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Weiter geht’s, hier ist Teil 5

Disclaimer: Die Figuren gehören Toriyama-san, die Story ist frei erfunden

 Pairings: Vegeta/Kakarott, Vegeta/Bulma, Kakarott/Chichi

Widmung: Dank an Nuriko-chan, die mich mit ihren lieben Kommis immer wieder motiviert!

 Warnings: Sad, romance

Viel Spass!

 

You may have my body, but you can’t get my soul - Part  5

Allmählich beruhigten sie sich wieder. Der Herzschlag wurde langsamer, der Atem ging weniger heftig. Vegeta drückte Kakarott noch einmal leicht an sich, fasste ihn dann vorsichtig an den Schultern und wollte ihn von sich schieben, doch dieser verbarg weiter das Gesicht an  Vegetas Schulter und ließ sich nicht wegbewegen. Der Prinz versuchte, sich herumzurollen, aber Kakarott war zu schwer. Er klopfte ihm auf die Schulter, doch dieser regte sich immer noch nicht. Vegeta berührte sanft Kakarotts Schopf. Fast erwartete er eine abwehrende Bewegung, aber Kakarott drückte nur den Kopf fester an seine Schulter. Dadurch ermutigt, strich ihm Vegeta ganz sacht über das Haar, immer wieder. Nach einer kleinen Ewigkeit bewegte sich Kakarott schließlich. Er ließ sich einfach neben Vegeta auf die Liege rutschen. Der Prinz versuchte, ihm in die Augen zu sehen, doch er drehte seinen Kopf von ihm weg.  Hilflos streichelte Vegeta Kakarott weiter. Ihm fehlten die rechten Worte, er wußte einfach nicht, was er sagen sollte. ‚Ich wünschte, ich wüsste, was er gerade denkt’ . Er ließ seine Hand abwärts auf Kakarotts Rücken gleiten und dort ließ er sie liegen. Er dachte an das, was eben geschehen war, und schloß die Augen. Kakarott hatte es gewollt! Das hatte er nicht für möglich gehalten. Er war überrascht gewesen, überrumpelt, aber – er hatte sich lange nicht mehr so glücklich gefühlt. Erstaunt ließ er das eben Gedachte noch einmal nachklingen – glücklich. Ja, er war total glücklich. Eine warme Welle der Zuneigung zu dem Krieger neben ihm durchflutete ihn, die über das bloße Verlangen weit hinausging. Er schüttelte leicht den Kopf. Als er vorhin, bei ihrer Auseinandersetzung gesagt hatte, Ich liebe dich war der eigentliche Sinn der Worte gewesen: Ich besitze dich! Aber jetzt… erfasste er die Bedeutung dieser Worte auf einmal ganz anders. Er liebte Kakarott wirklich. Es war ihm nicht mehr egal, wie dieser sich fühlte. Und… er wünschte sich nichts mehr, als diese drei Worte einmal aus Kakarotts Mund zu hören. Zögernd  rückte er etwas näher an Kakarott heran und legte ihm den Arm um die Schulter. Er spürte, dass dieser zitterte. Vor Erregung? Wut? Angst? Kälte? Vegeta angelte sich die Decke vom anderen Ende und zog sie über sich und Kakarott. Warum sagt Kakarott denn nichts? Wieso sieht er mich nicht an? Ich fühle mich gut, aber was ist, wenn er … nicht? Er räusperte sich.

„Kakarott…“ Keine Antwort. „Kakarott? …“ Plötzlich sprach dieser. „Es tut mir leid!“ „Was meinst du?“ „Ich war anmaßend. Dafür bitte ich um Entschuldigung!“  „Anmaßend?“ Was redet der denn da? „Ich hatte die Beherrschung verloren. Ich weiß auch nicht, wie mir das passieren konnte. Ich werde dafür jede Bestrafung akzeptieren …“ Der Prinz glaubte, nicht richtig zu hören. Er drehte Kakarott so, dass dieser ihn ansehen musste. „Verdammt, Kakarott, was hast du denn für idiotische Ideen?“ Wenn ich dich dafür bestrafen wollte, müßte ich mich doch gleich mitbestrafen. Es war… oh Mann…  „Ich soll dich bestrafen? Ich…“  … ich will dir nie wieder wehtun… Er wollte ihn an sich ziehen, doch Kakarott wehrte ihn ab. Er richtete sich auf und sah an Vegeta vorbei ins Leere. „Das hätte nicht geschehen dürfen. Ich hätte mich besser unter Kontrolle haben müssen. Deshalb entschuldige ich mich.“ Er sah dem Prinzen jetzt doch in die Augen. Sein Blick war abweisend. Der starrte ihn bestürzt an. So siehst du es also. Als Ausrutscher! Und ich habe gedacht… Vegeta fühlte, wie Tränen in seine Augen stiegen. Verdammt, nein! Nichts anmerken lassen… Er stand auf und sammelte seine Sachen ein, damit Kakarott die Tränen nicht sah. Während er sich anzog, schaffte er es, die Kontrolle wiederzugewinnen und dann  mit fast normaler Stimme zu sagen. „Verstehe. Du zahlst es mir mit gleicher Münze heim. Ich habe es wohl auch nicht besser verdient… Also gut, ich nehme die Entschuldigung an.“ Auch Kakarott hatte sich wieder angezogen. „Ich bin mit jeder Strafe einverstanden.“ wiederholte er. „Keine Strafe. Ich sagte doch, ich nehme deine Entschuldigung an. Du kannst jetzt gehen.“ Vegetas Stimme klang kühl. Er setzte sich an seinen Schreibtisch und griff nach einem Stapel Papiere. Er sah Kakarott nicht noch einmal an. Dieser verbeugte sich stumm und wandte sich zur Tür. Als er sie schon fast wieder geschlossen hatte, drehte er sich noch einmal um um warf einen Blick durch den Spalt auf Vegeta. Der saß immer noch an seinem Schreibtisch, hatte aber jetzt das Gesicht in den Händen vergraben. Bei diesem Anblick zog sich etwas in Kakarott schmerzhaft zusammen. Er wollte weg und andererseits auch wieder nicht... Es war schön gewesen, im Arm des Prinzen zu liegen und dessen Hand zu spüren, die ihn streichelte … und …Vegetas Stimme hatte sehr verletzt – nein deprimiert! geklungen, als er ihn abgewiesen hatte. Kakarott zögerte. Aber er brachte es nicht über sich, jetzt zu ihm zurückzugehen. Dazu war er zu durcheinander. Es hätte nie passieren dürfen. Er wusste wirklich nicht, was gerade über ihn gekommen war. Er wusste ja nicht einmal, ob die Erklärung, die er dem Prinzen gegeben hatte, zutraf… leise schloß er die Tür. Er drehte sich um und stand vor einem Diener, der ihn unverhohlen angrinste. „Ein Wort zu irgend jemandem, und du bist tot!“ knurrte er ihn an. Dieser zuckte zusammen und sein Grinsen verschwand. Kakarott drehte sich auf dem Absatz um und ging schnell zu seinem Quartier.

Kakarott schloss sich ein und setzte sich an seinen Tisch. Er stützte den Kopf in die Hände und dachte über die Ereignisse der vergangenen Stunde nach. Weshalb hatte er so die Selbstbeherrschung verloren? Und vor allem: Warum war es ihm so schwergefallen, zu gehen? Leise meldete sich wieder seine innere Stimme ..du wolltest es! Versuche nicht, es abzustreiten, du wolltest in diesem Moment nichts auf der Welt so sehr wie mit dem Prinzen schlafen… ‚Er hat es darauf angelegt. Er hat mich soweit gebracht, dass ich nicht mehr wusste, was ich tat…’ … gib es zu, du hast nur auf eine solche Gelegenheit gewartet…’Nein!’ er konnte, er wollte sich das nicht eingestehen. Er liebte Chichi. Er liebte sie mehr als sein Leben. Und er würde ihr treu bleiben… …das ist doch sowieso gegessen! Du hast dich in den Prinzen verliebt, und das weißt du! Es hilft auch nicht, es zu leugnen... Kakarott stöhnte verzweifelt auf. Wieso dachte er solche Sachen? Der Prinz hatte ihn benutzt, sein Leben zerstört, aus purem Egoismus… andererseits… ‚Er hat mir gezeigt,  dass er eine gute Seite hat. Als er mich umsorgt hat, war er ein anderer Mensch. Er sagt immer wieder, dass er mich liebt. Und er war so leidenschaftlich, so – zärtlich, ich...’ …du hast es genossen. Du liebst ihn. Gib es doch endlich zu… Er hieb mit der Faust auf den Tisch.„Verdammt. Ja! Kann sein dass ich ihn liebe – auch ihn!“ Kakarott hatte es laut ausgesprochen. Erschrocken lauschte er seinen Worten nach. Konnte es sein? Liebte er sie beide? Chichi, und – den Prinzen…?  

Dieser war bedrückt. Gerade hatte er angefangen, Papierkram zu erledigen, um sich abzulenken, als das Abendläuten ertönte. Dieser Klang brachte mit einem Schlag Kakarott in sein Gedächtnis zurück. Er legte seinen Stift weg und starrte auf die Schreibtischplatte vor sich, auf irgendein Papier, Staatskram halt, ohne wirklich etwas zu sehen. .. es tut weh.. verdammt, warum tut es so weh?... ist das Liebe? Dieser schreckliche, zerreissende Schmerz in mir?… Kakarott hatte ihn vom absoluten Hochgefühl hinab in ein schwarzes Loch gestoßen. .. du hast es herausgefordert. Es musste irgendwann so kommen.. wieso sollte er dich lieben, nur weil du endlich kapiert hast, dass du ihn liebst? Was du ihm angetan hast, wird dadurch nicht weniger schlimm.. Der Prinz fuhr sich über die Augen. Er war müde. Doch er hatte noch etwas zu erledigen… er ergriff seinen Stift wieder und schrieb einen Befehl. Kommandant Kakarott würde morgen aufbrechen, auf Exkursion gehen, Planeten erobern. So weit weg wie möglich. Das würde das beste sein. Er setzte sein Siegel unter das Schreiben und klingelte. „Mardek soll herkommen. Sofort!“ sagte er dem Bediensteten.

Als sein langjähriger Berater und Freund erschien, sah der sofort dass es dem Prinzen nicht gut ging.

„Was ist passiert?“ fragte er behutsam. Vegeta gab keine Antwort. Er hielt Mardek das Schreiben hin. Dieser überflog es und nickte verstehend. „Ich werde es ihm gleich bringen.“ Dann sah er den Prinzen prüfend an. „Wenn ich etwas für Euch tun kann..“ begann er, doch dieser schüttelte den Kopf. „Nicht nötig, es geht mir gut.“ „Wie Ihr wünscht!“ Mardek machte sich auf den Weg zum Mannschaftsquartier.  

Auf dem Weg zu Kakarotts Zimmer fragte sich Mardek, was wohl passiert war. Er klopfte. Es wurde aufgeschlossen, und Kakarott stand in der Tür. „Ja?“ Mardek trat ein. Kakarott blickte ihm gespannt entgegen. Er sah aufgewühlt aus. Irgendwie hatte er denselben Gesichtsausdruck wie der Prinz gerade. Verzweifelt… Mardek enthielt sich jeden Kommentars und übergab Kakarott das Schreiben. Er beobachtete ihn beim Lesen. Ein wechselnder Ausdruck zeigte sich auf Kakarotts Gesicht, eine Mischung aus Trauer und Erleichterung. „Ist alles klar?“ fragte Mardek ihn behutsam. Kakarott nickte. „Ich werde mich morgen auf den Weg machen!“  „Das meinte ich nicht. Wie geht es dir?“ „Ich wüsste nicht, warum es mir nicht gut gehen sollte“ war die Antwort. „Na dann – viel Erfolg!“ Mardek verließ das Zimmer. Dem Prinzen ging es gut, Kakarott ging es gut, alles bestens. Warum nur machte er sich dann solche Sorgen?

Kakarott warf das Schreiben auf den Tisch. Weg, nur weg, in irgendeine ferne Galaxis – ja das war das allerbeste. Er ging in die Mannschaftsquartiere, um sich ein Team zusammenzustellen. Er wählte seine fünf besten Krieger aus, und befahl ihnen, alles vorzubereiten. Dann ging er in sein Quartier zurück und ließ sich auf sein Lager fallen. Zu erschöpft um noch viel nachzudenken, schlief er bald ein. 

Am nächsten Morgen machte sich Kakarott mit seinem Geschwader früh auf die Reise. Als das Raumschiff den Planeten verließ, stand er in seiner Kabine an einem Bullauge und starrte hinunter auf die helle Kugel, die im All schwebte. Sein Gesichtsausdruck war grimmig. Er war entschlossen, alles hinter sich zu lassen, alles zu vergessen. Er würde es schaffen! Doch als der Planet unter ihm immer kleiner wurde, ergriff ihn eine tiefe Traurigkeit. Er wandte abrupt den Blick ab und starrte in das schwarze Weltall. „Leb wohl, Chichi…“ murmelte er. Er dachte an das Kind, das bald geboren werden würde. Doch plötzlich erschien Vegeta vor seinem geistigen Auge. Leb wohl, mein Prinz…ich…werde dich vermissen… Er vermisste ihn jetzt schon. Er schob diesen Gedanken energisch beiseite. Das war doch Wahnsinn! Nur wegen gestern? …nein, nicht deswegen. Was gestern war, ist die Folge davon, dass du ihn liebst, nicht der Grund dafür… Er sagte sich, dass er ohne Vegeta besser dran war. Diese ‚Liebe’ war doch krank! Und der Prinz hatte ihn schließlich weggeschickt! ..das hättest du auch getan..  ‚Wie dem auch sei, es ist besser so!’ versuchte Kakarott sich einzureden .. aber wieso tut dein Herz dann so weh… Er schloss die Augen und legte seine Stirn an die Scheibe des Fensters „Verdammt!“ stöhnte er auf. „Es soll aufhören!“ Aber in seinem Innersten wusste er, dass er diesem Gefühl nicht davonfliegen konnte.  

Mardek suchte den Prinzen direkt nach dem Frühstück auf. „Guten Morgen Hoheit!“ „Ist er weg?“ Vegeta saß bleich und übernächtigt an seinem Schreibtisch. Augenscheinlich hatte er nicht viel Schlaf gefunden. Mardek sah es mit Sorge. Was er dem Prinzen zu sagen hatte, würde ihm in seiner Verfassung sicher nicht gefallen. „Ja, Hoheit. Das Geschwader ist in aller Frühe aufgebrochen. … er hat sich nicht verabschiedet – und warum auch! … Vegeta lächelte verächtlich über sich selbst. Wahrscheinlich war Kakarott froh, schnell von ihm wegzukommen! Naja, den Gefallen hatte er ihm zumindest getan…

„Hoheit…“ „Mardek, später. Ich bin nicht sehr ausgeschlafen, ich habe jetzt keinen Kopf für Staatsgeschäfte.“ Des Prinzen Tonfall duldete keinen Widerspruch. Eigentlich. Doch Mardek setzte eine bedenkliche Miene auf. „Hoheit, es geht um Eure Braut! Sie wird demnächst mit ihrem Gefolge hier eintreffen! Wir sollten den Empfang  vorbereiten…“ „Zum Teufel, Mardek, ich habe doch gesagt, dass ich damit nicht behelligt werden will! Das kannst Du doch wohl alleine!“ blaffte der Prinz ihn wütend an. Dann besann er sich. Mardek konnte ja nichts dafür. „Wann kommt sie denn nun?“ „In drei Wochen schon!“ Na toll, genau das richtige jetzt! „Also, du veranlasst alles Nötige, aber wie gesagt, ich werde mich von diesem blöden Getue fernhalten. Danach werde ich sie meinetwegen empfangen, aber nur kurz!“ Vegeta wandte sich irgendwelchen Akten zu und signalisierte damit, dass das Gespräch für ihn beendet war.  Mardek verbeugte sich und verließ das Büro. Draußen atmete er tief aus. Das hatte er hinter sich! Erleichtert ging er, um die nötigen Vorkehrungen zu treffen. 

Der Prinz saß nur da und starrte wütend vor sich hin. Er hatte Sehnsucht nach Kakarott. Er schimpfte sich selber einen Idioten, weil er ihn weggeschickt hatte. ‚Hätte ich ihn doch in Ketten gelegt. Irgendwann würde er mich lieben, das weiß ich!’ Doch er wusste, das es so richtig gewesen war. ‚Wahre Liebe kann  verzichten’ „Blöder Spruch!“ murmelte er. Wieder ließ er die Geschehnisse des vergangenen Tages in seiner Erinnerung aufleben. ‚Er hat es tatsächlich geschafft, mich für einen Moment glücklich zu machen, nur um mich dann total runterzuziehen…’ Er schloss die Augen. Es war so schön gewesen. …du hast dir wirklich eingebildet, er würde deine Gefühle erwidern… „Unsinn!“ knurrte er. „Es war einfach nur schön…“ … ahja, deshalb geht es dir jetzt auch so schlecht … „Verd…“ der Prinz stand auf. Es hatte genug. Er würde jetzt trainieren, bis zum Umfallen,  um endlich auf andere Gedanken zu kommen.

Im Trainingscenter waren viele Krieger anwesend. Alle trainierten hart, um in Form zu bleiben, die Anforderungen waren sehr hoch. Vegeta wärmte sich auf und trainierte eine Weile an den Geräten. Dann suchte er sich einen guten Kämpfer als Trainingspartner aus und ging mit ihm in den Ring. Sie lieferten sich einen harten Kampf, und Vegeta merkte, dass er nicht mehr sehr gut in Form war. Er hatte das Kampftraining wirklich zu sehr vernachlässigt… wieder drängten sich ihm Erinnerungen auf.  

‚Das war ja echt ’ne schlappe Vorstellung, mein Prinz’ ‚Kakarott, wenn du wieder gesund bist, werde ich dich herausfordern und platt machen’ ‚Gerne,wenn du mich danach wieder so gut pflegst..’ Vegeta sah noch deutlich das Grinsen vor sich, das Kakarott im Gesicht gehabt hatte, als er diesen Spruch gebracht hatte. Damals hatte der Prinz gehofft, dass Kakarott zumindest so etwas wie Sympathie für ihn empfand… – Er war abgelenkt und sein Trainingspartner konnte einen gezielten Treffer landen. Der Schmerz holte den Prinzen wieder in die Wirklichkeit zurück. Er winkte ab. „Es ist gut, Semnock! Mir reicht’s“. „Ihr braucht Training, Hoheit!“ grinste ihn dieser an. „Soll ich Euch ein paar Privatstunden geben?“ Er lächelte zweideutig. Vegeta starrte ihn an. „Pass auf, was du sagst!“ knurrte er. „Du vergisst wohl, mit wem du redest?“ Eingeschüchtert verbeugte sich der Krieger. „Es tut mir leid, Hoheit! Ich wollte Euch nicht beleidigen!“ murmelte er und verdrückte sich. Vegeta schnaubte verächtlich. Sollte er sich etwa mit diesem Unterklasse-Krieger vergnügen? So weit kam es noch! … Es wäre ja nicht das erste Mal! Außerdem – Kakarott ist auch ein Unterklasse-Krieger …, säuselte seine innere Stimme. „Das ist ganz was anderes!“ knurrte Vegeta und ging verstimmt duschen.

Den Rest des Tages ging ihm Mardek mit den Einzelheiten des Besuchs der Prinzessin auf die Nerven. Jedenfalls sah es der Prinz so. Gelangweilt hörte er ihm zu und ließ deutlich sein Desinteresse durchblicken. Irgendwann hatte Mardek genug. Er war ziemlich verärgert.

„Hoheit! Es ist eine notwendige politische Maßnahme, und ihr solltet etwas mehr Interesse zeigen!“ Vegeta sah ihn an. „Mardek. Ich weiß nicht wie oft ich es schon wiederholt habe. Es interessiert mich einen Scheiß, wie es der Prinzessin hier gefällt. Ich werde sie zu einem einzigen Gespräch empfangen, und dann kann sie von mir aus wieder verschwinden!“ sagte er kalt. „Und wenn es ihr nicht passt, heirate ich eine andere dumme Gans!“ Mardek starrte ihn an. „Hoheit, es gibt keine andere Braut! Sie ist Euch versprochen, und das müssen wir einhalten, sonst gibt es Krieg!“ „Mir auch egal! Endlich mal etwas Abwechslung!“ Mardek riß nun endgültig der Geduldsfaden. Unwillkürlich fiel er in die vertrauliche Anrede. „Jetzt hör mir mal gut zu, Vegeta. Ich kenne dich, seitdem du in die Windeln gemacht hast! Ich kannte deine liebe Mutter, Friede Ihrer armen Seele, und ich war ein Freund deines leider zu früh verstorbenen Vaters. Mir liegt viel an dir. Aber du bist nun mal der Prinz! Und ich lasse nicht zu, dass du dein Land in den Krieg stürzt, nur weil du bockig wie ein fünfjähriger Bengel bist und dich nicht an die Konventionen hältst!“ Schnaufend ließ Mardek sich in einen Sessel fallen und rieb sich die Stirn. Er hatte Kopfschmerzen. Sein Schützling brachte ihn noch um den Verstand! Innerlich machte er sich auf einen Zornausbruch gefasst, doch nichts geschah. Verwundert blickte er auf. Vegeta stand vor ihm, die Hände zu Fäusten geballt, und Tränen liefen über sein Gesicht. Er öffnete den Mund, aber es kam kein Ton heraus. Mardek erschrak. Dann sprang er auf und nahm ihn fest in die Arme. Der Prinz stand wie erstarrt, wurde aber von stummen Schluchzern geschüttelt. „Sh-sh, Vegeta, ist ja gut! Ich bin ja da…“ flüsterte Mardek und strich ihm über den Rücken. Er war voller Mitleid. Vegeta litt sehr unter seiner Liebe zu Kakarott, das wurde ihm klar. Dieser ließ sich umarmen und weinte sich den Trennungsschmerz von der Seele. Als die Schluchzer weniger wurden, lockerte Mardek den Griff etwas und schob Vegeta zu seiner Liege. Er brachte ihn dazu sich hinzulegen und deckte ihn zu. „Ich hole dir ein Schlafmittel, Vegeta, und morgen sieht alles wieder anders aus!“ sagte er liebevoll und ging, um die Heilerin aufzusuchen. Nach wenigen Minuten brachte er dem Prinzen einen Trank und blieb noch bei ihm sitzen, bis dieser Wirkung zeigte. Vegetas Lider wurden schwer. „Mardek?“ „Ja, mein Prinz?“ „Bin ich wirklich so furchtbar?“ „Ich denke, man muss dich zu nehmen wissen…“ schmunzelte dieser. Vegeta schloss die Augen „Mardek?“ „Ja?“ „Danke!“

Mardek wollte noch antworten, dass er immer für ihn da sein würde, doch der Prinz war bereits eingeschlafen. Mardek blieb noch einen Moment bei ihm, dann verließ er das Arbeitszimmer. Zu dem Diener sagte er: „Niemand außer mit betritt dieses Zimmer!“ Der Diener nickte stumm. Mardek entfernte sich. Er machte sich wirklich Sorgen um seinen Prinzen. Hoffentlich ging alles gut…

Am nächsten  Morgen ging Vegeta in aller Frühe in den Stall. Er ließ sich seinen Hengst Káge  satteln und ritt hinaus ins Gelände. Im vollen Galoppp sprengte er durch die Felder und Wiesen, immer geradeaus. Er spürte den Wind auf seinem Gesicht und fühlte sich seit langem mal wieder frei… Irgendwann verlangsamte er das Tempo, und ritt im Schritt weiter. Er ritt den Hengst trocken und hielt an einem Bach, damit das Pferd trinken und grasen konnte. Er band ihn locker an einen umgestürzte Stamm und legte sich in den Schatten eines Baumes, der am Ufer stand. Durch die Blätter hindurch sah er zum Himmel hinauf. Dort draußen, irgendwo, war Kakarott, in seinem Auftrag unterwegs… Er vermisste ihn. Sein Grinsen, das er ihm eher selten gezeigt hatte, seine Stimme, seinen Körper… einfach alles. Aber er musste es schaffen, von ihm loszukommen. Der Prinz setzte sich auf und begann missmutig, kleine Steine in das Wasser zu werfen. Bald musste er sich mit seiner zukünftigen Frau abgeben. Sicher war sie ein zickiges Weibsstück. Intelligent! Das konnte nur Ärger bedeuten. Aber er würde schon mit ihr fertig werden! Das wäre ja wohl gelacht… Seufzend stand er auf. Die Sonne stand schon hoch, er musste sich auf den Heimweg machen.

Er aß eine Kleinigkeit zum Mittag und empfing dann Mardek in seinem Arbeitszimmer. Dieser berichtete ihm von den Vorbereitungen. Der Prinz, schon wieder leicht genervt, wollte eine abfällige Bemerkung machen, besann sich jedoch eines besseren. Der vergangene Abend fiel ihm ein. „Danke, Mardek. Wenn ich dich nicht hätte!“ sagte er freundlich und legte diesem die Hand auf die Schulter. Erfreut lächelte Mardek ihn an. „Ist mir ein Vergnügen, Hoheit!“ murmelte er und fuhr dann fort: „Ich werde Euch vormittags bei der Prinzessin mit dringenden Geschäften entschuldigen, und erst nach dem Mittagsmahl eine Audienz bei Euch anberaumen. Wir werden diese Audienz so lange wie es aus Höflichkeitsgründen nötig ist, und so kurz wie möglich halten, ist das in Eurem Sinne?“ „Mardek, du wirst das schon alles richtig machen. Davon bin ich überzeugt!“ sagte der Prinz. Mardek verstand. Im Klartext bedeutete dieses Lob: „Du hast mich jetzt genug damit behelligt, also verschwinde!“ „Sehr wohl, Hoheit! Das war auch schon alles.“ Er verbeugte sich und verließ, innerlich grinsend, den Raum.

Der Prinz zog sich um und ging wieder in den Trainingsraum. Keuchend schuftete er an den Geräten, bis er schweißgebadet war. Er hatte keine Lust, mit einem Trainingspartner zu kämpfen. Die anderen Männer, die dort am trainieren waren, tauschten vielsagende Blicke. Es hatte schon Gerede gegeben, dass der Prinz sich haltlos in Kakarott verliebt hatte. Die Beförderung, der Umstand, dass der Prinz seitdem keinen anderen mehr zu sich beordert hatte, der Selbstmordversuch Kakarotts und natürlich die Tatsache, dass der Prinz ihn höchstpersönlich gesundgepflegt hatte, waren in aller Munde gewesen. Dass er Kakarott nun weggeschickt hatte, kam für die meisten überraschend. Witze machten die Runde, doch dem Prinzen gegenüber ließ man sich natürlich nichts anmerken. Dieser hatte jedoch genau registriert, dass man ihn beobachtete und grinsend Blicke tauschte. Er sah von seinen Hanteln auf. „Was habt ihr zu glotzen? Ist hier jemand, der mir was zu sagen hat?“ Er sah mit zornfunkelnden Augen in die Runde. „Los, verschwindet! Ich will beim Training meine Ruhe haben!“ Die Männer verließen missmutig die Halle. Der war ja wieder mal gut drauf! Vegeta trainierte wütend weiter. „Idioten! Bilden sich wohl ein, ich merke nicht, dass über mich getratscht wird! Wie die Marktweiber!“ Immer noch grollend ging er schließlich in die Dusche. Im Hinausgehen brüllte er durch die Räume: „So ihr Tratschweiber, die Halle ist wieder frei!“ Türenknallend verschwand er in seinem Gemach. Das Abendessen ließ er ausfallen 

In den drei Wochen bis zur Ankunft der Prinzessin verbrachte der Prinz viele Stunden im Trainingscenter. Er wollte unbeding total fit sein, wenn Kakarott wieder zurückkam. Er würde ihn zum Kampf herausfordern. Und er wollte ihm ein gleichwertiger Gegner sein. Kakarott war schließlich stärker als er! So ein Kampf war eine gute Gelegenheit, einen guter Grund, ihn zu sehen. Und vielleicht… Trotz aller Argumente hielt sich eine leise Hoffnung hartnäckig in Vegeta. Wenn Kakarott nun doch irgend etwas für ihn empfand…  deshalb trainierte er wie besessen. Nachts aber, wenn er in seinem Bett lag, war er oft mutlos. Kakarott würde vielleicht nie zurückkehren. Oder wenn doch, konnte es sein, dass er dem Prinzen gleichgültig gegenüberstand. Vegeta wälzte sich unruhig hin und her. Gleichgültigkeit wäre schlimmer als Hass... Durch das viele Grübeln und die schlaflosen Nächte wurde er unleidlich und hatte fast immer schlechte Laune. Mardek wusste nicht mehr, was er noch tun sollte und je näher der Besuch der Prinzessin kam, umso besorgter wurde er. Zumindest hielt er den Alltagskram von Vegeta fern, aber er bekam nicht mal ein Danke zu hören. Der Prinz ließ seine Laune an dem einzigen Menschen aus, der bedingungslos zu ihm hielt. Doch dieser nahm es hin. Er ahnte, was Vegeta durchmachte. Wenn es dieser nicht mehr aushielt, ritt er immer mit seinem grauen Hengst aus. Die Weite des Landes, der Wind auf seinem Gesicht und die Geschwindigkeit, wenn er im Galopp dahinflog, waren das einzige, was ihm Freude machte.

So vergingen die Tage. Der Prinz dachte oft an Kakarott, aber der schlimme Schmerz hatte sich etwas gemildert. Zurückgeblieben war eine tiefe Traurigkeit, die den Prinzen nicht verlassen wollte. Aber da war immer noch der kleine Funke Hoffnung… Am Abend vor der Ankuft der Prinzessin kehrte Vegeta nach einem langen Ausritt in sein Gemach zurück. Ihm grauste vor dem folgenden Tag. Unschlüssig sah er sich um. Müde war er eigentlich noch nicht… da fiel sein Blick auf die Flasche mit Branntwein. Er verzog das Gesicht. Dieses Zeug war widerlich. Aber es wirkte ganz gut… Er goss sich ein Glas voll ein. Ohne nachzudenken kippte er den ganzen Inhalt des Glases hinunter und schüttelte sich. Das wiederholte er noch zweimal. Dann begann es bereits zu wirken. Er schleppte sich zu seinem Bett und legte sich hin. Er hoffte, dass die betäubende Wirkung des Alkohols ihn davon abhalten würde, wie immer wieder über Kakarott nachzugrübeln. Aber er hatte sich zuviel versprochen. Seine Gedanken wurden zwar zunehmend vernebelter, doch sie kreisten nach wie vor nur um ihn, der inzwischen wohl Millionen von Kilometern von ihm entfernt war… „Kakarott… komm zurück… ich liebe dich…“ seine Lider wurden schwer. Er schloss die Augen, doch da begann das Bett mit ihm Karussell zu fahren. Schnell riss er sie wieder auf. Oh nein! Wurde ihm jetzt etwa schlecht? Probehalber klappte er die Augen wieder zu, und es fing wieder an zu drehen. Er setzte sich fluchend auf. So ging es, auch wenn er die Augen schloss. Halb angelehnt schlief er schließlich ein…

„Hoheit, es ist bereits 9 Uhr. Die Sonne steht schon hoch am Himmel! Eure Braut wird in etwa einer Stunde hier eintreffen. Ihr solltet Euch frisch machen, ich fürchte, ihr habt gestern etwas zu viel getrunken, richtig?“

„Mmmmh, ja, kann schon sein!“ murrte der Prinz. Er wälzte sich aus dem Bett. Ihm war speiübel. Er hatte zwar traumlos geschlafen, aber er fühlte sich nicht ausgeruht. Sein Genick tat ihm weh, weil er so verkrampft angelehnt dagesessen hatte. Entsprechend war seine Laune. Mardek hielt ihm den Morgenmantel hin. Der Prinz schüttelte den Kopf, was ihm ein schmerzvolles Stöhnen entlockte. Sein Magen schlug Purzelbäume. Er presste die Hand auf den Mund und rannte in sein Badezimmer. Nach den Geräuschen, die Mardek darauf vernahm, war es dem Prinzen sehr schlecht. Mardek schüttelte resignierend den Kopf. Dieser Querkopf! Was hatte er denn nun wieder angestellt? Er sah sich um und entdeckte die halbleere Branntweinflasche und das gebrauchte Glas. Er verdrehte die Augen. Kein Wunder, dass der Prinz so verkatert war. Er trank normalerweise wenig Alkohol, und nie harte Sachen.

„Hoheit, ich bin gleich zurück, ich hole Euch eine Medizin gegen Eure – Beschwerden!“ rief er in das Bad. Undeutliche Geräusche waren die Antwort. Mardek musste wider Willen Grinsen und beeilte sich, das Versprochene zu besorgen. Vegeta wusch sich das schweißüberströmte Gesicht kalt ab. Stöhnend hielt er seinen Kopf fest.

„Nie wieder Branntwein!“ murmelte er in seine Hände. Er hörte, wie Mardek zurückkam und ging ihm entgegen. Dessen Gesicht war ausdruckslos. Der Prinz war ihm dankbar dafür. Was er jetzt am wenigsten hören wollte, waren Vorwürfe oder Spott. Mardek reichte ihm einen Becher mit einer milchigen Flüssigkeit. Misstrauisch roch der Prinz daran.

„Es ist ein Magenmittel, man nimmt es gegen Übelkeit ein.“

„Hilft das auch?“

„Schwangeren Frauen hilft es sehr gut, sagte mir die Heilerin…“ erschrocken sah Mardek, dass Prinz Vegetas Gesicht sich verfinsterte. Er trank den Becher auf einen Zug aus, reichte ihn Mardek zurück und sagte kurz angebunden:

„Danke, Mardek. Du kannst gehen!“ Der verneigte sich stumm und verließ den Prinzen. Er hätte wohl besser nicht von Schwangeren sprechen sollen, offensichtlich war das für Vegeta ein Reizwort… er hob die Schultern. „Nun ja, er wird es überstehen – müssen!“ sagte er zu sich.

Inzwischen hatte der Prinz sich etwas erholt und saß, allerdings immer noch mürrisch, an seinem Schreibtisch. Heute würde er nun also seine zukünftige Frau kennen lernen. Laut Mardek sollte sie ja hübsch sein. Und intelligent! Er schnaubte. Was er am wenigsten brauchte, war ein vorlautes Weib, das zu allem seinen Senf dazugab. Grimmig stand er auf. Er würde ihr schon zeigen, wer der Herr im Haus war! Sein Magen hatte sich dank der Medizin beruhigt, und langsam meldete sich der Hunger. Er läutete nach dem Diener und befahl, Frühstück zu servieren.

Der Prinz hatte sein Frühstück beendet. Er hatte sich von seinem Kammerdiener ankleiden lassen und wartete auf Mardek. Als er schon nach ihm schicken wollte, klopfte es an der Tür, und Mardek erschien.

„Die Torwachen haben gemeldet, dass die Abordnung mit der Prinzessin fast hier ist.“ berichtete er dem Prinzen. Dieser verdrehte die Augen. „Schon?“ maulte er. Ihm grauste davor. Er hatte normalerweise keine Schwierigkeiten mit Frauen, im Gegenteil. Er grinste in sich hinein. Doch das Grinsen verschwand schnell wieder. Das hier war anders. Es war so.. erzwungen! Außerdem hatte er sie ja dann am Hals! Für immer – jedenfalls sah es danach aus. Er seufzte. Naja, was sollte er schon machen. Es musste ja sein! Hoffentlich war sie wenigstens so, wie eine Ehefrau zu sein hatte. Doch er hatte so seine Zweifel… Missmutig machte er sich auf den Weg, die Prinzessin und ihr Gefolge zu begrüßen. Doch Mardek hatte bereits alles in die Hand genommen, und die Gäste in ihre Gemächer bringen lassen. Das verschaffte ihm die Möglichkeit, noch kurz mit dem Prinzen zu reden.

„Hoheit, die Prinzessin ist ohne ihre Eltern, nur mit einer Vertrauten, zwei Beratern und mehreren Kriegern als Geleit angekommen. Wie es aussieht, ist sie wirklich so schön, wie man sagt. Ich habe ihnen gesagt, dass Ihr sie nach dem Mittagsmahl im kleinen Saal mit ihrer Hofdame empfangen werdet. Die Wachen werden vor dem Saal postiert, und ich werde mit Euch anwesend sein, so dass die Schicklichkeit gewahrt bleibt.“

„Warum sind ihre Eltern nicht dabei?“ fragte der Prinz erstaunt.

„Ihr Vater ist noch im Auftrag Eures verstorbenen Vaters unterwegs, und ihre Mutter ist erkrankt und muss das Bett hüten.“

`Soso. Na, dann werde ich wohl leichter mit allem fertig werden, wenn nicht noch besorgte Eltern mitmischen…’ dachte Vegeta zufrieden. Der Tag schien ja doch noch ganz gut zu werden.

Das Mittagessen nahm Vegeta in seinem Gemach ein. Er hatte keinen Appetit. Es grauste ihm vor der bevorstehenden Audienz. Als Mardek erschien, um die Prinzessin, ihre Hofdame und das Gefolge zu melden, nickte er nur mürrisch.

„Soll reinkommen!“ blaffte er.

„Hoheit! Bitte bemüht Euch doch um ein wenig Verbindlichkeit!“ bat Mardek. Vegeta schoß ihm einen zornigen Blick zu, versuchte dann jedoch, etwas weniger finster dreinzublicken. Dabei kam eine so komische Grimasse heraus, dass Mardek fast laut losgelacht hätte. Der Prinz sah seinen Blick und musste nun seinerseits grinsen.

„Na bitte, schon besser!“ lächelte Mardek ihn an. Vegeta nickte und sagte nun endgültig:

„Die erlauchten Gäste mögen hereinkommen!“ aber er dachte ‚Wie ich dieses geschraubte Gewäsch hasse!’

Die Tür wurde geöffnet und es erschienen zwei junge Damen. Die eine war groß, blauhaarig mit einer wallenden Lockenfrisur und trug ein blaues Rüschengewand. Sie hatte ein Perlendiadem im Haar und trug den Siegelring des Fürstenhauses an der linken Hand. Das musste also die Prinzessin sein. Der Prinz sah sie sich genauer an und dachte `Ganz hübsch, aber irgendwie nichts besonderes, wieso schwärmen denn alle so von ihr?’ Er ging ihr entgegen und verbeugte sich vor ihr, während er ihre Hand mit einem angedeuteten Handkuss bedachte.

„Willkommen an meinem Hof, Prinzessin!“

„Oh danke, werter Prinz“ antwortete diese. Der Prinz zuckte zusammen. Sie hatte eine entsetzlich quäkende Stimme, die ihm durch und durch ging. Grauenvoll!

„Bitte nehmt doch Platz, Prinzessin!“ sagte er mühsam beherrscht und führte sie zu einem Sessel. Die andere junge Dame beachtete er zunächst gar nicht. Sie trat schweigend hinter die Prinzessin und legte ihre Hand an den Bund ihrer Reithose. Vegeta war sicher, dass sie darin einen Dolch versteckt hatte.

‚Wahrscheinlich ist sie auch noch so eine Art Leibwache’ dachte er. Er betrachtete abschätzend ihren Körper. ‚Sie sieht ziemlich durchtrainiert aus’.

Mardek, der neben ihm saß, stieß ihn unauffällig in die Seite. Da merkte der Prinz, dass er die Hofdame die ganze Zeit unverhohlen angestarrt hatte. Er wandte den Blick der Prinzessin zu, doch zu spät.

„Habt Ihr mich jetzt genug begafft, werter Prinz?“ fragte die Hofdame mit einem recht aufsässigen Unterton. Dieser wollte ihr gerade eine scharfe Antwort geben, als sein Blick zum ersten Mal auf ihr Gesicht fiel. Seine Augen weiteten sich leicht. Sie  war eine Schönheit! Strahlendblaue Augen blitzten ihn ironisch an, ihre schulterlangen Haare hatten auch einen bläulichen Schimmer. Ihr schöner Mund war zu einem spöttischen Lächeln verzogen.

„Äh, ja – verzeiht mir!“ war alles, was ihm dazu einfiel. Gleichzeitig hätte er sich ohrfeigen können. Wie redete sie denn mit ihm? Und er? Er entschuldigte sich bei einer Hofschranze? War er noch normal? Verunsichert wandte er sich der Prinzessin zu und verwickelte sie in ein Gespräch, fragte, ob die Reise angenehm war, bot ihr Süßigkeiten und Saft an, kurz, war der perfekte Gastgeber. Sie antwortete artig auf alle Fragen, wobei der Prinz sich beherrschen musste, um nicht das Gesicht zu verziehen. Diese Stimme! Doch es sprang kein Funke über. Der Prinz fand sie nichtssagend und langweilig, und ihre Stimme nervte ihn zunehmend. In ihm wuchs die Überzeugung, dass, außer der Erzeugung von Erben, ihn wohl nicht viel mit seiner zukünftigen Frau verbinden würde..

Während der Unterhaltung verirrte sich sein Blick immer wieder zu der Frau, die hinter der Prinzessin stand. Sie sah ihn herausfordernd an. In ihren Augen war ein gewisses Funkeln, das ein Kribbeln im Bauch des Prinzen erzeugte. Er starrte zurück, als Mardek das Wort an die Prinzessin richtete, und versank im Blau dieser klaren Augen. Ein seltsames Gefühl bemächtigte sich seiner. Schnell sah er wieder weg. Er hatte die Prinzessin überhaupt nicht mehr beachtet… da hörte er, wie diese sagte, sie sei jetzt müde, und würde gerne ihre Gemächer aufsuchen. Pflichtschuldigst stand er auf und geleitete sie zur Tür. Die Hofdame (oder Leibwächterin) ging dicht hinter ihnen beiden her. Er meinte, ihren Blick zwischen seinen Schulterblättern fühlen zu können. Als er sie an sich vorbeilassen mußte, hoffte er, noch einen Blick zu erhaschen, doch sie sah stur geradeaus. Bevor sich die Tür wieder schloß, drehte sie jedoch ganz kurz ihren Kopf und sah ihm direkt in die Augen. Dann schritt sie erhobenen Hauptes hinter der Prinzessin her.

Mardek schloß die beiden Flügel der Tür und sah den Prinzen vorwurfsvoll an.

„Das war kurz vor einer Beleidigung, Majestät!“ sagte er missbilligend.

„Ach was, das hat die dumme Gans doch gar nicht mitbekommen!“ grollte dieser. „Die soll klug sein? Naja, hübsch ist sie ja, aber dieses Gequäke!“ er verdrehte genervt die Augen. Dann sah er Mardek an.

„Besorg mir die Hofdame für heute abend, ja?“

„Hoheit!“ Ihr..“

„Jaja, ich weiß. Ich will sie ja auch nicht vernaschen, sondern mich nur mit ihr unterhalten. Sei nicht immer gleich so streng, Mardek, ja? Und noch eins: Ohne Anstandswauwau, klar?“

„Ich, Hoheit, Ihr…“

„Mach dir keine Sorgen, ich werde brav sein! Versprochen! Ich will nur auf andere Gedanken kommen, verstehst du? Und sie… gefällt mir einfach!“

„Majestät, und – ich meine,…“ Mardek brach ab. Der Prinz zuckte die Schulter. Er wusste, was Mardek meinte. Was das jetzt bringen sollte wusste er wirklich nicht. Er wusste nur eines sicher, und zwar, dass sich an seinen Gefühlen für Kakarott nichts ändern würde, auch wenn, nun ja, wenn er diese kleine Hofdame wirklich sehr anziehend fand…

„Morgen wird die Prinzessin bereits wieder abreisen. Wir müssen noch die Hochzeitsverträge bearbeiten, die Ihre Eltern mitgeschickt haben…“

„Jajaja, Mardek ist ja gut! Das machen wir nach dem Frühstück, ja? Und danach verabschiede ich die Prinzessin, und danach kann ich machen was ich will, klar?“ Vegeta war schon wieder ungeduldig. Mardek sah ein, dass mit ihm wohl nicht zu reden war.

„Sehr wohl, Hoheit“ sagte er steif, und wollte sich entfernen, als der Prinz ihn an der Schulter fasste.

„Hey! Nicht sauer sein, Mardek“ bat er. Mardek lächelte vor sich hin. ‚Wie ein Junge!’ dachte er. So war der Prinz wirklich nur bei ihm. Irgendwie machte ihn das stolz…

„Majestät, es steht mir nicht zu…“

„Quatsch. Du kannst mir gar nicht richtig böse sein, stimmts?“

„Nun, ich – nein, das kann ich wohl wirklich nicht …“ sagte Mardek mit komischer Resignation. Der Prinz schlug ihm leicht auf die Schulter. Damit war Mardek entlassen. 

Vegeta begab sich umgehend in sein Bad um sich für den Besuch umzuziehen und frisch zu machen. Er summte vor sich hin. Plötzlich stockte er. So gute Laune hatte er nicht mehr gehabt, seit er Kakarott zum ersten Mal gesehen hatte. Seit dem war er nur noch verzweifelt, zornig oder niedergeschlagen gewesen. Dieses Mädchen hatte in ihm etwas freigelegt, was seit Wochen verschüttet gewesen war. Ihre freche Art gefiel ihm irgendwie, und obwohl sie ziemlich unverschämt gewesen war, mochte er sie. Mardek sollte sich beeilen! Er wollte sie schnell wiedersehen!

Er dachte an Kakarott. Was er wohl gerade machte? Eine leise Trauer wollte sich einschleichen. Doch er verdängte den Gedanken wieder. Heute wollte er keine Trübsal blasen. Er freute sich auf das Mädchen. Es klopfte. Gespannt sah der Prinz zur Tür.

„Ja?“ Mardek erschien. Allein. Finster zog der Prinz seine Brauen zusammen.

„Wo ist sie?“ Entschuldigend hob Mardek die Schultern. „Sie wollte nicht…“

„Was? Sie wagt es?“ Besänftigend hob Mardek die Hände. „Hoheit, sie gehört nicht zu Eurem Hofstaat, also..“ doch der Prinz war schon an ihm vorbeigestürmt, in Richtung der Gemächer des hohen Besuchs. „Wo ist sie?“ herrschte er die Wache vor der Tür an.

„W..wer?“ stotterte der Mann verschreckt.

„Die kleine Hofdame der Prinzessin natürlich!“ blaffte der Prinz zurück. Erstaunt sah er, dass der Mann leicht errötete. „Sie… sie ist ausgeritten!“ „Allein?“ „Ja! Sie hat darauf bestanden.“

Ohne ein weiteres Wort verließ Vegeta das Haus und rannte zum Stall. Im Näherkommen brüllte er „Sattelt meinen Hengst, aber zügig!“ Die Stallknechte beeilten sich, seinen Befehl schnellstens zu befolgen, denn wenn ihr Herr in diesem Ton befahl, war es besser, sich zu beeilen. Hastig zwängte dieser sich in seine Reitsachen und galoppierte wenig später vom Hof. Er ritt bis zum Flussufer und verhielt dann unschlüssig sein Pferd. Wo konnte sie hin sein? Sie kannte sich doch hier nicht aus? Einer Eingebung folgend, ritt er Flussabwärts in Richtung auf  ein Wäldchen. Dort verbreiterte sich der Fluss zu einem See und fiel dann über einen Wasserfall in Richtung des offenen Landes hinab in eine Ebene. Als er den See erreichte sah er schon einen weißen Hengst angebunden ruhig grasen. Von dem Mädchen sah er jedoch keine Spur. Er wunderte sich etwas, dass sie so ein edles Pferd ritt, normalerweise bekamen Hofdamen nur einfache Pferde anvertraut. Und dass ein Mädchen mit einem Hengst fertig wurde, war auch selten. Aber das passte zu ihr! Langsam bekam er Hochachtung vor ihr. Aber wo war sie nur?

Plötzlich hörte er ein Platschen. Er ritt in Richtung Wasserfall und sah sie, wie sie prustend auftauchte. Sie war tatsächlich von der Klippe gesprungen! Jetzt stellte sie sich unter dem  Wasserfall auf einen Felsvorsprung und ließ sich von dem herabfallenden Wasser umspülen. Unglaublich. Noch unglaublicher fand er allerdings ihre perfekte Figur, die sie ihm nun, nackt wie Gott sie schuf, präsentierte, da sie ans Ufer schwamm und aus dem Wasser kletterte. Sie strich sich das Wasser aus den Haaren, und suchte ihre Sachen zusammen. Nass wie sie war schlüpfte sie in ihre Reitsachen und  machte sich auf den Weg zurück zu ihrem Pferd. Sie stutzte nur kurz, als sie den grauen Hengst sah, der einträchtig mit dem ihrem graste. Sie hatte das Wappen auf der Satteldecke schnell entdeckt. Dann blickte sie sich suchend um. Als sie den Prinzen sah, der auf einem Stein saß und an einem Grashalm kaute, ging sie auf ihn zu.

„Ich nehme an, Ihr habt mich aus dem Wasser kommen sehen?“ fragte sie ihn ohne im geringsten verlegen zu wirken. Zu ihrer Überraschung war es der Prinz, der vor Verlegenheit errötete.

„Ich, nun, äh, ich wollte nicht…“ stammelte er. Innerlich fragte er sich, was los war. Er war doch sonst nicht so…

„Kein Problem, ich habe ja nichts zu verbergen, oder?“ schelmisch grinste sie ihn an. Befriedigt registrierte sie, dass der Prinz einen tiefroten Kopf bekam und grinste noch breiter.

Nach einer kurzen Pause riss dieser sich zusammen. Er ließ sich doch nicht von so einer Göre in Verlegenheit bringen! Aber er musste zugeben, dass sie ihn mehr und mehr faszinierte! Sie war wirklich bildhübsch, und ihre Art gefiel ihm einfach.

Um das Thema zu wechseln, sprach er sie auf ihr Pferd an. „Ein edles Tier! Wie heißt er?“ „Er gehört der Prinzessin. Sie hat ihn seit er ein Fohlen war. Sein Name ist Ténshi.“ „Engel?“ „Ja, merkwürdig, nicht wahr? Männliche Wesen sind doch nie Engel!“ sie lachte verschmitzt. „Wie heißt denn Euer Schöner?“ „Ich habe ihn Káge genannt.“ „Der Name passt perfekt zu ihm!“ Sie lächelte. Unvermittelt fragte der Prinz: „Warum habt Ihr meine Einladung abgelehnt?“ obwohl sie ja eigentlich nur eine Dienerin war, benutzte er die ganze Zeit unbewusst die höfische Anrede. Es fiel ihm nicht mal auf.

„Das war doch keine Einladung, sondern ein Befehl. Dazu hatte ich keine Lust. Außerdem… ich wollte sehen, ob Ihr mich sucht. Ob ich es Euch wert bin!..“ lächelte sie. Er war sprachlos. Sie hatte ihn nicht aus Schüchternheit, sondern mutwillig abblitzen lassen? Und, sie hatte geahnt, nein gewusst, dass er ihr folgen würde? So eine Frechheit.. Doch er riss sich zusammen. Er wollte jetzt ihren Namen wissen…

„Wie heisst Ihr eigentlich? Seid Ihr ein Edelfräulein, oder von einfacher Abstammung?“

„Von einigermaßen edler Herkunft, würde ich meinen.“ Wieder grinste sie ihr schelmisches Grinsen. Dann drehte sie sich unvermittelt um, machte ihr Pferd los, sprang in den Sattel und galoppierte mit halsbrecherischer Geschwindigkeit davon. Ohne lange zu überlegen folgte er ihr. Sie ritten zum Schloss zurück. Im Hof sprang sie vom Pferd und warf einem Bediensteten die Zügel zu. „Abreiben und trockenführen“ rief sie mit befehlsgewohnter Stimme „und er bekommt nur ein Maß Hafer und Heu, hat nicht viel getan, heute!“ Damit verschwand sie im Gästetrakt. Der Prinz, der ihr dicht gefolgt war, hatte die Szene beobachtet und dachte bei sich ‚Sie ist es gewöhnt, Personal zu befehligen. Also ist sie wohl tatsächlich von höherer Geburt…’ seine Neugier wuchs immer weiter. Er wollte sie unbedingt näher kennen lernen. Eilig ging er hinein, um Mardek zu suchen. Bald gab es Abendessen. Und danach wollte er dieses Mädchen treffen, koste es, was es wolle!

Beim Essen saß die Prinzessin neben Prinz Vegeta am Kopf der Tafel, und ihre Hofdame daneben an der langen Seite, Mardek saß ihr gegenüber. Der Prinz bemühte sich um leichte Konversation mit der Prinzessin, war jedoch nicht recht bei der Sache, weil er immer wieder ein leichtes Lächeln oder ein Funkeln in den Augen des Mädchens sah, was ihn jedesmal aus dem Konzept brachte. Worüber amüsierte sie sich denn so? Er sehnte das Ende der Mahlzeit herbei. Schließlich legte die Prinzessin ihr Besteck nieder, und er konnte die Tafel aufheben. Sofort stand die Prinzessin auf und kündigte an, sich zurückziehen zu wollen, da sie wegen der anstrengenden Reise morgen genügend Schlaf brauche. Sie nickte ihrer Hofdame zu, und beide verließen den Speisesaal. Vegeta beugte sich zu Mardek.

„Frag sie noch einmal, aber lass es nicht als Befehl erscheinen. Bitte sie einfach…“ Mardek kam aus dem Staunen nicht heraus. Der Prinz bat um etwas? Er hatte gedacht, dass sein Stolz es nicht zulassen würde, ihr noch länger hinterherzulaufen. Er hatte fast befürchtet, der Prinz würde sie jetzt einfach holen lassen. Aber vielleicht wollte er die Beziehung zur Familie der Prinzessin nicht gefährden. Vielleicht dachte er endlich mal weiter! Mardek erhob sich.

„Ich werde sehen, was ich tun kann, Hoheit!“ sagte er und entfernte sich. Am Gemach der Prinzessin angekommen, klopfte er. Das Mädchen öffnete ihm die Tür.

„Ich komme“ sagte sie ohne ein Wort von Mardek abzuwarten. Der nickte. Das lief ja besser als gedacht. Sie kam heraus, in ein silberfarbenes fließendes Gewand gekleidet, das ihre Figur betonte, die Haare trug sie offen. Um den Hals trug sie eine Kette mit einem Medaillon. Mardek schluckte, als er sie sah. Sie war bildschön! Hoffentlich machte der Prinz keine Dummmheiten! „Wenn Ihr mir bitte folgen wollt..“ Gemeinsam machten sie sich auf den Weg zum Gemach des Prinzen. Vor der Tür sagte Mardek zu ihr:

„Ich ziehe mich jetzt zurück. Ich denke der Prinz wird sich – ähm, benehmen.“

„Keine Sorge, ich werde schon mit ihm fertig!“ schmunzelte sie. Mardek verbeugte sich leicht und entfernte sich. „Davon bin ich überzeugt…“ murmelte er.

Der Prinz lief in seinem Gemach auf und ab. Wie sollte er mit ihr reden? Was sollte er sagen? Er war aufgeregt wie ein Schuljunge. Er sah sie wieder vor sich, wie sie aus dem Wasser gekommen war. Es war ihm regelrecht peinlich, dass sie wusste, dass er sie so gesehen hatte. Wieso nur? Er war doch sonst nicht so schüchtern? Irgend etwas war an diesem Mädchen, was ihn total durcheinander brachte. Als er Kakarott gesehen hatte, wusste er sofort, dass er ihn wollte. Dass er in ihn verliebt war, hatte er erst später gemerkt, und dann umso heftiger. Hier war es anders. Er hatte sie gesehen, und plötzlich wusste er gar nicht mehr, was er fühlen sollte. Er hatte immer noch große Sehnsucht nach Kakarott. Er wünschte sich immer noch, dass dieser ihn auch lieben würde. Aber…  es schlich sich ein leises zweites Gefühl ein, das er nicht genau beschreiben konnte. War er etwa auch in dieses Mädchen verliebt? Er schüttelte den Kopf. Wurde er langsam verrückt? Man konnte doch nicht zwei Menschen gleichzeitig lieben? Oder doch? „Du bist ein Volltrottel, Vegeta. Erst liebst du niemanden, nicht mal dich selbst, und jetzt…“ murmelte er vor sich hin.

Es klopfte leise. Er zuckte zusammen. Sein Herz klopfte schneller. Er holte tief Luft und ging zur Tür. Als er sie öffnete, fiel ihm fast die Kinnlade herunter. Sie sah unglaublich schön aus. Er starrte sie einen Moment lang an. „Hallo, Majestät!“ sagte sie lässig. „Wollt Ihr mich nicht hereinbitten?“ Sprachlos trat er zur Seite. Sie ging an ihm vorbei und er schloss die Tür. Immer noch fehlten ihm die Worte. Sie blieb mitten im Raum stehen und sah sich um.

„Nett habt Ihr es hier!“ Sie sah ihn erwartungsvoll an. Endlich besann sich der Prinz auf seine Manieren und bot ihr einen Stuhl an. Sie setzte sich und sah ihn wieder an. Er setzte sich ihr gegenüber hin.

`Verdammt, hab ich mein Hirn verloren?’ grollte der Prinz innerlich. `Wieso fällt mir denn nichts ein, was ich sagen könnte?’ Er, der sonst nie Probleme hatte, egal ob Mann oder Frau, anzubändeln, saß ihr nun verlegen wie ein Jüngling gegenüber und brachte kein Wort heraus. Sie wartete. Er nahm sich zusammen „Darf ich Euch etwas zu Trinken anbieten?“ fragte er. „Gern“. „Und was möchtet Ihr?“ „Was habt Ihr denn so?“ „Wein, Branntwein, Rum…“ siedendheiß fiel ihm ein, dass der Wein ja immer noch der mit dem Mittel war, das er Kakarott gegeben hatte. Das wollte er heute doch lieber sein lassen! Doch sie sagte bereits „Ich mag keinen Wein. Gebt mir bitte Rum!“ Er sah sie perplex an. Eine Frau, die einen Hengst ritt, von Wasserfällen sprang und Rum trank? So etwas hatte er noch nicht erlebt. Trotzdem stand er auf und goss zwei Finger breit der braunen Flüssigkeit in ein Glas. Nach kurzem Zögern schenkte er sich dasselbe ein. Ihm wurde schon von dem Gedanken an Alkohol schlecht… Er stellte ein Glas vor sie hin, setzte sich wieder zu ihr und behielt sein Glas in der Hand. Sie hob ihm ihr Glas entgegen. „Auf uns!“ „Auf… uns?“ wiederholte er verwundert.

„Na, es wird doch einen Grund haben, warum Ihr mir so hartnäckig nachstellt, oder? Ich kann mir nicht vorstellen, dass Ihr mich nur über die Prinzessin ausfragen wollt..“ Dem Prinzen wurde es langsam ungemütlich. Was sollte er jetzt sagen? War das ein Test? Sollte sie für die Prinzessin herausfinden, ob er über eine Hofdame herfiel, wenn er die Gelegenheit bekam? Er beschloss, vorsichtig zu sein. Und außerdem – er hatte sich ja wirklich nur unterhalten wollen (sagte er jedenfalls zu sich selbst). Er setzte eine hochmütige Miene auf.

„Bildet Euch nur nicht zu viel ein, kleine Dame“ sagte er kalt. „Ich … finde Euch nett, in der Tat… und ich wollte mich gerne mit Euch unterhalten, auch über Eure Herrin natürlich, ich weiß ja fast nichts über die Prinzessin. Doch ich habe Euch nicht nachgestellt, wie ihr annehmt, sondern ich wollte Euch beschützen. Eine Dame reitet nicht einfach alleine in den Wald, ohne männlichen Begleitschutz.“ Zufrieden lehnte er sich zurück. Das hatte er doch prima hinbekommen, alles plausibel erklärt. Doch ihr nächster Satz trieb ihm die Röte ins Gesicht. „Ach, und warum habt Ihr nicht einfach eine Eskorte losgeschickt? Und weshalb habt Ihr mich erst einmal beobachtet, als ich aus dem Wasser gestiegen bin?“  „Ihr könnt mir glauben, es lag nicht in meiner Absicht, Euch nackt zu sehen. Ich konnte ja nicht damit rechnen…“ „Schade!“ „Wie Bitte?“ der Prinz traute seinen Ohren nicht. „Schade, dass es nicht in Eurer Absicht lag, meine ich…“ sie grinste ihn an. „Aber das ist ja jetzt auch egal. Was wollt Ihr über die Prinzessin wissen?“

„Nun ja, wie sie so ist, was sie mag und nicht mag, ich weiß auch nicht…“ ‚die Prinzessin interessiert mich einen Dreck’ dachte er.

„Nun, sie ist sehr – freiheitsliebend. Sie mag nicht gegängelt werden, und sie mag das höfische Getue nicht. Was sie dagegen sehr mag, sind schnelle Pferde, Ausritte, schnelle Fahrzeuge und gutaussehende Männer – wie Ihr es seid. Ihr gefallt ihr sehr!“ zählte sie auf. Vegeta riss die Augen auf. „Ihr seid sehr – offen“ brachte er heraus. Was war das denn nur für ein Mädchen?

„Ach ja, Offenheit mag sie auch! Und sie hasst Lügner“ gab sie zurück und blinzelte ihm zu. „Wollt Ihr nichts trinken?“ fragte sie unschuldig und nippte an ihrem Glas. Statt einer Antwort setzte der Prinz sein Glas an und leerte es in einem Zug. Es schmeckte scheußlich. Sie sah seinen Gesichtsausdruck und lachte schallend. Er verzog wütend das Gesicht. Schon wollte er sie anfahren, was ihr einfiele ihn auszulachen, als sie plötzlich ebenfalls ihr Glas leerte, ohne eine Miene zu verziehen, es auf den Tisch stellte, aufstand und mit schnellen Schritten um den Tisch herum zu ihm kam. Sie trat hinter ihn, legte ihm die Arme um den Oberkörper und flüsterte ihm ins Ohr: „Nicht böse sein, mein Prinz, ich wollte Euch nicht beleidigen!“ Dann küsste sie sanft seinen Nacken.

Dem Prinzen lief eine Gänsehaut über den Rücken. Wie elektrisiert saß er da. Was sollte er jetzt tun? Sie machte ihn ja ganz offensichtlich an! Er stand vorsichtig auf und drehte sich zu ihr um. Sie stand mit Unschuldsmiene vor ihm und lächelte ihn an. Um seine Verlegenheit zu überspielen, deutete er auf ihr Medaillon. „Das ist sehr schön! Ich sehe, dass das Wappen Eures Fürsten darauf zu sehen ist. Ein Geschenk der Prinzessin?“

„Nein, ein Geschenk der Mutter des Fürsten, ich habe es zur Taufe bekommen.“

„Das ist ein kostbares Geschenk. Seid Ihr mit ihr irgendwie verwandt?“

„Aber ja! Sie ist meine Großmutter!“ lächelte sie.

„Eure.. aber..“

„Und die Fürstin ist meine Mutter, der Fürst mein Vater, und ich bin Bulma!“ jetzt lachte sie ihn an. „Ich gebe das Spielchen jetzt lieber auf. Ja, ich bin diejenige, die Euch versprochen wurde. Ich wollte Euch kennenlernen, ohne unter dem Zwang der Etikette zu stehen. Und ich wollte, dass Ihr mich unvoreingenommen kennenlernt. Für Euch war ich doch bestimmt nur irgendeine Gans, die Ihr heiraten müßt. Deshalb habe ich heimlich mit einer meiner Hofdamen die Rollen getauscht. Eigentlich wollte ich es Euch ja schon nach dem Empfang heute vormittag sagen, aber es hat irgendwie… Spaß gemacht!“ Sie sah ihn besorgt an. „Seid Ihr böse? Dann verzeiht mir bitte!“ Der Prinz sah sie fassungslos an. So eine – Unverschämtheit, ihn so zum Narren zu halten. Seltsamerweise war er nicht wütend auf sie. Er bewunderte ihren Scharfsinn. Genauso hatte er ja gedacht! Er ärgerte sich vielmehr über sich selbst, dass er nicht selbst darauf gekommen war. Sie war doch offensichtlich keine einfache Hofdame. Etwas steif verbeugte er sich nun leicht vor ihr und sagte: „Ich muss um Verzeihung bitten! Ich hätte es gleich merken müssen, dass ich eine Prinzessin vor mir habe.“

„Nun ja, es ist ja nicht gerade alltäglich, dass Prinzessinnen sich wie Söldner aufführen“ grinste sie. Der Prinz ging nicht darauf ein. „Es ist besser, wenn Ihr jetzt in Euer Quartier zurückkehrt. Ich werde Mardek rufen lassen.“ „Aber wieso das denn?“ fragte Prinzessin Bulma enttäuscht. „Es wurde doch gerade erst interessant! Ich möchte auch noch ein Glas Rum trinken!“ Doch der Prinz blieb hart. „Es ist unschicklich. Und ich werde Euch nicht abfüllen, und mir hinterher vorwerfen lassen, ich hätte es mit Absicht getan, nur um Euch zu verführen!“ Er wunderte sich selber über das was er da sagte. Es war genau das Gegenteil von dem, was er sonst tat. Doch dies hier war etwas anderes. Er hatte außerdem das Gefühl, dass der Rum bei ihm schon wirkte. Und er wollte auf keinen Fall, dass sie ihn betrunken sah! „Na gut!“ murrte sie. Ihre Wangen waren leicht gerötet. Offensichtlich war auch sie keinen Alkohol gewöhnt. Der Prinz nahm den Klingelzug. Die Prinzessin sagte zu ihm: „Es ist Euch doch klar, dass wir uns vor der Hochzeit nicht mehr sehen werden? Denn wenn mein Gefolge das mit meinem Ausflug von heute mitkriegt, darf ich wieder mein Gemach nicht verlassen. Und morgen reisen wir ab!“ Sie zog einen Schmollmund. Mit den roten Wangen sah sie so süß aus, dass Vegeta nicht umhin konnte, ihr einen zarten Kuss auf die Stirn zu drücken. „Ich vergesse Euch schon nicht!“ sagte er. Dann musste er grinsen. Mardek würde Augen machen. Die Prinzessin erriet seine Gedanken und grinste ebenfalls. Dann klingelte der Prinz. Die Wache erschien, und er wies ihn an, Mardek zu holen. Der kam sofort um die Prinzessin abzuholen. Im Hinausgehen flüsterte diese dem Prinzen noch zu: „Ihr gefallt der Prinzessin wirklich sehr!“ Mardek geleitete die Prinzessin,  von der er annahm, sie sei eine kleine Hofdame, zu ihren Gemächern. Er beobachtete sie verstohlen. Sie lächelte vor sich hin. Also hatte der Prinz sich wohl anständig verhalten. Mardek atmete auf. Wenigstens etwas…

To be continued…

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