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Don't go wasting your emotions von Calypso ============================================= Story by: Calypso ---------------------------------------------------------------------- Don't go wasting your emotions Wieder einmal war Freitag Abend. Ich hatte eine weitere Woche hinter mich gebracht samt Streß, samt mieser Laune, samt Verzweiflung. Ich wußte nicht, wie lange ich das noch aushalten würde, lange sicher nicht mehr. Matt ließ ich mich auf mein Bett fallen und starrte die Decke über mir an. 'Hiro, du bist wirklich ein Trottel!' So lange schon, wußte ich, daß es mehr war, das ich für Shuichi empfand, als nur Freundschaft, brachte es allerdings niemals fertig, es ihm zu sagen. Wer weiß, was aus unserer Freundschaft geworden wäre... Und nun? Ja, nun hatte er jemand anderen gefunden, dem er seine Liebe schenkte und es schmerzte.. es schmerzte, zu wissen, daß ich es nicht war, den er liebte, es schmerzte, von ihm zu hören, wie glücklich er mit diesem kaltherzigen Bastard war, es schmerzte, es schmerzte so sehr... Ich wandte mich zur Seite und bedeckte mein Gesicht. Sollte ich nicht glücklich sein, wenn er es war? Sollte es mich nicht freuen, daß er jemanden gefunden hatte? Sollte ich nicht lachen?? Warum aber rannen dann Tränen an meinen Wangen herab. Salzig und bittersüß zugleich, suchten sie ihren Weg aufs Laken herab. Es ging nicht mehr. Ich hielt es nicht mehr länger aus, jeden Tag ins Studio zu gehen und so zu tun, als würde ich mich freuen, als wäre er für mich nur ein Freund, als ginge es mir gut... Lügen, alles Lügen, die ich ihm direkt ins Gesicht sagte, ohne auch nur mit der Wimper zu zucken. Mein Herz jedoch, zerbrach allmählich daran.. Langes dunkles Haar fiel mir ins Gesicht, verdeckte mir die Sicht und verdunkelte das Licht. Alles schien plötzlich so, wie in meinem Herzen, dunkel und hoffnungslos... Meine Hand strich die Strähnen zurück und ich warf einen Blick auf das Foto auf meinem Nachttisch. Es war Shuichi, wie er einmal in meinem Bett eingeschlafen war. Wenn er wüßte, daß ich ihn damals fotografiert hatte, fände er es wahrscheinlich eher weniger komisch. Aber wie sollte er es schon erfahren? Er kam ja nicht mehr zu Besuch... ein Grund, warum das Foto existierte und dort stand... Seufzend, richtete ich mich auf. Ich war wirklich ein hoffnungsloser Fall, daß ich mich immernoch so in Selbstmitleid ertränkte. Ich mußte mich endlich damit abfinden. Mein Chance war vorbei, alles verloren, ich würde ihn nicht wieder bekommen. Er hatte sich an jemand anderen verschenkt... Jemandem, der ihm weh tat... dennoch liebte er ihn... etwas in meiner Brust zog sich zusammen... Es schmerzte... In der Hoffnung, mich etwas ablenken zu können, griff ich nach der Gitarre und wollte etwas spielen, als meine Haare mir mal wieder einen Strich durch die Rechnung machten, indem sie mir die gesamte Sicht versperrten. Mit Klammer im Haar, die die Frisur nach hinten hielt, wo sie seidig an meinem Hals herabhing, setzte ich mich auf die Bettkante und begann irgendwelche Nonsens vor mich hin zu zupfen. Als ob ich wirklich dabei wäre, als würde ich tatsächlich ans Spielen denken, wem machte ich was vor? Ich dachte nur an eines... an ihn... Frustriert über mich selbst, stellte ich die Gitarre wieder fort und schaltet das Radio an, um wenigstens etwas Musik zu hören, wenn ich sie schon nicht selbst spielen würde. Der Klang der traurigen Melodie klang an mein Ohr und ich lauschte entspannt. 'Don't go wasting your emotion... lay all your love on me.' Ich lachte bitter, der Text traf genau das, was ich dachte, wenn ich ehrlich war. Warum nur, vergab Shuichi seine Liebe an Yuki? Er war ein kaltherziger, ignoranter, arroganter, selbstherrlicher Bastard!! Warum gerade dieser Kerl? Wie oft, hatte er Shuichi schon zum Weinen gebracht? Wenn ich ehrlich war, war das nicht schwer, aber er schien es beinahe darauf anzulegen..das machte mich rasend... 'Don't go sharing your devotion.. lay all your love on me.' Wie wahr der Song doch war, und wie bitter zugleich. Ich würde Shuichi niemals bekommen, das war mir klar. Doch was noch mehr schmerzte, war, daß er mich allmählich völlig zu vergessen schien. Wie lange schon hatten wir nichts mehr miteinander unternommen? Ich erinnerte mich an früher, als er fast jeden Tag bei mir war, oder ich bei ihm, wie wir Musik hörten, tanzten, uns eine Kissenschlacht lieferten oder einfach nur redeten. Es war schön gewesen. So würde es nie wieder werden.... Betrübt, blickte ich aus dem Fenster. Es war schon spät, der Himmel schon völlig dunkel, und ein Sturm schien aufzuziehen. Die kahlen Bäume wiegten sich im Wind auf und ab, als würden sie fürchten, sonst zu zerbrechen und formten im Schatten eigenartige Gestalten. Dunkle Geschöpfe, die in der Dunkelheit lauerten... und Seelen verletzten, verdarben, zerstörten. 'The feeling I feel.. when I don't have you near..' Regentropfen klopften gegen mein Fenster und spielten ein einsame Melodie. Die Sterne waren völlig bedeckt, kein silberner Mond zu sehen, alles dunkel. Gleichgültig, griff ich nach meiner Colaflasche und trank etwas. Es war bereits 1.00 Uhr, außer mir war in dieser Gegend wohl kaum noch jemand wach. Umso einsamer fühlte ich mich... wieder fiel mein Blick auf das Photo... Er würde mich vergessen... ohne es zu bemerken... irgendwann wäre ich einfach kein Teil seines Lebens mehr, als hätte er mich nie gebraucht, als hätte er mich nie gekannt, als hätte es mich nie gegeben. Ich begann zu husten, als Cola in meine Luftröhre floß. War das der Weg des Schicksals? Es war nicht fair, soviel war klar. Was beschwerte ich mich? Niemand hatte jemals gesagt, daß das Leben fair war! Wie kam ich auf so einen naiven Gedanken? Das Leben war grausam, das sollte ich wissen. Als würde man auch nur einmal das bekommen, was man sich wünschte... ich könnte noch so sehr darauf hoffen, letztendlich würde das Leben mir doch nur einen Tritt in den Arsch geben und fies grinsen. Das war nicht irgendein Leben, das war mein Leben... Ein klackendes Geräusch riß mich aus meinen Gedanken und ich blickte irritiert auf. Was war das gewesen? Ein weiteres Pochen und ich bemerkte, das es vom Fenster kam. Jemand warf Steinchen dagegen...? Aber wer.... um diese Zeit? Mehr geistesabwesend, als alles andere, öffnete ich die Fenster und begrüßte den rauschenden Regen, der vom Himmel herabfiel. Das matte Licht der Straßenlaternen funkelte in der Dunkelheit und ich blickte herab. Dort stand eine Gestalt. Irritiert, kniff ich die Augen zusammen, als eine bekannte Stimme zu mir herauf rief. "Hey Hiro! Erkennst du mich nicht mehr! Ich bins, laß mich rein, es ist arschkalt!" Shuichi!! Eilig stürmte ich die Treppe herab und riß die Tür auf, ehe ich überhaupt bemerkt hatte, dass ich das Zimmer verlassen hatte. Freudig sprang er auf mich zu und warf sich um meinen Hals. "LALIHO!", rief er in freudiger Stimme und lachte kindlich, sowie er es früher so oft zu tun gepflegt hatte. Ich blinzelte irritiert. War das wirklich er? Ich starrte ihn an und er grinste noch breiter, ehe ich verzweifelt versuchte, meine wahren Gefühle zu tarnen. "Yo! Stell den Lautstärkepegel runter, meine family pennt schon!", meinte ich lässig und winkte ihn ins Haus, wo er seine Schuhe auszog und mich mit großen Augen ansah. "Tut mir leid...", meinte er leise. "Vergiß es einfach..", winkte ich ab und sah ihn von oben bis unten an. Er war völlig durchnäßt und sah aus wie ein begossener Pudel. So süß, daß ich ihn am liebsten wieder in meine Arme gerissen und nie wieder losgelassen hätte. Aber dafür hatte er jetzt jemand anderen... Dennoch, lächelte ich liebevoll bei seinem Anblick, was ihn augenscheinlich irritierte. Ganz toll, noch offensichtlicher konnte ichs wohl nicht machen! Ich Trottel! Nervös räusperte ich mich und sah ihn erwartungsvoll an. "Stimmt was nicht? Was führt dich zu mir?", meinte ich ruhig und sah ihm direkt in die wunderschönen blauen Augen, die wie zwei Ozeane, völlig klar und tief vor mir schimmerten. Könnte ich darin schwimmen.... "Ähm...", meinte er zögerlich und wurde leicht rot im Gesicht. "Ich hab dich vermißt...", meinte er leise und begann scheinbar hilflos an seinen Sachen herumzuzupfen. Was war das nun? Hatte er das tatsächlich? Aber er schien so glücklich ohne mich... die letzten Wochen waren die Hölle gewesen und jetzt kam er tatsächlich zu mir und erzählte mir, daß es ihm auch weh getan hatte? Verzweifelt versuchte er, ernsthaft zu sein, aber wir beide wußten, daß ihm das nicht besonders lag. Er war eben Shuichi, niemand, der ihn kannte, erwartete wirklich noch, daß er sich erwachsen verhielt. Das Schicksal bewies meine These, als er zu niesen begann, und das vier Mal... Lachend, schüttelte ich den Kopf und deutete auf die Treppe. "Wie auch immer, laß uns erst mal rauf gehen..", meinte ich lächelnd und wandte mich von ihm ab, damit ich mich nicht doch noch verriet. Ich konnte meine Gefühle so gut verstecken, selbst Yuki wäre beeindruckt von mir, da war ich mir sicher. Jede der Stufen schien unter meinen Stufen zu verschwinden, so schwer fielen mir die Schritte, wissend, daß Shuichi direkt hinter mir lief, daß er mich vermißt hatte, so wie ich ihn, und dass er völlig durchnäßt war und wohl frieren würde... ich würde ihn gern in die Arme schließen und wärmen... wie wir es früher zu tun gepflegt hatten... Dinge ändern sich, dachte ich zu mir und senkte betrübt den Kopf.. Matt schlürfte ich den Flur zu meinem Zimmer herab und öffnete die Tür, ohne ein Wort. Auf leisen Füßen folgte Shuichi, welcher wohl auch nicht recht wußte, was er sagen sollte. Pure Ironie, daß man die Nähe zu einander wochenlang vermißte und wenn man sie bekam, nicht wußte, was man damit anstellen sollte... Mit leisem Klacken fiel die Tür wieder in ihr Schloß und sperrte uns beide zwischen diese vier Wände, in das silberne Licht, das von oben herabschien und in diese Ruhe, die keiner von uns beiden zu durchbrechen wußte. Wie immer, machte ich den ersten Schritt. Als gäbe es nichts, das mich bedrückte, wuschelte ich Shuichi spielerisch durch sein pinkes Haar und grinste ihn brüderlich an. "Ich hol dir erstmal ein Handtuch, du siehst ja aus wie ein benutzter Teebeutel..." ".. und zieh die nassen Klamotten aus.. häng sie am besten über die Heizung zum Trocknen...", rief ich ihm noch zu, ehe ich das Zimmer wieder verließ und in das meiner Eltern schlich, um etwas körpertrocknenden Stoff, im Volksmund auch Handtuch genannt, mitgehen zu lassen. Als ich zurück in mein Zimmer kam, saß Shuichi bereits nur noch in Shorts auf meinem Bett. Unschuldig, blickte ich auf meine Gitarre, die ich plötzlich unheimlich interessant fand, um keine unpassenden Gedanken zu bekommen und reichte ihm das verdammte Handtuch. Wenn er nur wüßte, was er mir antat.... "Danke...", meinte Shuichi ungewohnt matt und griff nach dem Handtuch. Ich wollte mich schon wieder abwenden, als seine Hand an dem Ärmel meines Hemdes hielt, das ich aufgeknöpft trug. Ich zögerte. Was stimmte nicht? Irritiert blickte ich auf ihn herab. Momente der Ruhe, ehe er mich dämlich angrinste und mir das Handtuch entgegen streckte. "Trocknest du mich ab?", mit einer so kindlichen Art, daß ich wieder lächeln mußte. Ich armer Idiot... "Sicher", lachte ich und begann mit dem Stoff durch seine Haare zu wuscheln, nachdem ich mich hinter ihn aufs Bett gesetzt hatte. Leises Rascheln klang an mein Ohr und ich erwischte mich selbst, wie ich ohne Grund lächelte. Es fühlte sich so gut an. Warum konnte die Zeit nicht einfach stehenbleiben? Ich würde ihn nie wieder hergeben... Nie wieder... Plötzlich hielt ich inne und blickte auf ihn herab. Wie gerne würde ich ihn jetzt an mich drücken. Es fiel mir schwer, es nicht zu tun, doch ich würde mich nicht verraten. Es würde Shuichi nur weh tun, das wußte ich, warum also unnötige Schmerzen verursachen? Es genügte, wenn ich unglücklich war. Achtlos flog das Handtuch in die Ecke und ich warf mich kraftlos in die Matratze. Irgendwie war mein Leben scheiße! Anders konnte man das wirklich nicht ausdrücken. Warum mußte ich jemanden lieben, der mich nicht liebt? Zumindest nicht so, wie ich es mir wünschte... warum jemanden begehren, der jemand anderen will... waren das die Gesetze der Liebe? Dann würde ich ihr abschwören... Fragend, drehte Shuichi sich zu mir und sah mit großen Augen auf mich herab, ehe er das Gesicht wieder verzog und mit den Zähnen klapperte. "Uah! Ist das kalt! Kannst du die Heizung nicht andrehen?", plärrte er mir in die Ohren und rieb sich verzweifelt die Arme. Die Augen schließend, verschränkte ich die Arme hinter meinem Kopf und atmete aus. "Is kaputt...", seufzte ich und tat so, als kümmerte ich mich nicht weiter drum und wäre kurz vor dem Einnicken. Frustriert darüber, setzte Shuichi sich auf mich und begann an meinem Hemd zu zerren, wobei seine kalten Hände an meiner Brust entlangstrichen. "Hey! Mir ist kalt! Tu gefälligst was!", heulte er. Der Versuch, nicht rot zu werden, mit seinem Hintern gerade an dieser Stelle und seinen sanften Händen an meiner Brust, stellte sich als äußerst schwierig heraus, als er noch begann, an mir zu schütteln und somit seinen Unterkörper leicht vor und zurück zu bewegen. Die Reibung an meinem Schritt war nicht besonders förderlich, ihn nicht zu wollen... Glücklicherweise, holte mich ein piekender Schmerz in die Realität zurück und ich öffnete mein linkes Auge leicht, so daß Shuichi einen Moment lang glaubte, ich würde endlich reagieren, als ich lediglich die Spange aus meinen Haaren löste und dann weiterhin so tat, als würde ich ihn ignorieren. Früher hätte ich eine Decke um uns beide geschlungen und ihn ge- wärmt, aber täte ich das jetzt, würde es ein völlig anderes Licht auf die Sache werfen, schließlich wäre es mindestens für mich nicht mehr so wie früher. Irgendwie war alles anders, so fremd und dennoch geliebter, als alles andere. Wie ich mir wünschte, daß er meine Gefühle erwidern würde. Leises Schluchzen klang an mein Ohr und ich lauschte irritiert, als Shuichi wieder zu plärren begann. "Hiro! Du magst mich nicht mehr... sonst hast du mich immer gewärmt... das ist so gemein... ", schluchzte er und zerrte weiterhin an meinem Hemd. Irgendwie machten mich seine Worte wütend. Was erwartete er denn? Warum kam er überhaupt zu mir? All die anderen Wochen, Tage, Stunden, die ich zählte, ließ er mich allein... glaubte er denn, das alle nur für ihn lebten? In beinahe tödlicher Geste, schlug ich die Augen auf und sah ihn ernsthaft an. "Warum bist du hier Shuichi?", flüsterte ich, "Wenn du Wärme brauchst, warum bist du nicht bei dem Menschen, der sie dir geben sollte? Was ist mit Yuki?", und ich starrte ihn durchdringend an. In schwarzen Strähnen schlängelte sich mein Haar über das Bett und Ruhe folgte auf meine Worte. Es war verletzter herübergekommen, als ich es gewollt hatte... Shuichi biß sich auf die Unterlippe und blickte herab. Seine blauen Augen schimmerten traurig und langsam beugte er sich zu mir herab, so daß ihm sein seidiges Haar ins Gesicht fiel. Ich keuchte, als er sein Gesicht direkt über meines hielt, mit traurigem und merkwürdig einsamem Blick. Sekunden vergingen so... eine Ewigkeit... und ich versank in diesen Augen... Ohne ein Wort, schloß er sie plötzlich und ich spürte seine weichen Lippen auf meinen, so süß, so lieblich, der Atem blieb mir stehen. Der Kuß war völlig unschuldig und gerade deshalb weckte er den Appetit nach mehr in mir, als Shuichi sich wieder von meinen Lippen löste. Was genau, war eigentlich passiert? Warum hatte er mich gleich geküßt? Mußte ich das Verstehen? Hatte er eine masochistische Ader, daß es ihm gefiel, wenn man gemein zu ihm war? Naja, würde wenigstens seine Liebe für Yuki erklären.... nein, das konnte es nicht sein... "...warum...", flüsterte ich völlig irritiert und blickte wieder in seine Augen, die ihren Blick kein bißchen verändert hatten. Das war nicht der Shuichi, mit dem ich früher Kissenschlachten veranstaltet oder einen Trinken war, das war ein anderer Mensch, zu dem er geworden war und irgendwie machte es mir Angst. Angst, ihn nicht mehr zu kennen. Angst, daß er mich nicht mehr brauchte. Angst, ihn zu verlieren... Als wüßte er, was mir durch den Kopf ging, preßte Shuichi seinen Zeigefinger auf meine Lippen und schüttelte resignierend den Kopf. Was wollte er mir damit sagen? Bereute er es? Wollte er mehr? War das ein Abschied? Ich war völlig verwirrt... "Ich hab dich lieb, Hiro", lächelte er plötzlich verträumt und hätte kindlich gewirkt, wäre dieser traurige Schimmer nicht in seinen Augen geblieben. Was war das? Ich wollte es wissen! Doch seine Lippen formten andere Worte. "Du bleibst der wichtigste Mensch in meinem Leben, auch wenn du dir die Position mit Yuki teilen mußt", grinste er mich für einen Moment lang dämlich an, "Ich möchte bei dir sein, weil ich mich bei dir geborgen fühle...", und seine Stimme begann zu zittern, "Ich will nicht, daß sich daran etwas ändert... bitte laß mich nicht allein... ich brauch dich... ja, Hiro?", blickte er wie ein treuer Hund auf mich herab und erwartete eine bestätigende Antwort. Ich konnte nicht mehr... Verzweifelt schloß ich die Augen und atmete mehrmals ein und aus, in der Hoffnung, diese starken Gefühle würden verschwinden, doch das taten sie nicht. Es brannte wie Feuer. Ich hielt es nicht mehr aus. Mein Herz raste. Mir war heiß und kalt zugleich. Es ging einfach nicht mehr... "Ich brauche dich auch..", hauchte ich, legte meine Arme um ihn und wandte ihn auf die Matratze unter mich, ohne auch nur die Augen zu öffnen. Würde ich sehen, sähe ich seinen Blick. Ich wollte nicht, daß er mich ablehnte... so würde es wenigstens nicht so weh tun, wenn er mich von sich schob... Mir nicht mehr bewußt im Klaren darüber, was ich tat, begann ich seinen Hals zu küssen. Meine Hände streichelten seinen Rücken herab, bis meine Fingerspitzen mit dem Gummibund seiner Shorts zu spielen begannen und mein Körper legte sich auf seinen. Zu meiner Überraschung, tat Shuichi nichts, um mich abzuhalten. Er lag einfach nur da und ließ seine Hände durch mein langes Haar streichen, als gäbe es nichts anderes in seinem Leben, an das er denken müßte. Meine Zunge begann mit seiner Haut zu spielen und das Gefühl überkam mich, ich konnte nicht mehr klar denken. Dennoch überwand ich mich, die Augen zu öffnen und Shuichi anzusehen. Was machte ich mir etwas vor? Wollte ich ewig in einer Illusion leben? Früher oder später mußte ich mich den Dingen stellen... ich wollte Shuichi nicht verlieren... ...und wenn nur unserer Freundschaft zu Liebe... "Was ist?", sah ich ihn besorgt an und küßte ihn lieb auf die Stirn, um tröstend zu wirken, ohne überhaupt genau zu wissen, wieso. Irgendwie hatte ich das Gefühl, daß er mir etwas sagen wollte, auch wenn ich nicht wußte, was. Mein Gesicht direkt über seinem, blickte ich wieder in seine azurblauen Augen und konnte es nicht fassen, wie schön er war. So schön.. Doch während ich mich in seinem Blick verlor, biß er sich zögerlich auf die Unterlippe und begann mit seinen Fingern in meinen herabhängenden Haarsträhnen zu zwirbeln. "Es ist mehr, nicht wahr?", flüsterte er so leise, daß ich es kaum gehört hätte, wäre ich ihm nicht so nahe gewesen. Perplex, sah ich ihn an, und wußte nicht recht, was er mir sagen wollte. "...unsere Beziehung", fügte er ruhig hinzu, "...es ist mehr, als nur Freundschaft, hab ich recht?", und mein Herz hämmerte gegen meine Brust, als würde es jeden Moment zerspringen. Beziehung... es war mehr... ja, für mich war es das... "Was meinst du?", lächelte ich verschmitzt, während ich verzweifelt versuchte, meine Finger möglichst unauffällig wieder unter dem Gummibund seiner Shorts hervorzuziehen. "Liebst du mich?", kam die nächste Frage, in ähnlich traurigem Ton. Was? Hatte er das tatsächlich gefragt? Was sollte ich sagen? In meinem Kopf rauschte es, plötzlich wurde alles vor meinen Augen weiß, ich schluckte tief... zögerlich, brachte ich ein heiseres "Ja" hervor und wandte meinen Blick deprimiert von ihm ab, als wäre es etwas, wofür ich mich schämen müßte. Momente vergingen so und ich spürte, wie Shuichi mich einfach nur ansah. "Dann bin ich glücklich...", meinte er schließlich und gab mir einen kurzen süßen Kuß auf die Wange. Wieder einmal, konnte ich nur verwirrt blinzeln und grübeln, was er meinte, doch er besaß die Güte, mich nicht lange im Ungewissen zu lassen. "Es gibt Menschen, die niemals jemanden finden, den sie wirklich richtig lieben... in meinem Leben gibt es gleich zwei davon.. dafür bin ich dankbar..." und er lächelte so warm, das mir ein Schauer, wie tausend Schmetterlinge, über die Haut ging. War das wirklich war? Ich betete, daß ich nicht gleich wieder in meinem Bett erwachen und auf meine weiße Decke starren würde. Ich hoffte es so sehr... Ich lächelte ebenfalls, als ich bemerkte, wie kalt Shuichis Haut immernoch war. Eilig, sprang ich aus dem Bett auf und zog Hemd und Hosen aus, um das Licht auszuschalten und dann wieder zu Shuichi ins Bett zu klettern. Ohne weitere Worte, zog ich die Decke über uns und nahm ihn in meine Arme. Mein Leben lang würde ich ihn wärmen, wenn er es sich wünschte.. Kichernd, kuschelte er sich an mich und warf ein Bein über meine Hüften, was mich doch irritierte. Schlief er immer so? Ich brauchte etwas, um es zu verarbeiten, ehe ich meine Hand auf seinen Ober- schenkel legte und ihn zärtlich zu streicheln begann. "Hiro...?", schnurrte Shuichi leise, während seine Finger Kreise auf meiner Brust zogen. Er schien plötzlich so zierlich, wo ich ihn endlich in den Armen halten konnte. So schlank, nicht zerbrechlich, aber verletzlich... "Mhm?", summte ich zufrieden. Wenn es nach mir ginge, könnte die Zeit jetzt stehen bleiben, denn morgen früh, würde er wieder zu Yuki gehen. Auch wenn er mich liebte, so könnte ich IHN doch niemals ersetzen... Ich öffnete die Augen und erwartete in sein süßes Gesicht sehen zu können, traf stattdessen aber auf eine schlitzäugige Fratze. "Also was dieses Foto auf deinem Nachttisch betrifft...", und seine Stimme hob sich beängstigend... Mist, erwischt! Ich hatte doch tatsächlich vergessen, das Foto von ihm im Schlaf umzudrehen... ärgerlich, im Nachhinein, aber ich war ertappt... Ein kleiner Schweißtropfen bildete sich an meiner Stirn. "Ähehe...", lachte ich irritiert, "...was ist damit?", und versuchte so lieb zu lächeln, wie ich nur konnte, damit er mir nicht all zu böse war. Entgegen allen meinen Erwartungen, allerdings, gab er mir einen Kuß auf die Nase und lächelte. "Dreh es um, heute Nacht brauchst dus nicht... ich lauf nicht weg...", und mit diesen Worten kuschelte er sich enger an mich und schloß die Augen. Ich lachte und klappte das Foto um. Diese Nacht wäre es kein Traum. Diese Nacht lag er tatsächlich in meinen Armen und ich würde ihn nicht wieder gehen lassen. Wenn dort auch nur ein Funken Hoffnung für mich war, dann würde ich nicht aufgeben... Ich hoffte weiterhin auf seine Liebe... Und wie ich allmählich spürte, daß ich ins Land der Träume entschwand, hörte ich plötzlich wieder diese eine Melodie in meinen Gedanken. "Don't go wasting your emotions... lay all your love on me" ~ ~ Owari ~ ~ by Calypso back |
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