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After Darkness, there will be light - Kapitel 3 – Zwiespalt der Gefühle back 27.12.01 Als Alec erwachte, spürte er als erstesRick, der sich im Schlaf eng an ihn schmiegte. Er lächelte und streichelte sacht über Ricks
Kopf, der auf seiner Brust ruhte. Die vergangene Nacht war traumhaft schön gewesen. Rick war wunderbar gewesen und hatte ihn nach allen Regeln der Kunst mit Zärtlichkeiten verwöhnt. Als sie schließlich miteinander
schliefen, hatte Alec kurz das Gefühl, als ob Rick etwas ängstlich werden würde, doch dieser Eindruck hatte sich unter Alecs liebevollen Berührungen schnell verflüchtigt. Er lächelte. Rick hatte es sogar geschafft, ihn
noch ein zweites Mal zu verführen… sein Engel… Dieser murmelte jetzt etwas und regte sich leicht. Alec betrachtete Ricks Gesicht. Was für lange Wimpern er hatte! Vorsichtig legte er den Arm um Ricks Schulter und schloss
wieder die Augen. Er wollte dieses herrliche Gefühl, ihn im Arm zu halten, noch etwas genießen, es konnte noch nicht allzu spät sein. „Guten Morgen, Alec!“ erklang plötzlich Ricks dunkle Stimme, und ein Kuss wurde auf
seine Brust gehaucht. Alec ließ die Augen geschlossen und lächelte. „Morgen, mein Engel.“ Rick regte sich. Er richtete sich leicht auf. Alec ließ die Augen geschlossen und sagte: „Bleib doch noch einen Moment liegen…
es ist so schön!“ Rick hauchte ihm einen Kuss auf die Lippen und stand auf. „Sorry, es ist sieben, und um acht muss ich im Laden sein…“ Alec öffnete jetzt doch die Augen. „Laden?“ Rick war im Bad. „Hab doch
gesagt, ich arbeite. In einem Drugstore um die Ecke.“ „Hast Geld wie Heu und schuftest in einem Drugstore… ich fass es nicht.“ Rick erschien wieder, ein Handtuch um die Hüften, und war dabei, seine Haare zu bürsten.
Alec starrte ihn an. Der Anblick war unglaublich. Die Morgensonne brachte seine goldfarbene Haut zum Schimmern, die Flut seiner Haare glänzte wie Seide. Rick lächelte. „Was ist? Du starrst mich schon wieder an!“ Alec
schluckte. Zehn Minuten später saßen sie sich in der Küche gegenüber. Wie nicht anders zu erwarten, war diese perfekt ausgestattet, sah
jedoch nicht so aus, als ob sie oft benutzt werden würde. „Du kochst hier nicht oft, oder?“ fragte Alec. Rick schüttelte den Kopf. „Ich esse meist bei Tante Millie, oder Fast-Food, am liebsten hol ich mir was beim
Chinesen. Ab und zu muss ich auch mit meinem Vater dinieren“ er schnitt eine Grimasse. Alec nahm sich vor, sich bei Gelegenheit mal erzählen zu lassen, warum Rick seinen Vater so verabscheute. Dass dieser seine Mutter auf
dem Gewissen haben sollte, kam ihm so – unwahrscheinlich vor. Doch jetzt war keine Zeit mehr für tiefgreifende Gespräche. Rick räumte die Kaffeetassen in die Spülmaschine. Er bemerkte Alec’s Blick. „Was?“ „Ach,
nichts. Praktisch, so ein Ding!“ er deutete auf die Maschine. „Hast du keine?“ Kopfschütteln. „Ich kauf dir eine, sag mir, wo sie hingeliefert werden soll!“ Alecs Gesicht verschloss sich. „Das tust du nicht!“ Er
stand ebenfalls auf. Erschrocken sah Rick ihn an. Schnell nahm er ihn in den Arm. „Alec! Bitte… ich wollte dich doch nicht beleidigen! Es war… ganz spontan. Bitte!“ Er lächelte Alec an, doch es war ein etwas trauriges Lächeln. „Ich muss jetzt los. Kommst du?“ Alec griff nach seiner Jacke. Gemeinsam gingen sie zur Tür. Als Rick nach der Klinke fasste, ergriff Alec seine Hand und zog ihn zu sich heran. Er nahm ihn fest in die Arme und sagte: „Rick, ich habe gesagt, ich verbringe jede freie Minute mit dir! Und das tu ich auch, ich versprech’s!“ Dann küsste er ihn zärtlich. Rick erwiderte den Kuss und nickte dann. „Ich werde dich nicht mehr nerven.“ Darauf wusste Alec nichts zu sagen. Rick nervte ihn überhaupt nicht. Aber es gab halt Dinge, die er nicht wusste… und auch nicht wissen durfte. Er zog ihn noch einmal fester an sich. „Du nervst mich nicht!“ sagte er schließlich. „Es tut mir leid, dass ich nicht so viel Zeit bei dir verbringen kann, wie wir möchten…“ Rick schüttelte den Kopf. „Schon gut. Ich freu mich auf morgen!“ Noch ein letzter Kuss, und sie verließen die Wohnung. Im Fahrstuhl konnte Alec nicht widerstehen, Rick noch einmal heiß zu küssen, bis dieser außer Atem murmelte: „Mach weiter so und wir sind schneller wieder oben, als du denkst!“ Alec grinste nur und meinte: „Nur, damit du mich bis morgen in guter Erinnerung behältst!“ Sie waren unten angekommen und Rick stellte fest, dass er sich sehr beeilen musste, wenn er pünktlich sein wollte. Ein hastiger Kuss, und er eilte davon. Alec sah ihm nach, bis er um die Ecke verschwunden war. Dann machte er sich auf den Heimweg. Die Ereignisse der letzten drei Tage vor sich ablaufen lassend, kam er zu dem Schluss, dass es eine gute Idee gewesen war, mit Rick in den Coffeeshop zu gehen. Er lächelte immer noch, als er die Wohnungstür aufschloss. „Bin zurück!“ Er hing seine Jacke an den Haken und trat in die Küche. Dort stand sein Vater am Herd und briet Eier. Er warf nur
einen Blick über die Schulter und sagte brummig: „Wo kommst du denn her?“ Alec’s gute Laune war schlagartig verflogen. „Hab lange gearbeitet, dann war ich noch bei ’nem Freund, hab da gepennt.“ „So, ein Freund.
Kenn’ ich den?“ Alec lag auf der Zunge zu antworten, dass ihn das nichts angehe, schließlich kümmerte er sich sonst auch nicht um ihn. Doch er riss sich zusammen. Er füllte Kaffee in die Kaffeemaschine und sagte obenhin
„Nein. Hab ihn Heiligabend das erste mal getroffen. Im Elektronik-Markt, als ich Timmies Geschenk gekauft habe.“ Sein Vater antwortete nicht und setzte sich an den Tisch, um zu frühstücken. „Morgen Alec, Dad!“ Timmy
kam in die Küche. Er sah immer noch schlecht aus. Alec sah ihn besorgt an. Das schlechte Gewissen war wieder da. „Morgen, Tigger! Hast du Hunger?“ Dieser schüttelte den Kopf. „Nur ein Glas Milch, bitte.“ „Timmy!
Bitte iss etwas!“ Alec machte sich Sorgen. „Du musst gleich deine Tabletten nehmen, und auf leerem Magen ist das nicht so gut!“ „Darum will ich ja Milch.“ Timmy stellte sich stur. „Wenigstens ein paar Cornflakes.“
„Also gut!“ endlich gab er nach, und Alec füllte einen Teller randvoll. „Mann, nicht so viele!“ murrte sein Bruder, begann aber doch zu essen. „Wo warst du denn heute nacht?“ fragte er neugierig. „Naja, erst
arbeiten…“ „Und dann?“ „Bei einem Freund…“ wiederholte Alec. Es war ihm unangenehm, vor seinem Vater darüber zu reden. Der wusste nicht, dass er von Mädchen nichts wissen wollte. „Wie heißt er denn?“ Timmy
gab keine Ruhe. „Rick.“ „Ist er nett?“ Wider Willen errötete Alec. Hastig ging er aus der Küche. „Ja, ist er. Muss mal aufs Klo!“ Alec erschien umgezogen und sah kurz ins Wohnzimmer. „Ich bin dann wieder weg, Dad. Um 5 bin ich zurück. Muss heute abend auch arbeiten…“ Sein Vater nickte nur. Achselzuckend ging Alec in die Küche. Timmy räumte gerade den Tisch ab. „Timmy, lass das, du musst dich schonen.“ „Quatsch!“ wütend funkelte dieser ihn an. „Ich bin noch nicht tot, klar? Ich bin auch nicht aus Glas. Und ich weiß selbst, was ich schaffe und was nicht!“ Alec trat hinter ihn und nahm ihn in die Arme. „Ach Tigger, sorry, sorry! Nimm’s mir nicht übel, ich mach’ mir Sorgen…“ murmelte er und drückte ihn an sich. Timmy lehnte sich an ihn. „Schon ok, manchmal nervt es ein bisschen…“ gab er zurück. Alec wünschte sich in diesem Moment, Timmy zu beweisen, dass er ihm viel bedeutete, dass er ihm vertraute. Plötzlich kam ihm Rick wieder in den Sinn. ‚Was fühlst du jetzt… hier…’ Alec schloss die Augen. „Timmy…“ sagte er leise. „Hmm?“ Der drehte sich leicht zu ihm. „Timmy, ich möchte dir was sagen.“ „Was denn?“ „Dieser Junge… Rick… er ist mein – Freund…“ Jetzt drehte sich Timmy ganz um. „Das hast du doch schon gesagt!“ „Ich meinte, …“ Gott, war das schwer! „Ich liebe ihn, Timmy. Ich bin schwul!“ Alec hielt den Atem an. Was würde Timmy jetzt sagen? „Das dachte ich mir. Oder nein, so stimmt das nicht, ich dachte es mir nicht, aber ich habe es schon mal für möglich gehalten. Letztes Jahr, als du so fertig warst wegen Michael. Ich habe damals gedacht, nur wegen einem Schulfreund ist man nicht so niedergeschlagen…“ Timmy grinste. „Jetzt bin ich noch neugieriger auf Rick!“ Alec sah ihn erstaunt an. „Du bist doch erst 12 Jahre alt! Wieso bist du so cool bei dem Thema?“ Jetzt wurde Timmy ein wenig rot. „Naja, es gibt doch das Internet, da findet man so dies und das…“ er grinste wieder. „Auf jeden Fall, es ist mir egal ob du auf Jungen oder Mädchen stehst, falls du mich das fragen wolltest. Ich liebe dich trotzdem!“ Alec drückte ihn wieder an sich. „Danke, Tigger..“ flüsterte er. Dann schob er ihn ein Stück von sich weg. „Darf ich dich überhaupt noch so nennen? Wo du doch jetzt so erwachsen bist?“ er grinste und zwinkerte. Timmy lachte. „So darfst du mich auch noch nennen, wenn wir beide Opas sind. Obwohl…“ er grinste jetzt frech „wer weiß? Alt wirst du ja hoffentlich, aber Opa?“ Er quiekte, als Alec anfing, ihn zu kitzeln. „Werd nicht unverschämt, du frühreifes Früchtchen, sonst…“ Als er den Blick von Timmy sah, hielt er inne. „Was ist?“ Sein Bruder drückte ihn und sagte: „Ich danke dir, dass du mir vertraust. Ich sage Dad nichts, wenn du es nicht tust … versprochen. Und… ich hoffe wirklich, dass wir beide mal alt werden…“ Alec spürte einen Kloß im Hals. „Klar, Tigger, das packst du schon…“ er machte sich sanft von ihm los. „Ich muß gehen. Alles klar?“ Timmy nickte. „Wann lerne ich ihn kennen?“ fragte er noch. „Mal sehen… vielleicht morgen“ antwortete Alec ausweichend. „Och bitte, ja?“ Alec lächelte. „Ich frag’ ihn!“ versprach er. Dann machte er sich auf den Weg. Das Cafe lag in der South State Street, nicht weit von Alecs Zuhause. Während er dorthin lief, dachte er darüber nach, was Rick zu seiner Idee sagen würde. Er wollte mit Timmy zu ihm gehen. Rick sollte auf keinen Fall seinen Vater sehen… seine innere Stimme verspottete ihn. ‚Du meinst wohl, Dad soll Rick nicht sehen…’ er konnte ja Rick schlecht bitten, so zu tun, als ob er nur ein Kumpel wäre. Das würde ihn verletzen, da war Alec sicher. Er wusste selbst nicht, warum er so eine Scheu davor hatte, seinem Vater gegenüber offen zu sein. Wahrscheinlich hatte er es Timmy auch deswegen gesagt, um nicht das Gefühl zu haben, Rick komplett zu verleugnen. Warum nur musste er immer so kompliziert denken? Er schüttelte den Kopf, während er das Cafe betrat. „Guten Morgen, Mr. Greenwood!“ „Morgen Alec.“ Sein Chef stand am Frühstücksbuffet. „Gehst du bitte zum Kaffeeausschank, Sarah ist krank und kommt heute nicht.“ Alec schnitt eine Grimasse. Diese dumme Gans fehlte reichlich oft! Seufzend ging er zur Kaffeebar. Das bedeutete Stress. Die nächsten zwei Stunden würde er nicht zum Grübeln kommen, soviel war sicher. Rick war indessen dabei, neue Ware in die Regale des kleinen Drugstores zu räumen. Mrs. Martinelli konnte sich nicht mehr gut
bücken und war zu klein, um an die oberen Bretter zu gelangen. Er arbeitete flink und umsichtig. Es machte ihm Spaß, hier zu arbeiten. Mrs. Martinelli hielt ihn für einen armen Studenten, und steckte ihm oft Süßigkeiten
oder Obst zu. Er wurde dann immer ganz verlegen, nahm es aber an, um sie nicht zu kränken. Der Lohn war gering, aber ihm ging es darum, selbst für sich sorgen zu können und nicht nur von seinem Vater abhängig zu sein. Doch
heute kreisten seine Gedanken um etwas ganz anderes. Heute dachte er unentwegt an Alec. Es war schon Wahnsinn! Liebe auf den ersten Blick… dass es das wirklich gab! Und dann auch noch bei beiden! Wenn er an die vergangene
Nacht zurückdachte, schlug sein Herz schneller. Alec war wirklich sehr zärtlich gewesen, und so war es für sie beide ein wunderschönes Erlebnis geworden. Das erste Mal… Er lächelte leicht, als er daran dachte, wie er
nach einer kleinen ‚Pause’ wieder angefangen hatte, Alec zu liebkosen, und wie dieser sofort darauf angesprochen hatte. Beim zweiten Mal waren sie beide wesentlich forscher miteinander umgesprungen… er schloss er die
Augen, die Erinnerung daran war sehr… deutlich. „Woooow…“ murmelte er, und spürte, wie ihm warm wurde. Und dann war er in Alecs Armen eingeschlafen… Feierabend! Alec sah sich noch einmal prüfend seinen Arbeitsplatz an. Alles in Ordnung. „Mr. Greenwood, ich geh dann!“ Dieser nickte ihm zu. „O.k. Alec, bis morgen!“ Er sah ihm nach, als er das Cafe verließ. „Armer Junge …“ murmelte er. Er wusste als einziger „Außenstehender“ über Alecs Situation Bescheid und half ihm, so gut er konnte. Oft gab er ihm Essen mit, damit Alec nicht auch noch kochen musste, bevor er zu seinem anstrengenden Zweitjob ging. Alec war das anfangs immer peinlich gewesen, aber Mr. Greenwood hattte darauf bestanden. „Komm Alec, hab dich nicht so! Soll ich es lieber wegwerfen?“ Alec hatte dann dankend angenommen, und inzwischen war es selbstverständlich geworden, dass er ab und zu etwas von dem Essen mitnahm. Heute waren jedoch alle Essen ausverkauft. Er würde also kochen müssen. Alec lief die South State Street Richung Süden. An der Ecke West 9th Street, wo er wohnte, zögerte er. Es war 14 Uhr. Um 19 Uhr musste er im 24 hour shop sein. Fünf Stunden… wenn er zwei Stunden abzweigte, könnte er Rick sehen… Sehnsucht erfasste ihn, und wie von selbst trugen ihn seine Füße weiter die Straße herunter in Richtung 13th Street. Unterwegs fiel ihm ein, dass Rick vielleicht noch gar nicht zu Hause war. Wie hieß die Frau, bei der er arbeitete noch? Martini… nein Martinelli! Er bog links in die 13. ein und klingelte bei Rick. Niemand antwortete. Er ging die Straße weiter runter, folgte dem Weg, den Rick morgens eingeschlagen hatte. Er bog wieder links in die South Wabash Street ab und folgte deren Verlauf, die Augen suchend auf die Namen der Geschäfte gerichtet. Schon beim vierten Laden war er am Ziel. ‚Lisa Martinelli’s Drugstore’ stand über dem Schaufenster. Mit klopfendem Herzen öffnete er die Ladentür. Die Türglocke erklang. Kaum war er eingetreten hing ihm Rick auch schon am Hals und küsste ihn ungestüm. „Wwoow, Alec, du kommst mich besuchen, ich freu mich so …“ sagte er schließlich außer Atem und mit glücklich strahlenden Augen. „Was für eine Begrüßung“ murmelte Alec verlegen, denn er hatte Mrs. Martinelli entdeckt, die schmunzelnd hinter der Ladentheke stand. „Ja, unser Ricky ist ziemlich stürmisch, nicht war?“ Alec nickte nur, etwas rot im Gesicht. „Ich hab’ jetzt Schluss, was machen wir?“ fragte Rick unternehmungslustig. „Gehen wir erstmal.“ Alec wollte aus dem Laden raus, weg von Mrs. Martinelli’s Lächeln. Verwirrt nahm Rick seine Jacke und folgte ihm zur Tür. „Ciao, Mrs. Martinelli!“ „Ciao, Ricky, Mr. … !“ „Williams. Wiedersehn!“ murmelte Alec. Draußen atmete er tief ein. Rick sah ihn merkwürdig an. „War dir das peinlich, oder was?“ fragte er ruhig. „Nicht peinlich. Nur ein bisschen…“ Alec stockte. „Ein bisschen was?“ Rick sah ihm weiter in die Augen. „Ach, egal! Gehen wir in den Park?“ Rick nickte und machte eine Bewegung, als ob er Alecs Hand ergreifen wollte, doch dieser steckte die Hände in die Jackentaschen. Also tat er es ihm gleich. Dies war schon mal eine Gelegenheit, Geduld zu zeigen… und schließlich war Alec zu ihm gekommen! Schweigend trotteten sie durch den Schnee. Auf den Gehwegen und auf der Fahrbahn war eine braune, matschige Masse daraus geworden. Sie folgten der South Wabash Street nach Norden und bogen links in die Roosevelt Road ein, die direkt zum Roosevelt Park führte. Dort lag noch eine dicke, watteweiße Schneedecke. Inzwischen war Alec wieder etwas gelöster und sie lieferten sich eine wilde Schneeballschlacht. Außer Atem und mit geröteten
Gesichtern ließen sie sich schließlich auf eine Bank fallen. Rick achtete jedoch darauf, etwas Abstand von Alec zu halten. Dieser fühlte sich schuldig, als er es bemerkte, rückte dicht an Rick heran und legte ihm den
Arm um die Schultern. Er küsste ihn auf die Wange und sagte leise: „Sorry. Es ist… alles noch so neu. Ich kann noch nicht – “ er brach ab. Rick lehnte seinen Kopf an Alecs Schulter und sah nach vorne auf seine
ausgestreckten Beine. „Jemand hat dir sehr weg getan, habe ich recht?“ Alec zuckte zusammen. Dann nickte er. „War es dieser Freund, den du gestern erwähnt hast?“ Wieder ein Nicken. „Du hast ihn geliebt, und er hat
dich verlassen?“ „Er hat nicht mich verlassen, sondern ich habe ihn verlassen, weil er mich dauernd mit allen möglichen anderen betrogen hat. Und er hätte mich sicher nicht verlassen, sondern ewig so weitergemacht!“
stieß Alec hervor. Rick verzog das Gesicht. „Ja. Das hört man öfter. Aber ich versichere dir…“ er sah Alec direkt in die Augen. „Ich mache sowas nicht! Wenn ich liebe, dann richtig. Und nur einen! Und dieser
eine…“ er küßte Alec auf die Lippen „… dieser eine bist du!“ In Ricks Wohnung angekommen warfen sie Jacken und Schuhe von sich und kuschelten sich auf dem Sofa zusammen. Alec saß mit angezogenen Beinen in der Ecke, mit angelehntem Kopf und geschlossenen Augen, und Rick hatte den Kopf auf seinen Schoß gelegt. Die Beleuchtung war gedämpft und der sanfte Jazz-Funk von Incognito klang durch den Raum. Rick seufzte tief auf. „Perfekt.“ „Hmmm?“ Alec machte die Augen auf. „Es ist einfach perfekt. Du und ich, die Musik, die Stimmung …“ Rick schloss die Augen und lächelte. Alec sah auf sein Gesicht herab und spürte, wie seine Liebe zu Rick noch größer wurde. Es war wirklich unglaublich, wie sehr er ihn nach der kurzen Zeit die sie sich kannten, liebte. Er konnte so einfach zeigen, was ihn bewegte, mit wenigen Worten seine ganzen Gefühle ausdrücken… Alec spürte, dass ihre Liebe selten und kostbar war, und unbedingt beschützt werden musste. Er wünschte sich auf einmal, die Zeit anhalten zu können, imstande zu sein diesen wunderbaren Moment festzuhalten, nie wieder in sein tristes Leben zurückzumüssen. Doch die Zeit schritt unerbittlich voran, und bald musste er los. Widerwillig brach er den Zauber des Augenblicks. „Ich muss bald weg, Timmy noch was kochen, bevor ich wieder arbeiten gehe…“ sagte er behutsam. Rick schnitt eine Grimasse und setzte sich auf. Doch er lächelte Alec an. Dieser dankte ihm innerlich tausend Mal, dass er nicht murrte und zog ihn wortlos an sich. Rick drückte ihn fest und sagte fröhlich: „Ich lass dich nicht weg, bevor wir einen Cappuccino zusammen getrunken haben!“ Er verschwand in der Küche und ließ die Kaffeemaschine surren. Alec rief ihm hinterher. „Du kannst nichts einfach so hinnehmen, oder?“ Ricks grinsendes Gesicht erschien in der Tür. „Erfasst!“ und schon war er wieder in der Küche. Eine Minute später brachte er zwei perfekte Cappuccino. Alec wunderte sich schon gar nicht mehr. Er kostete. „Mmmmh, spitze!“ Rick setzte sich mit seiner Tasse neben ihn und nickte. „Ja, die Maschine ist obergeil, ist eigentlich für Restaurants.“ „Sicher auch oberteuer!“ Rick schaute ihn fragend an. „Ist das ein Problem für dich? Ich meine, dass hier alles nach Kohle aussieht?“ Alec schüttelte langsam den Kopf. „Nein. Noch nie hatte ich damit weniger Probleme als bei dir!“ sagte er langsam. „Ist eine schlechte Angewohnheit von mir, immer den Preis zu sehen…“ er seufzte. Rick sah ihn lange an, bis Alec verwirrt die Augen niederschlug. Rick legte ihm die Hand auf den Arm und sagte nur: „Du kannst nichts dafür, Mann!“ Irritiert sah Alec ihn an. „Gib dir doch nicht die Schuld an dem ganzen Mist. Du tust was du kannst, damit ihr über die Runden kommt, hab ich nicht Recht? Dass dein Bruder krank ist, ist nicht deine Schuld, und dass deine Mutter tot ist, auch nicht! Was mit deinem Vater ist, weiß ich nicht, aber auch dafür kannst du sicher nichts. Also hör auf, dich schuldig zu fühlen!“ Alec war sprachlos. Wieder hatte Rick es genau auf den Punkt getroffen. Er fühlte sich tatsächlich auf eine irrationale Art schuldig, nicht weil er etwas dafür gekonnt hätte, sondern weil er nichts dagegen tun konnte. Plötzlich spürte er einen Kloß im Hals. Er wusste, wenn er nicht sofort ging, würde er sich jetzt an Ricks Schulter ausflennen. Und das ging auf gar keinen Fall… er stellte die Tasse auf den Tisch und Rick tat dasselbe. Als Alec aufstehen wollte, hielt Rick seinen Arm fest und zog ihn zu sich. Er sah Alec in die Augen und sagte, ganz leise „Wenn du jetzt weinen musst, dann tu es. Ich bin bei dir!“ Alec schluckte schwer und machte eine abwehrende Handbewegung. Aber Rick ließ ihn nicht los. Endlich gab Alec nach, lehnte sich doch an Rick an und ließ sich umarmen. Rick streichelte zärtlich seinen Rücken, und Alec spürte, wie der Knoten in ihm sich langsam auflöste. Die ersten Tränen taten regelrecht weh, als sie seine Augen verließen und die Wangen herunterliefen, ein stechender Schmerz in seiner Kehle ließ ihn trocken aufschluchzen. Rick hielt ihn ganz fest und streichelte unablässig weiter. Und endlich konnte er den Tränen freien Lauf lassen, legte seine Arme um Ricks Hals und weinte, erst leise, dann immer lauter schluchzend, bis er erschöpft und zitternd in Ricks Armen lag und nur noch vereinzelte Schluchzer ihn erschütterten. Schließlich war auch das vorbei und er richtete sich auf. Sein Gesicht in den Händen verbergend, murmelte er „Entschuldige. Ich hab die Beherrschung verloren.“ Rick ging wortlos in die Küche und kam mit einer Handvoll Kleenex zurück. Er stopfte sie zwischen Alecs Hände und sagte ruppig: „Wenn du wirklich meinst, dich dafür entschuldigen zu müssen, dann kannst du mich mal!“ Dann knallte er sich auf den anderen Teil des Sofas und griff nach seiner Tasse. An dem abgekühlten Cappuccino nippend, sah er zu, wie Alec sich die Nase putzte und das Gesicht abwischte. Als dieser wieder halbwegs klar sehen konnte, schaute er zu Rick hinüber und stellte erschrocken fest, dass dieser verstimmt aussah. Er setzte sich neben ihn und lehnte den Kopf an Ricks Schulter. „Es ist schwer für mich…“ murmelte er. „Was? Gefühle zu zeigen? Was du nicht sagst!“ Rick lächelte leicht. „Mach dir nichts draus. Kann nicht jeder so sein wie ich. Ich bin halt ziemlich italienisch, auch wenn ich nicht so aussehe… wir tragen unser Herz auf der Zunge, capiche?“ Alec nickte. „Aber entschuldige dich nicht mehr dafür, wenn du es doch mal tust. Ich meine, wenn du Gefühle zeigst. Das ist … beleidigend.“ Er sah Alec streng an. „Oder soll ich mich demnächst auch entschuldigen, wenn ich beim Sex stöhne? ‚Oh Alec, verzeih, das ist mir so rausgerutscht…’“ Vergnügt sah er, dass Alec leicht errötete. Er stellte seine Tasse ab, legte die Arme um ihn und küsste ihn leicht. Dann wanderten seine Lippen über die Wange zu Alecs Ohr. „By the way, … musst du sofort weg?“ flüsterte Rick. „Ich hätte da noch die eine oder andere Sache mit dir vor…“ er knabberte leicht an Alecs Ohrläppchen. Dieser, sowieso noch aufgewühlt, konnte sich dem nicht entziehen. Rick war einfach unwiderstehlich sexy, wenn er es wollte. „Eine halbe Stunde“ murmelte er an Ricks Lippen, die inzwischen wieder an seinem Mund angelangt waren. „Mehr brauch ich nicht…“ hauchte dieser, bevor sie in einem heißen Kuss versanken. Nachdem er Alec so weit hatte, wie er wollte, überließ Rick ihm die Führung. Alec war wilder als beim ersten Mal, zärtlich, aber unmissverständlich besitzergreifend, und Rick ließ sich gerne erobern. Sie zogen sich gegenseitig aus und Alec drückte Rick auf das Sofa nieder und kniete sich davor. Er küsste seine Brust, seine Zunge spielte abwechselnd mit den Nippeln, und als Rick aufstöhnend nach ihm greifen wollte, hielt er seine Hände fest. Ein unglaubliches Verlangen hatte von ihm Besitz ergriffen. Er begann langsam, seine Zunge abwärts gleiten zu lassen, beschäftigte sich ausgiebig mit Ricks Bauchnabel, seinen Schenkeln, ließ sie überall entlangstreichen, nur eben nicht da, wo Rick es sich am meisten wünschte, wie an den kleinen Bewegungen, die er machte, zu erkennen war. „Alec, bitte…“ er richtete seine Augen flehend auf seinen Geliebten. „Ja?“ Alecs Stimme klang rau vor Erregung. „Ich will mit dir schlafen…“ Das war Alecs Signal. Er presste hart, fast grob, seinen Mund auf Ricks und verschloss ihn mit seiner Zunge. Er zog sich auf das Sofa und somit auf Rick hinauf und drängte sich heftig zwischen seine Schenkel, ohne den Kuss zu unterbrechen. Rick atmete schwer durch die Nase und klammerte sich an Alec fest. Kurz durchzuckte Alec der Gedanke, ob Rick etwa Angst hatte, doch das Verlangen schwemmte jede rationale Überlegung fort und es blieb das pure Wollen, ihn jetzt zu besitzen, mit ihm zu verschmelzen, eins mit ihm zu werden. Er gab Ricks Lippen frei und keuchte heftig, als er spürte, dass er in der richtigen Position war, bereit… da sah er in Ricks Augen. Er las nackte Panik darin. „Rick! Rick, was ist los?“ War er zu ungestüm? Unwillkürlich rückte er von ihm ab, hob seine Hüfte an, um keinen Druck mehr auf Ricks Unterleib auszuüben. Er umarmte ihn zärtlich und küsste ihn auf die Wange. „Nichts. Garnichts. Mach weiter, bitte.“ flüsterte dieser heiser. Alec schüttelte den Kopf und glitt von ihm herunter. So wollte er es nicht. Bevor Rick protestieren konnte, hatte er wieder angefangen, dessen Hals und Brust zart mit der Zunge zu liebkosen. Zuerst spürte er, wie Rick sich anspannte, doch kurz darauf seufzte dieser und wurde unter Alecs zärtlichen Berührungen wieder locker. Dies änderte sich jedoch schlagartig, als er Alecs Lippen und Zunge nun dort spürte, wo er es vor wenigen Minuten ersehnt hatte. Er stöhnte und führte leicht stoßende Bewegungen aus. Alec verstärkte den Druck seiner Lippen und Rick stöhnte lauter. Als Alec seine Bemühungen noch mehr steigerte, keuchte Rick plötzlich auf. „Nein! Alec, nicht…“ Verwirrt stoppte Alec und Rick zog ihn wieder auf sich. „Ich.. will.. dich.. in.. mir.. spüren“ flüsterte er Alec ins Ohr, jedes Wort betonend. „Das wirst du… lass mich doch erst …“ „Nein! Jetzt sofort!“ Rick strich mit seinen Händen an Alecs Rücken nach unten, umfasste seinen Hintern und zog ihn an sich. Alec wusste, dass er diesmal nicht mehr würde aufhören können, und zögerte. Er wollte diese Angst nicht wieder in Ricks Augen sehen – Angst vor ihm! Er legte sein Gesicht in Ricks Halsbeuge und keuchte leise. „Ich… ich bin zu sehr erregt, ich werde mich diesmal nicht mehr zurückhalten können, Angel…ich weiß nicht, ob ich noch sanft sein kann…“ flüsterte er. Dieser verstärkte den Druck seiner Hände und hauchte: „Das brauchst du nicht… komm .. bitte … auch wenn du ein paar Federn zerzaust…“ Alec nickte. Bei Ricks Berührung flammte pure Lust in ihm auf. Er schob seine Hände unter Rick und hob ihn etwas an. Während er langsam, aber unaufhaltsam, vorwärtsdrängte, stöhnte er voller Begehren in Ricks Ohr „Ich liebe dich!“ „Ich … weiß.“ tbc ... back |