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Part 20: Müde ließ sich Kim auf das Bett sinken, wobei ihm einzelne Strähnen seiner braunen Haare über die Augen fielen. Mit dem Handrücken strich er sie zurück. Er hatte nicht bemerkt, dass Bernard bereits wieder vor ihm stand. Das goldene Licht der kleinen Kerze auf dem Nachttischchen bestrahlte fahl seine Gesichtszüge, verriet die Trauer, die ihn quälte und rief bei Joséphines Bruder ein bitteres Lächeln auf den Mundwinkeln hervor. Ihm entwich ein Seufzen. „Es wird vielleicht ein bisschen kalt sein, Kim. Also erschrick nicht...“ Eine angenehme Kühle breitete sich über Kims Brust und als er an sich hinabblickte, lagen zwei weiße feuchte Tücher auf seinem Körper, erloschen kurz das heiße Brennen, unter dem er litt. Das Bett quietschte leise, als sich Bernard neben ihn legte, nachdem er die Kerze ausgeblasen hatte. Zwei zärtliche Hände umfassten Kim, zogen ihn vorsichtig näher zu sich.
/Er weicht nicht zurück... Er rührt sich nicht einmal. Ist es weil... weil er mir endlich doch vertraut? Ich beuge meinen Körper über dich, die Dunkelheit verbirgt dein hübsches Gesicht, doch nicht die Tränen, die auf das weiche Kissen unter dir fallen. Schützend hast du deine Hände neben dein Gesicht gelegt, hoffst so, deinen Schmerz verbergen zu können, oder? Aber nicht vor mir, Kim. Das brauchst du nicht vor mir!/
„Schläfst du schon?“ /Ich frage leise, auch wenn ich weiß, dass er noch wach liegt, genau wie ich. Ein einfaches Ja verlöscht so schnell, wie es auf deinen Lippen erklang./ Bernard schmiegte sich dicht an Kim, legte seinen Kopf in den Nacken des Jungen. „Kim?“ „...?“ „Ich werde... dich nie vergessen. Wirst du dich auch noch an mich erinnern wollen?“ „Was meinst du?“ /So zart und schwach erklingt deine Stimme. Umfängt dich der Schlaf bereits?/ „Das letzte Mal. Heute wird das letzte Mal sein, dass wir so nahe beieinander liegen. Vielleicht das letzte Mal, dass wir beide uns sehen.“ /Du bewegst dich leicht, sag’... erfüllt dieser Gedanke auch dein Herz mit diesem verzehrenden Gefühl? Mein Hunger nach dir wird nie erlöschen, aber.../ „Ich lasse dich gehen... Mein Gott, ja... ich lasse dich gehen! Ich hätte es schon viel früher tun sollen.“ Kim wendete seinen Kopf leicht zu Bernard, auch wenn er nur einen schwarzen Schatten neben sich erkennen konnte. Eine warme Hand fuhr ihm durch die Haare, heißer Atem flog über seinen Nacken. „Es war ein schöner Tag, als ich dich kennen lernte. Der Himmel war klar, so klar wie deine Augen. Ich will sie nicht mehr von Kummer getragen sehen, sondern rein. Rein wie... damals. Doch... Ich werde meinen Onkel beten, dich zu entlassen. Du wirst gehen, ich weiß es... und in meinem Herzen wird eine Leere zurückbleiben. Aber, es gibt keinen anderen Weg. Das verstehe ich nun. Ich konnte deine Liebe nicht erzwingen, auch wenn ich es mir immer wünschte. Du... gehörst nicht hierher. Nicht an meine Seite, Kim! Wird er gut zu dir sein? Er hat ehrliche Augen, sag’, dass ich mich nicht irre...“ „Bernard...“ als er seinen Namen hörte, rann ein kalter Schauer über seinen Rücken. „Shhht... bitte sag’ nichts mehr. Sonst fällt es mir nur noch schwerer, dich gehen zu lassen. Sag’ nichts mehr... Gute Nacht!“ Leise beugte er sich erneut über Kims Körper, streifte mit den Lippen leicht seinen Mund. /Unser letzter Kuss... Sehen wir uns wieder? Ich glaube nicht... Du bist ein sündhafter Engel wie ich und wirst... mir aus den Händen gleiten... Auf Wiedersehen, Kim. Ich wünschte.../ Der Wind strömte durch den Spalt des geöffneten Fensters, bauschte die leichten Vorhänge auf, ließ sie tanzend zurückschwingen und begann das Spiel von vorne. Bernard beobachtete es eine ganze Weile, schloss dann die Augen. „Danke...“ durchzog ein Flüstern die Stille. /Danke.../ _________________________________________
Der Morgen war ungewöhnlich kühl am nächsten Tag. Auch der dicke Mantel, der über seinen Schultern lag, konnte Eduards Körper nicht vor der schleichenden Kälte schützen, die sich durch seine Kleider fraß. Erst vor wenigen Minuten war die Sonne aufgegangen, er hatte nicht länger warten können. Sobald er sich einigermaßen auf den Beinen hatte halten können, war er nach Wielnach aufgebrochen. Die Sorge um Kim trieb ihn beinahe in den Wahnsinn. Fest schlug er dreimal an die große Eingangstür des Schlosses, dann noch einmal, als nicht gleich jemand öffnete. Die Magd, die ihr Köpfchen dann durch den Türspalt steckte und ihn mit kleinen, fast verschlafen wirkenden Augen entgegenblinzelte, fluchte leise, als er sich an ihr vorbei in die große Vorhalle schob, ohne um Einlass gebeten zu haben. Aber im Augenblick war ihm alles egal. Nur Kim nicht. Kim nicht, der sich hier irgendwo aufhalten musste, ... HOFFENTLICH hier aufhielt. „Herr, Ihr könnt nicht einfach...“ Er winkte ab, unterbrach das Mädchen im Satz und schritt schnell auf die Treppe zu, die zum Empfangszimmer des Herzogs führte, welches er gut genug kannte, da er selbst schon einige Male dort gewesen war. Mit weitläufigen Schritten nahm er die ersten Stufen, sein Mantel glich sich schwingend seinen Bewegungen an. „Wollt Ihr zu Kim?“ ertönte plötzlich von unten Bernards Stimme. Der Junge stand in der Vorhalle, starrte zu ihm, richtete fragende Blicke auf ihn, die doch keine Antwort erwarteten. Eduard hielt in seiner Bewegung inne, als er den Neffen des Herzogs erkannte und verschmälerte misstrauisch seine grünen Augen. /Schön... und doch wirkt er bedrohlich... Wird er gut zu dir sein, Kim? Ich will es hoffen.../ „Er ist nicht mehr hier.“ Bernard zuckte beinahe zusammen, als er den ausdrucksstarken Schimmer in den Augen des Grafen bemerkte, zeigte es jedoch nicht, sondern überdeckte seine Unsicherheit diesem Mann gegenüber mit einem schalen Grinsen auf den Lippen. „Er verließ das Schloss heute Morgen. Nicht lange, bevor Ihr hier eingetroffen seid!“ /Ohne ein Wort zu sagen, geht er die Treppe wieder hinab, öffnet stumm die Tür... Will er keine Worte an mich verschwenden? Ich sehe ihm nach, wie er auf sein Pferd steigt. Ein stolzes Tier, geritten von einem majestätischen Mann... Ich kann ihn nicht... konnte es nie.../ „Eduard?“ /Erstaunt blickt er mich an, sieht durch mich hindurch, weil ich seinen Vornamen nannte? Nur so, konnte ich mir seiner Aufmerksamkeit gewiss sein... nur so.../ „Passt gut auf ihn auf, er... ist ein... guter Junge. Vielleicht sogar zu gut für Euch! Verletzt ihn nicht!“ Ein lautes Wiehern erschütterte die Umgebung, gefolgt von dem schnellen Galopp des Hengstes, auf dem von Kalau davon ritt. Bernard sah ihm hinterher, strich sich dabei immer wieder die Haare zurück hinter die Ohren. Dann verschwand die Silhouette des Grafen in der nebligen Morgenluft. /Werden wir uns wieder sehen? Ich... denke... Ich denke... nicht.../
_________________________________________ „Kim!“
/Ihr steht keuchend in der Tür, die Haare wüst, noch bewegt sich Euer Mantel von Eurer heftigen Bewegung, als Ihr die Tür aufstießet. Ich weiß, Ihr habt meinen Namen nicht laut ausgesprochen, dennoch hörte ich ihn. Ganz deutlich, ganz nah an meinem Ohr. Wie konntet Ihr mir das antun?! Es war grausam von Euch, nicht zu Hause zu sein, wo ich doch schon so früh von Wielnach aufbrach um Euch mit den ersten Sonnenstrahlen, die das Land berührten, in den Arm nehmen zu können. Wie.../ „... konntet Ihr mir das...“ Kim bemerkte nicht, dass er die letzten Worte flüsterte. Über seine Augen hatte sich ein Schatten gelegt, kurz bevor er plötzlich von der Treppe herab in die Vorhalle stürmte und dem Grafen sehnsüchtig in die Arme fiel. Fest drückte er seinen Kopf an Eduards Brust, krampfte die Hände in das weiße Hemd, als wolle er ihn nie wieder gehen lassen. „Mein Gott... ich dachte, Ihr wärt noch nicht zurückgekehrt von Euerem Besuch bei Alexandra! Ihr hättet mir eine Nachricht hinterlassen sollen! Ich habe mir solche Sorgen um Euch gemacht. Wo wart Ihr denn nur?“ Doch von Kalau schwieg, lächelte ihm nur lieb ins Gesicht, wobei er mit den behandschuhten Fingern zärtlich über Kims Wange strich. „Ich war auf Wielnach, suchte nach dir! Der Neffe des Herzogs sagte mir, du wärst bereits aufgebrochen...“ Kim spürte, wie sich Eduards Arme fester um ihn schlangen, wie sie eine angenehme Wärme ausstrahlten und ihm so ein Gefühl von Geborgenheit gaben. /Für immer.../ „Wie lange bist du schon zurück, Kim? Du nahmst den Weg durch den kleinen Wald, nicht wahr?“ Der Junge nickte nur und der Graf griff sanft an sein Kinn, hob es etwas nach oben, um ihm forschend in das blasse Gesicht zu blicken. „Geht es dir nicht gut? Der fiebrige Glanz in deinen Augen macht mir Sorge!“ Doch Kim belächelte es nur, winkte mit einer Hand ab, versuchte so deutlich zu machen, dass ihm nichts fehlte, außer... außer... Kurz blickte er seinem Gegenüber in die tiefen Augen. Er hatte mit Bernard gesprochen, ob er auch wusste, dass er nun nicht mehr im Dienst des Herzogs stand? Und kannte er die Gründe dafür? Plötzlich durchfuhr ihn ein gleißender brennender Schmerz, er zuckte zusammen, wich augenblicklich einen Schritt zurück, entwand sich so der leichten Berührung des Grafen, der in seiner Bewegung, Kims Jacke aufzuknöpfen, augenblicklich innehielt und ihn fragend musterte. /Ihr wisst es also nicht.../
„Du weichst vor mir zurück?“
Der Junge senkte beschämt den Kopf. „Verzeiht...“ war das einzige, was ihm über die Lippen kam. /Wie soll ich ihm sagen, dass ich beschmutzt wurde? Wie, dass sie meiner Brust die Blässe raubten und nun eine rote hässliche Wunde auf ihr klafft?/ „Ich...“ er begann sehr zögerlich, weiter zu sprechen, als von Kalau nichts erwiderte und er die Stille nicht mehr aushalten konnte, die sich zwischen ihnen eingestellt hatte. Wegen IHM! „Ich arbeite nun nicht mehr... Der Herzog entließ mich... heute morgen, denn...“ /Ich sehe keine Freude auf Euerer Miene, keinen Zorn, aber was ist es, dass meine Knie zittern lässt? Ist es Euere Gleichgültigkeit?/ Den Satz vollendete er nicht, stattdessen füllten sich seine Augen mit gläsernen Perlen, als er von Kalaus Hand auf seiner Schulter spürte.
„Du musst es mir nicht sagen, Kim, wenn es dir so schwer fällt. Ich weiß nicht, was vorgefallen ist, doch wenn du so um Worte ringst... Ich möchte nicht, dass du dich meinetwegen quälst...“
/Ich quäle mich die ganze Zeit. Wie könnt Ihr nur jetzt so etwas sagen? All das Leid, dass mir widerfährt... Ist es nicht allein Euere Schuld (Nein!)? Wieso konntet Ihr mich damals nicht einfach aufgeben?! Wieso konntet Ihr Euch nur nicht für meine Schwester entscheiden, anstatt für mich, einen Jungen, der sein Leben doch noch vor sich hatte. Ich hätte so glücklich sein können. Eine Frau an meiner Seite, vielleicht sogar eine Tochter... oder einen Sohn. Es ist alles Euere Schuld (ganz allein?). Und dennoch.../ Er biss sich auf die Lippe, schmeckte Blut. „Wenn ich es Euch nicht jetzt sage... Ihr würdet es sowieso erfahren!“ lachte er bitter, knöpfte sich dabei entschlossen und doch abwesend erst die Jacke auf, die er noch trug, dann die Weste, schließlich das Hemd, breitete die Arme aus und wünschte sich an einen anderen Ort, als er von Kalaus Blicke über seinen nackten Körper wandern sah. Der Graf hob seine rechte Hand, als wolle er nach den Verbrennungen tasten, zog sie dann jedoch gleich wieder zurück.
„Schreckt es Euch so ab? Wollt Ihr mich nun nie wieder berühren?“ ein harter Tonfall, er hatte ihn nicht zurückhalten können.
Als er sich daraufhin Eduards Blicken stellte, spürte er Vorwurf in ihnen, der Graf hatte ein ungewöhnliches Flackern in den Augen, welches augenblicklich erlosch, als er sie verschmälerte. Eine Ewigkeit schien zu vergehen, in der sie sich gegenüber standen. Kim ins Nichts starrend, von Kalaus Blicke auf sich fühlend. Doch plötzlich hob Eduard den Jungen auf seine Arme, trug ihn die Treppen hinauf.
„Sie sehen dich!“
/Es ist mir egal. So egal, ob sie mich sehen oder nicht. Warum wollt Ihr mich immer vor aller Augen verbergen? Uns verstecken, wie zwei ... hilflose Verräter? Findet ihr mich nun so hässlich, dass ich nicht einmal mehr für die Blicke der Bediensteten gut genug bin? Natürlich... es könnte Euerem Ansehen schaden, wenn Ihr überhaupt noch welches besitzt. Ich habe es Euch zunichte gemacht. War Euch das gleichgültig?/ Kim regte sich nicht, auch dann nicht, als von Kalau ihn auf sein Bett legte und anschließend durch die Tür verschwand. „Wohin geht Ihr... lasst Ihr mich...?“ flüsterte er dem großen Mann nach, doch dieser war bereits verschwunden. „... allein?“
Das Atmen fiel ihm schwer bei diesem Gedanken. Wie ein schlingendes Seil schien er sich um seinen Oberkörper zu winden, ihm die Luft zu entziehen und er setzte sich laut keuchend auf, kniff dabei die Augen zusammen, als das Beißen auf seiner Brust mit jeder Bewegung immer stärker wurde. Es dauerte jedoch nicht lange und feste Schritte erklangen, näherten sich schnell, bis schließlich die Tür geöffnet wurde. Doch Kim hielt seinen Kopf gesenkt, wollte nichts um sich herum wahrnehmen. Die Matratze des Bettes sackte an seiner rechten Seite etwas ab, als Eduard sich schweigend neben ihn setzte. Warme Hände griffen nach Kims Schultern, zogen ihn nach hinten, so dass er gezwungen war, sich niederzulegen. Mit seinen Blicken tastete er den Raum ab. Er wollte irgendwo hinsehen, irgendwo hin... nur nicht zu IHM. Verachtung könnte er jetzt nicht ertragen! Das Hemd hing ihm noch immer vom Körper und er fühlte sich in gewisser Weise ausgeliefert.
/Könnt Ihr Euch nicht satt sehen an meiner Hässlichkeit?/
Eine Berührung, er zuckte zusammen, doch sie tat nicht weh, war leicht und beinahe beruhigend. Genau wie der Duft, der sich im ganzen Zimmer ausbreitete. Fast süßlich, dennoch medizinisch und bitter. Verstohlen sah er auf den Grafen. Dieser hatte sich halb über ihn gebeugt, stütze sich mit der linken Hand auf das weiche Bett, mit der anderen fuhr er in kleinen Bewegungen über Kims Brust, sanft, so, als würde eine Feder darüber gleiten. Seine Finger hinterließen einen weißen Film auf Kims Haut, der angenehm kühlte und erst jetzt bemerkte der Junge, dass von Kalau eine kleine Dose auf seinem Schoß liegen hatte, von der dieser unbekannte Duft ausströmte. Sie sprachen kein einziges Wort, doch ihre Blicke verfingen sich, glitten tief ineinander und konnten sich nicht mehr voneinander lösen. Nicht, bis Eduard endlich aufstand.
/Ich tat ihm Unrecht.../
Behutsam knöpfte er Kims Hemd zu, gab Acht, dass er dabei nicht die wunde Haut berührte und legte dann die Decke über ihn, bevor er dem Jüngeren einen zärtlichen Kuss auf die Stirn drückte. „Morgen geht es dir besser. Schlaf’ jetzt...“
/Euere tiefe Stimme klingt fürsorglich, dennoch befehlend. Ich kann nichts darauf erwidern, würde in ein Stottern verfallen, ich weiß es. Also schweige ich, ebenso wie Ihr, als Ihr mein Zimmer verlasst. Euer Blick trifft mich, als Ihr Euch noch einmal nach mir umwendet, dann zum Fenster geht und die schweren Vorhänge zuzieht, um das Licht der Sonne auszusperren. Ihr tut es für mich... Die Tür knarrt... und Ihr zögert. Wisst Ihr nicht, ob Ihr gehen oder bleiben sollt? Auf Eueren Lippen liegen Worte, die jedoch unausgesprochen bleiben. Die Tür schließt sich und ich... ich liebe Euch. Wie immer schon.../
***************************************** Part 21: Es wurde Winter und eine kriechende Kälte breitete sich über die Landschaft, gefolgt von den ersten weißen Schneeflocken, die wie ein seidener Teppich das Braun der Erde verschleierten. Hart klapperten die großen Kutschräder auf dem rauen Kiesboden und das Scheppern des Zaumzeugs der Pferde schreckte die letzten dagebliebenen Vögel auf, als die Kutsche durch das kleine Wäldchen fuhr, welches nicht weit von Hornbach entfernt lag. Kim schmiegte sich an Eduard, der neben ihm in dem Gefährt saß und seine Blicke aus dem Fenster gerichtet hatte, doch vielmehr abwesend auf sein eigenes Spiegelbild starrte, das von der Glasscheibe schwach zurückgeworfen wurde. „Ist dir noch immer kalt?“ fragte der Graf schließlich in das Schweigen und bekam als Antwort nur ein leichtes Kopfschütteln des Jungen an seiner Seite. „Es wird sicher besser werden, wenn wir endlich aussteigen und uns wieder bewegen können. Wir sind bald in der Stadt. Es dauert nicht mehr lange!“ Von Kalau spürte, wie sich Kim fest an seine Jacke klammerte, den Kopf immer mehr an den weichen Stoff schmiegte. „Mir ist schon nicht mehr kalt, Eduard...“ flüsterte er und richtete dabei seine Blicke auf das Gesicht von Kalaus, die dieser erst ernst, doch schon bald darauf mit einem Lächeln erwiderte.
In diesem Augenblick kam die Kutsche mit einem leichten Ruck zum Stehen, ein Pferd wieherte und der Kutscher sprang von dem Gefährt um den beiden Insassen die Tür zu öffnen. „Wir sind angekommen, Herr!“ hauchte er mit kratziger Stimme und rieb sich dabei die Hände aneinander, die rot von der Kälte waren. Eduard bedankte sich stumm mit einer Handgeste und stieg dann als erster aus, sah sich um. Schon viele Male war er hier gewesen, hatte von der kleinen Brücke aus, auf der sie sich auch jetzt befanden, auf das Treiben der Menschenmassen gesehen, jedoch immer nur unbeteiligt beobachtet, in einer Kutsche sitzend. Wenn es in der Stadt etwas zu erledigen gab, schickte er seine Bediensteten, er kam nur hier vorbei, wenn es ihn geschäftlich irgendwo hin trieb und er den Markt nicht umgehen konnte. Ansonsten hielt er sich von dem aufgewühlten Treiben fern, verbarg sich lieber in seinem Schloss, allein, weit ab von dem Andrang der Menschenmassen. Doch dieses Mal hatte er Kim versprochen, mit ihm zu gehen. Den liebevollen bittenden Blicken war nicht auszuweichen gewesen, also hatte er zugesagt. Er sah hinter sich, doch noch immer war der Junge nicht ausgestiegen, saß stattdessen zusammengekauert in einer Ecke des Gefährtes und starrte auf seine Hände, die er in seinem Schoß gefaltet hatte.
„Wo bleibst du, Kim?“
„Eduard... ich denke... es war vielleicht doch keine so gute Idee von mir...“ /Ja... die Menschen machen mir Angst. Nicht, weil sie so dicht aneinander stehen, nicht, weil sie sich hemmungslos durch die schmalen Gassen drängen, sondern... weil sie... uns verurteilen könnten.../
Kaum hatte er seinen Gedankengang beendet, bemerkte er von Kalaus Hand auf der seinen, die ihn zärtlich dazu aufforderte, auszusteigen. „Es war dein Wunsch... Zögere nicht!“ „Und wenn sie merken, dass...“ „Was merken, Kim...“ „... dass wir...“
„Davor fürchtest du dich also. Mach’ dir nicht immer so viele Gedanken. Es ist unser Leben und wenn sie es für eine Sünde halten, können wir nichts dagegen tun. In meiner Freiheit werde ich mich jedoch von diesem Volk nicht einschränken lassen!“
/Wie abfällig er von ihnen redet... Es war mein Wunsch... Wir müssen jedoch unauffällig bleiben... Uns verhalten, wie zwei gute Freunde.../
Zögerlich, jedoch etwas zuversichtlicher erhob sich Kim und stieg schließlich aus. Sein Atem kristallisierte an der kalten Luft und die wenigen Schneeflocken, die vom Himmel fielen, legten sich auf seine Haare. Neben ihm stand Eduard, den Blick in das Zentrum des Treibens gerichtet. Als er neben sich das Peitschen der Zügel vernahm und sich die Kutsche dann von ihnen entfernte, liefen beide los. Kim ertappte sich dabei, wie er beinahe nach der Hand des Grafen gegriffen hätte, unterdrückte die Bewegung jedoch augenblicklich.
/Eduard hat es bemerkt. Normalerweise hätte er mir zugelächelt, dann selbst meine Hand ergriffen, doch hier ist es uns nicht erlaubt. Er ist mein Freund... EIN Freund.../
„Wonach genau möchtest du suchen, Kim?“ Von Kalau erhielt auf diese Frage nicht gleich eine Antwort, denn Kim hatte seine Augen auf die Pflastersteine unter sich gerichtet, war mit seinen Gedanken ganz woanders. Er wusste, dass sie von allen Seiten heimlich gemustert wurden. Sicher nicht, weil man etwas vermutete, sondern einfach nur aus dem Grund, dass Eduard durch die graue Stadt schritt und mit seiner Eleganz jeden noch so schönen Menschen leicht in den Hintergrund stellte. Frauen warfen ihm entzückte Blicke entgegen, blinzelten verlegen mit den Wimpern, bevor sie die Köpfe niederschlugen und insgeheim hofften, von dem großen Mann mit dem finsteren, verführerischen Gesichtsausdruck wenigstens gesehen worden zu sein.
„Wonach möchtest du suchen?“ stellte Eduard erneut die Frage, dieses Mal mit etwas mehr Nachdruck, und Kim zuckte unter dem Bass leicht zusammen, sah ihn mit großen Augen an. „Wenn ich das wüsste, hätte ich auch einen Diener in die Stadt schicken können. Mir ist leider noch kein passendes Geschenk für Sophie eingefallen. Ich möchte einfach ein wenig suchen gehen, wenn es Euch nichts ausmacht...“ Kim erwartete eine Zustimmung, wenigstens ein freundliches Kopfnicken, doch nichts dergleichen kam. Stattdessen legte sich eine ungewöhnliche Kühle über die Miene des Grafen, die Kim wahrscheinlich eingeschüchtert hätte, hätte er nicht gewusst, dass Eduard mit der Gleichgültigkeit beide nur schützen wollte. „Und es macht Euch wirklich nichts aus, wenn Sophie zum Weihnachtsfest erscheint...?“ „Warum sollte es. Sie ist ein liebes Geschöpf und wenn dich ihre Anwesenheit glücklich macht... Ich habe wirklich nichts einzuwenden!“ „Das freut mich!“ Ein ähnliches Gespräch hatten sie bereits am Vorabend geführt, als sie vor dem Kamin saßen und das flackernde Feuer ihre Körper wärmte. Kim hatte vorsichtig den Wunsch geäußert, seine Schwester am Weihnachtsabend einladen zu dürfen, hatte jedoch nicht mit einer Zustimmung des Grafen gerechnet und war dann umso glücklicher, als ein einfaches, aber freundliches „Ja!“ aus dem Mund von Kalaus erklang.
Sie verfielen in ein langsames Schlendern, dicht beieinander und doch nicht nahe. Ab und zu blieben sie stehen, sahen durch die großen und kleinen, manchmal vergilbten Schaufenster, Kim aufmerksam suchend, der Graf oft gelangweilt und abwesend. „Jetzt laufen wir schon so lange über die unebenen Pflastersteine der Gassen und ich habe noch immer kein passendes Geschenk für meine Schwester gefunden... Vielleicht sollten wir zurück fahren. Ihr seht blass aus. Geht es Euch nicht...?“ „Es geht mir gut!“ fiel ihm Eduard ins Wort und blieb dann plötzlich stehen, wendete seinen Kopf nach rechts. „Sieh mal! Wie wäre es mit dieser hier...?“ und mit seinem Zeigefinger deutete er auf eine kleine Puppe im Fenster, deren lockiges goldenes Haar das volle Rot ihrer schmalen Lippen beinahe in den Hintergrund stellte. Ein feines Rüschenkleid verbarg den kleinen gelenkigen Körper. Kim schmunzelte, schüttelte dann aber den Kopf. „Ich denke nicht, dass sie sich über eine Puppe freuen würde. Sie ist kein Kind mehr, vergesst das nicht...“ „Vielleicht hast du recht. Doch immer, wenn du von ihr redest, sehe ich sie als junges Mädchen vor mir, wild und schüchtern zugleich, mit einem Grinsen auf den kindlichen Gesichtszügen. Manchmal vergesse ich wohl die Zeit, die inzwischen vergangen ist...“ „Auch ich würde sie gerne vergessen...“ Beide schwiegen für einige Augenblicke, bis Kim plötzlich seine behandschuhte rechte Hand an das Glas legte, die Augen weit geöffnet. „Ich glaube, ich weiß, was ich ihr schenke!“ Beinahe aufgeregt deutete er in die linke Ecke des Schaufensters, auf ein kleines reich verziertes rundes Döschen, dessen Deckel offen stand und in dessen Innenraum sich winzige Schwäne auf einer blauen Scheibe drehten. „Eine Spieluhr?“ fragte von Kalau mit monotoner Stimme und zog dabei kritisch eine Augenbraue nach oben. „Dafür dürfte sie inzwischen auch etwas alt sein!“ „Nicht irgendeine Spieluhr! Diese da ähnelt der aus ihrer Kindheit, die ich zertrümmert habe... Bitte wartet kurz hier. Ich werde gleich zurück sein!“ Gleich verschwand er in der dunklen angelehnten Eingangstür, um wenige Augenblicke später mit einem bunten Karton, dessen Deckel eine Schleife zierte, zurückzukommen. „Ich bin gespannt, was Sophie für Augen macht, wenn sie das Geschenk auspackt. Sie war damals untröstlich und redete zwei Wochen lang kein einziges Wort mehr mit mir...“ Er lachte leise, als er sich daran zurückerinnerte. „Vermutlich interessiert Euch das gar nicht, entschuldigt!“ Doch plötzlich spürte er von Kalaus Hand an seinem Kinn, die ihn zwang, seinem Gegenüber in die tiefen Augen zu sehen, in denen ein leidenschaftliches Licht aufloderte.
/Nein, Eduard... vergesst nicht, wo wir sind. Umkreist von den stechenden Blicken des Volkes, durchschaut wie klares Glas... Euere Liebe verdrängt den Verstand. Küsst mich nicht. Nicht hier, nicht jetzt! Schon allein die Nähe zwischen uns erregt Aufmerksamkeit.../
Vorsichtig wich Kim einen Schritt zurück, als sich von Kalaus Lippen den seinen näherten. Die Menschen um sie herum blieben stehen, starrten eisern auf die beiden Männer. Kim senkte den Kopf und der Graf verstand, biss die Zähne bitter zusammen und ballte seine rechte Hand, die verdeckt unter seinem Mantel lag, zu einer Faust, so fest, dass es schon fast schmerzte. Eine dunkelbraune Strähne fiel ihm in die Stirn, er strich sie zurück und wendete den Umstehenden, unter denen bereits Stimmen laut wurden, den Rücken zu, lief dann, gefolgt von Kim, die Gasse weiter entlang, ohne Worte. Ein stummer Schrei.
/Ihr seid ein Graf. Zu schön und zu majestätisch um Euch in der Öffentlichkeit irgendwelche Heimlichkeiten erlauben zu dürfen, denn jeder sieht auf Euch. Ob Ihr es wollt oder nicht, ob Ihr es spürt oder nicht... Man beobachtet Euch, jede Euerer Bewegungen. Ihr steckt in einem Käfig, ein Leben lang... Dafür werden sie schon sorgen.../
„Lass uns nun endlich wieder zurück fahren, Kim!“ Fast befehlend, dennoch indirekt fragend erklangen von Kalaus Worte leise, so, dass nur Kim, der jetzt stumm neben ihm herlief, sie hören konnte. Ein schrilles Lachen hinter ihrem Rücken mischte sich in das gleichmäßige Klacken von Eduards Schritten auf dem Asphalt, doch sie kümmerten sich nicht darum, denn bald verebbte es. Wenige Meter vor ihnen lag bereits wieder die graue Brücke, über die sie in die Stadt gekommen waren. Es standen auch schon einige Kutschen bereit, darunter sicher auch eine, die sie zurück nach Hornbach bringen würde. Langsam liefen sie an den letzten Häusern vorbei, vorbei an einem Gasthaus, dessen gelbe Fensterscheiben mit feinen Eisblumen überdeckt waren und im fahlen Tageslicht geheimnisvoll schimmerten.
Eduard blieb stehen, sein Blick verfinsterte sich augenblicklich und er biss die Zähne erneut fest aufeinander, um kurz darauf mit leicht geöffneten Lippen ein stummes Wort zu formen, welches Kim nicht verstehen konnte. „Von Kalau, was...?“ Doch der Graf winkte barsch ab, brachte den Jungen mit dieser Geste augenblicklich zum Schweigen. Erst jetzt bemerkte Kim, dass Eduard durch ein Fenster des Gasthauses starrte, doch mehr als ein paar verschwommene Schatten, die sich unklar und gebrochen auf dem Glas abzeichneten, konnte er nicht erkennen. Vermutlich stammten sie von zwei Gästen, die sich gerade an einen Tisch niederließen oder aufstanden. Schüchtern wanderten Kims Blicke vom Wirtshaus zu von Kalau, er sah ihn kurz an, senkte dann nachdenklich wartend die Augen. „Fahr’ nach Hause, Kim! Ich komme bald nach!“
/So eisig, seine Worte. Was hat er nur?/
Ohne Kim auch nur die Gelegenheit für irgendwelche Fragen zu geben, lief der Graf mit großen festen Schritten auf die Eingangstür des Gasthauses zu, stieß sie auf und trat ohne zu zögern ein. Alle Augenpaare richteten sich sofort auf den stattlichen Mann, eine gefährliche Stille kehrte ein, doch von Kalau beachtete es nicht, starrte nur auf einen Tisch, der abseits vor einem der beschlagenen Fenster stand. Helle Augen erwiderten die Kälte, die Eduards Gesichtszüge vereiste.
Verzweiflung löste die Starre und der Graf verschmälerte seine Augen, unterdrückte das hilflose Gefühl, das sich erbarmungslos begann, in seinem Körper auszubreiten.
„Ich hätte dir vergeben können... Heinrich!“ knirschte er bitter hervor.
„Es ist nicht so, wie du denkst!“
/Leere Worte. Wie lange willst du mich noch zum Narren halten?!/
Wut schäumte auf, mit einem Satz sprang er auf Heinrich zu, packte ihn am Kragen, wirbelte seinen Bruder herum und drückte ihn erbarmungslos auf den dunklen Holztisch, an dem er soeben noch gesessen hatte. Gläser klirrten, zerbrachen in viele Scherben.
„Verdammter Lügner! Du hast mir Hornbach also gegeben, um mich vor ihm zu schützen, ja?“
Ruhig griff Heinrich nach der Hand seines Bruders, umfasste sie fest, um Eduard deutlich zu machen, dass er sich gegen seinen Angriff nicht wehren würde. /Du hasst mich zurecht.../
Lange starrten sie sich in die Augen, keiner wich dem anderen aus, bis neben dem Grafen ein lautes, doch unterbrochen langsames Klatschen zu hören war. Eduard legte seinen Kopf etwas schräg.
/Ein leichtes Lächeln, doch so erfroren in starrhalsiger Wut./
„Wieso Heinrich? Hast du dich... von ihm kaufen lassen? Was bot er dir an, dass du mich so schamlos verraten hast? War es Geld, schöne Frauen... was verdammt noch mal w-a-r es...?!“ Immer leiser wurden die Worte, bis nur noch ein Flüstern an Heinrichs Ohren drang.
/Ich habe dir so viel Schmerz bereitet... Die Schuld haftet an mir.../
„Was, mein schöner Eduard, lässt dich glauben, ich würde deinen Bruder kaufen wollen? Du weißt, dass nur du es bist, an dem ich jemals interessiert war!“
Ruckartig wendete sich von Kalau zu der kleinen, gedrungenen Person, die sichtlich amüsiert und gelassen auf einem Stuhl saß und jede Bewegung, die der Graf machte, genau beobachtete. „M-i-n-s-k!“ formte er den Namen, wie er es meistens tat, jedoch unbewusst. „Ich liebe es, meinen Namen auf deinen zarten Lippen zu hören. Er klingt so... leidenschaftlich!“
/Du versuchst, den Fürsten zu ignorieren, aber der gläserne Ausdruck in deinen Augen lässt deine Unsicherheit ihm gegenüber erkennen. Spürst du, dass sich deine Hand an meinem Hals immer mehr verkrampft?/
„Haltet den Mund! Dass Ihr nicht überrascht seid, mich zu sehen, beweißt, dass Ihr alles wusstet... Ihr und Heinrich steckt unter einer Decke!“ stieß Eduard erbost und unbeherrscht hervor, hob seinen Bruder grob am Kragen an, um ihn gleich darauf zurück auf die harte Tischplatte zu drücken. /Wieso schlägst du mir nicht ins Gesicht? Tu’ es, was hält dich zurück?/
„Heyheyhey... mal langsam, Junge!“ regten sich einige Männer um sie herum und kamen immer näher.
/Du bist so gefangen in deiner Wut (in deinem Hass?) auf mich, dass du alle anderen ignorierst. Du weißt nicht, worüber Minsk und ich sprachen und dennoch macht es dir Angst. Gerade deshalb macht es dir Angst. Ist es das? Jetzt hebst du deine Hand, holst aus. Sie sind Freunde von mir, Eduard... du hättest wissen müssen, dass sie dich zurück halten und an den Armen packen würden.../
„Los, Heinrich! Schlag’ dem Schönling eine ins Maul! Er hat’s verdient!“ grölten einige Männer aus einer dunklen Ecke, aus welcher der Geruch von Alkohol drang.
/Du hast ausgeholt, aber ich weiß, deine Hand hätte neben meinen Kopf geschlagen, auf das harte Holz des Tisches.../
Heinrich richtete sich auf und zupfte an seinem Kragen, brachte ihn wieder in Ordnung und gab seinen Freunden mit stummem Kopfnicken den Befehl, seinen Bruder los zu lassen. /Er mag es nicht, von anderen berührt zu werden, schon gar nicht von Männern.../ Von Kalau warf Heinrich einen verächtlichen Blick zu, wendete ihm den Rücken entgegen und ging. Kim stand mit zitternden Händen in der Tür, hatte wohl einiges mit angesehen, doch nicht eingegriffen, als der Schock ihn lähmte. Eduard legte seinen Arm über die Schultern des Jungen und beide verließen das Wirtshaus.
Auf Heinrichs Mundwinkel zuckte ein Lächeln, eine Maske, die seine Schuld verdeckte. „Oi, Heinrich! Warst wohl zu betrunken, um dich zu wehren, was? Wer war dieser Kerl überhaupt? Scheint ja ziemlich von sich überzeugt zu sein...“ Doch Heinrich reagierte nicht darauf, ließ die Fragen unbeantwortet. Stattdessen hefteten sich seine Blicke auf Minsk, der noch immer auf seinem Stuhl saß, in die Richtung sehend, in der von Kalau verschwunden war. Der Fürst glitt mit der Zunge über seine Lippen, befeuchtete sie.
„Ihr widert mich an, Minsk! Lasst mich und meinen Bruder endlich in Ruhe! Ich habe meinen Teil der Abmachung erfüllt...“ „...“ Der Fürst stand auf. „Das hast du tatsächlich. Du hast deinen Teil eingehalten und ich werde meinen ebenfalls erfüllen. Ich bin ein Ehrenmann und mein Wort zu brechen wäre inakzeptabel... Dennoch... was deinen Bruder anbelangt...“ Plötzlich ertönte höhnisches Lachen aus seinem Mund. Umgehend nahm er seinen Hut und seinen Mantel in die Hand, kleidete sich an.
„Er muss dankbar sein für die Freiheit, die ich ihm lasse...“
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