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Titel: Männlich, ledig, jung, sucht... Autor: Nordlicht Fandom/Genre: Original, Heaven and Hell Inhalt: Für Ash ist sein neuer Mitbewohner David eine absolute Zumutung. Doch im Grunde hat der viertausend Jahre alte Dämon nicht den blassesten Schimmer, was mit Davids Einzug tatsächlich noch auf ihn zukommen wird. Bemerkung: Dank an Tao. *verbeug* Ohne deine Challenge hätten weder Ash noch David jemals das Licht der Welt erblickt. Ich glaube jedoch, dass ich die Vorgaben nicht hundertprozentig erfüllen konnte. Trotzdem hoffe ich, dass Ihr Gefallen an ihr findet. Ich bitte um Nachsicht, was die Lemonszene angeht, denn (von RPGs mal abgesehen) ist dies mein Debüt auf diesem Gebiet. Feedback erwünscht =^_^= ~~~*o*O*o*~~~
Skeptisch beäugte ich den jungen Mann, der sich auf meinen Uniaushang hin gemeldet hatte und sich nun gerade meine geräumige Zweieinhalbzimmerwohnung anschaute. Medizinstudent, 23 Jahre alt, in etwa meine Statur und Größe, mit anderen Worten knapp 1,80m und ziemlich schlank. Da hörten die Ähnlichkeiten jedoch schon auf. Wirres, kurzes und pechschwarzes Haar stand zu allen Seiten ab, ließen seinen Porzellanteint nur noch heller und durchscheinender wirken, als es ohnehin der Fall war. Augen von einem so hellen Braun, dass es schon fast golden wirkte, musterten gerade die Kücheneinrichtung, leuchteten auf, als er meine Spülmaschine entdeckte. „Wie praktisch“, er grinste und ich tat ihm ausnahmsweise den Gefallen und grinste zurück. Der Typ war in Gedanken mit Sicherheit schon eingezogen. Dummerweise war er tatsächlich das beste, was sich bist jetzt auf die Anzeige gemeldet hatte und ich musste schließlich die Miete - die, nebenbei bemerkt, in dieser Gegend verflucht hoch lag - zahlen. „Was sagtest du doch gleich, studierst du?“, riss mich seine zugegebenermaßen ziemlich wohlklingende Stimme aus den düsteren Gedankengängen. Er hatte es sich inzwischen auf dem großen Sofa im Wohnraum bequem gemacht, wie ich aus der offenen Küche wahrnahm. Mein Sofa! Eigentlich wollte ich doch nur meine Ruhe, war das denn zuviel verlangt? Doch das liebe Geld versaute einem alles, oder besser gesagt die Tatsache, das man zu wenig davon hatte. Während ich ihm folgte rückte ich in einer fließenden Bewegung meine schmale, randlose Brille zurecht und streifte eine der hellroten Strähnen, die sich aus meinem locker im Nacken gebundenen Zopf gelöst hatten, mit einer Hand hinters Ohr, setzte mich dann im Schneidersitz auf den Sessel ihm gegenüber. Aus nachtblauen Augen erwiderte ich seinen Blick, griff schließlich nach der Zigarettenpackung vor mir und zündete mir eine Kippe an, sog den grauen Dunst gierig in die Lungen. Mit einiger Genugtuung registrierte ich ein leichtes Stirnrunzeln und ein Naserümpfen auf dieses Laster, was hinzukommend irgendwie komisch wirkte bei jemandem mit Stahlkappenstiefeln, einer Baggypant mit Militärdruck und einem engen schwarzen Pullover. Ach ja, Medizinstudent, ich vergaß. Sein Problem, er musste schließlich nicht mit einem Raucher - der eigentlich nur auf dem Balkon rauchte, aber das brauchte ich ihm ja nicht auf die Nase zu binden - zusammen ziehen, wenn er nicht wollte. „Jura“, erwiderte ich kurz angebunden, nachdem ich den Rauch provokativ in seine Richtung geblasen hatte. „Rauchen ist ganz schlecht für die Haut“, erläuterte er dann ungefragt, ging auf mein Studium nicht weiter ein. Er grinste erneut unverschämt gut gelaunt und fuhr fort: „Und ich glaube ein Grauschimmer macht sich nicht so gut auf deiner so schön bronzefarbenen Haut.“ Blödmann! Was ging den bitte meine Haut an? An dem Bronzeton hatte sich schon die letzten viertausend Jahre nichts mehr geändert. Nicht mal im Höllenfeuer wurde er dunkler, geschweige den gräulich. Ich unterdrückte bei diesen Gedanken das Gefühl von Heimweh, hob stattdessen eine Augenbraue und patzte zurück: „Bei den Abgasen, die uns täglich umspülen, macht eine Zigarette am Tag den Kohl auch nicht mehr fett.“ Wieso rechtfertigte ich mich hier auch noch? Der Typ lachte. Idiot! Aber was erwartete ich von einem Menschen? „Jura also“, griff er das Thema wieder auf, betrachtete mich interessiert, eingehend, prüfend. „Wäre mir zuviel Paragraphengequatsche, der Begriff Rechtsverdreher kommt schließlich nicht von ohnehin.“ Ich lächelte zuckersüß. „Wart mal ab, bis du einen Anwalt brauchst, weil einer deiner Patienten unglücklicherweise dran glauben musste und die Angehörigen dich deswegen verklagen.“ Eine Weile starrten wir uns einfach nur an, dann lachte er erneut und fragte schlicht: „Wann kann ich einziehen?“ ~*~ Ich könnte ihn erwürgen! Nein, eigentlich würde ich ihn lieber zuerst foltern und dann erwürgen! Vergewaltigen, foltern und erwürgen! Nicht gut, gar nicht gut in welche Richtung sich meine Gedanken in letzter Zeit bewegten. Selbst für einen Rachedämonen. Ich hatte eindeutig zu wenig Aufträge in letzter Zeit. Zu wenig blutige Aufträge. Ach, früher war alles ganz anders. Man fackelte nicht lange und machte jemandem, der einem im Weg stand oder ans Bein gepisst hatte einfach einen Kopf kürzer. Doch irgendwer in der Verwaltung musste wohl ein Liebhaber der schönen Künste gewesen sein, denn er änderte die Direktive dahingehend, dass solch ein Verhalten seltener vorzukommen habe, sei es doch zu plump und zu direkt. Pah, damals hat der Job wenigstens noch Spaß gemacht! Im Gegensatz zur Jetztzeit, in der ich mich hauptsächlich in Gerichtssälen aufzuhalten hatte und Richter manipulieren durfte. Einfach nur öde und dann hatte ich auch noch einen nervigen Ordnungsfanatiker als Mitbewohner. David, David, David... Ich sollte mir vielleicht doch angewöhnen, in Verbindung mit ihm an seinen Namen zu denken. David putzte, kochte und räumte auf. Ich fand nichts mehr wieder, er zerstörte vollkommen und mit einem gnadenlosen Lächeln auf den Lippen meine chaotische Ordnung. In meiner Wohnung roch es inzwischen aprilfrisch - in stetigem Wechsel mit limonenfrisch. Nun ja, im Moment roch es nach Lasagne. Verführerisch gut nach Lasagne. Vorsichtig lugte ich über die Rückenlehne des Sofas in Richtung Küche, sah nur seinen Rücken und einen Teil seiner engen, schwarzen Lackhose. Zugegebenermaßen einen netten Teil und ich konnte mir ein Grinsen nicht verkneifen. „Ash, starr nicht auf meinen Hintern, deck lieber den Tisch.“ Aus kreisrunden Augen glubschte ich hinter der Lehne hervor, starrte sekundenlang weiter auf das Hinterteil meines Mitbewohners. Wie, zur Hölle, konnte er...? „Ash, du bekommst nichts ab, wenn du deinen Arsch nicht langsam mal in Bewegung setzt.“ Er drehte sich herum und warf mir ein spöttisches Grinsen zu, augenblicklich verdüsterte sich mein Gemütszustand und der Gedanke an Mord und Totschlag wurde plötzlich wieder äußerst attraktiv. Dämlicher Mensch! Die Lasagne wollte ich mir trotzdem nicht entgehen lassen und wetzte so in die Küche, verteilte lieblos Geschirr und Besteck, saß Augenblicke später mit erwartungsvollem und vor allem hungrigen Blick am Küchentisch, beobachtete wie er gekonnt die Auflaufform aus dem Backofen holte und auf dem Brett, dass ich als Untersetzer vorgesehen hatte, platzierte. Meinen Blick leider richtig deutend lobte er sich selbst mit stolzgeschwellter Brust: „Sieht fabelhaft aus, was? Habe mich mal wieder selbst übertroffen.“ Doch als ich ihm daraufhin einen giftigen Blick schenkte, lachte er bloß, wie fast immer und ich ärgerte mich über mich selbst, da ich ihm mal wieder in die Falle getappt war. Inzwischen hatte ich David im Verdacht, es sich zur Lebensaufgabe gemacht zu haben, mich auf die Palme zu bringen. Dummerweise war er dabei, Meister in dieser Disziplin zu werden. Sein Essen allerdings schmeckte ausgezeichnet. Hungrig machten wir uns darüber her, ab und an glaubte ich in dem Schweigen seinen Blick auf mir ruhen zu fühlen, ließ mich davon jedoch nicht weiter beirren und schaufelte munter weiter. Wir essen immer schweigend. Diese Zeit ist einer der wenigen Moment, in denen ich keine Hassgefühle ihm gegenüber aufzubauen vermag. Daher blickte ich leicht ungehalten auf, als ich seine leicht fragende Stimme vernahm: „Ash?“ „Was?!“ Doch sein ernster Blick brachte mich völlig aus dem Konzept. Seit wir uns kannten leuchteten seine Augen eigentlich immer spöttisch, überheblich oder lachten einfach. Doch dieses Mal war sein Blick ruhig, gelassen, ernst und fragend, ein fast schüchternes Lächeln lag auf seinen Lippen, ließ ihn wie einen völlig anderen Menschen wirken. Nach einer Weile, in der wir uns einfach nur anstarrten, fuhr er fort: „Sag mal Ash, warum kannst du mich nicht leiden?“ Ich verzog das Gesicht. Also bitte! Und deshalb schaute er so ernst, als wolle er mir einen Heiratsantrag machen? Schulternzuckend verdrehte ich die Augen, erwiderte trocken und schlicht: „Ich kann niemanden leiden.“ Er runzelte die Stirn und ich fühlte mich genötigt fortzufahren: „Ist halt so, nimm’s nicht persönlich. Ich kann nicht gut mit Menschen.“ War nicht mal gelogen und drückte so ziemlich meine gesamten Beweggründe für jegliches Verhalten aus. Doch für einen Augenblick blitzte etwas in seinen Augen auf, was mich verwirrte, doch der Moment verflog und kurz darauf glaubte ich bereits, es mir nur eingebildet zu haben. Und schon grinste er wieder. „Na gut, siehst eh viel zu sexy aus, wenn du wütend bist, um sich etwa eine andere Gefühlsregung bei dir zu wünschen.“ Wenn Blicke töten könnten... Ups, konnten sie ja, manchmal jedenfalls, doch ich war schließlich nicht ihm Dienst. ~*~ Im Laufe der Zeit fanden wir eine Art Kompromiss. Er betrat mein Zimmer nicht, wenn ihm sein Leben lieb war, ließ mir im Wohnzimmer eine gewisse Unordnung, dafür hatte das Bad und die Küche vor tadelloser Ordnung und blütenweißer Sauberkeit blind zu machen. Wobei ich mir letzterem kein Problem hatte, ein Schmutzfink war ich schließlich nie gewesen. Dafür gestaltete es sich um so schwieriger, seinem seltsamen Prinzip, wie man Geschirr und Besteck in Regalen und Schränken anordnete, zu folgen. Schauderhaft, doch ich bemühte mich. Wirklich! Doch jetzt hatte ich endlich einmal meine Ruhe, saß mit angezogenen Beinen auf dem Balkon und genoss die letzten wärmenden Strahlen der Sonne, die mich ein bisschen an zu Hause erinnerten. Ich ertappte mich mal wieder dabei Heimweh zu bekommen, während ich das glühende Ende meiner Zigarette betrachtete. „Du kommst wirklich nicht ohne deine tägliche Dosis an Nikotin aus, was?“ Genervt verdrehte ich die Augen ohne mich umzudrehen. Musste der Kerl immer so lautlos auftauchen? Ich konnte immer gerade noch so verhindern, nicht erschrocken zusammen zu zucken - was, nebenbei bemerkt, ganz schön arm ist für einen viertausend Jahre alten Rachedämonen. Verflucht, ich saß einfach schon viel zu lange in diesem versifften Moloch genannt Erde fest. Ein warmer Atem in meinem Nacken, als er durchs Küchenfenster auf den Balkon stieg und sich zu mir auf den Sims gesellte. Erwartungsvolle Stille, schließlich ertrug ich das Gefühl angestarrt zu werden nicht länger und warf ihm einen schrägen Seitenblick zu. Der Kerl erwartete doch tatsächlich eine Antwort auf seine dämliche Frage! „Pff“, zischte ich zwischen zusammen gebissenen Zähne mit einem Schwall Rauch hervor. „So ein Schwachsinn, ich komme auch gut ohne aus.“ Was schließlich stimmte, ein Dämon konnte gar nicht abhängig werden. „Ach ja? Beweis es.“ Ich hob eine Augenbraue, warf ihm einen Blick zu, als habe er nicht mehr alle Tassen im Schrank. „Warum wohl sollte ich einer Evolutionsbremse wie dir etwas beweisen wollen?“ Er schenkte mir ein zähneblitzendes Lächeln, seine Augen funkelten schelmisch. „Vielleicht, weil du nicht gerne Wetten verlierst?“ „Wer wettet hier?“ „Ich. Ich wette du schaffst es nicht, für exakt drei Monate mit dem Rauchen aufzuhören.“ „Warum sollte ich darauf eingehen?“ Ein Schmunzeln, dann: „Weil du ein arroganter Bastard mit viel zu viel Stolz bist.“ Mir fiel beinah die Kippe aus dem Mund. Und obwohl ich mir der Tatsache, dass er mich bloß rumkriegen wollte, bewusst war ergriff ich seine Hand, drückte mit einem grimmigen Lächeln auf den Lippen zu und schnurrte: „Okay, die Wette gilt. Um was wetten wir?“ Das Lächeln, dass sich nun in seine Züge stahl, machte mich zum ersten Mal, seit wir uns kannten, eine Spur unsicher: „Derjenige der verliert, steht dem anderen einen kompletten Tag zur Verfügung. Vollkommen.“ Nun, ich würde nicht verlieren. ~*~ Eins musste ich David eingestehen. Seine Freunde waren okay. Die meisten von ihnen verfügten über ausgesprochen unterhaltsamen, schwarzen Humor. Mag sein, dass dies studienbedingt war, vielleicht ging man mit dem Tod auch als Mensch mit der Zeit anders um, wenn man jeden Tag im Prepsaal verbrachte und in Leichen rumstocherte. „Ash, Schatz?“, säuselte eine liebliche Frauenstimme in mein Ohr und mir wurde ein bisschen übel, was hauptsächlich an der totbringenden Menge an Parfum lag, welches sie wie eine Wolke aus giftigen Gasen umhüllte. Zwei Sekunden neben einer Grünpflanze und um diese war es mit Sicherheit geschehen. Ansonsten war Caroline vollkommen in Ordnung für eine fünfundzwanzigjährige Zahnmedizinstudentin. Fragend warf ich ihr also einen Blick über den Rand meines Caipiglases zu und mit einem Eisberge schmelzenden Lächeln bat sie: „Rufst du uns bitte ein Taxi? Ich glaube nicht, dass Ralf und ich noch zu Fuß nach Hause kommen, ohne uns zu verlaufen.“ Im Stillen stimmte ich ihr zu, ließen dies doch sowohl ihr schwankender Sprechrhythmus, als auch die Tatsache, dass ihr Blick meine Augen nicht mehr fixieren konnte, vermuten. Trotzdem zuckte ich bloß die Schultern, deutete auf David, der mir gegenüber saß. „Frag ihn.“ Doch David machte ebenfalls nicht mehr den Eindruck, als könne er einem Taxifahrer unsere Adresse mitteilen, ohne ihn nach Timbuktu zu schicken. Daher quälte ich mich gezwungenermaßen aus dem Sessel - man sollte mir schließlich nicht nachsagen, ich sei ein schlechter Gastgeber, denn selbst bei Dämonen ist wo etwas nicht gern gesehen - stellte dabei leidlich fest, dass nun im Stehen auch bei mir alles schwankte, schaffte es schließlich jedoch, ein Taxi zu bestellen, das zehn Minuten später auch schon vor der Tür stand. Es brauchte allerdings noch einmal zehn Minuten, bis Caroline und Ralf sich überschwänglich von David und mir verabschiedet hatten und sicher verwahrt nach Hause verfrachtet werden konnten. Müde und die plötzlich Ruhe genießend lehnte ich schließlich mit geschlossenen Augen an der Wohnungstür, die ich soeben verriegelt hatte, fuhr mir dann über die schmerzenden Augen, nachdem ich meine Brille auf dem kleinen Telefontisch in Sicherheit gebracht hatte. Ein modisches Accessoire mit Fensterglas, doch ich selbst konnte mich mit ihr besser mit meiner Rolle als Mensch identifizieren. Als ich die Augen aufschlug lehnte David mir gegenüber an der Wand. Ich grinste. „Du bist ein bisschen enttäuscht, nicht wahr?“, spottete ich, ein Kichern unterdrückend. „Tja, Pech, dass Caroline ihren sexy Mitbewohner wieder mit nach Hause genommen hat.“ Hatte ich doch schon vor Wochen bemerkt, dass zwischen Ralf und David, zumindest ab und an, eine ziemliche Spannung knisterte. Irgendetwas hatte die beiden jedoch bis jetzt immer davon abgehalten, über die offensichtliche Anziehung hinwegzukommen und einen Schritt weiter zu gehen. Menschen, wer konnte deren verdrehte Beweggründe schon verstehen? „Naja“, fügte ich in gespielt tröstendem Tonfall hinzu und stieß mich von der Tür ab, um das Lederband, das meine Haare im Nacken hielt, zu öffnen. „In deinem Zustand hättest du sowieso keinen mehr hoch bekommen.“ Irgendetwas in seinem Blick brachte mich aus dem Takt, ich blieb auf meinem Weg zum Bad noch einmal stehen. Ein goldenes Glimmen, das aus den Tiefen seiner Seele zu stammen schien und sich in seinen Augen wiederspiegelte. Als er anfing zu sprechen bescherte mir seine tiefe, grollende und irgendwie sinnlich klingende Stimme eine Gänsehaut. „Glaubst du?“ Ich bekam nicht mit, wie er sich bewegte. Doch plötzlich fühlte ich mich hart mit dem Rücken gegen die Wand gepresst, seine Hände umklammerte meine Handgelenke und seine Lippen nahmen fordernd die meinen in Besitz. Benebelt vom Alkohol und völlig überrascht ließ ich zu, dass seine Zunge in meinen Mund glitt, ihn erforschte, meine eigene zu einem Duell herausforderte, auf das sie einging. Mit dem letzten Bisschen Verstand riss ich mich los, stemmte meine Hände gegen seine Schultern und verschaffte mir Luft. Genug Luft um ihn wütend und mit glühenden Augen - und das nicht nur metaphorisch - anzufunkeln. Die Luft brannte, die Hitze die bereits von meinem eigenen Körper Besitz ergriffen hatte, schmerzte richtiggehend. Und ließ mich gleichzeitig frohlocken. In Davids Augen las ich pures Verlangen, reines, animalische Verlangen, angefeuert vom übermäßigen Alkoholkonsum. Und ich stellte fest, dass mir dies voll und ganz genügte. Jetzt noch zu behaupten, ich hätte die Kontrolle über mich selbst, wäre nichts als eine Lüge gewesen. Fast brutal krallte ich eine Hand in sein Haar, zog seinen Kopf erneut zu mir, dominierte diesmal den nach mehr schreienden Kuss, während meine andere Hand unter seinen Pullover glitt, seinen Rücken erkundete, schließlich auf seinem Hintern zur Ruhe kam und unsere Lenden enger aneinander presste. Ein synchrones Aufstöhnen ging in einem weiteren feurigen Kuss unter. Ein heißkalter Schauer jagte den nächsten meinen Rücken hinunter, schwer atmend rang ich schließlich nach Luft, keuchte gleich darauf kehlig auf, als seine glühenden Lippen die Haut an meinem Hals hinab zum Schlüsselbein versengten, ein sanftes Zubeißen, Lecken oder Saugen Stromstöße in einen ganz bestimmten Teil meines Körper sendete. Besitzergreifende Hände umklammerten meine Taille, dirigierten mich in Richtung Sofa. Bis zu einem der Schlafzimmer hätten wir es nicht mehr geschafft. Für einen winzigen Moment verschaffte ich mir erneut Luft, grinste satanisch aufgrund des Anblicks, den er mir bot. Ein verklärter Blick, leicht gerötete Wangen, ein aufgrund des Sauerstoffmangels leicht geöffneter sinnlicher Mund, Augen, die sich ein wenig überrascht weiteten, als ich ihm einen Stoß vor die Brust verpasste, so dass er das Gleichgewicht verlierend rücklings auf das Sofa plumpste. Zum Aufrappeln ließ ich ihm keine Zeit, nahm rittlings auf seinen Hüften Platz, entlockte ihm ein unterdrücktes Aufstöhnen, als ich mich wie zufällig bewegte und ein wenig vor und zurück rutschte. Tja, Mensch, du hättest dir vorher überlegen sollen, eine Dämonen verführen zu wollen. Doch er schien die Herausforderung anzunehmen, knurrte zähnefletschend, als ich sein komische Hawaiihemd mit einem Ruck aufriss und dann mit Lippen, Zähnen und Zunge seine wohlgeformte Brust bearbeitete. Die kleinen Laute des Wohlwollens, die ich ihm damit entlockte, waren Balsam für die Ohren. Davids Finger nestelten an meinem Shirt, zogen es mir schließlich in einer winzigen Pause über den Kopf, kühle Finger glitten meine Seiten vom Hosenbund aufwärts, wieder hinab, machten sich nun auch dort zu schaffen, scheiterten jedoch frustriert an der Knopfleiste und legten sich um mein Gesäß, massierten geschickt. Irgendwie schafften wir es dann doch, unsere Körper gänzlich aus ihren stofflichen Gefängnissen zu befreien. Und damit endete das Vorspiel dann auch abrupt, zu groß war das inzwischen angefachte Verlangen und ohne Vorwarnung hob ich meine Hüfte und ließ mich wieder auf ihm nieder, nahm ihn gänzlich und den Schmerz aufgrund der nichtexistierenden Vorbereitung ignorierend in mich auf. Für einen Augenblick stand die Zeit still, wir blickten uns einfach nur in die Augen, verharrten reglos und ich versank in einem lustverhangenen Goldton. Führte schließlich ohne den Blickkontakt zu lösen seine Hände an meine Hüften, so dass wir erst langsam und zaghaft, dann in immer schneller werdenden Tempo einen gemeinsamen Rhythmus finden konnten. Wahrscheinlich stöhnte ich seinen Namen, so wie ich manchmal glaubte, meinen von seinen Lippen vernehmen zu können, während wir uns gegenseitig Qualen und Freuden zugleich schenkten. Doch irgendwann hielt ich es einfach nicht mehr länger aus, gab mich der leidenschaftlichen Glut vollkommen hin und spürte im gleichen Moment, in dem ich losließ, wie sich seine Hitze in mir vergoss. Ermattet sank ich nach vorne, löste mich in der gleichen Bewegung von ihm, bettete meine Wange - halb auf, halb neben ihm liegend - auf seiner Brust und lauschte für Augenblicke nur auf unser beider Pulsschlag und den rasselnden Atem. Wunderbar sanfte Finger strichen beruhigend meine Wirbelsäule hinauf, verfingen sich in meinem langen Haar und kraulten seicht meinen Nacken. Und im Stillen schenkte ich ihm ein Lächeln, hauchte David in einem emotionalen Zuckeranfall einen Kuss auf die weiche Haut an seinem Hals, rappelte mich schließlich, zu beiden Seiten seines Kopfes abgestützt, auf und suchte seinen Blick. Und erwiderte schließlich sein Grinsen, als ich erkannte, dass sein Hunger genauso wenig erloschen war wie meiner. ~*~ Als ich am nächsten Morgen - na ja, eigentlich war es bereits später Nachmittag, denn wir waren die gesamte Nacht und den einsetzenden Morgen noch mit etwas anderem als Schlafen beschäftigt gewesen - ausgelaugt an der Wand in der Dusche lehnte und das wärmende Kribbeln des Wassers auf meiner Haut genoss, fragte ich mich ernstlich, wie, zur Hölle, ich es schaffen sollte, jemals wieder sitzen zu können. Es war ein geringer Trost, dass es David nicht besser ergehen konnte und ich grinste bei dem Gedanken an das schier unglaubliche Durchhaltevermögen des Sterblichen. Wir hatten uns nichts geschenkt und erst als wir beide vor Erschöpfung einer Ohnmacht nahe gewesen waren, hatte David nach einer Decke gegriffen und, nicht mehr in der Lage unsere Glieder vollständig zu entwirren, waren wir augenblicklich eingeschlafen. Das dämliche Grinsen immer noch im Gesicht überlegte ich, dass ich ihn wahrscheinlich doch ein wenig mochte. Ein ganz kleines Bisschen. Ich griff nach der Seife - und musste mich sehr beherrschen um nicht einen erschrockenen Laut auszustoßen oder vor Schreck auf meinem Hintern zu landen, denn auf der Seife hockte die ungefähr 12cm große Miniaturausgabe meiner Vorgesetzten. Einen Augenblick später erforderte es jedoch noch mehr Selbstbeherrschung nicht laut loszuprusten, als sich der strenge Blick auf ihren Zügen in blankes Entsetzen verwandelte, während sie mit Mühe das Gleichgewicht auf dem glitschigen Untergrund suchte - und leider nicht fand. Ich konnte gerade noch eine Hand ausstrecken um zu verhindern, dass sie in Wasser und Seifenschaum zu meinen Füßen landete, um der Verdammnis des Abflusses entgegen zu blicken. Und schon wetterte sie los: „Welcher auch nur halbwegs vernünftige Dämon duscht denn bitte um diese Uhrzeit?!“ Dann jedoch machte sie sich die Mühe, mich von meiner Hand aus etwas genauer unter die Lupe zu nehmen und verzog missbilligend aufgrund recht eindeutiger Markierungen die Nase. „Aha, verstehe schon“, und genervt-resignierend verdrehte sie die Augen, hakte die Sache jedoch mit einer herrischen Handbewegung ab und fuhr, nun wieder mit einem geschäftsmäßigen Ausdruck auf den Zügen, fort: „Auftrag, heute Nacht, wird dir gefallen.“ Ich blinzelte interessiert. „Eine Gang startet einen Rachfeldzug. Du wirst dafür sorgen, dass es einige Verletzte und den einen oder anderen Toten gibt. Aber Ash, beherrsch dich, das Ganze soll nicht in einem Massaker enden, die Zeiten von Schlachtfeldern sind vorbei.“ „Jaja“, ich nickte aufgrund dieses Einwandes leicht, war jedoch bereits Feuer und Flamme. „Noch was“, sie zögerte kurz, fuhr dann in einem leicht säuerlichen Tonfall fort, „du wirst natürlich auf einen Nachthemdträger treffen, sobald es den ersten Toten gibt.“ Ich zog eine Grimasse. „Ein Todesengel?“ Meine Vorgesetzte nickte mitfühlen und ich schürzte die Lippen. Na gut, resignierte ich schließlich in Gedanken, man nimmt schon so einiges in Kauf, wenn man mal wieder Spaß haben will. „Du machst das schon“, grinste sie zum Abschied, nannte dann noch Ort und Zeitpunkt und verschwand in einer Wolke aus Seifenblasen. Schmunzelnd beendete ich meine morgendliche - spätnachmittagliche - Säuberung und fand mich wenige Augenblicke später in bester Laune, gemütlicher Kleidung und klitschnassen Haaren im Wohnzimmer wieder. Wo mir sogleich der verführerische Duft von gebratenen Eiern und frisch aufgebrühtem Tee entgegen wehte. Nachdem ich mich also in der Küche eingefunden und mit einem angewinkelten Bein am Tisch Platz genommen hatte, ohne dabei das Gesicht schmerzhaft zu verziehen, erkannte ich nicht ohne Neid, dass Davids Aussehen dem des jungen Frühlings glich. Er wirkte erfrischt und erholte, seine Augen funkelten wie immer, als er ein Spiegelei auf meinen Teller verfrachtete, sich dann wortlos zu mir gesellte und in seinen Marmeladentoast biss. Ein bisschen schadenfroh stellte ich dann jedoch fest, das er die Nachwirkungen der Nacht dann doch nicht so gut verstecken konnte, da er kurz inne hielt, bevor er sich weitaus behutsamer als ich es getan hatte auf seinem Stuhl nieder ließ. „Na, du Intelligenzallergiker?“, neckte ich. „Bereust du es immer noch, dass der Schönling Ralf nicht über Nacht geblieben ist?“ Davids Augen blitzten amüsiert auf, er zeigte sich in keiner Weise beleidigt als er antwortete: „Aber nein, es gab da nämlich einen von sich leider viel zu überzeugten Bastard, der mir ein gar nicht mal so übler Ersatz gewesen ist. Man könnte fast meinen, er mochte mich.“ Er grinste, ich funkelte. Da er ohnehin keine Antwort von mir erwartete fuhr er nach einer Weile fort, den Blick wieder seinem Frühstück gewidmet: „Aber ich weiß jetzt schon, was ich mit ihm anfange, sollte ich die Wette gewinnen.“ Und jetzt konnte auch ich mir ein Grinsen nicht mehr verkneifen. ~*~ Umgeben von Wolkenkratzern und der Schwärze der Nacht flog ich dahin und unter mir pulsierte das Nachtleben der Metropole, die ich seit über fünfzig Jahren mein Heim nannte. Selbst wenn einer der Menschen knapp dreißig Meter unter mir den Kopf gehoben und zu mir hinauf geblickt hätte, wäre ihm selbstverständlich höchstens ein flirrender Schatten aufgefallen, den er Augenblicke später bereits vergessen hätte. Flüchtig nahm ich in einem der großen Panoramafenster eines der Wolkenkratzer mein Spiegelbild wahr. So groß war der Unterschied zwischen meiner menschlichen und meiner dämonischen Form gar nicht. Sah man mal von Kleinigkeiten wie etwa meinen hellroten Flügeln oder der Tatsache, dass mein Haar nun im wahrsten Sinne des Wortes flammend war, ab. Ich roch die Aggressionen bereits, bevor ich mein Ziel erreicht hatte. Wie Schwefel lag Hass in Luft und in freudiger Erwartung landete ich schließlich auf einem erhöhten Posten, blickte hinab auf den Schrottplatz unter mir, ein gelungener Ort für einen Showdown um Mitternacht. Die unterschiedlichen Parteien konnte man jedoch bloß als mickrig bezeichnen. Pubertierende Halbstarke, die sich, gestärkt durch bunte Kopftücher und geklaute Waffen, auf einen sinnlosen Kampf aus falschen Ehrgefühl einließen. Buäh, früher drehten sich Kriege wenigstens noch um Sinnvolles, wie die Eroberung von Land. Nun, in gewissem Sinne ging es hier wahrscheinlich auch um die Eroberung von Territorium, wenn auch in kleinerem Rahmen. Mir jedenfalls konnte es egal sein, grinsend rieb ich meine Hände und hockte mich in eine bequemere Position. Und schon ging es los. Es war fast zu einfach, denn ich brauchte mich nicht groß anzustrengen, stachelte hier ein wenig die Wut an, entfachte dort ein paar Hassgefühle. Zuerst beschränkte sich der Kampf auf Schlagen und Treten, doch dann fiel der erste Schuss. Ein Leben erlosch. Und *er* erschien auf der Bildfläche. Keine zwanzig Meter entfernt, in gleicher Höhe mit mir tauchte er auf, strahlend hell, umrahmt von schneeweißen Flügeln eine durchaus beeindruckende Erscheinung. Glattes, schwarzes Haar floss jetzt lang die Schultern hinab, umrahmte eine porzellanweißes Gesicht, aus dem gebieterisch goldbraune Augen auf das Geschehen hinabsahen, sich schließlich meiner Wenigkeit annahmen. Sekunden verstrichen, die Gangs unter mir waren vergessen. Für Augenblicke setzte mein Herzschlag aus, um dann in gesteigerten Tempo seine Tätigkeit wieder aufzunehmen. Im ersten Moment leugnete mein Verstand, was meine Augen ihm mitteilten. Eine seltsame Stille legte sich um uns und in Davids geweiteten Augen spiegelte sich mein Unglauben wieder. Ein Engel! Ein verfluchter Todesengel! Doch bevor ich etwas Dummes tun konnte, machte ich auf dem Absatz kehrt und erhob mich erneut in die Nacht, fort, fort von diesem Ort, fort von ihm. ~*~ Als ich sehr viel später meinen Schlüssel ins Schlüsselloch meiner Haustür steckte, war ich einfach nur müde. Nachdem ich stundenlang im Regen spaziert war und keinen einzigen sinnvollen Gedanken hatte formulieren können, hatte letztendlich der gute Dämonenverstand gesiegt und ich war dem Wunsch nach Wärme in Form von einer heißen Dusche nach Hause gefolgt. Ich wollte ihn eigentlich nicht sehen, wollte ihm nicht über den Weg laufen. Diesem Engel! Diesem verfluchten Bastard, der es geschaffte mehr als zwei Monate bei mir zu leben, ohne dass ich es bemerkt hätte. Doch konnte ich seine weit aufgerissenen, erstaunten und ungläubigen Augen nicht aus meinem Gedächtnis bannen. Er hatte mich nicht an der Nase herumgeführt, war mindestens genau so überrascht gewesen mich als Dämon zu erkennen. Seine Gestalt, seine strahlende, überirdisch machtvolle Gestalt hatte sich in mein Gedächtnis gebrannt, ließ mich nicht zur Ruhe kommen. Und dafür hasste ich ihn! Nüchtern stellte ich fest, dass dies eigentlich nichts änderte. Ich hatte ihn schließlich schon vorher gehasst, nicht wahr? Nun hatte ich einfach einen Grund mehr, ihn nicht leiden zu können. So einfach war das. Wen wollte ich mit diesen sinnfrei-sinnigen Gedanken eigentlich überzeugen? Mit einem Ruck drehte ich endgültig den Schlüssen herum, betrat tropfend die Wohnung und blieb stehen, nachdem ich die Tür hinter mir wieder geschlossen hatte. Lauschte andächtig und runzelte die Stirn, als ich merkwürdige Geräusche vernahm. Was tat dieser vermaledeite Engel denn nun schon wieder? Die Antwort auf diese Frage erwartete mich in Form von drei großen Koffern, von denen zwei bereits gepackt waren, sorgsam in einer Ecke seines Zimmers standen, während der dritte noch geöffnet auf seinem Bett lag. David hingegen leerte lieblos seinen Schrank in besagtes Reiseutensil. Und ich muss gestehen, dass sein Anblick mich erschreckte. Kein Anzeichen von dem fröhlichen und nicht allzu selten schelmischen Glitzern, dass sonst seine Augen beherrschte, irgendwie wirkte seine schmale Gestalt zusammen gesunken und hatte so gar nichts gemein mit der strahlenden Vision eines Engels, welche er noch vor einigen Stunden dargestellt hatte. Was, zur Hölle...? Ich machte meinen Gedanken Luft. „Was wird das, wenn’s fertig ist?“ Mit geschürzten Lippen, verschränkten Armen und vorwurfsvoll funkelnden Augen suchte ich seinen Blick, als er erschrocken herumfuhr. Die unterschiedlichsten Gefühle spiegelten sich binnen des Bruchteils einer Sekunden in seinen Zügen wieder, Erstaunen, Verwirrtheit, Unsicherheit, Bedauern - Bedauern?! - und schließlich Resignation. Dann zuckte er bloß mit den Schultern, deutete eine müde Kopfbewegung in Richtung Koffer an und erklärte einsilbig: „Sieht man doch.“ Wunderbar, war doch mal wieder typisch für diese Lackaffen von oben. Man verzog sich einfach, wenn’s brenzlig wurde. „Ach ja?! Bin ich dir jetzt, wo klar geworden ist, dass ich im Gegensatz zu dir meine Order nicht aus der Chefetage, sondern aus einer niederen Abteilung erhalte, auf einmal nicht mehr gut genug, oder wie?“ Warum war ich eigentlich so wütend? Das fragte sich David allem Anschein nach ebenfalls, denn er fuhr verwirrt blinzelnd herum, schien für Sekunden eine Antwort auf eine von ihm noch nicht gestellte Frage in meinen Augen zu suchen. Ohne Erfolg, wie es mir schien. Zaghaft hob er eine Schultern, tat so ein Unwohlsein kund, dass einer Person wie ihm eindeutig nicht stand. Wo war der Vollidiot geblieben, der mich so gerne auf die Palme brachte? „Ich meine.. ich dachte... also ich -“, seine Stimme erklang leise, so untypisch für ihn. Ich vermisste ihn, seine Art, stellte ich nicht ohne Überraschung fest. „Was dachtest du?!“, schnappte ich mit einer diesmal wirklich ungerechtfertigten Aggressivität, die ihn zusammen zucken ließ. Und wieder erschien mir das irgendwie falsch. Hilflos hob er erneut eine Schulter, sah einen Augenblick dumpf vor sich hin, doch dann war da eine Gefühlsregung, die mein Herz höher schlagen ließ, weil sie schon eher zu dem David passte, den ich kannte. Ein hilflos-wütendes Aufblitzen, ein leichtes Stirnrunzeln, dann: „Ich dachte nur... Ach verdammt, du bist ein stinkender, kohlefressender Dämon!“ Ich nickte, erwiderte ungehalten: „Und du bist ein tuntiger Rauschgoldengel im Nachthemd mit Harfenkomplex.“ Zwei Tatsachen, verpackt in Klischees, die sich gerade vor unseren Augen in Luft aufgelöst hatten, doch so langsam kam ich in Fahrt: „Na und?! Macht es vielleicht einen Unterschied?! Was glaubst du, worüber ich die letzten Stunden nachgegrübelt habe? Ich habe verdammt noch mal keinen Bock, mir einen neuen Untermieter zu suchen, der vielleicht eine noch größere Pfeife als du ist. Und was ist mit unserer Wette? Ich habe nämlich vor diese zu gewinnen und lasse mich nicht so einfach um meinen wohlverdienten Gewinn bringen. Mal ganz davon abgesehen, dass ich mit dir den besten Sex meines Lebens hatte und eigentlich gedachte, das bei Gelegenheit zu wiederholen. Und außerdem -“ Ich brach ab, schnappte nach Luft, fühlte, wie mir plötzlich der Boden unter den Füßen weggezogen wurde. David lächelte. Ich hatte nicht bemerkt, wie sich dieses leise Lächeln auf seine Züge geschlichen hatte. Doch plötzlich war es da und seine Stimme klang sanft, als er nachhakte: „Und außerdem, was?“ Ich schürzte die Lippen, funkelte ihn wütend an, unterdrückte nicht mehr das rote Aufglühen meiner Pupillen, drehte schließlich den Kopf zur Seite und sah zu Boden. „Ach vergiss es, hau doch ab, los.“ Tatsache war, ich wollte nicht, dass er geht. Schlicht und einfach. Egal, was er war, was ich war. Ich fühlte die Wärme, die von seinem Körper ausging, als er an mich herantrat. Wortlos sah ich auf, erwiderte seinen goldbraunen Blick fast ein wenig trotzig. Hob missbilligend eine Augenbraue, als er in einer vertrauten Geste eine meiner langen Strähnen hinter mein Ohr schob. Und schließlich stieß ich erstaunt die Luft zwischen den Zähnen aus, als er resignierend seufzte und verlauten ließ: „Klar, es geht mal wieder nur um Sex.“ Sich dann ohne ein weiteres Wort umdrehte und seine Klamotten wieder auszupacken begann. Ich grinste dämlich. Sah ihm zufrieden eine Weile zu und konnte mir das dümmliche Grinsen einfach nicht aus dem Gesicht wischen. So langsam wurde ich mir wieder meines immer noch klitschnassen Zustandes bewusst, nahm erneut den Plan einer heißen Dusche in Angriff, blieb jedoch noch einmal stehen, schenkte ihm ein zuckersüßes Lächeln und schnurrte: „Natürlich geht es um Sex. Es geht immer um Sex. Und bilde dir ja nicht ein, ich könnte dich vielleicht doch ein kleines Bisschen leiden.“ Sein Lachen verfolgte mich bis ins Bad. ~*~ ~Ende~ ~~~*o*O*o*~~~ (fertig gestellt September 2003) back
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