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Dunkelheit - Teil 2

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Ich kann nicht mehr...

Warum bekomme ich nie eine Antwort auf meine Frage?

Ich habe doch nur eine einzige Frage!

...warum...

WARUM!!

...tut er das?

...tun SIE das?

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Gohan lag noch immer auf dem Bett.
Nachdem der bedrängende Körper sich von ihm gelöst hatte, beruhigte er sich allmählich.
Er hatte einen Arm über seine Augen gelegt und atmete keuchend aus.
Er hätte fast laut losgelacht.
Das war wahrscheinlich alles nur ein Traum.
Diese Situation war einfach zu konfus. Es musste ein Traum sein.
Ja...
Vegeta hätte so etwas bestimmt nie im Leben getan.
Das musste einfach ein Traum sein!

Es musste!!!!!

Gohan fühlte sich müde und ausgelaugt.

Er konnte und wollte nicht mehr.

Es hatte ja doch alles keinen Sinn...

Wenn dies kein Traum war, dann...

Ja. Was dann?

In Gohan stieg ein nicht wirklich bekanntes Gefühl auf.
Es war Wut.
Nein...
Wut kannte er.
Dieses Gefühl war anders. Es war schlimmer.
Es war Hass.

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Wie...wie kann er es wagen!?

Nach allem was mir angetan wurde!?

Und ich dachte...ich dachte er wäre...ein Freund...?

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Der Hass und die Enttäuschung, die durch Vegetas Tat in Gohan aufstiegen, veranlassten seine Tränen in ungeahnten Mengen seine Augen zu verlassen.
Er nahm seinen Arm von den Augen und blickte an seine weiße Zimmerdecke.
Der Junge atmete zitternd ein.
Dann fasste er einen Entschluss.
Gohan setzte sich langsam auf und sah Vegeta, der noch immer geschockt von seinem Tun mitten im Raum stand, kalt an.
Die Enttäuschung in Gohan steigerte sich.
Konnte dieser Mistkerl nicht einfach verschwinden?
Wollte er vielleicht weitermachen?
Pha! Sollte er doch!
Gohan war nun alles egal.
Die  Enttäuschung verschwand allmählich und machte Wut und Trotz Platz. 
Der junge Saiyajin riss sich das Shirt vom Körper und funkelte Vegeta wütend an. 
„Ist es DAS, was du willst!!? MICH!!? Willst du es!!? Willst du MICH!!?
Begehrst du mich!!?“ schrie er den Prinzen an. 

Vegeta stand wie versteinert im Raum.
Was hatte er getan?
Dem Jungen schien es nun völlig egal zu sein...
Er...er bot sich ihm an...?

„Na los!! Worauf wartest du!!? Nimm mich!!!“
Gohan stand schwankend auf.
Er ging auf Vegeta, der sich noch immer nicht gerührt hatte, zu.
Der Prinz beobachtete, wie Gohan auf ihn zukam und ganz nah vor ihm stehen blieb.

Er blickte ihm in die Augen.
In diese unendlichen Tiefen, die nur Wut, Hass, Enttäuschung und Schmerz wiederspiegelten.
Wo war nur die Wärme?
Diese wunderbare Wärme, Güte und...Liebe...?
Schon zum hundertsten Male verfluchte sich der Prinz dafür, dass er die Beherrschung, die völlige Kontrolle verloren hatte.
Wie sollte er je das Vertrauen des Jungen wiedergewinnen?
Hatte er es denn jemals?
Wenn ja, dann hatte er Gohans Vertrauen vor wenigen Minuten schandhaft missbraucht.
Der Prinz streckte die Hand nach Gohan aus, doch der Junge schreckte zurück.
„Ich...es tut mir...ich wollte nicht...“ versuchte er sich zu entschuldigen.

Plötzlich fiel Gohan vor Vegeta auf die Knie und sah ihn von unten herauf an.
Der resignierte Gesichtsausdruck versetzte dem Prinzen einen Stich im Herzen. Doch er war noch immer zu sehr geschockt um einen klaren Gedanken fassen zu können.
„Tu, was du nicht lassen kannst, Vegeta. Es ist mir egal... Nimm mich einfach. Schlimmer kann es gar nicht mehr werden. Aber würdest du...“, Mit einem kleinen Hoffnungsschimmer blickte er Vegeta an. „...würdest du mich bitte danach töten?“ flüsterte er lächelnd.

Das war zuviel.

Vegeta fiel auf die Knie und stützte sich mit den Händen auf dem Boden auf.
Er traute sich nicht Gohan in die Augen zu sehen.
Die kleinen salzigen Tropfen, die von seinen Wangen zu Boden fielen, schimmerten im hereinfallenden Licht silbern.
„Ich...nein! Niemals! Es...es tut mir leid. Ich habe die Kontrolle verloren. Oh Gott! Ich wollte dir niemals wehtun und jetzt habe ich es doch getan. Bitte... Ich weiß, dass du mir nicht verzeihen kannst...aber bitte...hasse mich nicht. Bitte!“, schluchzte der ältere Saiyajin.

Der Junge starrte den Älteren vor sich an.
Die Wut und der Hass in seinem Inneren waren plötzlich weg.
Da kniete der stolze Saiyajinprinz vor ihm und bettelte schluchzend um Vergebung.
Das war völlig absurd.
Gohan war sich nun ganz sicher, dass er träumen musste.
„Ich...ich träume“, wisperte er.

Vegeta sah auf.
Der Junge hielt das für einen Traum?
Er blickte in die abwesenden Augen Gohans.
Der Junge sah ihn an, doch er schien ihn nicht wirklich wahrzunehmen. 
Plötzlich klopfte es an der Tür.
Vegeta schreckte auf und spürte Piccolos Präsenz hinter der Tür.
Schnell wischte er sich die Tränen aus den Augen und vom Gesicht.
„Verdammt“, flüsterte er zu sich selbst.
Wenn Piccolo Gohans Zustand sah, wie er so völlig aufgelöst auf dem Boden hockte, würde er ihm wieder die Schuld daran geben.
Obwohl...
Es war ja auch seine Schuld...
Aber das musste er dem Namekianer ja nicht unbedingt auf die Nase binden.

„Gohan, Vegeta? Kann ich reinkommen?“, kam es gedämpft von der Tür. 

Jetzt wurde Vegta nervös.
Er wedelte mit einer Hand vor Gohans Gesicht herum und wartete auf eine Reaktion.
Nichts.
Der Junge saß einfach nur da und starrte vor sich hin.
„Gohan?“, flüsterte Vegeta.
Keine Reaktion. 

Wieder klopfte es.
Diesmal etwas lauter.
„Vegeta? Ich komm jetzt rein.“, sagte Piccolo.
Dies wurde dem Namekianer wirklich langsam zu blöde.
Wahrscheinlich war Vegeta eingeschlafen oder so was.
Auf jeden Fall waren Gohan und der Prinz in dem Zimmer.
Er spürte ja deren Präsenz...
Langsam und leise drückte er die Klinke herunter.
Wenn beide schliefen, musste er sie ja nicht gleich wieder wecken.

Vegeta beobachtete, wie sich die Klinke der Tür langsam nach unten bewegte. 
„Kisama...Was mach ich denn jetzt?“
Ach verdammt!
Er war doch ein Prinz.
Wovor hatte er eigentlich Angst?
Er stellte sich aufrecht hin, verschränkte die Arme vor der Brust und blickte kalt auf die Tür. 
„Wenn du es wagen solltest dieses Zimmer zu betreten, werde ich dich töten.“, sagte der Prinz so kühl wie möglich.
Er hoffte, dass der andere das leichte Zittern seiner Stimme nicht bemerkt hatte.

Piccolo hielt inne.
Was sollte das denn jetzt?
Vegetas Stimme war so anders.
Hatte er vielleicht doch irgendwas mit Gohan gemacht?
Warum sollte er das Zimmer denn nicht betreten?
Jetzt reichte es ihm endgültig.
Er riss die Tür auf und bereitete sich auf einen Angriff seitens Vegeta vor.   

Das Szenario, das sich dem Namekianer bot, sah eigentlich recht harmlos aus, wäre da nicht dieser Blick von Vegeta.

Er sah noch, wie der Prinz schluckte und ihn geschockt ansah.
Die ansonsten immer lässige Haltung völlig verkrampft.
Hatte er denn nicht mit dem Reinkommen Piccolos gerechnet?
Es war doch wohl selbstverständlich, dass der Namekianer nach solch einer Drohung um Gohan besorgt war und nach ihm sehen wollte. 
Der Junge schien völlig paralysiert zu sein.
Er nahm anscheinend weder seine noch Vegetas Präsenz wahr.
Aber das erklärte noch lange nicht das Verhalten des Prinzen.
Wenn er nicht an dem Zustand des Jungen Schuld war, hätte er sicherlich nicht so eine Reaktion gezeigt, wie vor wenigen Sekunden.
Piccolo wand seinen Blick von dem jungen Saiyajin wieder ab und sah Vegeta kühl an. 
 

Der Prinz stand noch immer mit verschränkten Armen im Zimmer und versuchte anscheinend eine bedrohende Haltung anzunehmen.
Er scheiterte kläglich.
Seine Lippen zitterten kaum merklich, aber dennoch erkennbar, als er sprach.
„Ich hatte dir doch befohlen, nicht hier rein zu kommen! Spreche ich etwa so undeutlich, dass du selbst einen solch einfachen Satz nicht verstehst? Ich hoffe dir ist klar, dass ich...“

„Sei endlich still Vegeta!!“, donnerte der Namekianer.
Er verstand die ganze Situation nicht.
Der Junge schien irgendein Trauma zu durchleben, an dem mit aller Wahrscheinlichkeit Vegeta Schuld war und Vegeta schien vor irgendetwas oder irgendjemandem Angst zu haben.
Jetzt reichte es dem Namekianer endgültig. 
„So! Jetzt hörst du mir mal zu! Ich will sofort wissen, was du mit dem Jungen gemacht hast! Und wage es ja nicht zu leugnen. Ich weiß ganz genau, dass du etwas mit seinem Zustand zu tun haben musst! Also los! Raus mit der Sprache! Aber flott!!!“

Vegetas Haltung änderte sich schlagartig.
Niemand! Wirklich NIEMAND durfte es wagen SO mit ihm zu reden.
Egal, was er getan hatte...Er war immer noch ein Prinz!
Und einem Prinzen zollte man Respekt!
Wieder einmal war es Vegetas Stolz, der sich in den Vordergrund drängelte und der jedes Opfer in Kauf nahm.
„Wage es nie wieder so mit mir zu reden.“, zischte er. „Ich habe mir das genommen, was ich wollte. Und es geht dich einen Scheißdreck an, was ich mit dem Jungen gemacht habe.“
Der Prinz ging auf den anderen zu und stand nun ganz dicht vor ihm. 

Der Namekianer konnte den heißen Atem des Saiyajin auf seiner Haut spüren.
Ein unangenehmer Schauer lief über seinen Rücken und er blickte den Prinzen irritiert an.

 â€žUnd jetzt hör mir genau zu. Ich werde es dir nicht noch einmal sagen.“, sagte Vegeta kalt.
 â€žDieser Junge ist nun mein Eigentum. Ich habe ihn für mich beansprucht und du wirst mir nie wieder im Weg stehen. Verschwinde! Sofort! Oder ich werde dich töten...
ER GEHÖRT MIR!!!!!“
 

Der Namekianer wurde nach hinten an die Wand geschleudert.

Vegeta hatte sich unbewusst in einen Super-Saiyajin verwandelt.

Der Ausbruch des Prinzen kam völlig unerwartet für Piccolo, aber noch mehr schockten ihn die Worte des älteren Saiyajin.

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Piccolo ist hier...

Piccolo kann mir helfen...

Er würde nie wie Vegeta sein...

Nie...

Oder...?

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 â€žPi...Piccolo...ich hab Angst...hilf mir...“, wisperte Gohan mit tränenerstickter Stimme.

Vegeta und Piccolo drehten sich gleichzeitig zu dem Jungen um.

Piccolo war der Erste, der reagierte.
Er hievte sich hoch und eilte zu dem jungen Saiyajin.
„Ich bin hier. Hab keine Angst. Du bist in Sicherheit.“, flüsterte er dem Jungen zu, während er ihn auf die Arme nahm.
Dann ging er aus dem Raum, ohne Vegeta eines Blickes zu würdigen, und machte sich auf dem Weg zur Capsule Corporation.
Der Junge in seinen Armen zitterte stark. Der Namekianer war froh, dass Gohan nicht mehr in dieser Starre war, die ihm um einiges mehr Angst gemacht hatte, als ein zitternder Junge.

Vegeta stand noch immer in dem Raum, in dem er sich gerade zum Idioten gemacht hatte.
Wie kam er nur dazu so etwas zu sagen?
Zu sagen, dass der Junge ihm gehören würde...
Das war absurd...
Aber....
Wo wollte Piccolo jetzt eigentlich hin?
Doch nicht etwa...?
Nein!
Das durfte er nicht zulassen.
Das musste er verhindern! 
Schon wollte der Prinz dem Namekianer nachfliegen, als er, kurz nachdem er das Haus verlassen hatte, abrupt stoppte.
Was sollte er denn tun, wenn er Piccolo und Gohan eingeholt hatte?
Den Namekianer töten...?
Den Jungen für sich beanspruchen...?
Ihn behalten...?
Wie ein....wie ein Haustier...?
Was sollte das?
Das wäre keine Lösung...
Warum konnte er sich nicht unter Kontrolle halten?
Was sollte er denn jetzt machen?
Abwarten?
Hinterherfliegen und alles leugnen?
Oder einfach...weglaufen...?
Nein! Niemals!
Er war noch nie vor irgendetwas weggelaufen!
Weder vor einem Kampf noch vor einer Situation...
Oder?
Verdammt!
Dies hier war völlig aussichtslos.
Er musste etwas unternehmen.
Irgendwas...
Gott! Er war ja so ein Idiot!
Wie konnte er nur so dumm sein?
Vegeta sah noch einmal in die Richtung, in die der Namekianer mit dem Jungen verschwunden war.
Dann drehte er sich um und flog so schnell er konnte, ohne ein wirkliches Ziel vor Augen zu haben.
Er musste weg. Weit weg.
Er wusste zwar noch nicht, wo er hinwollte, aber er wollte sich erst sammeln, sich beruhigen und überlegen, was er tun sollte.
Ja. So war es besser.
Erst abwarten, bis sich die Situation etwas beruhigt hatte.

********************

Piccolo?

Ja...

Ich spüre deine Nähe.

Wo bringst du mich hin?

Ach...egal...

Solange ich sicher bin, ist es mir egal...

Du würdest niemals so etwas antun...

Nicht wahr, Piccolo?

...mein Freund...

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Piccolo spürte, wie der Körper in seinen Armen mit einem leisen Seufzer ein wenig zusammensackte.
War der Junge etwa schon wieder bewusstlos geworden?
Das kam in letzter Zeit viel zu oft vor.
Der Namekianer machte sich große Sorgen.
Aber wäre es wirklich richtig ihn zu seinen Eltern und den anderen zu bringen?
Goku und die anderen wären nicht das Problem.
Der Namekianer war überzeugt, dass sie genügend Taktgefühl besaßen, um dem Jungen seine Ruhe zu lassen.
Aber was war mit Chichi?
Sie würde nicht eher Ruhe geben, bis sie auch das letzte Detail aus Gohan herausgequetscht hatte.
Oder?
Piccolo war sich nicht mehr so sicher, ob er damit wirklich das Richtige tun würde.
Der junge Saiyajin würde sich auf jeden Fall nicht allzu wohl fühlen.
Davon war der Namekianer überzeugt.
Ausserdem, wenn der Junge die ganze Zeit den Fragen seiner Mutter ausgesetzt werden würde, wäre das nicht das Beste, um das Erlebte verarbeiten zu können.
Andererseits...vielleicht irrte er sich ja doch und Gohan würde gerade das helfen. Was er sich aber schwer vorstellen konnte.
Die Zweifel, die an dem Namekianer nagten, trieben ihn beinahe in den Wahnsinn.
Er wusste einfach nicht, was er tun sollte.
Was war richtig?
Piccolo landete und legte Gohan in das weiche Gras unter einem Baum.
Die Sonne schien durch die Blätter.
Die noch feuchten Spuren der Tränen auf den Wangen des Jungen, glitzerten wie junge Tautropfen in der Sonne.
Der Namekianer sah auf Gohan hinunter.

Sein Atem stockte.

Er konnte seine Augen nicht abwenden.

Dieser Anblick war atemberaubend.
 

Fortsetzung folgt…

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