, neben ihr Platz zu nehmen. „Der Grund, weshalb ich dich zu mir gerufen habe, ist folgender:“, der edle Duft von Rosenöl stieg ihm in die Nase, umhüllte ihn wie süßlicher Dunst, der durch die Windungen seines Gehirns kroch und seine Sinne verschleierte, „Wolltest du Laures nicht schon seit ewigen Zeiten von seinem Thron stoßen, diesen liebeskranken, arroganten Narren, der es vorzieht sich mit nichtswürdigem, erbärmlichem Gesinde wie den Menschen herumzutreiben, anstatt sein Reich zu regieren, sinnst du nicht auf Rache für das, was er dir angetan hat? Ich kenne den Hass in dir, sehe, wie er in deinen Bernsteinaugen funkelt, ähnlich der scharfen Klinge eines blitzenden Schwertes, das nach Blut giert, nach dem Blut eines unfähigen Herrschers..“, zärtlich fuhr sie mit einer Hand über seine Brust, ein satanisches Lächeln auf dem Gesicht, von Erregung beschwerte Atemzüge drangen aus der Öffnung zwischen ihren dunkel umrandeten Lippen, schwarz lackierte Nägel kratzten flüchtig über seine Haut, „..nach dem Blut des Fürsten. Hilf mir dabei ihn zu besiegen und ich gebe dir Macht, unermessliche Macht, du wirst ihm ebenbürtig werden und ich werde seinen Thron besteigen. Küss mich.“. Mit geschlossenen Augen beugte sie sich zu ihm hinab, die Lippen zum Kuss gespitzt. Zadeis Katzenaugen betrachteten ihren wohlgeformten Körper, die außerordentlich attraktiven Rundungen ihrer Hüften und Brüste, ihre Zartheit und vollkommene Schönheit, die das Blut in seinen Adern kochen ließ und in Wallungen brachte, deren Ausmaß stetig gravierender wurde.

Fast besinnungslos durch den Duft ihres Parfüms spürte er ihre Hand in der Lendengegend, ihren festen Griff in seinem Schritt, die Berührung ihrer feuchten, warmen Zunge an seinem Hals. Sein Gewissen redete gewaltsam auf ihn ein, kreischte in den schrillsten Tönen und versuchte ihm vor Augen zu führen, wie falsch er handelte, bemühte sich ihn aus der Umschlingung der tödlichen Dornrosenranken zu befreien, die ihn umgarnten, deren betörend süßes Gift er aufleckte wie teuren Wein, doch die Wirkung hatte bereits eingesetzt, schon lag er unter der Gräfin auf den anschmiegsamen Polstern und wehrte sich nicht gegen ihre Zuneigung. Als sie sich kurz aufrichtete um nach Luft zu schnappen und sich ihres Colliers zu entledigen, erwachte der General für einen flüchtigen Moment und plötzlich wurde ihm bewusst, dass er im Begriff war sich von dieser Frau nicht nur verführen, sondern auch dazu überreden zu lassen, ihr dabei behilflich zu sein die absolute Befehlsgewalt zu erlangen. Wieder beugte sie sich zu ihm hinab um zu vollenden, was sie soeben begonnen hatten, doch Zadei stieß sie von sich. So sehr er Laures auch hasste und seinen Untergang herbeisehnte, gab es doch zwei bedeutende Gründe, die ihn daran hinderten, einzuwilligen und Pugnara zu unterschützen, beide Motive hatten mit Teteiyus zu tun, den er beinahe mit diesem Weibsstück betrogen hätte, in dessen Augen der Wahn loderte wie ein frisch entzündeter Scheiterhaufen, auf dem ihr Verstand langsam zu einem bemitleidenswerten Häufchen Asche verkohlte. Erstens hatte Laures seinem angebeteten Engel und ihm das Leben geschenkt, wofür er ewig in seiner Schuld stehen würde und zweitens hätte es seinem Geliebten das Herz, welches, von Gram und Qualen in Mitleidenschaft gezogen, dünnwandig und zerbrechlich wie Glas geworden war, gebrochen, diese innige Liebe, welche sich über lange Zeit hinweg zwischen ihnen entwickelt hatte, würde in hunderte blutbefleckter Scherben zerspringen. „Ich werde dein Angebot nicht annehmen, Kätzchen, egal wie lieblich du schnurrst, ich brauche weder Macht noch Ruhm.“, sagte er nüchtern und klang dabei wesentlich überzeugter, als er in Wirklichkeit war. „Wenn du meinst.“, flüsterte Pugnara gereizt, rollte sich zur Seite und fuhr sich durch die violette Lockenmähne. Wenn du nicht freiwillig zu mir kommst, werde ich dich holen, dachte sie und mit finsterem Blick verfolgte sie, wie er eiligst den Salon verließ.

Er musste zu ihm, er musste ihn sehen, auch wenn es dafür der Tötung zahlreicher Wachposten und Diener bedurfte. Aufgebracht stürmte er hinüber in den Ostflügel, ohne zu bemerken, dass er verfolgt wurde, Servetas war ihm dicht auf den Fersen, hinter ihm zwei weitere Leibwächter der Gräfin. In blinder Wut zerfetzte Zadei die Leiber der Hüter, eine tiefrote Lache breitete sich um ihn herum aus, floss über den dunklen Granit des Fußbodens, energisch riss er die Türe zum Schlafgemach seines Liebsten auf und nahm den verschreckten Teteiyus in seine starken Arme, drückte seine Stirn fest gegen dessen fragile Schulter. Tetei löste das Band, welches sein borstiges, schwarzes Haar bändigte und strich ihm über den buschigen Schopf. Der Shôgun hob den Kopf und die beiden küssten einander gefühlvoll und intensiv, was ihren Beschattern nicht verborgen blieb. Im Eilschritt stürzte Servetas in das Gemach seiner Herrin und während er verzweifelt nach Atem rang, berichtete er ihr von dem, was er gesehen hatte. Ihre Lippen verzogen sich zu einem diabolischen Grinsen, das in ein schallendes Gelächter überging, bei dessen schrillem Klang sich ihrem Lakaien die Nackenhaare aufstellten. Endlich hatte sie eine Idee, wie sie Zadei doch noch dazu bewegen konnte, sich auf einen Pakt mit ihr einzulassen.

Nachdem er sich schweren Herzens von Tetei verabschiedet und sich in seine Gemächer begeben hatte, da es ihm doch zu riskant erschien, die Nacht mit ihm zu verbringen, stürmten Pugnaras Männer in das Zimmer seines Engels und überwältigten den schönen Dämon, welcher sich bereits zu Bett begeben wollte und daher nur mit einem Tuch bekleidet vor ihnen stand. Wehrte er sich zu Anfang noch heftigst, so ermüdete er kurz darauf, als das Betäubungsmittel, welches man ihm verabreichte, seine vollständige Wirkung entfaltete. Als der General am nächsten Morgen erwachte, kauerte sein Geliebter bereits, in schwere Ketten gelegt und von vermummten Kerkermeistern beaufsichtigt, in den Katakomben des Schlosses, benommen von den Auswirkungen eines starken Giftes, welches ihm in die Venen gespritzt worden war und zu wirken begann, versuchte er verzweifelt sich aus den eisernen Fesseln zu winden, mit denen man ihn gefangen hielt, die Arme in die Höhe gereckt, den nackten Oberkörper vor und zurück wiegend, kniete er auf feuchtem, kalten Stein, Blut tropfte aus einer Schnittwunde auf seiner Brust, er wimmerte und bot einen jämmerlichen Anblick. Zadei wusch sein Gesicht in einer Waschschüssel aus weiß-blauem Porzellan, kleidete sich vollständig an und begab sich dann, von den Beschwerlichkeiten des vergangenen Tages vollständig erholt, in den düsteren Korridor um seinen Engel wach zu küssen, egal wie gefährlich dieses Vorhaben für ihn war, doch als er den Gang betrat, sah er, dass die Türe zu seinem Schlafzimmer weit geöffnet war, blutige Fußabdrücke, die anhand ihrer Größe eindeutig nicht die seinen waren, führten zu Teteis Bett und zurück in den Flur, von seinem “Diener“ fehlte jede Spur. Etwas war ihm zugestoßen und ihm fiel nur eine Person ein, die dazu fähig war und Gelegenheit gehabt hatte, seinem Liebsten etwas anzutun, solange er selbst friedlich schlummernd in seinem Himmelbett lag. Aggressiv ballte er seine Hände zu Fäusten, Blitze zuckten um seine Klaue und heiße Tränen brannten unter seinen Lidern. Schäumend vor Wut hastete er den Flur entlang, bereit, jeden zu töten, der sich ihm in den Weg stellte, sein Umhang wehte hinter ihm wie ein amethystfarbener Ozean, dessen weiche Wellen, von jenem aufbrausenden Sturm, der in seinem Körper tobte, gepeitscht, zu gewaltigen, schneidigen Klippen anschwollen, mit einem Blick, der einen Diamanten hätte spalten können und dem Kampfgeist einer Löwenmutter, die verzweifelt um das Leben ihrer Jungen kämpft, trat er die Türe, hinter der sich das Kabinett der Gräfin befand ein und erhob drohend seine mutierte Rechte.

Pugnara lag mit einem spottsüchtigen Lächeln auf den Kissen ihrer Chaiselongue und ihr schwarzes Herz hüpfte vor Freude, sie ergötzte sich an seiner Wildheit wie ein argloser Geselle am Spiel der Gaukler. „Was hast du mit ihm gemacht, wo ist er?“, schrie Zadei, bleckte seine scharfen Zähne wie ein Wolf im Angesicht des Jägers, der ihm die Waffe zwischen die Augen richtete, zornig schleuderte er einen gleißend blitzenden Energieball auf seine Gegnerin, doch anstatt sich unter Schmerzen zu wälzen, fing die attraktive Dame die leuchtende Kugel mit einer Hand auf, als wäre sie ein einfacher Stein oder ein harmloser Schneeball und beförderte stattdessen den Shôgun mit einem flüchtigen Fingerschnipsen gegen die nächste Wand, wo er stöhnend liegen blieb. „Wusstest du nicht? Auch die schönsten Rosen haben Dornen. Sehnst du dich nach deinem kleinen Engelchen, ja? Dein Herzensschöner befindet sich in den weniger gemütlichen Kellergewölben meines hübschen Schlosses. Sein Blut soll eine betörend hübsche Farbe haben, das meinte zumindest mein treuer Diener Servetas. Dunkles Karmin, fast so bezaubernd wie das Rot der gemeinen Rosen und von herber Köstlichkeit, du hast einen guten Geschmack was die Wahl deiner Liebhaber angeht und nun verstehe ich auch, warum du mich gestern einfach so von dir stoßen konntest. Wann hast du denn eine derartige Begeisterung für adrette, kleine Knaben entwickelt?“. Sie musste sie beobachtete haben, der wundersame Moment ihres Kusses war beiden zum Verhängnis geworden. Diese Frau war schärfer als die Klinge des besten Schwertes und viele hatten sich an der Schneide ihrer Seele die Pulsadern geschlitzt, nun schien auch seine Zeit gekommen. Mit nackten Füßen und tief dekolletiertem Negligee kam sie langsam auf ihn zu, legte ihm eine eiskalte und doch unbeschreiblich weiche Hand an die Kehle, deren Finger mit spitzen Fingernägeln gewappnet und in der Lage waren seinen Hals zu zerfleischen und kniete vor ihm nieder. In der anderen Hand hielt sie eine Schriftrolle, ähnlich jener Papyrusrolle, die das grinsende Gerippe ihm überbracht hatte. „Dein kleiner Cherub liegt in schweren Ketten im Verlies und kämpft verzweifelt gegen die Wirkung des Giftes, das langsam durch seine Venen kriecht und von da aus in jeden Winkel seines Leibes dringt und in Gegenden gelangt, die selbst du nicht zu erreichen vermagst, während wir uns hier oben mit albernen Machtkämpfen die Zeit vertreiben, Zeit, die ihm durch die dürren Fingerchen gleitet. Diese Rolle enthält einen Vertrag. Indem du ihn mit deiner Unterschrift besiegelst, willigst du ein, mir im Kampf um den Thron des derzeitigen Fürsten mit all deiner Kraft, die, auch wenn davon im Augenblick nur sehr wenig zu sehen ist, immens sein soll, zur Seite stehst und rettest deinem Liebsten das Leben, was allerdings höchst bedauerlich ist, da du meinen Kerkermeistern damit auch das letzte bisschen Spaß nimmst. Sie lieben es zu sehen, wie sich ihre Opfer vor Schmerzen winden, der Klang ihrer Schreie ist Musik in ihren, wie auch in meinen Ohren. Doch ohne Signatur kein Gegengift.“

„Ich unterschreibe gar nichts.“, fauchte Zadei. „Dann weiß ich keinen anderen Weg, als dich bedächtig und grausam verenden zu lassen, so schade es auch um deinen wohlgeformten Körper ist. Wie gerne wäre ich noch einmal von diesen starken Armen umfangen aufgewacht. Nun ja, jeder findet irgendwann einen passenden Exitus. Gute Nacht.“, wisperte Pugnara in eines seiner spitzen Ohren und holte aus um ihre Krallen tief in sein Fleisch zu schlagen, solange er schwach und zusammengekauert vor ihr saß, doch sie hatte nicht bedacht, dass möglicherweise noch eine unberührte Kraftreserve in seinem Inneren ruhte und so riss sie verwundert ihre bleigrauen Augen auf, als er ihr den Arm auf den Rücken drehte und seine Klaue tief in ihren prächtigen Körper stieß. Ein letzter, kläglicher Aufschrei hallte durch Schloss Demimonde, und die finstere Gräfin sank in sich zusammen, während sie ihre letzten Atemzüge hauchte. Der Shôgun leckte sich das frische, stiefmütterchenblaue Blut von den Fingern und hastete, in der Hoffnung, dass sein Instinkt ihm den richtigen Weg wies, hinab in den Keller, gewichtige, eisenbeschlagene Türen prallten krachend gegen kohlefarbenen Bruchstein, dunkle Tropfen einer übelriechenden Substanz, die sich in einem schmalen Rinnsaal über den Boden schlängelte, spritzen an seinen schwarz-goldenen Stiefeln empor, während er blind von Wut und selbstquälerischer Angst, unbeirrt durch das schmutzigdunkle Gewölbe arbeitete. Hätte er geschrieen oder sich auf sonstige Art und Weise bemerkbar gemacht, hätte Zadei ihn vermutlich schneller gefunden, doch Teteiyus nahm, wie er es von ihm gewohnt war, alle Schmerzen und Peinigungen in sich auf, anstatt um Hilfe zu rufen, überließ er sich selbst dem Schicksal und wimmerte nur leise, einzig ein schwaches Stöhnen kam ihm über die Lippen, nur eine einzelne Träne rann über seine Wange und Tropfen für Tropfen perlten dunkle Blutstropfen über seine Haut, die aus der Wunde auf seiner schmalen Brust geflossen waren. Servetas, alarmiert durch den Klageton seiner Herrin, war inzwischen herbeigeeilt, doch für die Schwarze Rose kam jede Hilfe zu spät, sie war für immer verwelkt. Mit starrer Miene nahm er sie vom Fußboden auf, schloss ihre schwarz geschminkten Lider und legte sie sanft auf ihre Liege, um kurz darauf die Verfolgung aufzunehmen und ebenfalls in den Kerker zu gehen und Rache für den Tod seiner Gebieterin zu nehmen. Anders als Zadei schritt er gemächlich die Stufen der Steintreppe hinab, denn er kannte den Weg und außerdem hatte er Zeit. Silbern blitzte das Metall seines Säbels, unnachgiebig und ohne auch nur die geringste Andeutung eines Blinzelns, blickten seine kalten, stahlblauen Augen in die Dunkelheit der modrigen Gänge, an deren Wänden prächtige Ansammlungen der verschiedensten Pilze wucherten, vornehmlich Schimmel.

Der General hatte indes jenen Raum entdeckt, in dem sein strahlender Engel von drei vermummten und mit beachtlichen Keulen bewaffneten Goliaths bewacht wurde und er verbrauchte fast gänzlich jene Restenergie, die er hatte speichern können, dafür, sie aus dem Weg zu räumen und Tetei von seinen Fesseln zu befreien. Teteiyus klammerte sich krampfhaft an seinen Erretter, zitternd und mit einer dergestalt verkniffenen Physiognomie, dass der General sich ernsthaft Sorgen darum machte, ob er es schaffen würde, ihn lebend nach Hause zu fördern, ob ihnen genug Zeit blieb eine Arznei zu finden bevor das Mittel ihn niederstreckte. Im Laufen küsste er behutsam die schweißnasse Stirn seines Liebsten und versuchte ihn zu beruhigen, als plötzlich, wie aus dem Nichts, Servetas vor ihnen erschien, die Miene unverändert, den Säbel drohend in der Hand hin und her drehend, empfindungslos und berechnend ging er wie aus heiterem Himmel zum Angriff über. Zadei hatte große Mühe dem flinken Kämpfer auszuweichen ohne Tetei fallen zu lassen und seine Deckung zu bewahren und so war es nicht verwunderlich, dass die Schwünge von Servetas Waffe allmählich bedrohlich enger an seinem Hals vorbeischossen, bis der Shôgun ihn plötzlich und unerwartet ins Stolpern brachte und ihn so verwundbar machte, was den knallharten Krieger schließlich das Leben kostete, denn ehe er sich versah, hatte sein Gegner ihm den Säbel entwendet und ihn selbst damit hingerichtet. Teteiyus geräuschvolles Aufstöhnen sagte ihm, dass die Zeit knapp wurde und obwohl auch er geschwächt war, schaffte er es ihn die Stufen hinauf und hinaus in die eisige Kälte des Winters zu tragen, wo er ihm als Schutz vor dem frostigen Atem des anbrechenden Tages seinen schweren Mantel umlegte und ihn dann vor ihm auf den schuppigen Rücken des Drachen hob, der während allem was passiert war treu auf seinen Herrn gewartet hatte, der ihm nun unter lauten Rufen die Sporen gab. Geschmeidig erhob sich das riesige Tier, dessen Schuppenpanzer im Licht der Morgensonne blitzte und funkelte, schwang sich höher und höher herauf in den winterlich grauen Himmel und flog in stetig beschleunigendem Tempo in Richtung Heimat, wand sich wie eine schillernde Schlange um die wenigen Wolken, welche über den bedrohlich spitzen Gipfeln der Eisberge schwebten und hinter ihm wurde das finstere Schloss der Gräfin immer kleiner, bis es gänzlich verschwunden war, die schwarz verkohlte Erde des Orkus wich dem blendend weißen Schnee des ewigen Eises, das bald darauf von den elfenbeinfarbenen Türmen der Hadesstadt abgelöst wurde und endlich erreichte das geflügelte Fabelwesen die bereiften Anhöhen des Drachentals, am Ende einer rasanten Reise, die Zadei trotz ihrer kurzen Dauer wie ein endloser Ritt durch die Hölle vorgekommen war, denn inzwischen war jegliche Farbe aus dem Gesicht seines Engels gewichen, er keuchte und stöhnte und der Shôgun spürte, dass es langsam mit ihm zu Ende ging, er musste schnellstmöglich einen Heiler finden, der ihn von seinem Leid befreien konnte, doch in diesem abgeschiedenen Teil des Dämonenreiches lebten nur Teteiyus, er und eine beträchtliche Anzahl wilder Untiere.

Ihm blieb kein anderer Ausweg, als nach Makai zu reisen und dort nach einem Arzt zu suchen und wenn er Laures persönlich um Hilfe anflehen musste, er konnte seinen leuchtenden Stern, seinen geliebten Engel der Hölle nicht dem Tod überlassen, einmal war er wegen ihm gestorben und er wollte und durfte es nicht ein zweites Mal dazu kommen lassen. Also riss er den Drachen, der bereits zur Landung hatte ansetzten wollen erneut nach oben und jagte in dynamischem Flug dem Palast entgegen. Schlaff rutschten Teteis zierliche Hände von seiner Brust, die klaren Smaragde schienen müde und leblos, sein stolzer Blick war entschwunden und Tränen wogten um seine Augen. „Nein Teteiyus, nein, du darfst mich jetzt nicht verlassen, nicht jetzt, nicht jetzt!“, schrie Zadei ihn an, doch sein Zustand verschlechterte sich weiterhin. Mit feuchten Augenwinkeln und einem unverkennbaren Ausdruck der Verzweiflung sprang der General, als der bronzefarbene Gigant in einer Höhe von wenigen Metern auf den Vorplatzt zusteuerte, ab und stürzte an seinen ehemaligen Kadetten vorbei in den kaiserlichen Palast. „Laures!“, schrie er nun rundweg fahrig und betrat den goldgeschmückten Thronsaal, wo am Ende einer voluminösen Treppe, auf einem prächtigen Sitz aus grün glänzenden Ranken der Fürst der Unterwelt saß, die breiten Schultern geschmückt von aufwendig verzierter Rüstung, sein langes, schwarz glänzendes, samtweiches und geschmeidiges  Haar reichte ihm bis an die schmalen Hüften, Verwunderung sprach aus dem Ausdruck seiner feinen Gesichtszüge. „Laures, er stirbt, hilf ihm! Auch wenn du weder ihn noch mich jemals wiedersehen wolltest, stell dich nicht an und hilf ihm bevor es zu spät ist!“, wehklagte Zadei und seine Angst um die Person, die er am meisten liebte, für die er bereit war alles zu geben, wenn es sein musste auch das eigene Leben, ließ ihn über seinen Schatten springen und seinen schlimmsten Todfeind um Hilfe anflehen. Auch wenn er ihn betrogen und seiner Geliebten nach dem Leben getrachtet hatte, so war Teteiyus doch ein hervorragender und absolut loyaler Diener gewesen und hatte er ihn nicht davor bewahrt in eine fremde Dimension zu geraten? Er hatte den Tod nicht verdient, egal, was zwischen ihnen vorgefallen war, entschied Laures und lief die goldglänzenden Stufen hinab, um einen Arzt zu holen. Der Mediziner flößte Tetei eine bittere Arznei von stechendem Schwefelgeruch ein, gerade noch rechtzeitig, bevor die gefährliche Substanz in seinen Adern die Flamme seines Lebenslichtes zum Erlöschen gebracht hatte.

Als der engelsgleiche Dämon seine Augen öffnete, blickte er ihn Zadeis sorgenvolles Gesicht, benommen blinzelnd versuchte er sich aufzurichten, doch sein Geliebter legte ihm eine Hand auf die, mit festen Bandagen umwickelte Brust und drückte ihn sanft in die Kissen seines Bettes zurück, der Doktor hatte ihn gebeten darauf zu achten, dass er sich ausruhte, bis er gänzlich genesen war und sein Körper brauchte seine Zeit um die giftigen Stoffe abzubauen. Zärtlich strich er seiner blasswangigen Liebe über das perfekte Gesicht. „Es wird alles gut.“, flüsterte er und küsste seine immer noch schwache Hand.
„Was...ist...passiert?“, fragte Tetei unter größter Anstrengung. Zadei küsste ihn erneut und erzählte ihm dann, was geschehen war und sein Engel lauschte aufmerksam seinen Worten, bis der Schlaf ihn übermannte.

The End




Puh! *sweat* Das war ganz schön Arbeit, doppelt so viele Seiten wie die letzte
Story und ich wünsche mir, dass ich mich nicht umsonst abgemüht habe...(auch
wenn ich’s gern getan hab, meine Ferien wären sonst furchtbar öde gewesen) Wie
immer warte ich sehnsüchtig auf eure Kommentare, die hoffentlich gut ausfallen
(aber auch übelste Kritik bringt mich nicht um).

1000 kisses @ all
 

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