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Erste Begegnung von Ayumi ============================ There is no such thing as fate Crying, anger, an unopposable power of Irrationality, however the most Pleasant feeling is the law of „passion“ (Maki Muakami / Gravitation – The Manga) Die Worte ‚ich liebe dich’ sind heutzutage nur noch eine hohle Phrase, die jeder gebrauchte, wie er wollte. Ihre ursprüngliche Bedeutung war schon längst verloren gegangen. Deswegen hatte sich Yuki Eiri abgewöhnt diese Worte zu benutzen, sei es nun sie laut auszusprechen oder in einem seiner Bücher zu gebrauchen. Zwar schrieb er fast ausschließlich Liebesromane, doch die Worte ‚ich liebe dich’ kamen den Protagonisten dort nie über die Lippen. So wie er sich abgewöhnt hatte ‚ich liebe dich’ zu sagen, so hatte er sich auch abgewöhnt Dinge zu tun, die die Gesellschaft als normal definierte oder die von allen getan wurden. Er lebte fast schon zurückgezogen in seinem großen Appartment in der Nähe von Tokyos Zentrum. In einer der obersten Etagen versteht sich. Der Ausblick auf Tokyso Skyline war phantastisch, vor allem Abends, wenn die letzten Strahlen der Sonne sich an den riesigen Glasgebäuden vorbeischlichen und sein Wohnzimmer rot färbten. Aus diesem Grunde hatte er sich auch die Wohnung ausgesucht, da er geglaubt hatte, dass ihn die melancholische Stimmung, die dieser Naturprozess hervorbrachte, mehr zum Schreiben anregen würde. Dem war auch einige Zeit so gewesen, doch dann hatte der Anblick angefangen ihn zu langweilen und schon bald hatte er die Wohnung als überdrüssig empfunden. Das er noch in ihr wohnte, lag einzig an der Tatsache, dass er noch keine bessere gefunden hatte und er den nahe liegenden kleinen Park liebte, in dem er öfter spazieren ging, um einen klaren Kopf zu bekommen. Auch jetzt ging er hier spazieren. Lauschte den fast lautlosen Geräuschen, die hier zu hören waren. Die meisten waren bereits erstorben, da schon längst die Sonne untergegangen war, um dem Nachtleben Platz zu schaffen. Eiri war das egal. In seinem Leben gab es keinen geordneten Rhythmus nach Tages- und Nachtzeiten, nur deadlines, an denen er seine Romane abzugeben hatte. Eine dieser Deadlines näherte sich bereits wieder mit rasanter Geschwindikeit und das fing an, ihn nervös zu machen, denn er war ein Perfektionist und die Story an der er arbeitete gefiel ihm zunehmend weniger. Vielleicht war er auch deshalb wieder hier, um diese späte Uhrzeit, weil er es Zuhause in der Nähe seines PCs nicht mehr ausgehalten hatte. Natürlich war das lächerlich, denn die Story war gut, das wusste er. Sie würde bei den Frauen gut ankommen, wie immer, aber dennoch konnte er sie nicht leiden. Obwohl er eigentlich nie die Bücher, die er schrieb leiden konnte, eben weil sie alle von Liebe handelten. Er glaubte nicht an die Liebe. Nur an die Bedingungslose und die existierte nun einmal nicht. Nirgendwo. Schon oft hatte er sich überlegt mit dem Schreiben aufzuhören, auch weil er das Gefühl hatte, dass es zunehmend ein blosses Mainstream und Marketingprodukt wurde, oder zumindest das Genre zu wechseln, aber Liebesromane zu schreiben war das einzige, was er wirklich tun wollte. Es wurde einmal heftig an der Zigarette, die er sich vor einigen Momenten angezündet hatte, gezogen. Doch schon seit langem half ihm das Nikotin nicht mehr, es war nur noch ein Suchtmittel, von dem er nicht loskam bzw. loskommen wollte. Es störte ihn bei seinem vielen Zigarettenkonsum wenig, ob er vielleicht bald schon wegen Raucherlunge, Lungenkrebs oder dergleichen, sterben würde. Im Gegenteil, manchmal wünschte er sich sogar einfach einzuschlafen und nie wieder aufzuwachen, dann wäre mit seinem sinnlosen Leben endlich Schluß, doch dafür war sein tiefstes Inneres zu ergeizig. Außerdem war sein Leben doch bereits schon besser geworden, denn statt Frauen, Rauchen und Alkohol, gab es jetzt nur noch Rauchen und Alkohol in seinem Leben. Er hatte aufgehört sich jeden zweiten Abend in irgendeinem Club die Zeit zu vertreiben und am nächsten Morgen neben einer Fremden aufzuwachen. Tohma, sein Freund, hatte ihn ermahnt, dass er so auch nicht glücklicher wurde. Also hatte er es sein gelassen, obwohl er jetzt auch nicht glücklicher war. Aber wie konnte auch jemand, der andere Menschen und sich selbst hasste, glücklich werden? Der Blick seiner seltsam grünen Augen verschwand nach oben, wo sich das schwarze Abendzelt erstreckte. Gegen die elektrische Helligkeit, die außerhalb des Parks herrschte, kam das fahle Mondlicht schon lange nicht mehr an. Manchmal fühlte er sich genau so wie dieses. Immer leuchtend, immer anwesend, aber nicht mehr wirklich existent. Unnütz geworden. Hier im Park, gab es nur vereinzelt an den Hauptwegen Strassenlampen, die den wenigen Besuchern um diese Uhrzeit, ein wenig den Weg wiesen. Gerade war er unter einen dieser stehen geblieben und warf ihr einen langen Nachdenklichen Blick zu, dann richtete er ihn wieder nach vorne. Vielleicht war es an der Zeit wieder zurückzukehren in seine Wohnung. Morgen hatte er einige Termine, so wie auch ein längeres Fernsehinterview, es wäre vielleicht nicht schlecht wenigstens ein paar Stunden Schlaf zu bekommen. Und sollte er nicht schlafen können, konnte er wenigstens über sein Buch grübeln, dann musste er nicht Gedanken an sein Leben verschwenden. Zu dem hatte sich der kühle Abendwind gewendet und blies ihm nun direkt ins Gesicht. Das Licht am Ende seiner Zigarette hatte begonnen zu flackern und wurde immer schwächer. Er sollte definitiv nach Hause gehen. Also strich er sich noch kurz durch das helle blonde Haar, das ihn so sehr von all den andere Japanern unterschied und nicht gefärbt oder getönt war, dann setzte er sich wieder in Bewegung. Lief diesen scheinbar endlosen Weg entlang, an dem in regelmäßigen Abständen kleine Lichtinseln waren. Und dann passierte es. Etwas das aussah wie ein Blatt Papier schwebte vom Wind getragen durch die Luft, wie ein kleines dem Meer ausgeliefertes Schiffchen. Ohne wirklich darüber nachzudenken griff Eiri danach. Sein Erstaunen war gross als er darauf die Zeilen eines lyrics war. Der Lyric eines Liebesliedes. Doch als er ihn durchlas stellte er fest, wie schwach dieser war. Ihm fehlte jegliche Tiefe, die die Gefühle ausdrücken, die so ein Liebeslied zu dem machten, was es sein sollte. Wer immer diesen geschrieben hatte, hatte wohl noch nie richtig geliebt im Sinne von Lieben, oder war ein hoffnungsloser Narr ohne Talent. Wahrscheinlich traf eher letzteres zu. Als er von dem kleinen Wisch in seiner Hand aufblickte, sah er auch den Urheber, der ihn aus grossen violetten Augen anstarrte. Wahrscheinlich hatte der Wind ihm das Papierstück aus den Händen gerissen, doch das war auch ganz gut so gewesen, denn noch einen nutzlosen Song mehr brauchte diese Welt nicht. Es gab genug Sänger und Gruppen, die kein Fünkchen Talent besassen und mit ihrer lächerlichen Musik den Markt überströmten. Wahrscheinlich gehörte dieser Junge mit seinem seltsamen pinken Haaren auch dazu. „Hast du das geschrieben?“ fragte ich schlicht. „Äh.. ja“, antwortete er zögernd und offensichtlich irritiert. Seine Stimme war dunkler als ich gedacht hätte und passte im ersten Moment so gar nicht zu ihm. „Schlechter als von einem Hauptschüler. Du solltest bei deinem Mangel an Talent keine Liebeslieder schreiben“, sagte ich noch, bevor ich das Blatt wieder dem Wind übergab. Es war besser ihm jetzt die schonungslose Wahrheit zu sagen, als wenn er es später einmal aus irgendwelchen Klatschzeitungen lesen konnte. So konnte er noch aufhören, bevor er begonnen hatte. Eiri begann seinen Weg wieder fortzusetzen und blieb nur noch ein letztes Mal neben dem Pinkhaarigen stehen. Er zog an seiner Zigarette und blies den grauen Rauch in den dunklen Himmel. „Du hast null Talent. Gib auf!“ Dann ging er weiter. Im nächsten Moment dachte er auch schon kaum mehr an den Zwischenfall, der den Abend für einen Augenblick hatte anders werden lassen als alle anderen, denn wahrscheinlich würde er diesem Jungen nie wieder begegnen, wozu also unnötig Gedanken verschwenden? |
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