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Dies ist mein erstes Original
Alle Personen und die Handlung sind frei erfunden
Die Geschichte spielt in Chicago
Begonnen am 13.08.2002
Pairing: Alec x Rick
Warnings: Sad,  Shonen ai

haruka@kirei-na-yume.de wie immer sind Kommis sehr willkommen d

Kapitel 4 – Rick und Timmy                                                                              

 

Alec stellte das Abendessen auf den Tisch. Er hatte gute Laune. Vor einer Stunde war er von Rick nach Hause gekommen, und das Erlebte wirkte noch in ihm nach. „Guten Appetit zusammen.“ Sein Vater nickte nur, und Timmy sah ihn aufmerksam an. Dann grinste er. Alec sah es und funkelte ihn an, konnte jedoch nicht verhindern, dass er leicht rot wurde, worauf Timmy noch breiter grinste. Sie aßen weitgehend schweigend. Alec hing seinen Gedanken nach. Innerhalb weniger Tage war Rick zu seinem Lebensmittelpunkt geworden. Seine Sorge galt nach wie vor Timmy, aber jetzt gab es noch ein anderes, starkes, wunderschönes Gefühl: Er liebte. Immer wenn er an Rick dachte, klopfte sein Herz einen Schlag schneller, und eine Welle der Zärtlichkeit durchschoss ihn. Dieser Junge hatte ihm völlig den Kopf verdreht, machte ihn so glücklich… ‚Und du?’ flüsterte sein Gewissen. ‚Was tust du für ihn? Du belügst ihn und verleugnest ihn.’ Er schüttelte den Kopf. Nicht nachdenken, nicht jetzt. Er würde schon noch … „Alec?“ Er sah auf und in Timmies klare grüne Augen, die ihn immer so schmerzhaft an die seiner Mutter erinnerten. „Hmm?“ „Hast du was?“ „Nein, ich muss gleich los, arbeiten…“ murmelte er und stand auf. Timmy sah ihn besorgt an, sagte aber nichts. „Lerne ich morgen Rick kennen?“ bettelte er dann. Doch Alec war etwas unwirsch. Seine Laune war schlagartig auf dem Nullpunkt angelangt. Musste Timmy jetzt von Rick anfangen? „Mal sehen, hab ich doch gesagt!“

Timmy sah ihn erschrocken an. „Entschuldige…“ sagte er leise. Es tat Alec leid, aber er ging trotzdem schnell aus der Küche. „Schon gut, ich muss aber jetzt wirklich los.“ sagte er kurz. Timmy sah ihm nach. „Was hat er denn?“ brummte sein Vater. „Ich weiß es nicht! Und dir ist es doch sowieso egal!“ gab Timmy frech zurück und ging in sein Zimmer. Er sah nicht, dass sein Vater ihm betrübt nachstarrte. Dann kam Alec noch kurz zu ihm herein. „Sorry, Tigger, ich wollte dich nicht so anschnauzen“ sagte er zerknirscht. „Alec, kann ich dich was fragen?“ „Hmm!“ „Hast du Rick sehr lieb?“ „Nicht lieber als dich, falls du das meinst.“ „Nein, das weiß ich, das kann man auch nicht miteinander vergleichen, oder? Ich meine, wenn du ihn sehr liebst, warum hältst du ihn dann vor Dad geheim?“ Alec starrte Timmy an. „Ich muss jetzt los. Gute Nacht, Timmy.“ Fast fluchtartig verließ er das Zimmer. Auf dem Weg zum 24-hour shop grübelte er über Timmies Worte nach. Warum? ‚Ich kann Rick unser Elend nicht zumuten… es ist peinlich, wenn Vater betrunken ist…’ „Du bist ein Feigling!“ sagte er plötzlich laut vor sich hin. Dann war er bei seiner Arbeitsstelle angekommen, ihn erwartete eine lange, anstrengende Nacht.

Morgens um drei Uhr machte er sich dann auf den Weg zum Bahnhof. Er hatte zwei Schließfachschlüssel. In einem Fach war Geld, in dem anderen die Ware. Jeder der „Geschäftspartner“ hatte einen Schlüssel. Da keiner mit dem anderen direkt in Kontakt treten wollte, hatte Alec die Aufgabe, den Inhalt der beiden Fächer, wobei es sich um Koffer, Taschen oder Umschläge handelte, gegeneinander auszutauschen. In dem Fach mit der Ware befand sich auch immer sein Lohn. Das war eine etwas kitzlige Angelegenheit, weshalb er den Job immer mitten in der Nacht erledigte. Er wusste, wenn etwas schiefgehen würde, hätte er große Schwierigkeiten… Doch auch dieses Mal klappte es ohne Zwischenfall, und er fand die 1000 Dollar vor. Erleichtert machte er sich auf den Heimweg und dort angekommen zog er sich aus und fiel todmüde ins Bett.
 

28.12.01

Am nächsten Morgen kam er fast nicht hoch. Er musste um 10 Uhr im Cafe sein, doch er war immer noch sehr müde und bekam beim Frühstück den Mund nicht auf. Sein Vater fragte ihn nur, ob er aus dem Laden nachts noch Bier mitgebracht hatte, was Alecs Laune auch nicht gerade verbesserte. „Im Kühlschrank!“ blaffte er. Timmy war blass und still, und ging gleich nach dem Frühstück wieder ins Bett. Alec fiel auf, dass er kaum etwas gegessen hatte. Seufzend ging er in Timmies Zimmer. „Du hast wieder zu wenig gegessen, Tigger!“ mahnte er, während er ihm seine Tabletten und ein Glas Wasser reichte. „Mir ist schlecht. Ich hab keinen Hunger!“ Alec ging in die Hocke und sah ihm in die Augen. „Timmy, wenn du heute abend mit zu Rick willst, musst du aber fit sein! Also iss noch ein bisschen, o.k.?“ lockte er. Timmy sah ihn freudig an. „Wirklich? Du nimmst mich mit zu ihm?“ „Ich muss ihn erstmal fragen, ob es ihm recht ist, Tigger, aber wenn er ja sagt – dann hole ich dich nach der Arbeit ab!“ „Yippie!“ Timmy schlang die Arme um ihn, und Alec drückte ihn vorsichtig. Er schloss die Augen und schluckte. So dünn und zerbrechlich… was war aus dem kräftigen kleinen Jungen geworden, der immer wie ein Gummiball durch die Gegend gehüpft war, voller Energie und Lebensfreude? Ein blasser, stiller Schatten seiner Selbst, nur manchmal blitzte noch der alte Timmy hervor. Bevor ihn wieder die Depression übermannte, machte er sich von seinem Bruder los und sagte gespielt locker: „Also, ich verlasse mich darauf, dass du noch ein bißchen isst. Und ich frage Rick. Alles klar?“ „Alles klar“ Timmy hob den Daumen. „Bis später, Chef!“ Er grinste, doch die blauen Schatten unter seinen Augen straften seine Munterkeit lügen. „Bis später, Tigger!“ Schweren Herzens ging Alec. Timmy sah nicht gut aus.

Die Stunden im Cafe vergingen quälend langsam. Alec machte sich Sorgen um seinen Bruder und war nicht recht bei der Sache. Als er endlich Feierabend hatte, verabschiedete er sich hastig von Mr. Greenwood. Der sah ihn besorgt an. „Hast du Probleme, Alec? Kann ich dir helfen?“ „Nein, Mr. Greenwood, vielen Dank, es geht schon!“ wehrte Alec ab und lächelte ihn an. Dieser war zwar skeptisch, doch er ließ Alec in Ruhe. Auf dem Heimweg ging Alec noch bei Timmies Arzt vorbei, um sich die Medikamente aufschreiben zu lassen. Doch er bekam das Rezept nicht. „Timmy muss erst wieder zum Test kommen“ sagte die Schwester nach einem Blick auf Timmies Karteikarte. „O.k. wann?“ „Am besten gleich heute!“ gab sie zurück. „In Ordnung, ist 16 Uhr gut?“ „Perfekt. Es dauert ja nicht lange, nur Blut abnehmen, wiegen und eine kurze Untersuchung.“ In Alecs Ohren klang es wie „Es hilft ja sowieso nichts mehr…“ Niedergeschlagen verließ er die Praxis und schlug den Weg zu Ricks Haus ein.

Als er klingelte, bemühte er sich, seine Gesichtszüge unter Kontrolle zu bekommen, obwohl er am liebsten losgeheult hätte. ‚Nicht schon wieder’ dachte er grimmig. Als Ricks fröhliche Stimme aus der Sprechanlage ertönte, ging es ihm schon viel besser. „Alec? Ich schick den Fahrstuhl, moment!“ Als er aus dem Fahrstuhl trat, stand Rick schon in der Wohnungstür. Er fiel ihm um den Hals und küsste ihn zärtlich. „Ich hab dich vermisst“ murmelte er in Alecs Ohr. Dieser legte sein Gesicht in Ricks Halsbeuge. „.. dich auch..“ murmelte er undeutlich. Rick zog ihn in die Wohnung. „Magst du was trinken? Oder essen? Ich habe ein paar Snacks da!“ Alec schüttelte den Kopf. „Ich hab nur kurz Zeit, ich…“ als er Ricks enttäuschtes Gesicht sah, musste er lächeln. „Warte doch, bis ich ausgesprochen habe! Ich wollte dich fragen, ob es dir recht ist, wenn ich heute mit Timmy zu dir komme. Er will dich gerne kennenler…“ er musste seinen Satz unterbrechen, weil Rick über das ganze Gesicht zu strahlen begann. „Was? Was ist denn?“ „Ich freue mich nur, dass ich endlich mal jemanden von deiner Familie kennen lerne!“ sagte dieser vergnügt. „Natürlich ist es mir recht! Wann seid ihr hier?“ Ein Schatten flog über Alecs Gesicht. Rick registrierte es, ging aber nicht darauf ein.

„Wir müssen vorher zum Arzt, ein paar Tests…“ sagte Alec. „Keine Ahnung, wie lange das dauert, um 16 Uhr sind wir bestellt, vielleicht eine Stunde. Es wird sich hier dann auch nicht lange hinziehen, Timmy ist schnell erschöpft.“ Rick sah ihn ernst an. „Timmy ist sehr krank, nicht wahr?“ Alec nickte. Der Kloß im Hals drohte wiederzukommen. „Willst du mir sagen, was er hat? Damit ich weiß, wie…“ „Leukämie!“ presste Alec hervor und fuhr sich mit der Hand über die Augen. ‚Nicht schon wieder…’ hämmerte es in seinem Kopf. Rick hätte ihn gerne ihn den Arm genommen, doch er spürte, dass Alec um Fassung rang und sagte nur „Tut mir leid. Das ist … schlimm.“ Dann ging er in die Küche. Alec hörte die Kaffeemaschine und kämpfte mit den Tränen. Nachdem er einige Male tief durchgeatmet hatte fing er sich wieder. Er ging in die Küche, sah Rick an der Kaffeemaschine stehen, trat dicht an ihn heran und schmiegte sich an seinen Rücken. „Danke“ murmelte er in sein Ohr. Rick machte sich behutsam frei, drehte sich um, reichte ihm einen Espresso und sagte lächelnd „Bitte. Gern geschehen.“ Sie sahen sich in die Augen und Alec dachte ‚Du bist einmalig’. Sie tranken zusammen ihren Espresso, dann machte Alec sich auf den Heimweg. Er dachte über Rick nach und war sich darüber im Klaren, dass er in ihm jemanden gefunden hatte, den es wohl kein zweites Mal geben würde. ‚Pass auf, dass du ihn nicht verletzt…’ mahnte sein Gewissen.

Der Termin beim Arzt war kurz, dafür aber teuer. Alec musste 500 Dollar für die Untersuchung und das Labor bezahlen, und die Medikamente kosteten noch einmal 250. Ängstlich sah Timmy ihn an, als sie die Apotheke verließen. „Ist es… zu teuer?“ fragte er besorgt. „Für deine Gesundheit ist mir nichts zu teuer!“ gab Alec zurück. „Welche Gesundheit?“ fragte Timmy bitter. Darauf wusste Alec keine Antwort. Stattdessen fragte er gespielt munter „Wollen wir Rick ein Geschenk machen?“ „Au ja!“ Timmy war sofort begeistert. „Was denn?“ Alec überlegte. Mit Musik kannte er sich nicht aus, aber er kannte zumindest eine Gruppe, die Rick  liebte. „Kennst Du ‚Nickelback’?“ fragte er deshalb Timmy. „Klar! Geile Truppe!“ Er lachte über Alecs schockiertes Gesicht. „Na, stimmt doch!“ Sie gingen gemeinsam in den Elektronikmarkt, in dem Alec Rick zum ersten Mal getroffen hatte. Er erzählte Timmy die Story mit dem 10 Dollar-Schein und dabei fiel ihm siedendheiß ein, dass er diesen Rick ja immer noch schuldete… Na, das konnte er ja heute ändern. Doch zuerst einmal suchten sie bei den CDs unter „N“. Triumphierend hielt Timmy ein Album hoch. „Hier!“ strahlte er. „Heute ’rausgekommen, der Mitschnitt der Japan-Tournee!“ Alec sah auf den Preis. 20 Dollar… er schluckte, doch dann lächelte er. „O.k. aber du musst was dazugeben, klar?“ „Klar, die Hälfte natürlich!“ grinste Timmy. Fröhlich verließen sie den Laden und gingen zur 13. Straße.

Sie klingelten, und der Summer ertönte sofort. Alec grinste. Rick hatte wieder an der Tür gelauert…  Im Hausflur staunte Timmy. „Woow, vornehm hier!“ Alec lächelte. Ihm kam alles schon so vertraut vor. Der Fahrstuhl stand bereits offen. Als sie oben ankamen stand Rick auch schon vor ihnen. Er grinste Timmy an. „Hallo, kleiner Bruder!“ sagte er und schüttelte ihm die Hand. „Hallo, kleiner Schwager, meinst du wohl! Aber eigentlich heiße ich Timothy“ gab Timmy zurück, reichte ihm die CD und grinste ebenfalls. Zum ersten Mal seit Alec ihn kannte, fehlten Rick die Worte. Er drehte die CD in den Händen hin und her, murmelte „Danke“,  wurde rot und sah Alec hilflos an. Der lachte schallend los. Rick fing sich wieder und stimmte in das Gelächter ein. Timmy sah von einem zum andern und schüttelte den Kopf. „Was ist denn so witzig?“ brummte er und ging in die Wohnung. Rick flüsterte „Er weiß…?“ Alec nickte nur. Rick sah ihn glücklich an und hauchte einen Kuss auf seine Wange, worauf nun wiederum Alec leicht errötete. Dann schnupperte er. „Was riecht denn hier so gut?“ „Bistecca Pizzaiola, ich habe für euch gekocht“ meinte Rick. „Davor Minestrone und zum Nachtisch Eis!“ Er warf sich stolz in die Brust. „Bis auf das Eis alles selbst gemacht!“ Alec lächelte ihn an. „Super, ich hab Riesenhunger!“ „Na, dann komm!“ Rick zog ihn hinter sich her in die Wohnung. „Ich muss noch die Spaghetti fertig kochen, setzt euch schon mal“ rief er auf dem Weg in die Küche.

Der Tisch war gedeckt, mit Kerzen und Weingläsern und sogar einer Tischdecke. Timmy ließ  sich auf das Sofa fallen. Er sah wieder ziemlich erschöpft aus. „Ich hab Durst!“ Alec ging in die Küche. „Hast du was zu Trinken für meinen Bruder? Ich glaube, er ist ganz schön geschafft…“ Rick schaute besorgt. „Ist alles in Ordnung mit ihm?“ „Schon, soweit, aber er wird immer sehr schnell müde.“ Rick goss ein Glas Orangensaft ein und reichte es Alec. „Danke.“ Schnell küsste Rick ihn auf die Wange. „Ich liebe dich“ flüsterte er Alec ins Ohr. Der stellte das Glas auf den Tisch und zog Rick in seine Arme. „Ich dich auch. Du ahnst gar nicht, wie sehr!“ sagte er ernst und küsste ihn sanft. „Hey, ich hab immer noch Durst…“ ertönte da Timmies Stimme direkt hinter ihm. Dieser stockte, als er Rick und Alec in der Umarmung sah. Dann nahm er wortlos sein Glas und ging ins Wohnzimmer zurück. Rick sah Alec erschrocken an. „Haben wir was falsch gemacht?“ murmelte er. Alec zuckte die Schultern und ging Timmy nach, während Rick die Nudeln abschüttete. Alec setzte sich zu Timmy auf das Sofa und sah ihn an. „Timmy…“ Der nahm einen Schluck Saft. „Tut mir leid. Ich wollte nicht so reinplatzen. Aber wer kann denn ahnen, dass ihr in der Küche rumknutscht?“ sagte er dann zerknirscht. Alec wurde verlegen. „Ich, äh, also…“ Timmy sah ihn an und fing an zu kichern. „Ist dir das peinlich? Hihihi, mir nicht“ er ließ sich nach hinten fallen und kicherte noch mehr. Alec starrte ihn perplex an. Keine Eifersucht, keine Empörung… „Timmy!“ Der hörte auf zu Lachen und sah ihn an. “Im Ernst, Alec, da ist doch nichts dabei!” sagte er lächelnd. „Mir macht das nichts aus!“ „Ich dachte, weil du so weggegangen bist!“ meinte Alec. „Ich weiß, was sich gehört, ich wollte ja nicht stören!“ grinste Timmy.

Rick kam mit dem Essen. Er legte die neue CD ein, und zu den Klängen von Nickelback in Japan waren sie die nächste halbe Stunde mit dem köstlichen Mahl beschäftigt. Danach alberten Rick und Timmy herum, und Alec saß müde und glücklich dabei und genoss den Abend. Rick machte Timmy den Vorschlag, eine Partie Blitz-Schach zu spielen, und Timmy staunte über Ricks Können. „Wow, du bist fast so gut wie Alec…“ „Schach – und Matt!“ sagte Rick. „Falsch. Du bist besser als Alec!“ grinste Timmy und gab ihm die Hand. „Gratuliere!“ Alec sah Rick erstaunt an. „Du hast mir gar nicht gesagt, dass du Schach spielst!“ Timmy sah von einem zum anderen und grinste breit. „Mit dir will er sicher lieber was anderes spielen!“ Zu seiner großen Freude wurden sowohl Alec als auch Rick knallrot. „Na warte!“ riefen sie unisono und stürzten sich auf ihn, um ihn gehörig durchzukitzeln.

Beim Abschied umarmte Rick Timmy und sagte „Komm bald wieder, kleiner Schwager!“ Timmy drückte ihn und sagte „Gerne, aber vielleicht kommst du ja mal zu mir, ich will dir das Schachprogramm vorführen!“ Rick sah Alec an, doch dessen Miene verschloss sich. Timmy merkte die Spannung und sagte locker: „Alec, wolltest du Rick nicht noch was geben?“ Alec sah ihn verständnislos an. „Na, den Zehner…“ drängte Timmy, doch Rick hob die Hände. „Nichts da, den nehme ich sowieso nicht an!“ Alec wollte protestieren, doch Rick zog ihn ungeniert an sich und küsste ihn unter Timmies grinsendem Blick auf die Lippen. „Solange du mir den nicht wiedergibst, weiß ich, dass du mindestens noch einmal herkommst!“ lächelte er. Alec gab nach und erwiderte den Kuss. „Tu ich doch sowieso!“ murmelte er. Dann tippte er Timmy auf die Schulter. „Los, Tigger, wir gehen nach Hause, es ist fast neun, du musst ins Bett!“ „O.k. ciao, Rick, bis bald!“ Gehorsam trottete dieser Richtung Fahrstuhl. „Das hoffe ich doch – Tigger!“ Rick grabschte nach Alecs Arm und hielt ihn fest. „Kommst du nachher wieder?“ raunte er ihm dunkel ins Ohr und leckte rasch über seinen Hals. Alec zog zischend die Luft ein. „O.k., in zwei Stunden“ murmelte er und drückte Ricks Hand. Dieser sah ihn mit einem aufreizenden Lächeln an. „Gut, ich warte…“ schnurrte er und übergab ihm einen Schlüssel. Auf Alecs fragenden Blick sagte er nur: „Haustür und Fahrstuhl.“ Alec lächelte und steckte ihn ein. Auf dem Weg nach unten sagte Timmy plötzlich „Er ist o.k.“ Alec lächelte. „Danke.“ Doch Timmy starrte nur nachdenklich vor sich hin. Alec wunderte sich, schob es aber auf die Müdigkeit und fragte nicht weiter nach.

Zu Hause angekommen ging Timmy sofort schlafen. Alec räumte noch pro forma die Küche auf und wartete, dass sein Vater endlich einschlief. Obwohl sie kaum miteinander redeten fühlte er sich seinem Vater gegenüber immer noch der Rechenschaft schuldig. Wenn dieser dagegen schlief, atmete er befreit auf. ‚Du bist ein Idiot. Wer sorgt denn hier für alles? Doch du! Also kannst du dir dein bisschen Freizeit ja wohl gestalten, wie es dir passt!’ dachte er voller Ärger auf sich selbst. Ja, er war ein Meister darin, alles unnötig zu verkomplizieren. Um viertel vor elf schlief sein Vater dann endlich, und er sah kurz nach Timmy. Auch dieser war bereits eingeschlafen, ein Schachbuch in der Hand. Alec nahm es ihm lächelnd aus der Hand und strich ihm zart über den Kopf, bevor er das Licht löschte. Dann machte er sich auf den Weg zu Rick.

Es war ein merkwürdiges Gefühl, die fremde Haustür aufzuschließen. Der Fahrstuhl wartete wie immer. Er steckte den Schlüssel in das Schloss neben Ricks Etage und drückte den Knopf. Obwohl Alec pünktlich war, stand kein Rick in der Tür, die nur angelehnt war. Als er das Appartement betrat, herrschte fast völlige Dunkelheit. Nur durch den Spalt der Schlafzimmertür drang ein Lichtschimmer. Verwundert schloss er die Tür. „Rick?“ sagte er halblaut. Es kam keine Antwort, also zog er die Schuhe aus und schlich zum Schlafzimmer. Er schob die Tür auf und hielt den Atem an. Auf dem Bett lag Rick, bäuchlings ausgestreckt, den Kopf auf einen Arm gelegt. Das Haarband hatte sich gelöst und die seidige Flut breitete sich auf seinem Rücken und der Bettdecke aus. Das matte Licht der Leselampe zauberte einen zarten Schimmer auf seine goldene Hautfarbe und ließ sein Haar wie Kupfer glänzen. Er schien fest zu schlafen. Alec konnte sich nicht sattsehen. „Angel…“ sagte er leise. Er trat an das Bett heran. Rick seufzte und hob den Kopf. Sein Haar machte die Bewegung mit und schien wie eine Flüssigkeit zu wabern. „Alec…“ murmelte Rick verschlafen, und rückte etwas zur Wand. Er klopfte leichte mit der Hand auf die Matratze und ließ den Kopf wieder sinken. „Komm her…“ nuschelte er dann in sein Kissen. Alec zog sich rasch aus und krabbelte neben Rick, ihn in an sich ziehend. Der legte seinen Arm über Alecs Brust und schmiegte seine Wange an dessen Schulter. „Lieb’ dich…“ kam es undeutlich, dann war er wieder eingeschlafen. Alec zog die Decke über sie beide und löschte die Lampe. „Ich dich auch!“ flüsterte er und schloss die Augen. Er war so glücklich wie schon lange nicht mehr.

tbc...                                                                                                                             back