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Serie: Fruits Basket back Titel: with a little help from your friends 1/? Warnungen: shonen ai, het relationship(!), angst
… with a little help from your friends Verdammt. Yuki legte seinen Mathematik-Ordner beiseite. Seine Hausaufgaben hatte er erledigt, und er wusste, dass er gute Arbeit geleistet hatte, obgleich er unkonzentriert war. Der Grund für seinen Unmut waren auch nicht die Hausaufgaben. Der Grund war.. dieser nervtötende Trottel von Katze. Es war jetzt zwei Wochen her seit Kyou sich in seine andere, monströse Form verwandelt hatte, als er weggelaufen und schließlich von Touru zurückgebracht worden war.. in seiner Katzenform. Ja.. Yuki war auch dagewesen und hatte alles mitangesehen. Touru hatte ihr bestes gegeben Kyou davon zu überzeugen, dass es keinen Grund zur Verzweiflung gab, dass sie ihn trotzdem liebte. “Ich bin nicht so besonders stark, aber ich will bei dir bleiben, immer…” Yuki seufzte. Touru und Kyou hatten sich umarmt, und Kyou transformierte unvermeidlich in seine Katzenform… und Touru hatte ihn in ihren Armen heimgebracht. Yuki hatte nur zugesehen und war nebenher getrottet. *** Danach lief alles wie gewohnt. Touru schien keinen von ihnen beiden zu bevorzugen, und Yuki und Kyou stritten und rauften jeden Tag, genau wie immer, aber… Irgend etwas war anders. Es schien als ob ihre Kämpfe aggressiver, härter waren als vorher. Es war nicht mehr nur die alte Fehde Katze gegen Ratte. Wie heute zum Beispiel. Kyou hatte Touru nach den Hausaufgaben gefragt und Yuki hatte – musste ihn deswegen hochnehmen. Natürlich war Kyou sauer geworden und es kam wie es kommen musste. Ein Kampf, wie üblich. Aber Yuki, anstatt sich wie sonst mehr oder weniger nur zu verteidigen, hatte Kyou mit aller Härte attackiert. Wenn Touru nicht eingegriffen hätte, wer weiß… Kyou hatte sich mit einem seltsamen Blick aufgerappelt und war wortlos gegangen. Kopfschmerzen, sowie ein schmerzender Magen von Yukis hartem Schlag ließen ihn nur langsam vorankommen. Yuki war mit Touru zusammen nach Hause gegangen, Touru schwieg ganz gegen ihre Gewohnheit und sah ihn nur manchmal forschend von der Seite an. Zu Hause hatte Shigure Yuki und Kyou ernst ins Gebet genommen. Kyou war wie immer trotzig aufgesprungen und auf das Dach geklettert, und Yuki hatte sich Shigures Ermahnungen schweigend angehört und war anschließend in seinem Zimmer verschwunden. Nun war es spät abends und Yuki ging ins Bad um sich bettfertig zu machen. Kyou stand bereits am Waschbecken und putzte vorsichtig die Zähne. Im Spiegel sah Yuki den Bluterguss auf Kyous Wange. Er war ziemlich groß und hatte sich dunkel verfärbt. „Hör zu, es tut …“ Kyou nahm die Zahnbürste aus dem Mund. „Halt die Klappe.“ Yuki verzog das Gesicht und verließ das Bad ohne weitere Worte. Kyou feuerte die Zahnbürste in den Becher und wischte sich vorsichtig den Mund ab. Er schnitt eine Grimasse und gab ein missmutiges Geräusch von sich, als die Prellung sich schmerzhaft bemerkbar machte. „Verdammte Ratte!“ murmelte er bevor er das Bad verließ und wieder auf das Dach stieg. Er brauchte Luft. Platz. In seinem Zimmer würde er sich jetzt eingesperrt fühlen, das wusste er. Lange lag er da und starrte in den Nachthimmel. Es kotzte ihn an. Warum war er Yuki immer unterlegen, konnte ihn nie besiegen, musste immer klein beigeben? Nein, nicht korrekt, er gab nicht klein bei. Nie. Obwohl es immer wieder zu einer Niederlage führte. Vorsichtig berührte er seine Wange. Es tat weh. Aber mehr als der physische Schmerz war es das erneute Versagen, das ihn quälte. „Eines Tages…“ murmelte er und merkte, wie seine Lider schwer wurden. Er sollte langsam ins Bett gehen. Ein Geräusch auf der Leiter ließ ihn sich aufsetzen. Er starrte zur Dachkante, als Yukis Kopf auftauchte. „Was willst du denn hier?“ Yuki kletterte ganz auf das Dach und setzte sich ein Stück weit von ihm hin. „Es tut mir leid.“ „Vergiss es. Das glaubst du doch selber nicht!“ knurrte Kyou und starrte ihn wütend an. Leichter Unmut zeigte sich auf Yukis Gesicht. „Wenn ich sage es tut mir leid, dann ist das auch so!“ Seine Stimme klang ruhig, jedoch leicht angespannt. „Was soll’s, ich will deine Entschuldigung nicht. Du hast mich wieder besiegt, also lass es dabei und lass mich in Ruhe!“ grollte Kyou und wandte sich ab. Die nächste Äußerung von Yuki ließ ihn jedoch wieder herumfahren. „Du bist eifersüchtig, oder?“ Kyou wusste sofort, was Yuki meinte und schnaubte verächtlich. „Eifersüchtig! Wie könnte ich?“ Yuki sah ihn an. „Du magst sie, oder?“ Kyou’s Blick wurde nachdenklich. „Klar… wie könnte man sie auch nicht lieben? Du magst sie doch auch!“ Yuki schlug die Augen nieder. „Ja… ich frage mich… wen mag sie wohl?“ „Sie? Das kann ich dir sagen! Sie liebt jeden von uns! Jeden verdammten Juunichi und wahrscheinlich auch diesen verdrehten Akito auf ihre naive Art!“ grollte Kyou und ballte die Fäuste. Yuki sah es und lächelte traurig. „Ich hatte dich gar nicht für so besitzergreifend gehalten…“ „Ha! Besitzergreifend für’n Arsch! Red doch nicht solchen Blödsinn! Wie kann ich besitzergreifend sein wenn ich mich jedesmal, wenn ich sie umarme in dieses verdammte Katzenvieh verwandle?“ Er drehte sich weg und starrte wütend in den Nachthimmel. „Ich wette DU bist eifersüchtig! So wie du dich aufführst, in letzter Zeit…“ Yuki seufzte. Ohne auf diese Äußerung einzugehen stützte er den Kopf in die Hand. „War echt ne gute Sache das, da am Strand, oder? Ich frage mich, wie es sich anfühlt…“ „Wie sich was anfühlt?“ Kyou sah ihn misstrauisch an. „Umarmt zu werden…“ Yuki erhob sich und stieg die Leiter wieder hinunter. „Toll!! Es fühlt sich großartig an!!“ blaffte Kyou hinter ihm her. ‚Verdammte Ratte. Immer redet er von Touru!’ dachte er wütend. „Ich mag sie. Sogar sehr! Ich liebe sie sogar! Aber… aber… “ sein Murmeln verstummte und er schloss die Augen. „Blöde Ratte!“ dachte er noch, bevor er einschlief, auf dem Dach... katzengleich. Touru hatte unter ihrem Dachfenster gestanden und das meiste mitbekommen. Sie schüttelte sorgenvoll den Kopf. Waren Kyou und Yuki Rivalen? Ihretwegen? Sie wollte niemanden verletzen, noch dass sich andere ihretwegen in die Haare bekamen. „Sind sie etwa beide in mich verliebt? Das wäre wirklich traurig, weil…“ sie setzte sich vor das Bild ihrer Mutter. „Mama – Ich liebe sie beide sehr, genau wie Shigure, Momiji, Kagura und alle… aber ich.. mein Herz gehört…“ sie atmete tief durch. Es war sowieso aussichtslos. „Mutter, was soll ich tun? Ich bin viel zu jung für ihn - er denkt sicher nicht mal an mich… wie soll ich es wagen… was soll ich nur tun?“ Eine einzelne Träne lief ihre Wange herunter. Das lächelnde Gesicht ihrer Mutter verschwamm vor ihren Augen, als mehr Tränen in ihre Augen traten. Sie glaubte die Stimme ihrer Mutter zu hören. „Denk nach! Du musst die Antwort selber finden, Tochter! Du bist kein Kind mehr. Handle wie eine Erwachsene, und du wirst auch so behandelt werden!“ Etwas getröstet legte sie sich ins Bett, im Einschlummern hörte sie noch Kyous Tür knarren. „Gute Nacht, Kyou-kun, ich hab euch beide lieb!“ murmelte sie bevor sie einschlief. *** Am nächsten Tag bereitete Touru das Essen für ihre drei Mitbewohner vor und verließ dann das Haus. Shigure war bereits am Morgen gegangen, er wollte ins Haupthaus der Soumas. Touru machte sich ebenfalls dorthin auf den Weg, ohne zu wissen, dass Shigure dort war. Hatori reichte seinem Verwandten eine Tasse Tee. „Was führt dich her, Shigure?“ Dieser nahm einen vorsichtigen Schluck. „Nichts besonderes. Ich wollte dich mal wieder sehen, Ha-kun.“ Er lächelte harmlos. Hatori runzelte die Brauen. „Warum habe ich das Gefühl, dass das nicht der einzige Grund ist, Shigure-kun?“ Hatori wusste ganz genau dass sich hinter Shigures manchmal leichtsinniger Art ein ernsthafter Mensch versteckte, der ziemlich genau wusste, was um ihn herum vorging, wenn er es auch meistens nicht zeigte. Dieser nahm noch einen Schluck Tee. „Ist ziemlich gespannt, die Stimmung bei uns…“ sagte er in leichtem Plauderton. „Ist sie das nicht immer?“ Hatori ging auf den Ton ein und nippte an seiner Tasse, seine Augen fixierten jedoch Shigures Gesicht. „Es scheint, dass sich eine kleine Rivalität zwischen Kyou und Yuki entwickelt, was Touru betrifft…“ in sich hinein lächelnd registrierte Shigure, dass sich Hatoris Gesicht verfinsterte. „Und das stört dich?“ Hatoris Tonfall war fast lauernd. Shigure konnte sich kaum das Grinsen verkneifen, als die nächste Frage kam. „Bist du in Touru verliebt, Shigure? Ich denke nicht, dass sie …“ “Nein, bin ich nicht. Natürlich nicht. Aber mir scheint…“ er nippte wieder an seinem Tee und grinste Hatori jetzt offen an „mir scheint, dass du ihr nicht ganz gleichgültig gegenüber stehst, habe ich Recht?“ Hatori wurde verlegen, und Shigure lachte. „Ich wusste es!“ Ärgerlich stand Hatori auf. „Was erzählst du denn da, ich…“ „Du bist knallrot geworden, Hatori! Was soll ich da schon glauben?“ Shigure lachte laut und sang „Hatori ist in Touru verliebt, Hatori ist in Touru verliebt…“ „Sei still!!“ Hatori funkelte ihn ärgerlich an und Shigure lachte noch lauter. Dann sah er, wie Hatori die Augen aufriss und drehte sich um. Momiji kam den Weg heraufgehüpft, an der Hand hielt er – Touru. „Mir scheint, es ist Zeit für mich zu gehen!“ Shigure stand auf. Hatori sah ihn erschrocken an. „Bleib hier, Shigure!“ „Tut mir leid… meine Verlegerin wartet auf mich!“ Shigure grinste breit. „Shigure! Sonst ist sie dir auch vollkommen egal! Bleib hier!“ Hatori war selten außer sich, aber jetzt war er es. Er sah regelrecht verzweifelt aus. Shigure schüttelte bedauernd den Kopf. „Tut mir wirklich leid, Ha-kun, ich muss…“ er verließ das Haus und lächelte im Vorbeigehen Touru an „Oh du besuchst Ha-kun? Wie schön, er freut sich sicher!“ „Momiji, bringst du mich zum Tor?“ „Klar, Gure-kun gerne!“ Der Kleine ließ Tourus Hand los und hüpfte mit Shigure den Weg zum Tor zurück, eifrig auf ihn einplappernd. Touru war etwas unsicher stehen geblieben, als sie Hatori mit finsterem Gesicht auf der Veranda stehen sah. Er sah ganz und gar nicht erfreut aus! Jetzt wandte er ihr den Blick zu und lächelte höflich. „Touru-san. Komm herein.“ „Ich will nicht stören…“ Hatori stellte eine frische Tasse Tee auf den niedrigen Tisch. „Du störst nicht. Trink bitte einen Tee mit mir.“ Touru kniete sich davor. „Danke.“ Sie ergriff die Tasse jedoch nicht, sondern starrte auf ihre Hände. „Nun?“ Verwirrt sah sie auf. Nun? „Was führt dich zu mir? Fühlst du dich unwohl?“ Sie schüttelte den Kopf. „Mir geht es gut, danke. Ich wollte nicht …“ sie verstummte und Hatori sah sie forschend an. „Ich brauche nicht den Arzt Hatori …“ Der wusste nichts zu erwidern und trank erst einmal einen Schluck Tee. Schweigen breitete sich zwischen ihnen aus wie eine Wolldecke, die jedes Gespräch zu ersticken drohte. Schnell sagte Touru „Ich wollte … dich einfach besuchen!“ Sie lächelte schüchtern. *** Yuki und Kyou saßen beim Essen und schwiegen sich an. Sie stritten nur halbherzig um die besten Happen, und jeder schien das Bestreben zu haben, so schnell wie möglich fertig zu werden und den Tisch verlassen zu können. „Du räumst ab!“ sagte Yuki schließlich und stand auf. „Wieso!?“ Kyou sah wütend von seinem letzten Reisbällchen auf. „Du hast den letzten Happen genommen, also!“ Damit wollte Yuki sich zum Gehen wenden. „Das könnte dir so passen! Hilf gefälligst mit, du faule Ratte!“ Yuki schien zu überlegen. „Wird auch besser sein, du tollpatschiges Katzenvieh schmeisst sonst eh alles hin!“ Kyou fuhr auf. „Werd’ nicht frech, oder willst du ’ne Abreibung, Ratte?“ „Denk an deine Prellung im Gesicht und halt lieber die Klappe, neko no baka“ gab Yuki ungerührt zurück und nahm sein Geschirr. Kyou wollte ihn am liebsten niederstrecken, beherrschte sich jedoch, packte seine Teller und Schüsseln und folgte ihm in die Küche. Er stellte das Geschirr auf die Spüle und nahm das Tablett mit dem Teegeschirr. Er setzte es auf dem Wohnzimmertisch ab und kniete sich davor. Während er Tee einschenkte sagte er mit neutraler Stimme über die Schulter „Für jemanden, der wie ein Mädchen aussieht, nimmst du den Mund ganz schön voll!“ Damit hatte er einen Volltreffer gelandet. Yuki eilte ihm nach und zerrte ihn am Arm in die Höhe, gerade konnte er die Kanne noch abstellen. „Du Bastard, sag das nicht nochmal, sonst…“ „Sonst was, Yuki-chan?“ Dieser stürzte sich auf ihn und wollte ihn zu Boden werfen, doch Kyou warf sich blitzschnell herum und riss seinerseits Yuki zu Boden. Er kam auf ihm zu liegen und riss überrascht die Augen auf. Er hatte Yuki niedergerungen? Belustigt keuchend pinnte er dessen Arme neben seinem Kopf auf den Boden. „Und ich sage es nochmal: Als du dieses Kleid auf dem Schulfest anhattest HAST du wie ein süßes Mädchen ausgesehen!“ Yuki wurde knallrot und wand sich unter ihm, doch Kyou hielt eisern fest und grinste. „Keine Chance, kleine Ratte, hab dich!“ Yuki hielt still und starrte ihn hochrot und zornig an. Kyou wurde ernst und sah durchdringend auf ihn herab. Dann ließ er ihn plötzlich los. „Du siehst sogar jetzt süß aus…“ murmelte er und stand auf. „… sagte die Katze und verschlang die Maus!“ gab Yuki sarkastisch zurück und stand ebenfalls auf, sich die schmerzenden Arme reibend. Er ließ sich auf den Tatami am Tisch fallen. Kyou folgte ihm und ließ sich neben ihm nieder. Er wandte den Kopf und sah Yuki tief in die Augen. “Genau so ist es…“ er näherte sein Gesicht dem von Yuki. Dieser versteifte sich und starrte Kyou an. Der grinste und kam noch näher, bis ihre Lippen sich fast berührten. „Ich werde…“ „Tadaiiiimaaaaaaaaaa!!“ Shigure stampfte ins Wohnzimmer und fand Kyou und Yuki am Tisch sitzend, jeder eine Tasse Tee vor sich. „Wie nett…“ Shigure grinste. „So friedlich… habt ihr mir was übriggelassen?“ „In der Küche.“ tönte es ihm unisono entgegen, Kyou – wie üblich - etwas grummelnder als Yuki. Shigure ging hinaus um sein Essen zu holen. „Ich frage mich, wobei ich sie gestört habe…“ dachte er, als er seine Mahlzeit in dem nun verwaisten Wohnzimmer zu sich nahm, gegenüber die zwei unberührten Tassen mit dem Tee, der langsam kalt wurde. *** Hatori war ratlos. Er wusste einfach nicht, was er mit Touru reden sollte, die schweigend vor ihm saß, den Blick auf ihre Tasse gesenkt. Schließlich räusperte er sich. „Wie läuft es mit Yuki und Kyou?“ Verwirrt hob Touru den Kopf. „Wie es läuft?“ Was meinte er? Hatte etwa Shigure irgend etwas erzählt? Sicher hatte dieser auch gemerkt, dass sich das Verhältnis der beiden nicht besserte, sondern eher wieder verschlechtert hatte. Ob Shigure den Verdacht geäußert hatte, das die beiden um sie rivalisierten? Das wäre gar nicht gut, überhaupt nicht… sie verflocht die Finger ineinander. „Touru?“ Sie erschrak. Was sollte sie sagen? „Nicht… nicht so gut. Sie streiten viel und …“ „Also das übliche?“ Hatori sah sie forschend an. Nein, es war nicht das übliche, das konnte er an ihrem Gesicht ablesen. Sie senkte wieder den Blick und schüttelte den Kopf. Eigentlich wollte sie nicht über Yuki und Kyou reden… „Touru…“ erneut hob sie den Blick. Hatori sah sie forschend, mit einem fast – ängstlichen? Blick an. „Ja?“ Ihr Herz klopfte schnell. Sie spürte dass etwas in der Luft lag, eine unausgesprochene Frage, die wahrscheinlich sehr wichtig war, für sie und für Hatori… „Wen magst du lieber? Kyou oder Yuki?“ Sie wurde puterrot. „Ich…“ Hatori beugte sich vor. In seinem Herzen tobte ein Sturm. Tourus Reaktion konnte doch nur bedeuten, dass sie wirklich einen der beiden – mochte. Resigniert sagte er leise „Du solltest sie nicht zu lange hinhalten.“ Innerlich schalt er sich einen Idioten. Touru war niemand, der mit Männerherzen spielte! Er sah ihr an dass seine Äußerung sie verletzte. „Verzeihung. Ich hatte nicht die Absicht, jemanden hinzuhalten… ich… es ist nur so…“ verzweifelt verschränkte sie die Hände im Schoß. Hatori hatte trotz seines eigenen Schmerzes Mitleid mit ihr. „Touru, ich glaube ja gar nicht dass du herumspielst. Es ist auch nicht deine Sache, den ersten Schritt zu machen, sondern die der beiden… du musst nur genau wissen was du willst – sonst wird jemand verletzt, du vielleicht am meisten! Die Entscheidung triffst du! Und…“ „Ja?“ „Du weißt dass es nicht gut ist, wenn ein Außenstehender sich mit einem Juunichi einlässt? Touru stand auf und nickte. „Ja. Das weiß ich.“ Hatori stand ebenfalls auf. „Und… hast du dich entschieden?“ Touru nickte wieder. Sie legte die Hände auf dem Rücken zusammen und trat auf Hatori zu. Als sie dicht vor ihm stand erhob sie sich auf die Zehenspitzen und hauchte einen Kuss auf seine Wange. Dann drehte sie sich errötend um und wollte mit einem geflüsterten „Auf Wiedersehen“ das Haus verlassen, als Hatoris Stimme sie aufhielt. „Touru – wie ist deine Entscheidung?“ „Weißt du das nicht?“ Hatori schwieg und sah mit hämmerndem Herzen zu, wie Touru davonlief. Momiji tauchte an ihrer Seite auf und begleitete sie fröhlich schwatzend zum Tor. Bevor es sich hinter ihr schloss drehte sie sich noch einmal um und sah zum Haus. Hatori stand und starrte, bis eine sanfte Stimme hinter ihm erklang. „Hatori-san … gerätst du wieder auf Abwege?“ Er drehte sich langsam um. „Nein. Nein Akito, das tue ich nicht.“ „Dann ist es ja gut.“ Der grazile Mann löste sich aus dem Schatten des Pfeilers und kam auf ihn zu. Die Arme von hinten um Hatori schlingend wisperte er in sein Ohr. „Es wäre doch schade, wenn sie ihre Erinnerungen verlieren müsste, nicht wahr?“ Hatori senkte den Kopf. „Ja. Sicher.“ Akito lächelte zufrieden. Dann wechselte er das Thema. Er fasste sich an die Stirn und seine Stimme klang auf einmal kindlich. „Ich bin wieder dauernd so müde! Kannst du nichts dagegen tun, Ha-chan?“ Sofort bekam Hatori seinen Mediziner-Blick. „Ich gebe dir ein Stärkungsmittel, und wir müssten auch mal wieder ein paar Tests machen.“ Akitos Gesicht verfinsterte sich. „Tests, immer wieder Tests! Was bin ich, ein Studienobjekt?“ Er löste sich abrupt von Hatori und wandte sich zum Gehen. „Ich bin in meinem Zimmer!“ Hatori seufzte. „Ich komme gleich nach.“ Akito drehte sich noch einmal um. „Bin ich eine Last, Hatori-san?“ „Nein, Akito, bist du nicht. Du weißt, dass es nicht so ist.“ „Liebst du mich, Hatori?“ Diesmal verzichtete er auf das suffix. „Natürlich, Akito.“ Dieser lächelte. „Ich liebe dich auch. Siehst du? Wir brauchen keinen Außenseiter!“ Damit wandte er sich endgültig um und verließ Hatori. Dieser setzte sich an seinen Schreibtisch, stützte den Kopf auf die Hand und starrte vor sich hin. Er liebte seinen Cousin tatsächlich, und er konnte ihm nicht böse sein. Er hatte ihm sogar verziehen, dass dieser aus Eifersucht sein linkes Auge zerstört und Hatoris Geliebter dafür die Schuld gegeben hatte. Diese litt sehr darunter, so dass Hatori schließlich ihre Erinnerungen an ihre Liebe zu ihm löschen musste, damit sie nicht an gebrochenem Herzen starb. Er durfte niemanden lieben. Außer Akito versteht sich. Er war an ihn gekettet, solange dieser lebte, aber Hatori hatte gelernt, es als gegeben hinzunehmen. Akito trug den schwersten Teil des Fluches. Er war zu einem kurzen, von Krankeit und Schwäche geprägten Leben verdammt und war unfähig, sich damit abzufinden und die Tage die er noch hatte wenigstens zu genießen. Hatoris Herz zog sich schmerzhaft zusammen. Akito war so von Hass und Wut über sein Schicksal zerfressen, dass er nichts anderes empfinden konnte. Er tat ihm unendlich leid. Auch Touru hatte Mitleid mit Akito, doch der hasste sie zutiefst, wie er jeden Außenstehenden mit Hass verfolgte. Hatori riss sich zusammen. Wenn er Touru nicht in Gefahr bringen wollte, durfte er sich keine Hoffnungen machen. Als sie ihn vorhin auf die Wange geküsst hatte, war ein Hoffnungsstrahl in ihm aufgeflammt, der jedoch von Akito gleich wieder im Keim erstickt worden war. Er zog eine Spritze auf und machte sich auf den Weg in dessen Zimmer. So war es halt, und so würde es bleiben… *** Touru kam am späten Nachmittag zu Hause an und ging sofort in die Küche um das Abendessen zu kochen. Von Yuki und Kyou war nichts zu sehen, Shigure arbeitete an seinem neuesten Roman. Touru lächelte. Er war ein ernsthafter Schriftsteller, auch wenn er manchmal wie ein übermütiger Schuljunge wirkte. Hatori dagegen… er war immer so ernst, fast melancholisch. Sie seufzte. Ihr Besuch heute bei ihm war nicht nur sinnlos gewesen, wahrscheinlich hatte er mehr geschadet als genützt. Warum musste sie auch so herumstottern? Wieso fiel ihr nie das passende ein, wenn es hart auf hart kam? Hatori hielt sie sicher für ein dummes kleines Mädchen, mehr nicht. In diese Gedanken versunken fuhr sie auf, als Yukis sanfte Stimme erklang. „Hi, Honda-san.“ „Hi Yuki-kun.“ Sie sah dass er leicht errötete und senkte, ebenfalls verlegen den Blick. „Souma-kun wollte ich sagen..“ Yuki errötete etwas mehr. „Das ist in Ordnung, Touru-chan. Du darfst mich ruhig so nennen.“ In diesem Moment betrat Kyou die Küche und starrte die beiden misstrauisch an. „Was seid ihr denn so rot?“ Rasch fuhr Touru fort, das Gemüse zu putzen. „Ano.. Kyou-kun, es ist nichts … gar nichts.“ Der fuhr herum und stampfte hinaus. „Hmf. Wers glaubt.“ Yuki starrte ihm nach. Touru drehte sich um und erschrak vor dem Ausdruck tiefster Traurigkeit in Yukis Augen. „Yuki-kun…“ Der schüttelte den Kopf. „Alles in Ordnung. Mach dir keinen Kopf.“ Damit verließ er ebenfalls die Küche. Als das Abendessen serviert war saßen alle in Gedanken versunken am Tisch. Nach dem Essen sah Shigure von einem zum anderen. „Ihr wart ja so ruhig? Was ist los, habt ihr wieder gestritten?“ Kopfschütteln. „Was dann?“ Touru stand schnell auf. „Ich werde aufräumen.“ Kyou war schon draußen und Yuki bot ihr Hilfe an. „Danke Yuki-kun, das ist sehr nett. Wenn du abtrocknen könntest? Ich bin heute ein bisschen müde und ich muss auch noch für den Test morgen lernen.“ So standen sie nebeneinander an der Spüle, jeder in seine Gedanken vertieft. Als die Arbeit getan war wollte Yuki die Küche verlassen, doch Touru hielt ihn auf. „Yuki-kun?“ „Ja?“ „Hasst du Kyou-kun?“ „Nein.“ Touru lächelte ihn an. „Gut! Das macht mich froh.“ Yuki wartete ob noch etwas nachkam, aber sie räumte, weiterhin lächelnd, das Geschirr in die Schränke und sagte nur „Danke für deine Hilfe, jetzt kann ich lernen gehen.“ Yuki lächelte sie an. „Bitte sehr, gern geschehen.“ Dieses Lächeln sah Kyou, der in die Küche gekommen war um sich etwas zu Trinken zu holen. Mit finsterem Gesicht knallte er die Kühlschranktür wieder zu und verließ die Küche ohne etwas zu trinken. Wenig später hörten sie ihn auf das Dach klettern. Touru verzog bedauernd das Gesicht. „Schade, dass er so eifersüchtig ist…“ Yukis Lächeln war auch erloschen. „Ja.“ Sie sah ihm traurig nach, als er wortlos die Küche verließ. ‚Was soll ich denn machen? Ich kann nichts dafür, dass sie Rivalen sind. Ich habe doch keinen dem anderen vorgezogen…’ Traurig ging sie in ihr Zimmer um endlich mit dem Lernen zu beginnen. Kyou lag auf dem Dach und fühlte sich elend. Verdammte Ratte … Er starrte in den wolkigen Himmel, als er spürte, wie Regentropfen auf sein Gesicht fielen. Eine Minute später goss es in Strömen, doch er rührte sich nicht von der Stelle. Der Regen war kalt, aber er hatte auch einen beruhigende Wirkung auf sein erhitztes Gemüt. Er konnte es nicht mehr aushalten, er musste raus aus diesem Haus! Touru und Yuki würden ihn sicher nicht vermissen. Er schnaubte. Grade Yuki würde ihn todsicher nicht vermissen… Der Regen strömte immer heftiger auf ihn herab, und bald war er völlig durchnässt. Es war ihm egal. Er war sowieso allen egal… Selbst wenn sie so taten als ob sie Anteil nahmen. Seine ganzen Aggressionen, seine ungefilterten Zornattacken, waren die Antwort auf seine ignorante Umwelt. Sollten sie ihn doch für einen unbeherrschten, unfähigen Trottel halten. Sollten sie über seine vergeblichen Versuche, Yuki Souma im Kampf zu besiegen, lachen. Alles was er jemals gewollt hatte war, genauso akzeptiert zu werden wie dieser. So wie er war, mit Ecken, Kanten, Fluch und allem. Doch das war wohl zuviel verlangt. Und jetzt war noch etwas anderes hinzugekommen. Die Person, von der er sich am meisten wünschte, akzeptiert zu werden, war ganz offensichtlich verliebt. Nur nicht in ihn… Als ihm bewusst wurde, wie kalt es war, schlotterte er bereits am ganzen Körper. Mühsam stieg er die Leiter hinunter und schlich in sein Zimmer. Es war fast Mitternacht und im Haus war alles ruhig. Er trocknete sich notdürftig ab und kroch todmüde unter die Bettdecke. Morgen würde er hier abhauen. Ein für alle mal, vielleicht wieder in die Berge, zum Training mit seinem sensei, aber eigentlich war ihm auch das egal. Nur weg hier… *** Hatori begab sich ebenfalls erschöpft in sein Zimmer. Er hatte bis eben an Akitos Bett gesessen und den unruhigen Schlaf des Clanoberhauptes beaufsichtigt. Endlich war dieser in eine Tiefschlafphase gefallen, die erfahrungsgemäß bis zum Morgen anhalten würde. Wenn Akito in der unruhigen Phase aufschreckte, wanderte er oft bis zum Morgen durch das Haus um dann meistens einen Schwächeanfall zu erleiden, von dem er sich nur langsam erholte. Hatori hatte vergessen, wie oft er schon die Nächte durchwacht hatte seit er Akitos ‚Leibarzt’ geworden war. Völlig erledigt legte er sich auf seinen Futon und schloss die Augen. Doch der Schlaf wollte nicht kommen. Vor seinem geistigen Auge tauchte unweigerlich Tourus Bild auf. Er schalt sich selbst unvernünftig und verrückt, aber das änderte nichts an seinen Gefühlen. Vom ersten Augenblick an hatte dieses Mädchen sein Herz gewonnen. Seit Kana gegangen war, hatte er nicht mehr so gefühlt. Er sagte sich wieder und wieder dass Touru zu jung, zu naiv und außerdem ein Außenseiter war, doch es half alles nichts. Das einzige was ihn davon abhielt, sofort zu ihr zu eilen und ihr seine Liebe zu gestehen war Akitos unterschwellige Drohung. Er wusste, dass dieser es ernst meinte, und er würde Mittel und Wege finden, diese Drohung wahr zu machen, wenn Hatori sich widersetzte. Wie schon tausendmal vorher verfluchte Hatori sein Schicksal. Warum musste er in diese Familie hineingeboren worden sein? Immer noch Tourus Bild vor Augen, ihre sanfte Stimme im Ohr, lächelte er als ihn der Schlaf doch übermannte. *** „Kyou! Kyou aufstehen! Wir müssen gleich zur Schule!“ Yuki hämmerte gegen Kyous Zimmertür, doch es kam keine Antwort. Entnervt riss er die Tür auf. „Wenn du jetzt nicht aufstehst, gehen wir ohne dich los!“ Kyou lag mit dem Rücken zur Tür. „Hau ab!“ Yuki stutzte. Kyous Stimme klang merkwürdig. Er machte die paar Schritte zu Kyous Bett. Dieser rührte sich nicht, als Yuki ihn an der Schulter rüttelte. „Nun los! Touru hat das Frühstück fertig!“ „Hab keinen Hunger.“ Jetzt hörte er es. Kyou war stockheiser. Er fasste seinen Hals an. Glühendheiß! „Fass mich nicht an!“ Kyou schob seine Hand weg. „Kyou, du hast Fieber! Warum sagst du nicht, dass es dir nicht gut geht?“ Yuki klang besorgt. „Ist doch egal. Wen interessiert das schon?“ „Ich hole Touru, oder soll ich Hatori rufen?“ „Mach was du willst!“ Kyou regte sich nicht, als Yuki das Zimmer verließ und leise die Tür schloss. „Hmpf. Als ob DER sich Sorgen machen würde!“ Kyou hielt sich den schmerzenden Kopf. Verdammter Regen. Was war er doch für ein Trottel! Mit dem Abhauen das war wohl nichts, jedenfalls vorerst nicht... Touru kam mit kühlen Umschlägen und Tee, während Yuki mit Hatori telefonierte. Sie riet ihm besorgt, liegenzubleiben bis dieser kommen würde. Dann machten sich Yuki und Touru auf den Weg zur Schule. Kyou konnte sie hören, wie sie den Weg entlanggingen. „Geht nur…“ ein bißchen Selbstmitleid wallte auf, doch er unterdrückte es. Schlafen! Er war todmüde, das musste das Fieber sein… Hatori stellte eine schlimme Erkältung fest. „Du wirst eine Woche nicht zur Schule gehen und dreimal täglich diese Medizin einnehmen. Dann wird es wieder weg sein.“ Hatori stand auf und nahm seine Tasche. „Und sei bitte vernünftig und halte dich daran. Wir wollen doch nicht, dass du dir ernsthaft was wegholst.“ „WER will das nicht? Ich wüsste nicht, wen das interessieren sollte.“ Kyou klang nicht wütend, eher resigniert. „Ich denke, Touru und Yuki, sicher auch Shigure, nicht zu vergessen – ich?“ Hatori lächelte aufmunternd. Kyou war ziemlich depressiv fand er. „Pah! Touru und Yuki haben genug mit sich selbst zu tun.“ Kyou vergrub sein Gesicht in der Decke. Hatori lächelte nicht mehr. „Wie meinst du das?“ „Ich meine dass Yuki auf Touru steht.“ „Du solltest sie mal sehen! Immer dieses sich-angrinsen, und rot werden und ‚Yuki-kun’, ‚Touru-chan’ und der ganze Kram. Lächerlich.“ Kyou ballte die Fäuste unter der Decke. Eigentlich wollte er Hatori das gar nicht sagen. Dieser ging zur Tür. „Ich komme übermorgen wieder. Gute Besserung!“ Es kam zuerst nur ein Brummen als Antwort, dann doch noch ein heiseres „Danke!“ „Keine Ursache.“ Hatori ging die Treppe hinunter. ‚Yuki steht auf Touru…’ Es stimmte also. Kyou war offensichtlich eifersüchtig. Und sie? Wen mochte sie? Er schüttelte den Kopf. Es hatte ihn nicht zu interessieren. Entschlossen verdrängte er den Gedanken an sie und fuhr nach Hause. *** Yuki und Touru hatten auf dem Heimweg gleich eingekauft, und Touru war dabei, eine Hühnersuppe zu kochen. „Hühnersuppe ist gut bei Erkältung! Kyou soll doch bald wieder gesund sein, und Lauch mag er ja nicht...“ Yuki nickte zustimmend. „Du machst dir Sorgen, oder?“ Touru sah vom Topf auf. „Sicher. Ich mag Kyou-kun.“ Sie lächelte ihn an, doch Yuki sah auf seine Hände. „Darf ich dich was fragen?“ „Natürlich, was willst du wissen?“ „Was ist Kyou für dich? Ein Freund? Oder bist du.. ich meine..“ er brach ab. Was tat er hier? Gleich würde Touru ihm sagen, er solle sich um seine eigenen Angelegenheiten kümmern. „Ein Freund. Ein sehr lieber, geschätzter Freund, aber … nein, ich bin nicht…“ sie errötete. „Warum fragst du mich das?“ Yuki schüttelte den Kopf. „Tut mir leid. Ich wollte dich nicht bedrängen, es ist nur – ich dachte du, und er.. ihr beide…“ Touru
ergriff seine Hände und lächelte ihn abbittend an. „In wen denn?“ Er sah sie neugierig an. In diesem Moment kam Shigure in die Küche. „Hallo Touru, das riecht lecker nach Hühners…“ Er starrte auf Touru, die immer noch Yukis Hände in den ihren hielt. Sie ließ so hastig los, als hätte sie sich verbrannt und rührte heftig in der Suppe herum. „Ja, Shigure-san, es ist gleich fertig, das ist weil Kyou doch krank ist und Hühnersuppe ist gut bei Erkältung und…“ rasch füllte sie eine Schüssel mit der Suppe. „Könntest du ihm die hochbringen?“ „Klar, aber gerne doch!“ Er nahm die Schüssel und beugte sich zu Yuki. „Alle Achtung, du lässt ja nichts anbrennen, jetzt wo dein Rivale außer Gefecht ist, hehehehe.“ „Baka.“ Mit steinerner Miene verließ Yuki die Küche. „Ich bin im Gemüsegarten!“ Shigure stieg die Treppe zu Kyous Zimmer hoch und klopfte an. Als er eintrat lag Kyou mit offenen Augen da und starrte an die Decke. „Hier ist Hühnersuppe, Kyou-kun, von Touru mit Liebe gekocht“ Shigure grinste über sein Wortspiel. Kyou sah ihn misstrauisch an. „Was grinst du so?“ seine Stimme klang leicht krächzend. Shigure gluckste. „Na.. also ich kam in die Küche und da stand Touru und hielt Yukis Hände, kawaiiii sag ich dir…“ als er Kyous Gesichtsausdruck sah, verstummte er. „Uups. Sorry.“ Er stellte die Suppe hin und setzte sich auf das Bett. „Mach dir nichts draus. Du hast doch Kagura. Sie liebt dich und ich weiß nicht, was sie mit dir oder Touru anstellen würde, wenn… “ Bei der Nennung dieses Namens wurde Kyou zornrot. „Hau ab!“ Shigure verbeugte sich hastig und verließ ihn so rasch er konnte. Lieber nichts riskieren… Kyou kochte. Die hatte ihm grade noch gefehlt! „Wehe, jemand sagt ihr, dass ich krank bin!!“ krächzte er noch, bevor er sich über die Suppe hermachte. Soso, Touru hielt also Händchen mit Yuki. Na toll! Von ihm aus konnten ihm alle gestohlen bleiben! Die Suppe war jedoch mehr als köstlich, ob er wohl noch mehr bekommen könnte? *** Yuki hatte lustlos an seinem Beet gearbeitet und nachgedacht. Touru war in irgend jemand anderen verliebt. Jemanden aus der Souma-Familie? Er seufzte. Eigentlich war es ja egal, jedenfalls war es weder Kyou noch er. Ob er mal zu Kyou gehen sollte? Er war sich nicht sicher, wie dieser seinen Besuch auffassen würde. Sein Magen knurrte vernehmlich, also ging er in die Küche zurück und nahm sich selbst etwas von der Suppe. Während er noch aß kam Touru herein. „Ach Yuki-kun, könntest du bitte Kyou-kun fragen, ob er noch Suppe haben möchte? Ich will nochmal kurz einkaufen gehen!“ Yuki nickte und stellte seine Schüssel ab. Zögernd stieg er die Treppe hinauf. Vor Kyous Zimmer blieb er stehen. Er holte tief Luft und klopfte. „Ja.“ Yuki steckte den Kopf ins Zimmer. „Hallo.“ „Hallo.“ Kyou sah etwas besser aus als gestern, aber immer noch nicht wirklich gut. „Wie geht es dir?“ „Wie soll es mir schon gehen?“ Kyou war verunsichert. Was wollte Yuki denn hier? Dieser wandte sich zum Gehen. „Entschuldige. Ich störe dich nicht weiter.“ „Warte.“ Yuki blieb stehen. „Tut mir leid. Es geht mir etwas besser.“ Kyou starrte auf die Bettdecke. „Ich wundere mich nur, dass du hergekommen bist.“ Yuki ging zu Kyous Bett und setzte sich auf die Kante. „Ich war besorgt. Ähm, Touru übrigens auch. Ich sollte fragen, ob du noch mehr Suppe willst.“ Kyou verzog das Gesicht. „Ach ja? Ich hab sie seit gestern nicht gesehen… soo besorgt scheint sie nicht zu sein.“ Yukis Züge verschlossen sich. „Sie war hier als du geschlafen hast. Außerdem hat sie dir die Suppe gekocht. Soll ich sie holen?“ Er stand auf. „NEIN“ Kyou erschrak selbst über die Heftigkeit seiner Antwort, und Yuki starrte ihn an. „Warum denn nicht?“ Kyou sah ihn nicht an. „Äh, könntest du nicht stattdessen ein bisschen hierbleiben?“ ’Ich Idiot, was mach ich denn hier? Was soll er denn jetzt denken, das muss echt die Schwäche sein, ich …’ die Antwort überraschte ihn total. „Ja klar, gerne.“ Yuki lächelte dieses sanfte Yuki-Lächeln und Kyou konnte seine Augen nicht von ihm wenden. „Danke.“ Yuki streckte die Hand aus. Kyous Herz tat einen Hüpfer, doch Yuki legte die Hand nur auf seine Stirn. „Das Fieber ist auf jeden Fall gesunken. Gut.“ Er nickte zufrieden und löste die Hand von Kyous Stirn. Kyou fing sie ein, schloss die Augen und hielt ihn fest. Yuki rührte sich nicht. Einen Moment war es totenstill im Raum, dann ein Flüstern: „Yuki“. Dieser beugte sich zu Kyou hinunter und strich ihm mit der freien Hand die Ponysträhnen aus der Stirn. Ein Wispern drang an Kyous Ohr. „Ja?“ Kyou schluckte einmal. Jetzt oder nie! „Bist du in Touru verliebt?“ Kyou hatte die Augen geöffnet und sah Yuki forschend an. Ein Ruck ging durch diesen und er schüttelte den Kopf. Sein Gesicht war eine starre Maske. „Nein. Keine Sorge. Ich werde dir nicht im Weg sein.“ Er richtete sich auf. „Sie wollte noch einkaufen gehen. Wenn sie schon weg ist schicke ich sie nachher zu dir.“ Er wollte aufstehen doch Kyou hielt weiter seine Hand fest. Ein irritierter Blick von Yuki ließ ihn lächeln. „Einen Moment noch, Yuki.“ Er griff nach seinem Arm und zog, so dass Yuki sich wieder herabbeugen musste. Sie sahen sich an und Kyou lächelte immer noch. Plötzlich weiteten sich Yukis Augen. Kyou zog ihn weiter herunter und flüsterte in sein Ohr „Hast du es immer noch nicht begriffen, du dumme Ratte?“ Dann hauchte er einen Kuss auf Yukis Schläfe und schloss ihn fest in die Arme. Mit einem Aufseufzen ließ Yuki sich auf ihn sinken und erwiderte die Umarmung ungestüm. So lagen sie da, mit wild klopfenden Herzen, noch gar nicht richtig wissend, was hier eigentlich ablief. Schließlich ächzte Kyou etwas und Yuki rutschte von ihm herunter, wollte aufstehen. Doch Kyou ließ ihn nicht weg und so fand er sich neben Kyou auf dem Bett liegend wieder, in seinen Armen, fast Nasenspitze an Nasenspitze, die Blicke ineinander versunken. „Was soll das?“ Yuki hatte endlich wieder seine Stimme unter Kontrolle. „Rate mal.“ „Du willst mich mit deiner Erkältung anstecken.“ Kyous Augen verengten sich. „Das ist eine gute Idee.“ Er zog Yuki näher zu sich und berührte dessen Lippen federleicht mit seinen. Yuki zuckte zusammen, worauf Kyou an seinen Lippen lächelte und sich etwas von ihm löste. „Angst vor Bazillen?“ flüsterte er und streichelte Yukis Rücken. Dieser sah ihn aus großen Augen an. „Nochmal…“ flüsterte er zurück, schloss die Augen und neigte seinen Kopf etwas vor. Kyou kam ihm entgegen und küsste ihn wieder, etwas intensiver dieses Mal. Yuki ließ seine Hand nach oben wandern und kraulte Kyous Nacken, während er seine Lippen gegen Kyous bewegte. Dieser seufzte und schmiegte sich an ihn. Es war kein wilder, verzehrender Kuss, eher ein vorsichtiges Erproben. Nach einer Weile lösten sie ihre Lippen voneinander und sahen sich wieder an. Kyou sprach als erster. „Und?“ Yuki sah ihn fragend an. „Was – und?“ „Wie fühlt es sich nun an?“ „Was?“ „Stell dich nicht so dumm. Umarmt zu werden!“ Yuki lächelte, schwieg aber. Kyou wurde unsicher. „Also… ich fand es war schön.“ Er sah Yuki fast ängstlich an. Was würde dieser sagen? „Stimmt.“ Erleichtert und – glücklich? konnte Kyou nur albern werden. „Du stimmst mir mal zu? Das ist ja ein seltenes Ereignis! Da muss ich glatt…“ doch Yuki zog ihn wieder an sich. „Halt die Klappe, blöde Katze und küss mich nochmal!“ „Na warte du Ratte..“ Dieser Kuss war schon etwas temperamentvoller als der vorhergehende. Kyou beschloss mutig zu sein und ließ seine Zungenspitze über Yukis Unterlippe streichen. Dieser spannte sich fast unmerklich an, öffnete dann ganz leicht seine Lippen und ließ Kyou gewähren. Fast überrascht von Yukis Nachgiebigkeit stockte Kyou, um sich dann aufzurichten und Yuki heftig und hungrig zu küssen. Dessen Griff um seinen Nacken verstärkte sich, er zog Kyous Kopf näher und erwiderte den Kuss leidenschaftlich. Sie steigerten sich immer mehr bis sie aus Luftmangel aufhören mussten und sich außer Atem und mit geröteten Gesichtern ansahen. Kyou grinste. „Wow…“ Yuki grinste zurück. „Willst du mich anmachen oder was?“ „Was heißt wollen? Ich bin schon mitten dabei!“ „Ach? Hab ich gar nicht gemerkt!“ „Du!“ „Da musst du dir schon mehr Mühe geb... mffff“ Mit dem festen Willen, Yuki Hören und Sehen vergehen zu lassen, ließ Kyou seine Zunge dessen Mund erobern. Ein heftiger Hustenanfall machte jedoch seinen Plan zunichte. Yuki setzte sich auf und sah ihn grinsend an. „Werde erstmal gesund, Kyou. Vielleicht klappt es ja dann mit dem Anmachen.“ Kyou hustete unter finsteren Blicken weiter. „Lach nur. Du wirst schon sehen!“ brachte er hervor. Yuki beugte sich zu ihm und hauchte einen Kuss auf seine Wange. „Gute Besserung… neko no koibito.“ Dann war er draußen. „Miau.“ Hustend und grinsen ließ sich Kyou auf das Kissen zurückfallen. War das gerade wirklich passiert? Er berührte seine Lippen. Er hatte Yuki geküsst! Und dieser hatte ihn nicht in den Fußboden gerammt, sondern seinen Kuss erwidert? „Ich glaub es einfach nicht…“ ein mächtiges Gähnen unterbrach seine Gedanken. ‚Mist. Blöde Erkältung! Blöde Medikamente!’ Er drehte sich auf die Seite und kuschelte sich in sein Kissen. „neko no koibito … sehr witzig. Und das von einer Ratte …“ er kicherte. Ihm kam noch kurz der Gedanke, dass er nun gar keine Suppe mehr bekommen hatte, doch seine Lider waren bleischwer und bald war er eingeschlafen. *** Yuki saß auf seinem Bett und dachte an die vergangenen Minuten. Er konnte fast nicht glauben was gerade passiert war, aber er wusste dass er nicht geträumt hatte. Auch er berührte seine Lippen mit den Fingern. Sie hatten sich geküsst… Kyou war so – sanft gewesen… zuerst sanft und dann - … es hatte ihm gefallen. In Wahrheit hatte er nie zu hoffen gewagt, dass so etwas einmal geschehen würde. Kyou und ihn mögen? Sie hatten sich immer nur gegenseitig ihren Hass an den Kopf geworfen und bis aufs Blut gekämpft. Was Yuki betraf war es das klassische ‚saure Trauben’-Syndrom gewesen. Was ich nicht haben kann, mache ich schlecht… ziemlich armselig, aber Yuki hatte schon so viele schmerzhafte Verluste erlitten, dass das reiner Selbstschutz gewesen war. Es bestand doch nicht die Möglichkeit, dass Kyou ihn mögen, oder sogar… er ließ sich nach hinten fallen und schloss die Augen. Oder doch? Das würde er morgen ganz sicher herausfinden.
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